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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

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Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Durch das romantische Ahrtal

Von Altenahr bis nach Blankenheim

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Die Ahr mit ihren idyllischen Dörfern, Kirchen und Kapellen in der nördlichen Eifel, auch Ahreifel genannt, führte uns im Wonnemonat Mai wieder auf Spuren des Apostels Jakobus. Bei wunderbarem Frühlingswetter setzten wir unsere Forschungsreise in Altenahr fort. Damals, im Oktober 2009, begann die Spurensuche durch das romantische Ahrtal in Sinzig am Rhein und führte uns schließlich nach Altenahr.

 

         

                         Ahrtalweg                                         Burg Kreuzberg (Altenahr)

 

Mein Freund und langer Weggefährte Dr. Rüdiger Schneider, bereiste das Ahrtal bereits des öfteren. Er fand bereits zahlreiche Zeugnisse früherer und gegenwärtiger Jakobusverehrung, die zeigen, dass das Ahrtal auch für Jakobspilger eine wunderbare Möglichkeit des Weges ist. So lud er mich ein auch den zweiten Streckenverlauf der Ahr, den Mittel- und Oberlauf des Flusses bis nach Blankenheim, gemeinsam zu erkunden. Sofort machte ich mich auf den Weg, packte die Grundausstattung (Zelt und Schlafsack) einer mehrtägigen Reise zusammen und reiste nach Bonn. Am nächsten Tag fuhren wir mit der Rhein-Ahr-Bahn (RB30) nach Altenahr, unseren Ausgangspunkt. Diese Bahn fährt die fast 30 km lange Strecke Bonn – Remagen – Ahrbrück im Stundentakt.

 

Die Ahr linker Nebenfluss des Rheins, ist ein naturbelassener Fluss, sie fließt von ihrer Quelle in Blankenheim (Eifel) durch das romantische Ahrtal bis zum Rhein; bei Remagen-Kripp mündet der Fluss schließlich nach knapp 90 km in den Rhein. Die Ahr fließt durch traumhafte Landschaften mit sanften grünen Hügeln, an Weinbergen und an bizarren Felsen vorbei, auf denen viele Burgen thronen. Natur pur, saftige Auenlandschaften, Wälder und Wiesen wechseln sich ab, in den Tälern und an dessen Ufern befinden sich malerische Orte.     

 

Der romantische Weinort Altenahr liegt an einer Flussschleife der Mittelahr und ist umgeben von Bergen mit edlen roten Reben, bekannt als das Rotweinparadies Deutschlands. Doch nicht nur der gute Tropfen des Ahrweins lockt viele Besucher in dieses idyllische Gebiet, sondern auch seine vielen touristischen Orte, Wanderwege und Burgen und Schlösser wie die der Burgruine Are und die heute noch bewohnte Burg Kreuzberg (Privatbesitz), sie thront auf einem Felsplateau über dem gleichnamigen Stadtteil hoch über der Gemeinde Altenahr. Besichtigen kann man nur die spätbarocke St. Antonius Kapelle, die seit 1786 zur Burganlage gehört. Altenahr gehört zum Landkreis Ahrweiler und befindet sich in Rheinland-Pfalz.  

 

           

                     Burgruine Are, Altenahr                Pfarrkirche Maria Verkündigung, Altenahr

 

Das touristische Städtchen hat einiges zu bieten wie schon die erwähnte auffällige Burgruine Are. Die Burg wurde Anfang des 12. Jahrhundert von Graf Dietrich I. von Are erbaut. Es war eine strategische Höhenburg mit alten Wehrmauern, sie wurde von den Franzosen belagert und erobert und diente den Kölner Erzbischöfen als Gefängnis. Im Ort befinden sich viele alte Bruchstein- und Fachwerkhäuser sowie die sehenswerte Pfarrkirche Maria Verkündigung. Die im spät-romanischen Baustil erbaute katholische Kirche (12./13. Jahrhundert) war lange Zeit, das geistige Zentrum des mittleren Ahrtals. Ihr reiches Inventar an Kunstschätzen zeugt von einer großen Epoche christlicher Vergangenheit.

 

Wir durchquerten den kleinen Ort Kreuzberg und wandern auf dem Ahrtalweg, nun ging es ein paar Kilometer an der Trasse der Ahrtalbahn und an blühenden Obstbäumen vorbei. Bald erreichen wir den Ortsteil Pützfeld, der zur Gemeinde Ahrbrück gehört. Hier befindet sich etwas oberhalb der Ahr an einem Felshang (Biebelsley), die wunderschöne Marien-Wallfahrtskapelle zu Pützfeld.  

  

Marien-Wallfahrtskapelle zu Pützfeld

 

Rüdiger Schneider war schon einige Male hier und besuchte die barocke Kapelle. Dabei lernte er den ehrenamtlichen Verwalter der Kapelle kennen, Herrn Rudolf M. Thomi, der auch die Festschrift zur 300-Jahr-Feier der Weihe des Hochaltars der Marien-Wallfahrtskapelle zu Pützfeld herausbrachte. 20 Jahre (1969-1989) lang war er Bürgermeister der Gemeinde Ahrbrück, mit viel Fleiß und Einsatz sorgte er für die Innen- und Außen-Renovierung der Kapelle, die bis heute von ihm instand gehalten wird. Dank seiner Jahrzehnte langer und leidenschaftlichen Unterstützungen für dieses Kleinod können Pilger und Kunstfreunde sich an einem wahren Kirchenschatz erfreuen. Schmuckstücke der Kapelle sind natürlich der prächtige barocke Hochaltar und seine zwei Seitenaltäre von 1681, geweiht der hl. Dreifaltigkeit, der hl. Jungfrau Maria und dem hl. Antonius von Padua. Aber auch drei heilige Frauen, Schutzheilige unter den „14 Nothelfern“ wie St. Barbara, St. Katharina und St. Margarete werden in der Kapelle zu Pützfeld verehrt.

 

             

                    Felshang (Biebelsley)                        Marien-Wallfahrtskapelle zu Pützfeld

 

Jeden Dienstag findet in der Wallfahrtskapelle am Nachmittag (15.15 Uhr) eine Pilgermesse statt. Wir hatten Glück und schafften es noch rechtzeitig an der Pilgermesse teilzunehmen. Auch Herr Rudolf Thomi war schon mit seiner Frau vor Ort und hatte alles vorbereitet. Die Kapelle war bis auf den letzten Sitzplatz und die Stehplätze belegt. Aus der Kirche klang von den gläubigen Menschen das Rosenkranzgebet nach außen. Ein wenig lauschten wir der andächtigen christlichen Frömmigkeit der Betenden. Mit dem Ave Maria und dem Gebet des Vater Unsers umgab uns eine mystische Atmosphäre, Zeugnis des tiefen Glaubens in der Gemeinschaft. Wir fanden noch einen Platz und nahmen an dem festlichen Pilgergottesdienst teil. Auch eine Pilgergruppe aus Bad Neuenahr war anwesend. Von der Orgelempore aus sang ein  Chor aus Altenahr einige wunderschöne Kirchenlieder, begleitet wurde er von der schönen barocken Orgel. Zum Ende des Gottesdienstes reichten sich alle Gläubige die Hände, ein Zeichen des Friedens.

 

         

                     Dr. Rüdiger Schneider im Gespräch mit Herrn Rudolf M. Thomi.  

                     Der barocke Hochaltar der Marien-Wallfahrtskapelle zu Pützfeld

 

Interessant für Jakobspilger ist, dass es in der Kapelle hinter einer gesicherten Vitrine einen Kaselstab mit Jakobusstickerei gibt. Die Stickerei zeigt den hl. Jakobus mit Schwert, Buch und Muschel. Auch die Jakobsmuschel findet man in der Kapelle zu Pützfeld, sie befindet sich über den Chorbogen im Wappen (drei Pilgermuscheln) des Freiherrn Werner Dietrich von Friemersdorf zu Pützfeld und seiner Ehefrau Maria Magdalena Elisabeth geb. Scheiffart von Merode zu Allner. Sie sind die Stifter und Erbauer der Marien-Wallfahrtskapelle. Auch im Gemeindewappen der Ortschaft Ahrbrück befinden sich drei Pilgermuscheln. Ein Indiz für eine Jakobuspilgerschaft? Stifter des Hochaltars ist Goswin Scheiffart von Merode, ein Deutschordensritter. Pützfeld war einst Rittersitz und hatte eine Burg.

 

         

Wappen (drei Pilgermuscheln) des Freiherrn Werner Dietrich von Friemersdorf zu  Pützfeld und seiner Ehefrau Maria Magdalena Elisabeth geb. Scheiffart von Merode zu Allner.

 

Der Ortsteil Pützfeld wurde im Prümer Urbar 893 erstmals erwähnt und bildet zusammen mit den Ortsteilen Denn und Brück die heutige Gemeinde Ahrbrück. Interessant ist, dass in der Gemeinde noch zwei weitere Kapellen existieren, die Katharinenkapelle in Brück und die Rochuskapelle im Ortsteil Denn. Die Apollinariskapelle in Pützfeld wurde wegen Baufälligkeit 1921 abgerissen.

 

Nachdem wir an der beeindruckenden Pilgermesse teilgenommen hatten, übernachteten wir auf dem nahgelegenen Campingplatz „Gut Pützfeld“. Ideal und wunderbar an der Ahr gelegen mit Blick auf die Wallfahrtskapelle. Doch die Nacht im Zelt war recht kalt, bei minus 3 Grad, hatten wir mit unseren Schlafsäcken die Grenze erreicht. Doch mit ein paar heißen Grogs, die wir uns mit dem Kocher zubereitet hatten, war es noch auszuhalten.

 

         

               Campingplatz "Gut Pützfeld"                      Ahrbrücke in Brück (Ahrbrück)

 

Von Ahrbrück bis nach Schuld

 

Am nächsten Morgen stiegen die Temperaturen wieder an, so ist es nun mal in der Eifel, so kurz vor den Eisheiligen. Das Wetter spielte jetzt wieder mit, blauer Himmel und Sonnenschein, die kalte Nacht hatten wir schnell vergessen. Nach einem kräftigen Kaffee setzten wir unsere Ahr-Exkursion fort. Wir erreichten den Ortsteil Brück und sahen die Katharinenkapelle oberhalb der Ahr, dann überquerten wir den Fluss und es ging durch das Pütztal weiter Richtung Hönningen/Liers. Wir nutzten den gut ausgebauten Ahrtalweg, beschildert mit dem Buchstaben „A“ des Eifelvereins führt er teilweise über die Trassen des ehemaligen zweiten Gleises der Ahrtalbahn. Die Ahrtalbahn war ein linksrheinischer Streckenabschnitt, der 1880-88 von Remagen bis nach Adenau führte. Im zweiten Weltkrieg wurden die Gleise und Brücken von den Alliierten und den deutschen Sprengungen stark beschädigt. Im Juni 1985 wurde schließlich der Personenverkehr auf der Strecke Kreuzberg-Adenau eingestellt. 1997 folgte die Einstellung des Güterverkehrs und 2001 wurden die letzten Gleise nach Hönningen abgebaut.    

 

          

         Ahr und Katharinenkapelle in Brück               Pfarrkirche St. Kunibert, Hönningen

 

Über fruchtbare Felder geht es an Hönningen vorbei, in der Ferne sahen wir die katholische Pfarrkirche St. Kunibert, kurz danach erreichten wir die St. Hubertus-Kapelle aus dem 17. Jahrhundert.

 

Fortsetzung folgt...        

 

 

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Herne, 15. Mai 2011  

 

 

Siehe auch den Artikel:  

Durch das romantische Ahrtal

Von Sinzig am Rhein bis nach Altenahr »»»

 

  

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von Julian Kloss, Kurzschluss - das Jugendmagazin 

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Jakobswege im Revier

Auf dem Weg zu Gott

Im Westen, 23.04.2011,

Martin Tochtrop (WAZ)

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