Von Santo Domingo de la Calzada bis nach Burgos

Via-Jakobsweg

Impressionen, Reisereportagen, Fotokunst, Videos und Bücher zum Thema Jakobsweg…

Von Santo Domingo de la Calzada bis nach Burgos

Diese Webseite wurde für mobile Handys, iPhones, Smartphones und Tablets optimiert.

Buen Camino!

Auszug aus dem Buch

Aufbruch nach Santiago - Band IV - Camino Francés

„Kastilien das Land der Burgen

und den endlosen Weiten der Meseta“

Von Santo Domingo de la Calzada bis nach Burgos

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Am heutigen Tag werde ich die Region La Rioja verlassen und in die Provinz Burgos einwandern. Über die Calle Mayor geht es geradeaus durch die Altstadt aus Santo Domingo. Bekannt ist der Ort mit einer besonderen Jakobslegende, die des Hühnerwunders.

 

Über den Fluss „Rio Oja“ ging es zunächst noch neben der Nationalstraße (N-120) auf breiten Feldwegen nach Grañón. Eine kleine Ortschaft mit der schönen Kirche Johannes des Täufers. Landschaftlich reizvoll geht es an Getreidefelder und sanfthügelig über die Provinzgrenze. Ein Grenzstein und große Informationstafel zeigt, dass ich jetzt in Castilla y León/Burgos bin.

 

Der Glockenturm (Moza de Rioja)

Kathedrale von Santo Domingo de la Calzada

 

Durch weitere kleine Ortschaften wie: Castildegado, Viloria de Rioja und Villamayor del Rio geht es durch die Weiten der kastilischen Landschaft. Viloria de Rioja, ein Dorf mit wenigen Häusern, erinnert an den Geburtsort von Santo Domingo. Nach einer anstrengenden Etappe durch die großen Getreidefelder, immer der Sonne ausgesetzt, machte ich die historische Ortschaft Belorado zu meinem heutigen Etappenziel.

 

In der neuen Herberge (Albergue-a-Santiago), direkt am Ortseingang gelegen, quartierte ich mich ein. Später besichtigte ich die Altstadt mit der Marienkirche (Iglesia de Santa María) aus dem 16. Jahrhundert. Der alte Hauptplatz (Plaza Mayor) mit seinen prächtigen Arkaden lud zum Verweilen ein.

 

Getreidefelder bei Belorado

Kastilische Landschaft

 

Dort konnte ich das bunte Treiben der einheimischen Bevölkerung und der Touristen beobachten. Solche Plätze sind wahre Ruheoasen, in denen man die Seele baumeln lassen kann. Hier konnte ich meine Tagesstrapazen kurz vergessen. Gott sei Dank, machen mir meine Füße keine großen Schwierigkeiten, denn Blasen hatte ich schon lange nicht mehr bekommen. Bis auf die Verhornungen (Druckstellen), die sich erst am späten Nachmittag durch unangenehme Schmerzen bemerkbar machten. Ausgelöst durch meine stark abgenutzten Wanderschuhe, die ich wohl bald durch neue ersetzen muss.

 

Von Belorado bis nach San Juan de Ortega

 

Am nächsten Tag wechselt die Landschaft ihr Gesicht, es wird grüner und die Augen freuen sich. Der Pilgerweg führt stetig bergauf auf die Montes de Oca. Abwechslungsreich wie die Natur ist auch der Camino, bezaubernde Dörfer säumen den Weg. Es sind gutklingende Namen wie Tosantos, Espinosa del Camino und Villafranca. In Villafranca (948 m) hatte ich noch mal die Möglichkeit meine Wasserreserven nachzufüllen. Sehenswert die Jakobskirche (Iglesia de Santiago Apóstol), sie wurde Ende des 17. Jahrhunderts auf den Fundamenten einer Kathedrale erbaut. Es ist schwer vorstellbar, dass Villafranca einst ein Bischofssitz war. Nach der Überlieferung war der erste Bischof der heilige Indalecio, ein Schüler des Apostels Jakobus, der hier den Märtyrertod fand.

 

Pilgerbegegnung

Jakobskirche in Villafranca Montes de Oca

 

Aus historischer Sicht war es früher gefährlich, über die Oca-Berge zu kommen, Räuber, Banditen und Wölfe trieben in den Wäldern ihr Unwesen. Hinter Villafranca wird es wieder einsamer, ein kurzer Ab- und Aufstieg führt über den Höhenzug, weiter über breite Forstwege durch ein riesiges Waldgebiet, bis hinunter nach San Juan de Ortega (1040 m). Dort befinden sich eine alte Klosteranlage mit der Iglesia de San Nicolás sowie die Pilgerherberge. In der Klosterkirche befindet sich das Grabmal des Gründers. Hier betreute lange Zeit der charismatische Pfarrer Don José María Alonso mit zwei Schwestern die Pilger. Er verstarb am 25. Februar 2008. Leider konnte ich ihn und seine berühmte Knoblauchsuppe nicht mehr kennenlernen. Ein geheimnisvolles Licht gibt diesem Ort eine geheimnisvolle Aura. Abends treffen sich die Pilger auf dem Vorplatz und tauschen ihre Erfahrungen aus.

 

Klosteranlage San Juan de Ortega

 San Juan de Ortega

 

Von San Juan de Ortega bis nach Burgos

 

Als ich von San Juan de Ortega aufbrach, fing es gerade an zu regnen, ein kräftiges Unwetter tat sich auf. Das erste seit langer Zeit, es blitzte und donnerte, alles zog sich zu. Jetzt hieß es die Regensachen rausholen und durch. Der Weg führte weiter durch die dichten Wälder der Montes de Oca. Durch den Regen und den schlammigen Boden war es teilweise sehr rutschig geworden. Unter den Schuhsohlen klebte der Lehm fest und man hatte richtig Mühe die Klumpen los zu werden. Nach einer Weile ließ der Regen etwas nach, es ging bergab und die Sicht auf das weite Tal wurde freigelegt. In der Ortschaft Agés hörte es ganz auf zu regnen und so konnte ich mein Regencape einpacken und die Schuhe säubern.

 

Nach einer kleinen Verschnaufpause ging es weiter nach Atapuerca (966 m). International bekannt wurde der Ort nicht nur durch den Jakobsweg, sondern durch die sensationellen Ausgrabungen. In den umliegenden Karsthöhlen mit Höhlenmalereien wurden 1994 die 800.000 Jahre alten Knochen des ersten Europäers ausgegraben. Der „Homo antecessor“ gilt als ältester gefundener Menschentyp in Europa, seine Vorgänger waren der Homo sapiens und der Neandertaler. Die Ausgrabungsstätte zählt seit 2000 zum UNESCO-Kulturerbe der Menschheit.

 

Montes de Oca

Hochebene Matagrande (1078 m)

 

Nach der ruhmreichen Ortschaft geht es für mich wieder steil bergauf, auf die Hochebene Matagrande (1078 m). Felsig und steinig ist der Weg, mit meinem Pilgerstock muss ich die Unebenheiten ausgleichen. Mühselig geht es bis auf den Gipfel des Plateaus. Auf einer großen Wiese verlieren sich plötzlich die Wegmarkierungen und ich orientierte mich immer am Zaun entlang, bis ich wieder auf dem Weg auf Pilger stoße. Was für ein Aufstieg, dachte ich und drehte mir erstmal eine Zigarette. Auch andere Pilger hatten ihre Mühe auf dem steinigen Pfad hinauf zu kommen.

 

Nach einer Pause beginnt der mühevolle Abstieg über eine Schotterpiste und an Feldern vorbei. Man durchquert die Ortschaften Villalval, Cardeñuela de Riopico, Orbaneja de Riopico und überquert die Autobahn. Dann entscheide ich mich, über die etwas kürze, aber historische Originalroute nach Villafria zu gehen. Durch den Industrievorort geht es zwar unspektakulär, dennoch abwechslungsreich ins Zentrum von Burgos hinein.

 

Statue des El Cid in Burgos

Kathedrale von Burgos

 

Über die Calle de las Calzadas komme ich in die Altstadt von Burgos hinein. Beeindruckt, begeistert und überwältigt suchte ich die städtische Pilgerherberge auf. In der Nähe der Kathedrale finde ich sie recht schnell. Vor dem Eingang begrüßten mich alte Pilgerfreunde, sie waren schon einige Stunden vor mir da und genossen die Großstadtatmosphäre. Ich hatte Glück und war froh, dass es noch freie Betten gab. Mit dem Fahrstuhl ging es jetzt ganz modern in die 3. Etage zu den Zimmern.

 

Pilgerfigur, Burgos

Catedral de Santa Maria, Burgos

 

Jetzt erst mal ausruhen – es war doch eine lange Etappe, die mir noch in den Knochen steckt, ich fühle mich müde und schlapp. Am Abend besichtigte ich, wieder etwas ausgeruhter, die lebhafte Altstadt mit ihren engen Gassen. Sehenswert ist vor allem die gotische Catedral de Santa Maria, die Iglesia San Esteban und die Iglesia San Nicolás sowie der Plaza Mayor mit seinen Geschäften. Leider ist ein ausführlicher Stadtbummel mit all seinen Sehenswürdigkeiten nicht möglich, denn als Pilger hat man einfach nicht die Zeit. So erhole ich mich lieber noch etwas und schaue mir das bunte Treiben in einer Bar an.

 

Bernd Koldewey: "Aufbruch nach Santiago" - Camino Francés (Band IV), von Saint-Jean-Pied-de-Port bis nach Santiago de Compostela, Taschenbuch, Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 2. Auflage, Mai 2012, 212 S., 26,90 € - Dieses Buch ist mit zahlreichen Farbabbildungen ausgestattet. ISBN 978-3-8423-6521-6 - Dieses Buch kann ab sofort über den Buchhandel oder über das Internet, beispielsweise bei Amazon.de bestellt werden.

Seitenanfang

Deutschland Frankreich SpanienGalerieVideos Bücher Kontakt DatenschutzImpressum Home

© 2008-2015 Bernd Koldewey & via-jakobsweg.de

Zurück zur Rubrik Spanien
Aufbruch nach Santiago: Camino Francés