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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

       

 

Winterimpressionen

Im Schatten des hl. Liudger

Von Billerbeck nach Coesfeld

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Auch meine dritte Winterreise führte mich wieder ins schöne Münsterland, dieses Mal auf den Spuren des hl. Liudger. Der friesische Missionar und Klostergründer Liudger (Ludgerus), der auch das Münsterland missionierte und später als Bistumsgründer der erste Bischof von Münster (805) wurde, starb in Billerbeck am 26. März 809. Im Wallfahrtsort Billerbeck begann ich auch meine interessante Spurensuche, später ging es auf dem Sint-Lürs-Weg zum Kloster Gerleve und weiter bis nach Coesfeld.

 

Wie immer reiste ich mit der Bahn an. Von Herne mit der S-Bahn Rhein-Ruhr (S 2) bis nach Wanne-Eickel, von hier mit dem Rhein-Haard-Express (RE 2) weiter bis nach Dülmen. Von Dülmen aus mit der Westmünsterland-Bahn (RB 51) bis nach Coesfeld und weiter mit der Baumberge-Bahn (RB 63) bis nach Billerbeck. Fahrzeit mit Umsteigen unter 2 Stunden.

 

               Billerbeck mit Propsteikirche St. Ludgerus und Johanniskirche

 

Der heilige Liudger in Billerbeck

 

Hier in zentraler Lage der Baumberge liegt das schöne Städtchen Billerbeck, das sich zu Recht auch die „Perle der Baumberge“ nennt. Nur wenige Schritte zu Fuß vom Bahnhof entfernt geht es über die sogenannte „Theatermeile“ mit ihren vielen Skulpturen hinunter ins historische Zentrum von Billerbeck. Gleich zu Beginn des Besuchs wird man von dem weithin sichtbaren Ludgerus-Dom begrüßt. Mächtig ragen seine zwei imposanten Türme gegen den Himmel. Vor über 1200 Jahren starb hier an der Stelle der heutigen Basilika, auch liebevoll der „Billerbecker Dom“ genannt, der hl. Liudger. Im Südturm des Gotteshauses befindet sich die „Sterbekapelle“ des Heiligen, das Ziel vieler christlicher Wallfahrer.

 

Ludgerus (742-809) oder auch kurz Ludger, wie er im Münsterland gerne genannt wird, war ein sanftmütiger Prediger, er pilgerte gerne über die Lande und verkündete in den kleinen Gemeinden in Friesland, Sachsen und des Münsterlandes das Wort Gottes. Karl der Große, der die Sachsen mit dem Schwert zum Christentum bekehrte, erhoffte sich die Hilfe des gelehrten Missionars Ludgerus. Zuviel Blut hatte die Christianisierung des Landes gekostet. Ganz anders der hl. Ludgerus, er überzeugte mit Sanftmut und Güte, ganz wie Jesus oder seine Vorbilder die Apostel Paulus und der Missionar Bonifatius. Mit seiner Leidenschaft und Hingabe zu Gott, eroberte er die Herzen der Menschen zum Christentum.

 

                              Chorraum - Liudgerbüste aus dem Jahre 1735

 

Ludgerus entstammte einer wohlhabenden Familie eines friesischen Adelsgeschlechts. Viele Jahre war er Schüler des Abtes Gregor von Utrecht und lernte im Martinsstift der Utrechter Domschule. Auch bei Alkuin von York (England) studierte er und wurde zum Diakon geweiht. Der spätere Missionar Ludgerus wird bis heute als der Apostel der Friesen und des Münsterlandes bezeichnet. Er gründete die Klöster in Essen-Werden und St. Ludgeri in Helmstedt. Im Jahre 805 wurde er auf Wunsch Karls des Großen in Köln zum ersten Bischof von Münster geweiht.

 

Seine letzte Reise trat er am Passionssonntag, dem 25. März 809 an, nachdem er in Coesfeld eine Predigt hielt, machte er sich auf den Weg nach Billerbeck, um auch dort eine Predigt zu halten, wo er dann einen Tag später verstarb. Sein Neffe der Priester Gerfrid, der in einer Lichterscheinung den nahen Tod Liudgers vorhersah, fand ihn später tot vor. Seine Grabstätte befindet sich, wie auch die seines Bruders Hildigrim, in der Krypta der Ludgerusbasilika in Essen-Werden. Dem hohen Bekanntheitsgrad Liudgers zufolge, auch durch die Zerstreuung und Verteilungen einzelner Reliquien, unter anderem an seinen Wirkungsstätten, wird bis heute zu Ehren des Heiligen Liudger gedacht.   

 

                                         Türme des Billerbecker Doms

 

Propsteikirche St. Ludgerus (Ludgerus-Dom)

 

Der Besuch des Doms, das Wahrzeichen von Billerbeck, ist natürlich Pilgerpflicht. Die 1892 - 1898 erbaute Propsteikirche St. Ludgerus, steht auf den Fundamenten einer älteren Vorgängerkirche. Der neugotische Billerbecker Dom, aus den Materialien der Baumberger Sandsteine erbaut, ist ein monumentaler Bau der Münsteraner Kirchengeschichte. Am Hauptportal der Westfassade befinden sich rechts und links zwei Steinfiguren, der hl. Abt Gregor von Utrecht und der hl. Nikolaus, der frühere Patron der Kirche. Über dem schönen Kirchenportal, im Giebelfeld und in einer Nische mit Baldachin, befindet sich eine Skulptur des hl. Ludgerus, dargestellt mit Hirtenstab, segnender Hand und zu Füßen eine Gans.

 

Im Inneren des Doms präsentiert sich das mächtige Mittelschiff mit Kreuzrippengewölbe, auffällig die im gotischen Stil bunten Kirchenfenster des Altarraums, die je nach Sonnenlicht, die ehrwürdigen Gemäuer des Gotteshauses erleuchten lassen. Natürlich ist auch hier die Ludgerusverehrung überall präsent. Zum Beispiel die wunderbare Kanzel von Bernhard Frydag, ein bekannter deutscher Bildhauer aus Münster, er stellte das Kunstwerk aus Baumberger Sandstein her. Der schöne Altar aus weißem Carraramarmor und im Chorraum die barocke Liudgerbüste, ein Reliquiar aus dem Jahre 1735.

 

          Westfassade                Gemälde, Liudgers Tod                Hl. Liudger

 

Man muss sich schon etwas Zeit nehmen, um all die meisterlichen Schönheiten der grandiosen Kunstwerke betrachten zu können. Ich kann nur einige nennen, denn den Umfang all dieser Schätze darzustellen, würde rein textlich meinen Artikel sprengen. Steinmetze, Bildhauer, Kunstschreiner und Glaser haben hier Meisterliches vollbracht. Hervorzuheben ist die Arbeit und Leidenschaft des Architekten und Baumeisters Wilhelm Rincklake, der später als Pater Ludger im Kloster Maria Laach lebte. Aber auch die vielen anderen fleißigen Arbeiter, die unter den damaligen schweren Bedingungen am Kirchenbau beteiligt waren, muss man an dieser Stelle erwähnen. All die Kraft, die man in Billerbeck aufbrachte und den Stolz der Bürger, die bis heute an der Liudgerverehrung festhalten, zeugen doch von einer starken christlichen Glaubensgemeinschaft ihres Patrons, der ihnen Kraft und Halt gab.   

 

               Chorraum des Doms                                           Hauptaltar

 

Im Südturm des Doms befindet sich die Sterbekapelle des hl. Ludgerus, das Ziel vieler Pilger und Wallfahrer, die Billerbeck bis heute besuchen. Hier am Altar, auch aus dem weißen Carraramarmor hergestellt, zeigt das Altarbildrelief den Tod des hl. Liudger.  

 

          Altar in der Sterbekapelle                                     Altarrelief

 

Nach der umfangreichen Besichtigung der Propsteikirche St. Ludgerus verweilte ich noch ein wenig in einem Café an der Domplatte. Hier im Herzen Billerbecks und in unmittelbarer Nähe der Johanniskirche, die älteste Kirche von Billerbeck, konnte ich noch ein wenig die vielen Eindrücke verarbeiten. Bevor ich mich zum nächsten Kirchenbesuch, der romanischen Johanniskirche aufmachte, besuchte ich noch den historischen Ludgerus-Brunnen, der am Rande der Altstadt liegt.     

 

Ludgerus-Brunnen in Billerbeck

 

Der Ludgerus-Brunnen ist ein weiterer wichtiger Ort der Ludgerusverehrung. Hier soll laut der historischen Überlieferung der Heilige Ludgerus gläubige Christen getauft haben. An der Quelle des Brunnens hatte auch der spätere Kardinal, Bischof Clemens August von Galen, im Jahr 1936 seine erste öffentliche Rede gegen den Nationalsozialismus gehalten. So ist der Ludgerus-Brunnen auch ein Ort der Erinnerung gegen Unterdrückung und mehr Toleranz geworden. Auch in Zeiten des Kulturkampfes, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wurden hier Kundgebungen abgehalten, die gegen Diskriminierung und für einen freien Glauben standen. Die kleine Gemeinde Billerbeck und ihre toleranten Bürger waren und sind seit jeher eine wichtige Station des katholischen und christlichen Glaubens des Münsterlandes.

 

                                       Ludgerus-Brunnen in Billerbeck

 

An dieser Gedenkstätte, die erstmals 1541 urkundlich erwähnt wurde, soll sich auch das „Gänsewunder“ zugetragen haben. Laut Legende traf Ludgerus in einem Wäldchen auf dem Billerbecker Berg eine Frau, die ein kleines Häuschen besaß. Als sie Ludgerus die Tür öffnete und völlig unrein vor ihm stand, wunderte er sich und fragte sie, nach der Ursache. Sie antwortete ihm, dass es weit und breit kein Wasser gäbe, alle Brunnen seien versiegt. Daraufhin schnappte sich Ludgerus zwei Gänse und warf sie in den Brunnen ohne Wasser, diese verschwanden und suchten sich ein Erdloch und kamen, genau an der Stelle wieder ans Tageslicht, wo sich heute die Quelle des Ludgerus-Brunnen befindet. Seit dieser Zeit wird der hl. Ludgerus in den vielen Darstellungen oft mit Gänsen abgebildet. An der heutigen Brunnenanlage von 1953 befindet sich eine Ludgerusfigur, die auch die Gesichtszüge des Kardinals von Galen abbildet.

 

Nach dem kleinen Abstecher zum Ludgerus-Brunnen ging es wieder zurück zum Dom, ganz in der Nähe besuchte ich das neugotische Rathaus aus dem Jahr 1892, in dem sich auch die Touristik-Information befindet. Von den freundlichen Mitarbeiterinnen bekam ich einen Kartendruck, auf dem der „Sint-Lürs-Weg“ eingezeichnet ist. Ein Liudger-Gedenkweg, der mich weiter zum Kloster Gerleve führen soll. Durch die kleine Fußgängerzone Billerbecks erreichte ich nach wenigen Metern die Johanniskirche, ein weiterer Höhepunkt meiner Stadtbesichtigung.

 

          Fußgängerzone Billerbecks                              Rathaus Billerbeck

 

Billerbecker Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

 

Umgeben vom alten Kirchplatz (Johannikirchplatz) mit seinen schönen unter Denkmalschutz stehenden Speicherhäusern steht hier auch das älteste Bauwerk der Stadt. Die romanische Johannis-Kirche ist laut Überlieferung der Ort, an dem Liudger, am Tag vor seinem Tod, seine letzte Predigt hielt. Die katholische Pfarrkirche ist eine der ältesten Kirchen im Münsterland, bereits im späten 8. Jahrhundert wurde hier eine Kirche erwähnt. In mehreren Bauphasen, in den Jahren 1074, 1234, 1425 und 1930-31, wurde die Kirche mehrfach baulich verändert und renoviert. Im Inneren der schönen Kirche befinden sich ein Triumphkreuz, eine Doppelstrahlenmadonna (15. Jh.) und ein achteckiger Taufstein, ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert.

 

                                         Johannis-Kirche Billerbeck

 

Hier in unmittelbarer Nähe der Johannis-Kirche kann man noch den ursprünglichen Charakter der Siedlung- und Kleinstadt Billerbeck erkennen. Bischof Otto III. von Rietberg (1301-1308) verlieh Billerbeck am 18. Februar 1302 die Stadtrechte. In Reih und Glied stehen hier die schmucken Häuschen am Kirchhof, eine schöne Kulisse aus längst vergangener Zeit. Mit Kopfstein gepflasterten Straßen und Gassen vermittelt der alte Stadtkern noch ein wenig mittelalterliches Flair. An der Südseite des Johanniskirchplatzes befindet sich ein Archidiakonatshof aus dem 16. Jahrhundert, eine ehemalige kirchliche Verwaltungseinheit im Amtsbezirk des Bistums Münster. Hier bezog ein Archidiakon (Generalvikar), im Mittelalter ein Stellvertreter des Fürstbischofs, seinen Wohnsitz (Kurie).

 

                 Johanniskirchplatz                                    Johanniskirchplatz

 

Auf dem „Sint-Lürs-Weg“ zum Kloster Gerleve

 

Nun heißt es für mich wieder einmal Abschied nehmen, von einer geschichtsträchtigen Kleinstadt des Münsterlandes, deren beschauliche Land-Stadt-Atmosphäre mich in ihren Bann zog. Auf dem Sint-Lürs-Weg folge ich nun die Wegzeichen des hl. Liudgers. Der markierte Wanderweg zeigt sozusagen die letzten Stationen des Heiligen Liudgers auf. In südlicher Richtung geht es zunächst über die Berkel, ein kleiner Nebenfluss der IJssel (Niederlande), der in den Westausläufern der Baumberge bei Billerbeck entspringt. Auf seinem knapp 115 km langen westlichen Verlauf, davon 40 km durch das westliche Münsterland, erreicht der Fluss die niederländische Stadt Zutphen und mündet in die IJssel.

 

            Ehemalige Wasserburg                                         Kolvenburg 

 

Nur wenige Schritte vom Zentrum Billerbeck entfernt, erreichte ich die Kolvenburg, eine ehemalige Wasserburg mit Gräfte, die von den Rittern von Billerbeck im 13. Jahrhundert erbaut wurde und an die Familie Colve überging, die auch Namensgeber der Burg sind. Heute dient das historische Gebäude als Kulturzentrum für kulturelle Veranstaltungen des Kreises Coesfeld.

 

Nun geht es weiter in westlicher Richtung durch die Berkelaue, bis man die Coesfelder Straße (L580) erreicht. Nach deren Überquerung geht es nun über die Annettestraße und  Nikolausstraße, für kurze Zeit durch ein schönes Wohngebiet, dann erreichte man die offenen Felder vor Billerbeck. Ab hier ging es beschaulich weiter über Naturpfade und über die weiten Felder. Gut ausgeschildert, mit den gelben Wegzeichen des Sint-Lürs-Wegs, macht es wieder richtig Spaß, die Natur in vollen Zügen zu genießen.

 

                         Billerbeck                                                  Sint-Lürs-Weg

 

Hier ist man fernab von Straßen und Autoverkehr, immer den freien Blick auf Billerbeck. Je nach Wetterlage sollte man das richtige Schuhwerk tragen, es könnte auch mal rutschig werden. Im wahrsten Sinne geht es jetzt über und durch die Felder, ich liebe es. Nach ca. 2 Kilometern erreicht man den Mühlenbach und überquert in mehrmals.

 

Eine hölzerne Brücke, die Ludgerusbrücke, die vom Verein der Bergvagabunden gepflegt wird, erinnert an den historischen Weg des hl. Liudgers. Über Feld und Flur wanderte er über die Baumberge, seine letzten Reisestationen waren Coesfeld und Billerbeck. Als Jakobspilger ging es für mich genau andersherum, ich pilgere immer nach Süden oder Südwesten, in Richtung Santiago de Compostela, daher auch von Billerbeck nach Coesfeld.

    

                       Mühlenbach                                            Ludgerusbrücke

 

Hier zwischen Billerbeck und dem Kloster Gerleve auf den Coesfeld-Daruper Höhen der Baumberge ist das Landschaftsbild sehr bäuerlich und ländlich geprägt. Auf deren fruchtbaren Böden gedeihen Getreide, Weizen, Raps, Mais, Spargel und Erdbeeren sowie andere Gemüsearten. Es geht vorbei an Gehöften mit Rinder,- Schweine- und Geflügelhaltung, alles das, was der Mensch zum Leben braucht. Jetzt im Wintermonat Februar, der für die Jahreszeit sehr milde ist, sind die Felder noch recht karg, bis auf den Raps, der in kräftigen grünen Farben steht. Hin und wieder führt der Ludgerus Weg an Bachläufen mit Weidenstöcken und blühenden Schneeglöckchen vorbei, die den nahen Frühling ankündigen.     

 

               Über Feld und Flur...                          Münsterland per Rad entdecken...

 

Nach einigen Kilometern erreicht man auf den Höhen kurz vor einer Baumgruppe ein kleines Bänkchen, das zum Rasten einlädt. Nochmals sieht man in der Ferne den Ort Billerbeck und hat einen wunderbaren Panoramablick auf das fruchtbare Umland. An einem kleinen Wäldchen vorbei erreicht man etwas später eine alte Scheune, auch hier ein grandioser Blick auf die weiten Felder des westlichen Münsterlandes. Über einen schmalen Pfad mit Weidenstöcken bestückt erreicht man nach wenigen Minuten Ludgeri-Rast, direkt an der Landstraße.

 

              Rastplatz Baumberge                                       Alte Scheune

 

Genau an dieser historischen Stelle, auf den Höhen des Coesfelder Berges (152m), machte der Missionar Ludgerus, gesundheitlich angeschlagen und in Begleitung seiner Brüder, hier Rast und segnete das Münsterland. Das Denkmal mit Kreuz wurde 1938 vom Benediktinermönch Dominikus Zwernemann (1901-1983) errichtet, das Relief zeigt den hl. Liudger, segnend und gestützt von zwei Mönchen und erinnert an dieses Ereignis.

 

             Denkmal - Ludgeri-Rast                      Hl. Liudger, segnend und gestützt

 

Benediktinerabtei St. Joseph zu Gerleve

 

Nach der Überquerung der Landstraße (K52) geht es auf einem kleinen Pfad etwas bergab in ein Seitental des Coesfelder Bergs, hier liegt etwas versteckt das malerisch gelegene Benediktinerkloster Gerleve. Patron des Klosters ist der hl.  Joseph. Hier lag ursprünglich ein Hof der Geschwister Wermelt, die ihr Land für die Klostergründung im Jahr 1899 den Mönchen der Erzabtei Beuron stifteten. 1904 wurde das Kloster zur Abtei erhoben. In den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs (1941) wurden die Mönche von den Nationalsozialisten vertrieben, das Kloster wurde NS-Lehrhof der Hitlerjugend und Heim der NS-Volkswohlfahrt „Mutter und Kind“. Später unmittelbar nach dem Krieg und der Befreiung durch die Alliierten (1945) wurde es als Lazarett für Verwundete Soldaten aller Nationen genutzt. Viele von ihnen starben und sind auf dem Klosterfriedhof bestattet worden. Am 23. Mai 1946 konnten die Mönche zurückkehren und ihr Klosterleben wieder aufnehmen.

 

            Klosterkomplex Gerleve                           Benediktinerabtei Gerleve

 

Heute befinden sich in der riesigen Klosteranlage neben der Abteikirche und dem Kloster das Exerzitienhaus Ludgerirast, ein Gästehaus für Erwachsene mit 47 Zimmern und eine Kunst-Buchhandlung. Außerdem die Jugendbildungsstätte „Haus Sankt Benedikt“, eine Einrichtung für Jugendliche, mit 80 Betten. Auch im Kloster selbst gibt es für männliche Besucher, 10 Gästezimmer. Des Weiteren auch eine Gaststätte (Montag Ruhetag) mit klösterlichen Spezialitäten. Weitere Informationen unter www.abtei-gerleve.de.

 

Gleich zu Beginn meiner Besichtigung der Abteikirche stehe ich vor den beiden imposanten Westtürmen, mit 42m Höhe und den dicken Gemäuern des Klosters, echt beeindruckend. Über dem Kirchenportal im Bogenfeld (Tympanon) befinden sich Reliefbilder, sie zeigen Christus und die Gottesmutter, den hl. Liudger mit Gänsen, den hl. Joseph mit Tauben und den hl. Benedikt mit Abtsstab und Raben. Im Inneren der nicht fertig gestellten Basilika, fällt einem sofort die Schlichtheit auf, ganz untypisch für eine katholische Kirche. Dennoch, die Mönche beziehen sich auf das Wesentliche, den Altarraum mit Chorgestühl des Mönchskonvents und eine wunderschöne romanische Kreuzigungsgruppe in der Apsis, die in Nordspanien im 13. Jahrhundert hergestellt wurde. Die lebensgroßen farblichen Figuren zeigen Christus am Kreuz, unter dem Kreuz Maria und Johannes. Ein weiteres Schmuckstück der Abteikirche befindet sich in der Herz-Jesu-Kapelle im Nordturm, ein vergoldeter Holzaltar (Herz-Jesu-Altar) mit geschnitzten Reliefs mit biblischen Darstellungen, hier werden die Heiligen Öle aufbewahrt.

 

                       Chorraum                                             Kreuzigungsgruppe

 

Nach der Besichtigung der Abteikirche geht es noch im Außenbereich zum kleinen Klostergarten. Ein kleiner Sparziergang, der sich lohnt. Vorbei an der Mariensäule ist man nach wenigen Schritten auch schon im Garten. Jetzt um diese Jahreszeit gibt es zwar noch keine Kräuter, aber durch den milden Winter treiben einige Pflänzchen den nahen Frühling herbei. Ein schöner Ort um ein wenig auszuruhen und einen Blick auf die seitliche Sicht der Abteikirche zu genießen.

 

                 Blick auf die Abtei                                           Gerleve Weg

 

Nach der kurzen Pause und der Besichtigung der Abteikirche und des Klosterkomplexes heißt es für mich, weiter geht’s. Bis Coesfeld sind es noch ca. 6 Kilometer. Ganz in der Manier eines Jakobspilgers, geht es ohne Murren weiter. Zwar hört hier am Kloster die Beschilderung des „Sint-Lürs-Weg“ auf, doch wo ein Wille ist, gibt es auch einen Weg.

 

Über die Höhen des Coesfelder Berges nach Coesfeld

 

Ein wenig muss ich mich sputen, denn um 18 Uhr wird es dunkel werden. Bei meinen umfangreichen Besichtigungen in Billerbeck und dem bisherigen Wegverlauf auf dem Sint-Lürs-Weg von ca. 6 km habe ich die Hälfte meines Tagesausflugs hinter mir. Zwar gibt es hier auch eine Bushaltestelle und Busse, die stündlich nach Coesfeld fahren, doch als Jakobspilger ziehe ich es vor, zu Fuß zu pilgern.

 

Am Parkplatz unterhalb des Klosters fand ich einen geeigneten Weg, der mich sozusagen, schnurstracks nach Coesfeld führt. Ich überquerte die Landstraße (K53), nahm die Route über den Gerlever Weg. Ein schmaler asphaltierter Feldweg, der mich vom Kloster aus in westlicher Richtung über die fruchtbaren Felder und weiterhin über die Höhen des Coesfelder Bergs ein Ausläufer der Baumberge führt.

 

                      Wintersonne                                            Richtung Westen

 

Für einen Pilger ein grandioser Weg. Wie auf dem Camino Francès, geht es immer nach Westen, der untergehenden Sonne entgegen. Jetzt, Ende Februar, wo die Sonne immer noch recht tief steht, blendet sie extrem. Doch ist es auch schön, die Wärme die sie schon auslöst, zu spüren. Obendrein wirkt die Umgebung ein wenig mystisch, die Sonnenstrahlen lassen den Asphalt leuchten. Ludgerus sei Dank, dass ich heute auf den Spuren des Heiligen Ludgerus gewandert bin.

 

Nach einer Stunde, die Zeit verging wie im Flug, hatte ich es geschafft, ich hatte Coesfeld erreicht und mit einem Blick auf St. Jakobi, beendete ich meinen heutigen Ausflug. Mein nächster Ausflug wird natürlich Coesfeld sein, hier geht es wieder auf Jakobsspuren.

 

                Leuchtender Asphalt                                   St. Jakobi, Coesfeld

 

Fazit meiner heutigen Spurensuche:

 

Das Münsterland fasziniert mich immer mehr. Dank der schönen Stadt Billerbeck, dem Kloster Gerleve und dem Heiligen Ludgerus, in deren Schatten ich ein wenig pilgerte und verweilen durfte, konnte ich auch die wunderbare Landschaft des Münsterlandes genießen.

 

Buen Camino!

 

Herne, März 2014         

 

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 Münster am Westfälischen Jakobsweg

 

Winterimpressionen:

Ein Tag auf dem Westfälischen Jakobsweg

 

Ludgerus-Denkmal

 

Ludgerus Dom

 

Westfassade

 

Hl. Liudger

 

Chorfenster

 

Kirchenfenster

 

"Heiliger Paulus"

(Fenster im Detail)

 

"Heiliger Bonifatius"

(Fenster im Detail)

 

"Heilige Heriburg"

(Fenster im Detail)

 

"Heiliger Suitbert"

(Fenster im Detail)

 

"Heilige Brüder Ewald"

(Fenster im Detail)

 

"Heilige Brüder Ewald"

(Fenster im Detail)

 

Flügelaltar im

nördlichen Seitenchor

 

Hl. Bernhard

 

Kanzel

 

Altar in der Sterbekapelle

 

Altarrelief

 

Schauschrank in der Sterbekapelle

 

Barocke Heiligenfiguren

 

St. Johannis-Kirche, Billerbeck

 

Triumphkreuz im Chorbogen (um 1430)

 

Taufbrunnen in der Turmkapelle (1497)

 

Wegzeichen,

Sint-Lürs-Weg

 

Wegzeichen,

Sint-Lürs-Weg

 

Benediktinerabtei

St. Joseph zu Gerleve