www.via-jakobsweg.de © 2012 • Bernd Koldewey • 44629 Herne (D)  
  

Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Jakobusspuren in Mittelhessen

Via Buchonia

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Jakobusspuren in Hessen zu finden, ist mit viel Mühe und Ausdauer verbunden. Doch wer wie wir, Rüdiger Schneider und ich, die unberührte Natur liebt und bereit ist mit dem Zelt einige Male wild zu übernachten, kann auch auf einige überraschende Jakobusspuren stoßen.

 

So machten wir uns Anfang März auf den Weg, um in Hessen, in der Region Vogelsberg und Wetterau, auf Forschungsreise zu gehen. Rüdiger Schneider hatte schon öfters die Region in Mittelhessen aufgesucht und Jakobusspuren entdecken können. Ich war das erste Mal in dieser Gegend und war von der einzigartigen Landschaft begeistert, sie erinnerte mich an den Morvan, ein Naturschutzgebiet im Herzen Frankreichs. Genau wie dort sah ich eine leicht hügelige Landschaft, geprägt von üppigen Feldern, Wäldern, Seen, Flüssen und Bächen.

 

         

     Die Wetterau in Hessen, ist eine gerodete Landschaft mit Feldern, Wiesen und Wäldern.

 

Einst war die Region in Mittelhessen, mitten in Deutschland und rund um den Vogelsberg ein Gebiet, das vor tausenden Jahren von riesigen Urwäldern umgeben war. Lange Zeit waren die Urwälder unbewohnt und die Fauna und Flora in den Laubwäldern waren sich selbst überlassen. Dieses waldreiche Gebiet mit Höhenzügen von fast 800m Höhe, war meistens mit dichten Buchenwäldern bedeckt, die Kelten bezeichneten es als „Buchonia“. Sie siedelten sich vor vielen Jahrhunderten in den dichten Wäldern an und machten die Gegend um den Vulkan (Hoher Vogelsberg) zu ihrer Heimat. Auch den Römern waren diese unheimlichen Wälder vertraut gewesen, denn nördlich des Limes, ein Grenzwall der Römer, befand sich das Germanenland, es war undurchdringlich und schwer zu erobern. Erst mit den Rodungen um 700 n. Chr. öffnete sich das Land, man baute Siedlungen, teilte das Land in Gaue ein und machte den fruchtbaren Boden urbar. Bis ins 13. Jahrhundert hinein entstanden so landwirtschaftliche Nutzflächen, Dörfer und Städte wurden erbaut. In den noch bis heute riesigen Wäldern entstanden im Laufe der Zeit Eisenhütten und Waldschmieden. Holz war der Brennstoff für die Köhlerei, das für die Eisenverhüttung verwendet wurde. Im 19. Jahrhundert begann die Aufforstung mit Fichtenbeständen, bis heute versucht man in manchen Regionen, den Wäldern ihre natürliche und ursprüngliche Form mit Laub- und Mischwäldern wiederzugeben.   

 

         

                                   Buchen- und Laubwälder auf der Via Buchonia

 

Jetzt, Anfang März, fanden wir die großen Feld- und Weideflächen noch nicht so grün vor wie im Morvan, auch die Wildblumen auf den Wiesen waren noch nicht zu sehen. Dennoch waren die Ausblicke auf den Höhen mit ihren Weiten und der naturbelassenen Landschaft, mit dichten Laubwäldern, eine wahre Freude. Mit Rucksack und Zelt gingen wir zu Fuß von Schotten nach Hungen, eine rund 25 km lange Wanderstrecke, die uns lange Zeit durch einsame Wälder führte. Schotten liegt im Regierungsbezirk Gießen und am Westhang des Vogelsberges, eines jahrtausend alten erloschenen Vulkans. Die alte Fernhandelsstraße (E3), ein europäischer Wanderweg, der an den Küsten des Schwarzen Meer (Bulgarien) beginnt, führt in ihrem Verlauf über die osteuropäischen Länder Bulgarien und Ungarn. Weiter über das deutsche Mittelgebirge, eine Ost-West-Verbindung nach Frankreich und Spanien, bis nach Santiago de Compostela. Zunächst führt der Wanderweg, der auch als Jakobsweg gekennzeichnet ist, an der Nidda entlang, er verbindet die Städte, Schotten, Hungen, Münzenberg und Butzbach miteinander. Später verläuft er über den Taunushöhenweg und den Großen Feldberg (880 m), weiter in Richtung Frankfurt am Main.

 

         

               Liebfrauenkirche, Schotten                  Flügelaltar, Liebfrauenkirche in Schotten 

 

Vor der gotischen Liebfrauenkirche (14. Jh.) in Schotten begann unsere kleine Pilgerreise, eine sehenswerte Pilgerstation am Jakobsweg. Hier treffen sich die Jakobspilger, die aus Fulda und Herbstein kommen und über den Hoherodskopf gewandert sind, wieder. Schotten war lange Zeit ein bekannter Marienwallfahrtsort. Tausende Pilger besuchten bis heute das Innere der Kirche mit ihrem mittelalterlichen Flügelaltar, der mit spätgotischen Malereien versehen ist. Ein Schmuckstück aus katholischer Zeit, das die Szenen aus dem Leben von Maria und Jesus darstellt. Auch Jacobus Maior, dargestellt als Aposteljünger, findet man auf der Außen- und Innenseite des Flügelaltars. Heute ist die alte Kirche von Schotten, wie die meisten in dieser Region, seit der Reformation, evangelisch geprägt.

 

         

Die waldreichen Hochflächen bei Stornfels

 

Mit etwas Proviant, darunter ein Fläschchen Wein, machten wir uns auf den Weg. Das Wetter war durchwachsen, hin und wieder ein paar Sonnenstrahlen, die Temperaturen lagen um die 12 Grad, für nachts hatte man Frost gemeldet. Doch das konnte uns nicht aufhalten, wir hatten uns fest vorgenommen im Freien zu zelten. Schnell hatten wir Schotten verlassen und erreichten den Niddastausee und liefen eine Weile an dessen Westufer entlang, kurz danach ging es wieder durch ein dichtes Waldgebiet. Durch unseren späten Aufbruch war es schon später Nachmittag geworden, die Dämmerung setzte ein und es wurde erheblich kühler, kein Wunder, es war Anfang März.

 

Auf einer Lichtung am Waldrand fanden wir ein geeignetes Plätzen auf einer Wiese, unmittelbar unter einem Hochsitz. Schnell hatten Rüdiger und ich das Zelt aufgebaut, aus dem nahen Wald hörten wir den Ruf einer Eule. Die ersten Sterne zeigten sich am nächtlichen Himmel, kurz danach ein Schwarm Wildgänse, die kreischend über die Lichtung flogen. Dann wurde es unheimlich still, ich beschloss, mit meinem Handy galicische Musik abzuspielen, um ein wenig die düstere Stimmung aufzuheben. Dies gelang mir auch, die galicischen Dudelsackklänge hallten über die freie Fläche des Waldes. Es war eine kalte, kurze und mystische Nacht, mit Wein und Gesang. Wie die alten Germanen oder Kelten hausten wir mitten im Wald und froren bitterlich.

 

         

Nächtliches Lager am Pilgerweg

 

Am frühen Morgen, endlich den ersehnten Kaffee, ein „Rüdiger Spezial“, mit Kaffeepulver, Wasser, Bierdose und Grillanzünder, zauberte Rüdiger uns einen wunderbaren starken Kaffee. Schnell hatten wir die doch sehr kalte Nacht vergessen und packten in der morgendlichen Dämmerung unser Zelt ein. Es wurde hell und mit den ersten Schritten wurde es auch wieder wärmer und wir setzten unsere Reise fort. Nach einer Weile durch den Wald sahen wir die auf einen vulkanischen Hügel gelegene Ortschaft Stornfels, wir machten einen kleinen Umweg und besuchten den Ort. Früher gab es hier eine Burg, oben angekommen, ging es gleich an einigen alten Fachwerkhäusern vorbei, sehr typisch für kleine mittelhessische Ortschaften. Wir passierten die Kirche, die leider verschlossen war. Nach der wundeschönen Aussicht über die beweideten Täler und nach einer kurzen Rast im einzigen Gasthaus des Ortes überquerten wir nach einem kleinen Abstieg über Felder den Bach Ulfa.

 

         

Wanderwegkennzeichen: Fernwanderweg und Jakobsweg

 

Wieder ging es für einige Zeit durch die dichten Wälder Mittelhessens. Gut markierte Waldwirtschaftswege, gekennzeichnet mit einem blauen Andreaskreuz für den Fernwanderweg E3 und dem Muschelsymbol für den Jakobsweg erreichten wir die Luthereiche. Die Hälfte unserer Wanderung nach Hungen lag nun hinter uns. Bizarr hing die knorrige Eiche, die uns gar nicht so alt erschien, über dem Weg, und wir fragten uns, ob auch Luther diesen Weg gegangen ist? Vermutlich nahm er aber den Weg nach Worms über eine der zwei alten Handelstraßen, die der „kurzen Hessen“, die von Leipzig nach Frankfurt führte. Genau wie die der „langen Hessen“ waren beide Verbindungen und Altstraßen, die die Kauf- und Fuhrleute damals nutzten, um sicher nach Frankfurt, Eisenach oder Leipzig zu gelangen.

 

            

          Zigarrenmännchen, Hungen, Markt          Ankunft, evangelische Stadtkirche Hungen

     

Nach einigen Stunden erreichten wir Hungen, die beschauliche Stadt liegt im Landkreis Gießen und wird als „Schäferstadt“ bezeichnet. Ein mittelhessisches Fachwerkstädtchen im Horlofftal, mitten im Herzen Deutschlands. Sehenswert die evangelische Stadtkirche und das Hungener Schloss, das auf einer ehemaligen Burganlage errichtet worden ist, die einst dem alten Adelsgeschlecht der Falkensteiner gehörte. Historisch hat das alte Städtchen (782) einiges erlebt, zum Beispiel im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), Soldaten zogen durch die Stadt und brandschatzten. Die alte Heerstraße, die der „kurzen Hessen“, führte mitten durch die Ortschaft. Von Hungen führte sie weiter über den Galgenberg nach Nonnenroth und Grünberg.

 

Es war ein schöner Auftakt für weitere Forschungen Deutscher Jakobswege. Jetzt im Frühling ist es besonders schön, sich auf Jakobusspuren zu begeben, ich freue mich schon auf die nächste Spurensuche. Weitere Artikel über „Hessens Jakobswege“, finden Sie unter  http://www.jakobus-wege.de/html/jakobsweg-vogelsberg.html 

 

Herne, März 2012

 

Aktuelle Beiträge  Deutschland  Frankreich  Spanien  Spurensuche
Videos Bücher  Kontakt  Datenschutz  Impressum Home

 

© via-jakobsweg.de 

 

 

 

Buchvorstellung

"Jakobusgeschichten

für unterwegs"- Legenden und Geheimnisse (mit zahlreichen Illustrationen) »»»

 

Buchvorstellung

Aufbruch nach Santiago

Band IV - Camino Francés

»»»

 

Diashow

Bis ans Ende der Welt

Impressionen einer Pilgerreise

»»»

 

Reisereportage

Bis ans Ende der Welt

Von Santiago de Compostela bis nach Finisterre und Muxia 

»»»

 

Liebfrauenkirche in Schotten

Fachwerkhaus in Schotten

Eppsteiner Schloss

Niddastausee

Kirche in Stornfels

Luthereiche

Waldpfade

Feldwege

Via Buchonia

Richtung Grünberg

Blick auf Grünberg

Altstadt, Marktplatz, Grünberg

Diebsturm, Grünberg