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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Auf dem Moselcamino V

Von Bernkastel-Kues bis nach Piesport

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Wir erreichten Bernkastel durch das Graacher Tor, das letzte von acht Stadttoren, das noch erhaltenen geblieben ist. Heute dient es als Heimatmuseum. Durch das romantische Altstadtviertel mit seinen engen Gassen gelangten wir zum Marktplatz mit dem St. Michaelsbrunnen und dem Renaissance-Rathaus sowie den mittelalterlichen Fachwerkhäusern aus dem 17. Jahrhundert.

 

       

         Rathaus am Marktplatz                             Fachwerkhäuser in Bernkastel

 

Bernkastel und der „Doctor“ Wein

 

Bernkastel erhielt 1291 von Kaiser Rudolf von Habsburg seine Stadtrechte. Die mittelalterliche Moselstadt liegt an einer weiteren Flussschleife, eingebettet von steilen Weinbergen, unter anderem die Rebstöcke der Spitzenlage „Doctor“. Einer der Rieslings-Weine, dem man auch eine heilende Wirkung zuspricht. In einer Sage heißt es: Dass der schwer an Fieber erkrankte Erzbischof Boemund II. (1354 bis 1362) auf der Burg Landshut verweilte, um sich von seiner Krankheit zu erholen. Doch all die ärztliche Kunst brachte keine Besserung, bis er schließlich reichlich von dem köstlichen Wein der Bernkasteler Winzer  probierte. Sein Fieber sank und er wurde geheilt, so bekam der Wein seinen Namen „der wahre Doctor“.    

 

Direkt am Moselufer fällt uns sofort der imposante Turm (Michaelsturm) der Pfarrkirche St. Michael auf. Ursprünglich diente er als Wachturm, erst später wurde er mit der Kirche verbunden und wird als Glockenturm der Kirche genutzt. Auch die hoch über der Stadt thronende Burgruine ‘Landshut’ ist ein besonderes Wahrzeichen von Bernkastel, sie wurde 1277 vom Erzbischof Heinrich von Vinstingen erbaut. Lange Zeit trotzte sie Kriegen und wurde nicht zerstört bis zur Brandkatastrophe 1692. Heute befindet sich hier ein Restaurant mit herrlichem Panoramablick über Bernkastel.   

 

           

       Bernkastel mit Michaelsturm (Gestade)                      St.-Nikolaus-Hospital

 

Wir suchten uns einen geeigneten Platz zum Übernachten und fanden an der anderen Uferseite in Kues ein passendes Fleckchen. Über die Moselbrücke ging es nach Kues, auf der rechten Seite befand sich das St. Nikolaus-Stift.

 

St. Nikolaus-Hospital /Cusanusstift

 

Zum Schutz der Bürger vor der Seuchengefahr gründete Nikolaus von Kues, auch Cusanus genannt, das Hospital. Nikolaus Cusanus ist in Kues geboren und sein Geburtshaus befindet sich ganz in der Nähe. Der Kadinal (1448) und Bischof (1450) von Brixen beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit Theologie, Naturwissenschaften und Astronomie. Bis heute befinden sich im Gebäudekomplex des Stifts das Altenheim mit Platz für 60 Seniorinnen und Senioren sowie die umfangreiche Bibliothek mit vielen Handschriften aus dem 9. – 15. Jahrhundert. In einem der Nebengebäude der Anlage befinden sich des Weiteren das Weinmoselmuseum und die Vinothek.  

 

         

                 Cusanus Geburtshaus                               Familienwappen (roter Krebs)

 

Das Geburtshaus des großen Kirchenmanns und Philosophen steht am Ortsausgang in Richtung Lieser. Dort wurde er als Nikolaus Cryfftz 1401 geboren. Sein Vater „Henne“ Cryfftz (=Krebs) war Schiffer und wohlhabender Kaufmann. Heute dient das Haus als ständige Ausstellungsstätte, die das Lebenswerk des Nikolaus von Kues (1401-1464) dokumentiert. Seine bekanntesten Werke „De concordantia catholica“ („Über die allumfassende Eintracht“) und „De docta ignorantia“ („Über die belehrte Unwissenheit“) schrieb er  1433/34 und 1440.

 

Bernkastel bei Nacht und die Pfarrkirche St. Michael

 

Nachdem wir am späten Abend am linken Moselufer unser Zelt aufgebaut hatten, besuchten wir noch einmal den historischen Stadtkern von Bernkastel. Über die Moselbrücke, die die beiden Ortschaften verbindet, erreichten wir die Altstadt von Bernkastel.

 

         

  Bernkastel-Kues - romantischer Lichterzauber           Burgruine Landshut bei Nacht

  

Die Beleuchtung setzte schon ein und alles strahlte neu im schimmernden Glanz der Nacht. Hoch über uns thront die in romantisches Licht eingehüllte Burgruine ‘Landshut’ und gegenüber leuchtete das mittelalterliche Bernkastel.

 

         

      Brücken Romantik - Ein stilles Plätzchen         Bernkastel-Kues - Marktplatz bei Nacht

 

Noch bis nach Mitternacht schlenderten wir durch die engen Gassen am Marktplatz und man hatte den Eindruck, als wäre die Stadt in einen Dornröschenschlaf versetzt worden. Eindrucksvoll präsentierte sich uns der alte Stadtkern, enge Gassen und die mittelalterlichen Fachwerkhäuser leuchteten im warmen Licht der Laternen.

 

  

                   Jakobusgemälde in der Pfarrkirche St. Michael, Bernkastel-Kues

 

Am nächsten Morgen erwachte alles wieder und wir besuchten die katholische Pfarrkirche St. Michael. Sie hatte am frühen Morgen geöffnet und im Inneren der schönen Kirche fanden wir ein Gemälde vor, das den hl. Jakobus als Pilger darstellt. Zünftig mit Hut und Pilgerstab weist er mit der Hand die Richtung und den Weg nach Santiago de Compostela. 

 

Schloss Lieser, die römische Kelteranlage und der Sauerbrunnen

 

Bernkastel verließen wir über die Uferstraße in Richtung Lieser, vorbei an dem Geburtshaus   von Nikolaus von Kues. Weiter am Moselufer und nach wenigen Kilometern erreichten wir das Moselstädtchen Lieser. Der gleichnamige Fluss entspringt in der Vulkaneifel und mündet kurz hinter der Ortschaft in die Mosel. Der spätantike Dichter „Decimus Magnus Ausonius“, bereiste schon im 4. Jahrhundert die Moselregion und erwähnte in seinem bekannten Gedicht „Mosella“ die Ortschaft Lesura (817).

 

  

                                  Die spätbarocke Pfarrkirche St. Peter in Lieser

 

Sehenswert die auf einem Felsvorsprung oberhalb des Ortes stehende Pfarrkirche St. Peter, sie stammt aus dem Jahre 1782. Am Ortsausgang befindet sich das im Stile der Neurenaissance und teilweise im Jugendstil erbaute Schloss Lieser. Weingutbesitzer Eduard Puricelli baute 1884-87 das schöne Anwesen mit prachtvoller Parkanlage für seine Tochter, der späteren Gattin des Freiherrn Clemens von Schorlemer.

 

         

     Petrus öffnet die Schleusen des Himmels                          Schloss Lieser

 

Weiter ging es an den Hängen der Weinberge vorbei in Richtung Kesten. Am Fuße des Braunebergs standen wir plötzlich vor einer römischen Kelteranlage aus dem 3./4. Jahrhundert. Nach kurzer Besichtigung wanderten wir weiter, bis wir die Ortschaft Kesten erreicht hatten. Hier fiel uns am Ortseingang eine „Tankstelle“ (Rastplatz) auf, die uns zur Weinprobe einlud. Freundlich servierte uns der Winzer den gekühlten Moselriesling – genau die richtige Erfrischung für zwei Wanderer.

 

         

                    Die römische Kelteranlage von Brauneberg aus dem 3. Jahrhundert

 

Wir machten eine ausgiebige Pause und probierten den guten Tropfen, dabei überlegten wir uns, wie wir weiter laufen sollten. Denn die nächste Moselschleife stand bevor. Unser heutiges Ziel ist die Ortschaft Piesport am rechten Moselufer. Dem Fluss zu folgen hieß, einige Kilometer mehr laufen – oder wir nehmen wieder einmal den Weg über den Bergrücken. Wir erkundeten uns bei dem Winzer – er meinte: der schönere Weg geht durch das Dreisbachtal, am römischen Sauerbrunnen vorbei und weiter aufwärts über die Weinberge nach Piesport. Er überzeugte uns, und nach der Stärkung machten wir uns wieder auf den Weg. Nach knapp einem Kilometer erreichten wir die Ortsmitte des kleinen Winzerdorfs Kesten.

 

          

           Tankstelle (Rastplatz) in Kesten                        Die Pfarrkirche von Menzel

 

Das schöne Dorf mit 1000jähriger Geschichte liegt zwischen dem Fluss und den steilen Weinhängen des Paulinsberg und des Herrenberg. Kesten ist ein idyllisches Dörfchen mit typischen Fachwerkhäusern und kleinen Gassen. Sehenswert die Pfarrkirche St. Georg mit weißem Turm und moseltypischem spitzen Schieferdach. Gleich hinter der Kirche geht es über den Friedhof steil bergauf in die Weinbergen. Kleine Weinpfade führen uns stetig hinauf auf einen Bergrücken und weiter ins Dreisbachtal. Von hier führen verschiedene Wanderwege nach Monzel und nach Osann sowie nach Piesport. Wir erreichten den Erholungspark Dreisbach „Sauerboor“ und seinen bekannten Mineralbrunnen (Sauerbrunnen).

 

         

          Weinort Kesten an der Mittelmosel                 Wanderweg durch die Weinberge

 

Schon die Römer wussten die Kraft des kohlensäurehaltigen Wasser aus der Mineralquelle zu nutzen. Es soll den Kreislauf und Stoffwechsel anregen und auch zur Wundbehandlung wahre Wunder bewirken. Ein paar Stufen ging es hinab zur Quelle, die Steine waren rotbraun gefärbt -  sofort fühlten wir unsere Wasserflaschen und nahmen einen kräftigen Schluck. Kristallklar war das Wasser schon, hatte aber einen leichten Beigeschmack (Eisengeschmack)  – Egal, Hauptsache gesund!!!  

 

         

         Ein römischer Sauerbrunnen (Sauerboar) und Wassertretbecken im Dreisbachtal

 

Ein paar Meter weiter konnten wir was für unsere Beine und Füße tun, Wassertreten war angesagt. Der Rastplatz am Dreisbach mit Wassertretbecken und Sauerbrunnen ist ein idealer Ort um sich ein wenig zu erholen. Inmitten grüner Wiesen lag er direkt am Bach und an einem Waldgebiet. Unser Wanderweg führte uns wieder bergauf, auf einem kleinen Waldpfad erreichten wir die Höhen des Bergrückens. Nach 20 Minuten hatten wir wieder eine schöne Sicht auf die Mosel. Unter uns lag das Moselstädtchen Wintrich mit seiner Schleusenanlage. Nach weiteren 20 Minuten in unmittelbarer Nähe der „Moselloreley“ (Felsmassiv) lag uns Piesport zu Füßen. Unsere heutige Tagesetappe ist fast erreicht, nur noch in Serpentinen die Weinberge herunter, das kann schon sehr anstrengend sein. Mit dem Ziel vor den Augen, zog sich der steile Abstieg eine Weile hin. Doch endlich hatten wir die Moselbrücke erreicht und marschierten in Piesport ein.

 

         

             Blick auf Wintrich mit Schleuse                  Blick auf Piesport mit Moselbrücke

 

Die kleine Gemeinde Piesport liegt auf der rechten Moselseite und ist für ihre berühmteste Weinlage, das „Piesporter Goldtröpfchen“, weltweit bekannt. Jedes Jahr Anfang Oktober steht das „Römische Kelterfest“ im Mittelpunkt der Besucher. Für uns der richtige Anlass die Tagesetappe in Piesport zu beenden. Ein wenig genossen wir noch den Charme des alten Winzerdorfes und machten noch einige Besorgungen. Etwas außerhalb der Ortschaft, zwischen Reben und direkt neben der Mosel, fanden wir gegenüber von Ferres eine passende Stelle um unser Zelt aufzuschlagen.   

 

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Fortsetzung: Unsere nächste Etappe führt uns über Neumagen nach Schweich

 

Siehe auch den Artikel von Rüdiger Schneider:Von Traben-Trarbach nach Trier

 

Montag, 10. August 2009

 

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