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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Auszug aus dem Buch

Aufbruch nach Santiago - Band II

Der Allier - einer der schönsten und wilden Flüsse in Europa

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Die Quelle des Allier entspringt in 1500m Höhe in den Bergen der Cevennen, ein Gebirgszug am südlichen Rand des Zentralmassivs. Er ist der größte Nebenfluss der Loire und durchfließt in nördlicher Richtung eine naturbelassene Landschaft.

 

Auf seinem langen Verlauf, über 400 km, fließt er stetig bergab und kreuzt immer wieder kleine Wehre. Kurvenreich durchfließt er manchmal wild und abenteuerlich Waldschluchten mit bizarren Felswänden. Und an anderer Stelle fließt er sanft durch wunderbare hügelige Vulkanlandschaften. Oft verzaubert der Allier an seinen Ufern mit einsamen urwaldartigen Auwäldern die Landschaft. Kleine sandige Kiesbetten und Strände in Ufernähe laden zum Baden ein. Für Kanu- und Kajakfahrer ein Paradies – sie können den Fluss an manchen Stellen als Wildwasser voll erleben. Wanderfahrer nutzen die kleinen Wehre und können über die Bootsrutschen ihre Flussfahrt fortsetzen.

 

Am nächsten Tag unserer Pilgerreise durch die Auvergne, unsere Sachen waren wieder trocken, marschierten wir los. Das Wetter war trüb und regnerisch, Regenzeug war angesagt, also in voller Montur, trotzdem hatten wir gute Laune. Den Duft des aufsteigenden Nebels aus dem Tal in der Nase verspürten wir einen angenehmen Geruch. Es war ein Duft von frischen, saftigen, grünen Wiesen von den Uferauen des Allier. Wir überquerten den Fluss und gingen auf der rechten Seite des Allier Richtung Süden. Heute wollten wir die Stadt Brioude erreichen, eine wichtige Station auf unserem Jakobsweg. Vor uns liegt eine großartige Etappe durch eine der schönsten Flusslandschaften in der südlichen Auvergne. 

 

                                 Landschaft in der Nähe von Saurier

 

Über die bewaldeten Hochflächen mit Feldern und Wiesen geht es weiter durch das Flusstal. Wir durchquerten dabei kleine Ortschaften wie: Parentignat, Les Pradeaux und Orsonnette. Wenig später erreichten wir den malerischen Ort Auzat-sur-Allier, gegenüber liegt La Combelle, was so viel heißt wie Nachtigal. Hier fließt die Alagnon, die aus den Bergen des Cantals kommt, in den Allier. Durch das Zusammentreffen der beiden Flüsse nimmt die Strömung an dem Ort „Saut du Loup“ kurzweilig kräftig zu. Für uns ein herrlicher Ort, der zum Verweilen einlädt. Auf der rechten Flussseite sehen wir hoch über dem Allier die stolze Burgruine „Château Cocu“. Die Region war einst von Bergbau geprägt, der Kohleabbau wurde noch bis Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhundert betrieben. Der Fluss war zugleich Transportweg für Holz und das begehrte schwarze Gold, die Kohle. Nach der Verschnaufpause ging es weiter flussaufwärts durch die kleinen Ortschaften Jumeaux und Brassac-les-Mines bis nach Auzon.

 

Ein alter mittelalterlicher Pilgerort auf dem langen Weg nach Santiago de Compostela. Auzon liegt auf 441m Höhe am Rande des Naturparks Livradois-Forez. Hier kreuzen sich zwei alte Pilgerwege, der eine führt nach La Chaise-Dieu und der andere nach Brioude. Jedoch erreichen auch beide Routen Le Puy-en-Velay und die Via Podiensis, eine der ältesten Jakobswege durch Frankreich. Wir entschieden uns noch etwas weiter dem Flusslauf zu folgen und über Brioude bis nach Langeac zu wandern. Sehenswert der historische Ortskern mit seiner romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert und die alten Gassen mit Kopfsteinpflaster.  

 

Kornfelder im Tal der Allier

 

Wir verließen den schönen Ort Richtung Allier und überquerten den Fluss. Auf der anderen Flussseite erreichten wir nach einer landschaftlich reizvollen Wanderung kleine Ortschaften wie Lubiéres, Ouillandre und Cohade. Über die weiten Felder ging es auf einer kleinen Straße nach Flageac und wir erreichten den Großraum von Brioude. In der Ferne sahen wir schon die Basilika Saint-Julien, sie liegt mitten in der malerischen Altstadt.

 

Pilgerort Brioude

 

Am frühen Abend völlig erschöpft erreichten wir den großen Pilgerort. Bekannt ist Brioude durch seine Wallfahrten zum Grab des Heiligen St. Julien – ein römischer Soldat, ein Christ, der hier um das Jahr 304 seinen Märtyrertod fand. Seine Grabstätte befindet sich in der Krypta der Stiftskirche (Basilika) Saint-Julien. Die Kirche zählt zu den schönsten und geschichtsreichsten romanischen Bauwerken der Auvergne.

 

Auch Pilgerströme im frühen Mittelalter besuchten den berühmten Wallfahrtsort oberhalb des Flusses Allier. So kamen auch Jakobspilger aus dem Norden des Landes, z.B. dem heutigen Clermont-Ferrand oder Ambert und gingen über die so genannte Nebenroute Richtung Südfrankreich (Pyrenäen) und weiter nach Spanien. Dieser Pilgerweg lag zwischen den Hauptrouten der Via Lemovicensis (Beginn in Vezelay) und der Via Podiensis (Beginn in Le Puy-en-Velay). Durch die Kriege (Kreuzzüge) und Streitigkeiten zwischen Frankreich und England mussten Jakobspilger immer wieder den Hauptrouten ausweichen und alternative Wege suchen, es war eine schwierige und gefährliche Pilgerreise durch Frankreich.

 

                                       Basilika Saint-Julien, Brioude

 

Für uns im 21. Jahrhundert etwas leichter – wir konnten uns die Wege aussuchen. Zum größten Teil sind die Wege markiert, doch es geht genau wie im Mittelalter über alte Wegnetze z.B. (Römerstraßen) durch einsame Naturlandschaften. Nur hin und wieder in den Großstädten überquert man Autobahnen und verkehrsreiche Straßen. Auch bei den Übernachtungen haben wir mit Zelt die Möglichkeit, die Freiheit längst vergangener Zeiten zu genießen. Die Nächte unter einem klaren Sternenhimmel zu verbringen ist ein besonderes Highlight unserer Pilgerreise.

 

Etwas außerhalb, ca. 1 km von Brioude entfernt, fanden wir eine etwas abseits der Straße gelegene Stelle. Hier konnten wir gut übernachten und am nächsten Morgen in der Altstadt unser verdientes Frühstück mit einer große Tasse Kaffee genießen. Der Abend war mild und so setzten wir uns noch eine Weile vor dem Zelt hin und ließen die Nacht mit einer Flasche französischen Rotwein hereinbrechen. Die Schmerzen der Füße waren wie weggeblasen – es ging uns sichtlich gut. Nach 7 Stunden ausreichenden Schlafs machten wir uns langsam auf und gingen zum Frühstück in die Altstadt. Vorher machten wir noch einige Besorgungen und schrieben beim Kaffee einige Ansichtkarten an unsere Familie im fernen Deutschland.

 

                                                 Saint-Ilpize et l'Allier

 

Dann ging es weiter – das Wetter war durchwachsen, zwar war es warm, doch konnte es jeden Moment anfangen zu regnen. Macht nichts, Regenzeug an und los geht es. Auf unserer heutigen Etappe geht es nach Lavoûte-Chilhac, die Ortschaft liegt an einer wunderbaren Flussschleife des Allier. Wieder aus der Altstadt hinaus erreichten wir nach 4 km die Ortschaft Vieille-Brioude (460m). Ein kleiner Ort mit einer 1000jährigen Geschichte, sehenswert ist auch die romanische Kirche Saint-Vincent oder die Bogenbrücke über den Fluss. Am Bergrücken folgen wir dem Tal des Allier an der linken Seite des Flusses in südlicher Richtung. Eine mediterrane Flusslandschaft eingebettet in weiche hügelige Berge und bewaldete Hänge.

 

Auf der kleinen Landstraße D585 wandern wir gemächlich weiter, immer wieder geht der Blick zum Fluss hinunter. Wir sehen kleine Sand und -Kieselbänke, kleine Inseln, auf denen Angler ihr Glück versuchen. Nach weiteren Kilometern erreichen wir den kleinen Weiler Lomenède und das Dorf Villeneuve-d´Allier. Eine moderne Brücke führt über eine der Schluchten des Alliers nach Ilpize, hoch oben liegt die Burg und Schloss Ilpize. Der Fluss ist hier eine natürliche Grenze zwischen den Hochebenen, dem Granit der Margeride und der vulkanischen Basaltlandschaft des Velay. Spektakulär ist auch die Natur mit ihrer besonderen Vielfalt an Flora und Fauna sowie die außergewöhnlichen Wildwasserfahrten auf dem Fluss, die wir beobachten konnten.

 

                    Kloster und Kirche Sainte-Croix, Lavoûte-Chilhac

 

Es ist einer der schönsten Abschnitte in der Auvergne im südlichen Massif Central. Mittlerweile spielt das Wetter wieder mit und wir können das reflektierende Sonnenlicht im Wasser beobachten. Wir legten eine ausgiebige Rast ein und genossen die angenehme kleine Brise, die über die Flussauen weht. Über Auzat und Laboue, kleine Dörfer auf dem Weg, geht es immer wieder durch Waldlandschaft und offene Felder. Wir erreichten am Nachmittag den schönen Ort Lavoûte-Chilhac. 

 

„Traumhafte Flussschleife in Lavoûte-Chilhac“

 

Dieser mittelalterliche Ort liegt an einer wunderschönen Flussschleife des Allier. Über einer mittelalterlichen Bogenbrücke geht es zum alten Kloster und der Kirche Sainte-Croix aus dem 15. Jahrhundert. Wie auf einer magischen Insel umkreist der Fluss die Klosteranlage, die wie eine Festung zwischen dem Flussbett liegt, im Schutz des Allier. Schon im 11. Jahrhundert baute der Heilige Saint Odilon von Mercoeur, der fünfte Abt von Cluny, eine Kapelle, auf deren Fundamenten die Klosteranlage gebaut wurde. Mit einer Länge von 45m und 13m Breite sowie 18m Höhe ist es heute ein Denkmal gotischer Baukunst.

 

Ein außergewöhnlicher Ort von Mythen und Legenden umrankt. So fand im 15. Jahrhundert ein verliebtes Pärchen an den Ufern des Allier einen schönen geformten Kieselstein. Als sie den Stein als Zeichen ihrer treuen Liebe berührten, zerbrach er und setzte eine 1,5 cm große Marienfigur frei. Vor Freude, ihr Schicksal für einander bestimmt zu haben und aus Dankbarkeit, brachten sie die Hl. Reliquie zu den Mönchen ins Kloster.

 

                                                           Langeac 

 

Von der schönen Geschichte inspiriert blieben wir in Lavoûte-Chilhac und bauten direkt am Ufer unser Zelt auf. Wir waren nicht die einzigen – Kanuten, die am nächsten Tag den Allier flussabwärts fahren wollten, hatten auch ihr Zeltlager aufgebaut. Es war eine angenehme ruhige Vollmondnacht, das Mondlicht spiegelte sich zauberhaft im Fluss – und das leichte Rauschen des Flusses ließ uns von vergangenen Zeiten träumen. Am nächsten Morgen verließen wir den schönen Platz und die Ortschaft in südlicher Richtung. Zum letzten Mal ein Blick zurück und hinter der nächsten Flussbiegung verschwand Lavoûte-Chilhac. Kurz danach erreichten wir St. Cirgues, der ehemalige  Wohnsitz der Herren von Mercoeur. Beeindruckend der achteckige Glockenturm der Pfarrkirche aus dem 12. Jahrhundert sowie die mittelalterlichen Wandmalereien (Fresken) aus dem 12. Jahrhundert.

 

Weiter folgten wir dem Flusslauf, kurvenreich schlängelt er sich durch die schöne Landschaft. An manchen Stellen legten wir ausgiebige Pausen ein und schauten dem lebhaften Treiben auf dem Wildwasser zu. Freizeitsportler wie Angler, Kanuten,- Kajak- und Raftingfahrer sahen wir ständig. Aber auch nur Badende, die auf den Kiesbetten saßen, nutzten die Möglichkeit, die ihnen der Fluss bot, es blieben keine Wünsche offen. Eine erlebnisreiche Tagesetappe, über die kleine Ortschaft Reilhac erreichten wir am Nachmittag den Pilgerort Langeac.   

 

                                      Über die Hochebene des Velay 

 

Langeac (507m) liegt am linken Ufer des Allier und ist eingebettet in den nahen Bergen. Er ist zugleich Ausgangspunkt für verschiedene Pilgerroten nach Brioude, Saugues, Le Puy-en- Velay und Saint-Flour. Das „Tor der Margeride“, wie es auch genannt wird, ist der Beginn einer interessanten Route, die Durchquerung der wilden Schluchten mit ihren Granit- und Basaltsteinlandschaften. Unser Weg führte uns nach der kleinen Besichtigung weiter Richtung Osten nach Le-Puy-en-Velay, hier beginnt die Pilgerstrecke der Via Podiensis.

 

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Bernd Koldewey: "Aufbruch nach Santiago" - Band II: Von Vézelay bis nach Le Puy-en-Velay, Taschenbuch, Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 1. Auflage, Februar 2011, 144 S., 18,90 € - Dieses Buch ist mit zahlreichen Farbabbildungen ausgestattet. ISBN 978-3-8423-1960-8 - Dieses Buch kann ab sofort über den Buchhandel oder über das Internet, beispielsweise bei Amazon.de bestellt werden.

 

 

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"Aufbruch nach Santiago"

- Band II -

Von Vézelay bis

nach Le Puy-en-Velay

 

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