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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Bergisches Land

Von Wuppertal-Beyenburg bis zum Altenberger Dom

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Der Bergische Jakobsweg führt von Wuppertal-Beyenburg über Remscheid-Lennep und Wermelskirchen durch das idyllische Eifgenbachtal bis zum Altenberger Dom. Eine besonders schöne Jakobusroute, wo die Welt noch in Ordnung ist, es keinen Lärm und keine Hektik gibt, eben Natur pur.

 

Mittlerweile haben wir April und der Frühling ist da, doch der kann sich noch nicht richtig entscheiden. Die Temperaturen am Tag unserer Anreise lagen bei 2 bis 3 Grad über den Gefrierpunkt. Der Winter, der sich in diesem Jahr zeigte, ist recht hartnäckig, er will einfach nicht weichen. Dennoch machten wir uns auf den Weg und erreichten mit der Bahn den Wuppertaler Hauptbahnhof. Wir wechselten den Zug nach Oberbarmen und fuhren von hier mit dem Bus weiter nach Beyenburg. Der historische Ortskern mit seinen typischen bergischen Fachwerk- und Schieferhäusern sowie die beeindruckende Klosterkirche Sankt Maria Magdalena liegt eingebetet an einer Schleife der Wupper.

 

      

                   Beyenburger Freiheit                                 Klosterkirche Beyenburg

 

Beyenburg und die Klosterkirche des Kreuzbrüder-Ordens

 

Als wir ankamen, schüttelte Frau Holle noch einmal heftig die Betten und Schneeflocken fielen vom Himmel. „Was für ein Frühling!“, dachten wir. „Oder doch noch Winter?“ Egal, erst mal einen Kaffee zur Stärkung trinken. Nach einigen Metern in Beyenburg-Mitte (einst die Beyenburger Freiheit) und an der Pfarrkirche vorbei fanden wir ein nettes Café. Im Außenpavillon, der extra für die rauchenden Besucher angelegt wurde, genossen wir bei einer Zigarette mit Blick auf die Umgebung unseren Kaffee.

 

 

                                      Treffen mit dem Künstler Georg Nádas...

 

Hier lernten wir auch den Beyenburger Künstler Georg Nádas kennen. Er lebt seit vielen Jahren mit seiner Ehefrau, die Musikerin ist, in Beyenburg. Gekennzeichnet von einem Schlaganfall erzählt uns der aus Ungarn stammende nette Herr seine Geschichte. Nach einigen Minuten der Unterhaltung holte der begnadete Zeichner spontan zwei Pappteller aus dem Café nebenan und zeichnete mit Bleistift ein Porträt von uns. Wir waren überrascht und angetan, mit welcher Leidenschaft er uns abbildete. Er signierte die Zeichnungen mit den Worten „Hallelujah – Jesus lebt!“ Worte die uns sehr nachdenklich machten, eine wunderbare Begegnung und das gleich zu Beginn unserer Jakobus-Expedition. Von hier aus nochmals vielen Dank und liebe Grüße an den Künstler Georg Nádas.

 

     

   Bronzefigur der Maria Magdalena - Klosterhof - Bronzefigur des Gründers der Kreuzherren

 

Nach der Stärkung und der netten Überraschung ging es weiter Richtung Klosterkirche. Der leichte Schneefall hörte noch nicht auf und ließ die Umgebung und die Nähe zum Kloster etwas mystisch wirken. Das Kloster und die Kirche an heutiger Stelle wurden seit dem 14. Jahrhundert von den Mönchen des Kreuzbrüder-Ordens (1211 in Clair Lieu bei Lüttich gegründet) verwaltet. Doch weitaus früher (1298) schenkten schon die Grafen von Berg den Kreuzbrüdern ein Grundstück, es lag damals am alten Hanseweg am Herrenhof Steinhaus. In den Zeiten der Säkularisierung um 1803 wurden die Kreuzbrüder vertrieben und kehrten erst 1964 nach Beyenburg zurück.

 

         

              Chorraum mit Eierkrone                         Barocker Hochaltar der Klosterkirche

 

Die Patronin der Klosterkirche ist Maria Magdalena. Sie war Zeugin der Auferstehung Jesus. Sie war es, die die frohe Botschaft den Jüngern verkündete, dass Jesus auferstanden ist. Jetzt fielen mir wieder die Worte des Beyenburger Künstlers ein, der uns seine Zeichnung signiert hatte. War es ein Zufall? Wir besichtigten die einschiffige spätgotische Hallenkirche und bewunderten die prächtige barocke Ausstattung. Hier liegen auch Reliquien der Heiligen Odilia, sie ist Schutzpatronin des Elsass und des Kreuzherrenordens, auch sie wird hier verehrt. An der Außenanlage der Kirche und im Klosterhof befinden sich zwei Bronzestatuen, sie zeigen den Gründer der Kreuzherren, den Heiligen Theodorus de Celles und die Heilige Maria Magdalena. Nach der Besichtigung der Klosterkirche folgten wir der Beschilderung des Jakobswegs (Muschelzeichen), es ging hinab ins historische Zentrum von Beyenburg (Unterbeyenburg).

 

      

             Die Wupper am Schemm                                 Kapelle „Maria im Schnee“

 

Unterhalb der Staumauer des Beyenburger Stausees befinden sich viele Häuser bergischer Fachwerk-Architektur aus dem 18. Jahrhundert. Auffallend und typisch für die Gegend ist die Verschieferung der Fachwerkhäuser, die als Schutz gegen das feuchte regenreiche bergische Klima dient. In der Zeit der Frühindustrialisierung standen in Unterbeyenburg, nahe am Flussufer der Wupper, Mühlen und Fabriken, die vielen Menschen Arbeit boten. An der ehemaligen Wupperfurt geht es nun über die „Brücke am Schemm“ über die Wupper Richtung Stausee. Etwas flussaufwärts direkt am Ufer der Wupper befindet sich die kleine Kapelle „Maria im Schnee“, früher ein Ziegenstall und Waschhaus und seit September 2009 eine Pilgerstätte. Vorangegangen war der Tag zu Maria Lichtmess (2. Februar) 2008, auf wundersame Weise erschien auf der verschneiten Wiese der Klosterkirche ein geheimnisvolles Kreuzzeichen. Seit dieser Zeit verehren und besuchen viele Gläubige die Schwarze Madonna von Beyenburg.

 

      

         Beyenburg mit der Klosterkirche                          Die Wupper bei Beyenburg

 

Weiter geht es an einer Fischtreppe vorbei zum Beyenburger Stausee. Die aufgestaute Wupper dient unter anderem als Hochwasserregulierung und ist eine der kleinsten Talsperren im Bergischen Land. Von hier hat man nochmals einen grandiosen Blick über den Stausee und auf das historische Beyenburg. Einige Zeit geht es noch flussaufwärts durch das Tal der Wupper an einigen Bootsanlagen vorbei bis zur Brücke. Wir überqueren die Wupper und es geht steil aufwärts durch ein Waldgebiet Richtung Oberdahl (Radevormwald). Geschwungene Hügel und Wiesen prägen hier das Landschaftsbild des Bergischen Landes. Man hat eine gute Fernsicht über das Tal der Wupper bis hin nach Keilbeck, das auf der gegenüberliegenden Seite der Wupper Richtung Radevormwald liegt. Der Jakobsweg führt uns weiter über Felder und durch die kleinen Ortschaften Spiekern, In der Hardt und Frielinghausen, bis wir schließlich die Pilgerstation Remscheid-Lennep erreichten.  

 

        

              Hochfläche bei Oberdahl                                      Blick auf einem Weiler

 

Pilgerstation Lennep  

 

Die historische Altstadt von Lennep, geprägt durch ihre bergischen Fachwerkhäuser, ist eine der ältesten Städte im Bergischen Land. Mit der evangelischen Stadtkirche (14. Jh.), die vor der Reformation katholisch war und mit einem geweihten Jakobusaltar versehen war, ist Lennep für Jakobspilger eine feste Station geworden.

 

      

     Remscheid-Lennep mit Ev. Stadtkirche         Kirchenraum der evangelischen Stadtkirche

 

Der mächtige Turm der Kirche stammt noch aus dieser Zeit. Auch die katholische Pfarrkirche St. Bonaventura (19. Jh.) ist für Jakobspilger interessant, hier findet man ein Kirchenfenster mit einer Darstellung des Heiligen Jakobus.

 

               

               Pfarrkirche St. Bonaventura                            Kirchenfenster Hl. Jakobus

 

Lennep war im Mittelalter eine Tuchmacherstadt und lag an einer alten Handelsstraße, noch heute erinnern Häuser und Marktplatz an längst vergangene Zeiten. Ein weltbekannter Bürger der Stadt war der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen, er ist der Entdecker der Röntgenstrahlen, sein Geburtshaus und das Röntgenmuseum befinden sich ganz in der Nähe.

 

      

              Schieferhäuser in Lennep                                        Röntgenmuseum

 

Die nächste Station auf dem Jakobsweg, vorbei an der Eschbachtalsperre, ist die Stadt Wermelskirchen. Auch sie gehört zur ältesten Siedlungsgeschichte des Bergischen Landes. Hier beginnt wohl der landschaftlich schönste Teil des Bergischen Jakobswegs, er führt durch das bezaubernde Eifgenbachtal bis zum Altenberger Dom.

 

Durch das wildromantische Eifgenbachtal

 

      

         Fachwerkhaus in Wermelskirchen                      Ev. Stadtkirche Wermelskirchen

 

Nachdem wir in Wermelskirchen bei der Schwester meines Freundes übernachtet hatten, und ich herzlich in den Kreis seiner Familie aufgenommen wurde, machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg durchs Eifgenbachtal. Nach dem gestrigen Tag, der bei leichtem Schneefall und frostigen Temperaturen begann, bekamen wir heute einen Hauch von Frühling zu spüren, auf den wir alle so sehr gewartet hatten. Blauer Himmel und Sonnenschein, kaum zu glauben aber wahr, Frühlingsfeeling pur.

 

     

    Kirchturm St. Michael                 Kirchenschiff St. Michael            Altarschmuck, Jakobus

 

Wir machten uns auf den Weg, besuchten noch die zwei Kirchen, die katholische Pfarrkirche St. Michael und die evangelischen Stadtkirche in Wermelskirchen und setzten unsere Jakobusexpedition weiter fort. Gleich hinter der evangelischen Stadtkirche begann ein Wanderpfad durch eine Park- und Freizeitanlage, diese führte uns nach kurzer Zeit zum Eifgenbach. Der Eifgenbach ist ein naturnaher Mittelgebirgsbach, er entspringt am Rattenberg bei Wermelskirchen und fließt auf seiner 20 km langen Strecke langsam in südlicher Richtung hinab nach Odenthal und mündet dort in die Dhünn.   

 

      

               Jakobsweg Eifgenbachtal                                    Durch das Bachtal...

 

Jetzt nach der Schneeschmelze des langen Winters ist der Bach auf den Höhen des Bergischen Landes zum Fluss mutiert. Wir folgen der Wegmarkierung des Jakobswegs, eine traumhafte Kulturlandschaft, die uns erwartet, die auch seit Jahrhunderten von Menschen geprägt wurde. Die reiche Tier- und Pflanzenwelt des Eifgenbachtals ist faszinierend, jetzt nachdem sich die Sonne wieder zeigt, atmet die Natur auf. Nach einigen Kilometern bachabwärts erreichten wir die Berger Mühle, einst eine Getreide- und Fruchtmühle, heute ein Gehöft mit Fachwerkhaus (Wohnhaus) aus dem 17. Jahrhundert. Entlang des langen Tals wurde der Bach und seine Wasserkraft in vielen Bereichen genutzt. Die Mühlräder der 6 Mühlen am Eifgenbach drehten sich Tag und Nacht und man bearbeitete Getreide zu Mehl oder Lampen- und Speiseöl, Schmieden und Eisenverarbeitung sowie Pulvermühlen gab es hier auch.

 

      

          Eifgenbach bei der Berger Mühle                                    Neuemühle

 

Kurvenreich und in grüne Wiesen eingebettet schlängelt sich der Eifgenbach zur nächsten Mühle, die Neuemühle, südöstlich von Herrlinghausen. Hier können Pilger und Wanderer sich stärken und ausruhen, sie wird heute gastronomisch betrieben. Idyllisch geht es nach einer kleinen Stärkung weiter, Wälder und offene Täler mit rauschenden Bächen wechseln sich ab. Die frische Luft und der Klang der Natur machen die Wanderung zu einem echten Erlebnis. Einige Zeit später taucht schon die Rausmühle auf, auch die ehemalige Frucht,- Öl- und Knochenmühle wird heute als Restaurant/Schankwirtschaft betrieben. Für uns die Gelegenheit sich ein kleines Pilgerbierchen zu gönnen. Dann geht’s auch gleich weiter, der Jakobsmuschel folgend erreichen wir nach kurzer Zeit die Markusmühle, hier gibt es keine Einkehrmöglichkeit.  

 

      

              Idyllische Bachlandschaft                                          Rausmühle

 

Wir erreichen die Reste des Burscheider Wehrs, einst auch die Burscheider Talsperre, die Trinkwasser für das Städtchen Burscheid lieferte, heute nutzen Wanderfische das Wehr. Wild schlängelt sich der Eifgenbach weiter in südliche Richtung. Hinweistafeln machen auf die frühe Besiedlung der Gegend aufmerksam, Steinfunde aus der Mitteleiszeit beweisen dies. Vorbei an den Fundamenten des Bökerhammers, eine Hammeranlage, die bergischen Stahl erzeugte. Dann erreichten wir die Stelle, an der sich einst die Eifgenburg befand, auch hier machen Hinweistafeln darauf aufmerksam. Nach wenigen Kilometern tauchte in der Ferne der Altenberger Dom auf. Wir haben es geschafft und unser Ziel auf dem „Bergischen Jakobsweg“ erreicht.

 

      

                   Waldpfad am Bach                                  Wildromantisches Bachtal...  

 

Altenberger Dom

 

Der Altenberger Dom, der auch gerne der „Bergische Dom“ genannt wird, ist für Jakobspilger, die weiter nach Köln pilgern, eine wichtige Station auf dem Jakobsweg. Die heutige Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt gehörte einst zur ehemaligen Zisterzienser-Abtei Altenberg (1133-1803). Der Ortsteil Altenberg ist nicht erst seit heute eine große Pilgerstation am Jakobsweg. Laut historischer Überlieferung pilgerte Graf Eberhard von Berg, des Schlachtfeldes überdrüssig, um 1129 nach Santiago de Compostela. Auf seinem Rückweg von Santiago trat er in der französischen Region Champagne-Ardenne (Frankreich) in dem bekannten Kloster Morimond als Mönch dem Orden der Zisterzienser bei. Ein paar Jahre später gründeten Zisterzienser-Mönche aus Morimond im Tal der Eifgen und Dhünn das Kloster Altenberg (1133). Auch der Bruder von Eberhard von Berg, Graf Adolf, wurde Mönch und war Mitgründer des Klosters. Er lebte bis zu seinem Tod 1152 im Kloster Altenberg.  

 

      

          Blick auf den Altenberger Dom                         Torbogen am Altenberger Dom

 

Der Jakobsweg verläuft weiter durch die malerische Ortschaft Odenthal, die Wiege des Bergischen Landes. Lange Zeit war die kleine Gemeinde mit der Pfarrkirche St. Pankratius, eine romanische Pfeilerbasilika aus dem 11. Jahrhundert, der Stammsitz der Grafen von Berg. Einige Mühlen säumen noch den Weg, dann geht es durch die Ortschaft Schildgen (Bergisch Gladbach) vorbei an der Herz Jesu Kirche durch den Dünnwalder Wald nach Dünnwald. Von hier weiter nach Köln-Mülheim zum Rhein nach Köln.

 

Zum Abschnitt Odenthal-Köln und hier insbesondere zur Dünnwalder Kirche St. Nikolaus mit ihrem Jakobusfresko und einer neuen Jakobusfigur siehe den Artikel „Von Odenthal nach Köln“ von Rüdiger Schneider. »»»

 

  

          Chorraum                               Altenberger Dom                           Kirchenfenster

 

Unsere Jakobus-Expedition beendeten wir am Altenberger Dom. Es waren schöne zwei Tage der Erholung, die uns dank der einzigartigen Naturlandschaft durch das Eifgenbachtal wieder Kraft gegeben hat. Der Frühling kann nun kommen.

 

Herne, April 2013

 

 

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