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Mein Jakobsweg durch Deutschland
Am 21. März 2007 hatte ich mich auf den Jakobsweg begeben: Über 3000 Kilometer zu Fuß von Herne nach Santiago de Compostela in Spanien.
Die durchschnittliche Tagesleistung lag zwischen 20 und 25 Kilometern und mit immerhin 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken war das schon ganz beachtlich. Zünftig, pilgergemäß mit Hut, Stock und Muschel hatte ich nach fünf Tagen bei Wind und Wetter und teils im Schnee Köln erreicht. Dann ging es auf alten Römerwegen in die Eifel und hier auf einsamen und gebirgigen Wanderwegen Richtung Euskirchen. In Euskirchen kommt die erste größere Hürde der Tour. Die Schuhe wollen nicht mit nach Spanien, die Sohle löst sich, ein neues Paar musste her. Die Blasen, die sich an den Füßen gebildet haben, schneide ich indianermäßig auf und gehe mit Schmerzen zähnebeißend weiter.
Pilgerstart
Traumhaft schön ist zur Belohnung die Landschaft. Aus dichten Wäldern kommend öffnet sich immer wieder der Blick auf Höhenkämme und tief eingeschnittene Bachtäler. Hinter Prüm geht es durch die Schönecker Schweiz an bizarren Kalksteinfelsen vorbei. Ich sehe mehr, weitaus mehr als jemand, der mit dem Auto durch die Gegend hastet. Pilgern bedeutet eine besondere Form der Gegenwärtigkeit und der Muße, die Dinge zu betrachten.

Matronentempel bei Pesch Pilgerherberge in Ormont
Bei Pesch stoße ich im Wald auf die Reste eines alten römischen Matronentempels, Kapellen laden zu Rast und Besichtigung ein, keltische Grabhügel erinnern mitten im Wald an längst vergangene Vorzeit. Immer wieder stoße ich auf das Zeichen der Muschel, sei es als Wegmarkierung oder als Relief in einer dem Jakobus geweihten Krypta. Einsame Weiler, die man sonst nie zu Gesicht bekäme und an denen eine schnelllebige Zeit scheinbar spurlos vorbeigegangen ist, werden zur Anlaufstelle, um die Wasserflasche neu aufzufüllen.

Rheinbrücke in Köln Bergisches Land
Ganz allein ist man auf dem Jakobsweg nicht. Von Wermelskirchen nach Köln begleitet mich ein Wandergefährte, in Ormont wurde mir ein Ständchen dargeboten.
Ein kleiner Wermutstropfen sind die Übernachtungen, die nicht immer umsonst sind. Die Kalkulation, als Pilger in Pfarrhäusern oder Kirchen zu übernachten, geht nicht auf. Die Pfarreien sind umstrukturiert, werden oft extern verwaltet. Abends stehe ich müde vor einem verschlossenen Gotteshaus und dann musste ein Gasthof herhalten. Die Nächte, um im Freien zu schlafen, sind noch zu kühl. Ab und zu übernachte ich in einem Kloster.

Zisterzienserkloster Wallfahrtskirche
In Bochum-Stiepel zum Beispiel, im Zisterzienserkloster, hat man ein Herz für Pilger. Übernachtung und Mahlzeit sind frei. Auch in Schwelm fand ich eine freundliche Aufnahme, darf im Jugendheim der Mariengemeinde übernachten. Der Küster versorgte mich mit einer Luftmatratze und Kaffee. An anderen Orten aber kämpfen die Klöster um ihre wirtschaftliche Existenz und verlangen einen Obolus, bei dem man genauso gut - Pilgerbier inklusive - in die nächstgelegene Pension ziehen könnte.

Porta Nigra in Trier Mannebacher Brauhaus
Ostern hatte ich Trier erreicht, und hier ereignet sich das Normale auf dem Jakobsweg, nämlich ein ‚Einbruch’ der Gefühle, die nicht immer hochgestimmt sein müssen. Mein Bruder Thomas besuchte mich und brachte einige Sachen mit. Das erste Mal kommt so etwas wie Heimweh auf. Zudem befremden die Touristenmassen, die durch die Stadt laufen, einen, der auf stillen Wegen durch die Natur gewandert ist. Aber der ‚Einbruch’ geht rasch vorbei. Am nächsten Tag machte ich mich auf dem Weg nach Mannebach. Mannebach liegt unmittelbar am historischen Jakobus-Pilgerweg, ein idyllisch am gleichnamigen Bach gelegenes Dorf mit dem kleinsten Brauhaus Deutschlands.

Jakobskapelle bei Fisch Schengen in Luxemburg
Über die Hochflächen des Saargaues mit seinen Streuobstwiesen ging es weiter über Fisch, an einer kleinen Jakobskapelle vorbei, nach Merzkichen. Die Region um Merzkirchen zwischen Saar und Mosel ist geprägt durch fruchtbare Landwirtschaft. Mitten durch Felder und Wiesen ging es durch die kleine Ortschaft Sehndorf bergab nach Perl an der Mosel.
Am nächsten Morgen verließ ich über die Moselbrücke Deutschland und erreichte Schengen in Luxemburg. Für kurze Zeit geht es jetzt auf luxemburgisches Gebiet Richtung Stromberg. Der kleine Weinort liegt im Dreiländereck. Bekannt ist Schengen auch durch das Schengener Abkommen. 1985 verzichteten mehrere europäische Staaten auf die Kontrollen des Personenverkehrs an ihren gemeinsamen Grenzen.

Stromberg (Dreiländereck) Blick nach Frankreich
Durch die Weinberge ging ein steiler Pfad in Serpentinen den Stromberg (315 m ü. NN) hinauf. Hier oben am Dreiländereck (Deutschland, Frankreich, Luxemburg) hatte ich eine herrliche Aussicht auf die Mosel. Über ein Hochplateau führt der Weg nach Sierck les Bains (Lothringen/Frankreich), immer im Blick das Atomkraftwerk Cattenom. Auf der südlichen Seite des Stromberges ging es bergab ins Moseltal nach Frankreich.
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Fortsetzung: Mein Jakobsweg durch Frankreich

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Bücher zum Jakobsweg

Unter dieser Rubrik finden Sie einige meiner Bücher...
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Buchvorstellung

"Aufbruch nach Santiago"
- Band I -
Von Herne bis nach Vézelay
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Pastor Guido Hoernchen von der Mariengemeinde Herne-Baukau erteilt den Pilgersegen.

Eine Einführungsrede hält Heinrich Kemper aus Herdecke.

Verabschiedung von Freunden und der Familie.

Eine Pilgerfamilie brachte mir ganz spontan ein Ständchen.

Die Burganlage Neuerburg

Das Fraubillenkreuz (Menhir)auf dem Ferschweiler Plateau.
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