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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

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Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Ruhrgebiet (V)

Der Jakobsweg durch Dortmund

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Der Westen- und Ostenhellweg in Dortmund führt heute als Fußgängerzone durch die Dortmunder Innenstadt. Die ehemalige mittelalterliche Heer- und Handelsstraße (Hellweg) brachte früher nicht nur wohlhabende Kaufleute nach Dortmund, sondern auch Jakobspilger.

 

Waren es die Römer, die als erste ein Wegenetz anlegten, um Germanien zu erobern? Wohl möglich, doch sicher ist, dass Karl der Große die alten Wege nutzte und weiter ausbaute. Könige und Kaiser gaben sich die Ehre und nutzten die Heerstraßen, um zu ihren Stützpunkten, Residenzen und Gütern zu gelangen. Ebenso der Adel wie Fürsten, Herzöge, Grafen und andere Edelherren. Nicht zu vergessen die vielen Pilger, die im Schutz der Kaufleute sowie der Handwerker unterwegs waren. 

 

  

Mitten durch die Fußgängerzone führt der Jakobsweg durch Dortmund

 

1907 fand man bei Ausgrabungen auf dem Gelände der Dortmunder Union-Brauerei einen Schatz, der als „Dortmunder Goldschatz“ bekannt wurde. Man fand unter den wertvollen Fundstücken 444 spätrömische Goldmünzen, die hier um 400 vergraben wurden. Auch andere Ausgrabungen lassen auf eine frühe Besiedlung in Dortmund und Umgebung schließen. Die Stadt Dortmund wurde als „Throtmanni“ um 880 das erste Mal im Heberegister des Klosters Werden erwähnt. Es folgten im 10. Jahrhundert die ersten Marktrechte. Und in der Blütezeit stieg Dortmund von einer königlichen Pfalz zur einzigen Reichsstadt in Westfalen auf.

 

In ganz Deutschland ziehen sich die alten Heer- und Handelstraßen, auch Königs- und Kaiserstraßen genannt, wie ein Netzwerk von Ost nach West und von Nord nach Süd. Ein Wegenetz zu den großen Städten wie Frankfurt, Aachen und Köln, hier wurden Könige und Kaiser gekrönt. Auch Städte, die an den wichtigen Schnittpunkten oder strategischen Standorten lagen, hatten eine große Bedeutung und wurden zur Kaiserpfalz oder zur Reichsstadt erhoben.  

 

               

 

Auf dem Hellweg wurde der Fernhandel immer weiter ausgebaut und brachte den Städten großen Wohlstand und Reichtum. Salz aus Ostwestfalen und Lippe und Eisenwaren aus dem Sauerland wurden über die alten Handelsrouten transportiert. Am bekannten westfälischen Hellweg lagen große Städte und Siedlungen wie Paderborn, Salzkotten, Geseke, Erwitte, Soest, Werl, Unna und Dortmund. Er führte weiter über Bochum und Essen nach Duisburg.  

 

In der ehemaligen Hanse- und Freien Reichsstadt Dortmund kreuzten sich zwei historische Wege, der aus Ostwestfalen, die so genannte Ost-West-Verbindung aus Höxter an der Weser kommend, und die Nord-Süd-Verbindung aus dem Münsterland. Noch heute führt mitten durchs Stadtzentrum der alte Westen- und Ostenhellweg, die heutige Fußgängerzone.

 

  

   Auf dem Westen- und Ostenhellweg befinden sich auch heute noch historische Bauwerke

 

Im Mittelalter machten hier nicht nur Kaufleute und Handwerker halt in Dortmund, auch Pilger (Jakobspilger) machten hier Station. Ein langer und beschwerlicher Weg lag hinter ihnen. In den vielen Kirchen und Klöstern fanden sie Schutz und Einkehr und eine christliche Herberge. Im Mittelalter war Dortmund umgeben von einem großen Wall und Stadtmauern, einer riesigen Befestigungsanlage, die die Stadt vor Eindringlingen schützte. Heute erinnert noch der Stadtring mit Straßennamen wie: Burgwall, Schwanenwall, Ostwall, Südwall, Hiltropwall, Hoher Wall und Königswall an den historischen Standort der alten Stadtmauern.    

 

Die mittelalterlichen Pilger, die aus Paderborn und Soest kamen, durchquerten das Ostentor, damals auch Porta Orientalis genannt. Über dem Tor las man die Inschrift:

 

“Non bene pro toto libertas venditur auro.”

“Dus stat is vry, dem rike holt,

verkoept des nicht umb alles golt.“

 

(Die Stadt ist frei, dem Reiche hold, verkauft dies nicht um alles Gold.)

 

Mitten in der riesigen Torburg des Ostentors befand sich eine Benediktinerkapelle, hier zündeten fromme Pilger eine Kerze an und beteten zum Dank für ihre überstandene gefahrlosen Reise ihre Schutzheiligen an. Auch die anderen Stadttore besaßen eine Kapelle, wie das Westentor, hier stand sogar eine Jakobskapelle. Errichtet zu Ehren des hl. Jakobus, dem Schutzpatron der Pilger. Durch Kriege und der großen Dortmunder Fehde musste insbesondere das Ostentor einiges an Angriffen aushalten. Leider wurden die meisten der historischen Bauwerke, die auch in den Kriegen des 1. und 2. Weltkriegs Schaden genommen hatten, abgerissen.

 

             

 

Im Mittelalter muss das Betreten des Stadtkerns eine wahre Freude gewesen sein. Lauter imposante Türme, umgeben von riesigen Mauern und deren hölzernen Torbrücken. Sie betraten eine lebhafte Stadt. Um den alten Marktplatz, der mitten im historischen Ortskern lag, die Kulisse der Zunft- und Gildenhäusern der Dortmunder Hanse-Kaufleute. Sie betrieben ihre Handelsbeziehungen bis weit in den Nord- und Ostseeraum, von Brügge und Antwerpen bis zum Baltikum. Auch viele traditionelle Handwerksbetriebe wie Schustereien, Schmieden und Goldschmieden sowie Künstler (Maler) bereicherten die blühende Stadt. 

 

Der Alte Hellweg führte mitten durch die einflussreiche und einzige Reichsstadt Westfalens. Ganz in der Nähe befanden sich auch die vier Pfarrkirchen (Reinoldikirche, Marienkirche, Nicoleikirche und die Petrikirche sowie das Dominikanerkloster (heute Propsteikirche), Franziskaner-  und das Katharinenkloster.

 

Die St. Reinoldikirche

 

        

              Reinoldskulptur                  Blick in den Chor           Skulptur Karls des Großen

 

Die St. Reinoldikirche, ist eine dreischiffige, dreijochige romanische Basilika, erbaut im 13. Jahrhundert und fasziniert heute wie damals den Besucher. Sie steht vermutlich an der gleichen Stelle einer Vorgängerkirche aus dem 10. Jahrhundert. Der 1454 fertiggestellte 112 Meter hohe Turm galt als „Wunder von Westfalen“. Heute kann der immerhin noch 104 hohe Turm an bestimmten Tagen bestiegen werden. Eine überwältigende Aussicht über Dortmund und den alten Hellweg, die sich wirklich lohnt. Natürlich muss man auch das Innere der evangelischen Kirche besichtigen, sie ist dem hl. Reinold geweiht, der übrigens auch Schutzpatron der Stadt Dortmund ist. Die Dortmunder Bürger machten ihn zum Patron und seit dieser Zeit ranken sich viele Legenden um die Sagengestallt.

 

    

                 Die städtische Hauptkirche St. Reinoldi befindet sich mitten im Zentrum

 

Eine niederländisch-deutsche Geschichte erzählt von den vier Brüdern, „Die vier Haimonskinder”, die auf dem riesenhaften Pferd Bayard vor den Häschern des König fliehen. In der Gascogne in Frankreich flüchteten sie auf ihre Burg Montalban, dort hielten sie der 7jährigen Belagerung durch Karl dem Großen stand. Die Mutter des heldenhaften Ritters Reinold schlichtete den Streit mit dem Kaiser, doch ließ Karl das sagenumwobene Pferd Bayard ertränken. Daraufhin entsagte Reinold dem Rittertum und zog als Pilger ins Heilige Land nach Jerusalem. Nach seiner Rückkehr lebte er als Mönch im Kölner Kloster St. Pantaleon. Als unerkannter Steinmetz arbeitete er eifrig und bescheiden, nur für Gotteslohn, am Bau des Kölner Doms mit. Mit seiner stets strebsamen Überzeugung und einem festen Glauben schürte er Neid und brachte Feinde gegen sich auf. Sie erschlugen ihn mit einem Hammer und warfen anschließend seinen Leichnam in den Rhein. Eine gebrechliche Frau fand die Leiche und wurde auf wundersame Weise von ihrem Leiden befreit. Die Kölner Geistlichen fanden heraus, dass es „Reinold von Montalban” war, den sie gefunden hatten. Auf einer hölzerne Karre brachten sie die schwer zugerichtete Leiche nach Köln, um sie zu bestatten. Doch wie von Gottes Hand, ohne menschliches Einwirken, so die Sage, setzte sich das hölzerne Gefährt in Bewegung. Erst in Dortmund blieb es an der Stelle stehen, an der heute die romanische St. Reinoldikirche steht. Seit dieser Zeit schützte der hl. Reinold die Stadt Dortmund vor Belagerungen und Feinden wie zuvor auf der Burg  Montalban. So wurde er Schutzpatron der Stadt Dortmund.

 

Die Marienkirche

 

         

Die Marienkirche ist die älteste der vier mittelalterlichen Stadtkirchen

 

Nicht weit von der St. Reinoldikirche entfernt befindet sich das nächste historische Gebäude, die Ev. Marienkirche. Auch sie liegt am Hellweg. Die spätromanische Pfeilerbasilika aus dem 13. Jahrhundert wurde zum Ende des 14. Jahrhunderts mit einem gotischen Chor ergänzt. Die Kirche war ursprünglich mit einem Zwillingsturmpaar ausgestattet, einige Jahrhunderte lang hielten dort Turmwächter Ausschau nach Feinden und Bränden. Denn die in der Nachbarschaft liegende St. Reinoldikirche, die Hauptkirche Dortmunds, wurde nach einem Stadtbrand im Jahr 1232 fast völlig zerstört. 1454 wurde die Turmwache, nach dem Aufbau von Turm und Kirche, wieder nach Reinoldi verlegt.

 

     

          In der Marienkirche befindet sich der bekannte Marienaltar des Conrad von Soest

 

Im Inneren der Marienkirche glänzt ein Schmuckstück im Kirchenraum. Der wunderschöne Marienaltar des Dortmunder Meisters Conrad von Soest. Der begnadete Maler und Meister der westfälischen Malerei stellte kurz vor seinem Tod, im Jahre 1420, ein Meisterwerk der Spätgotik fertig. Das mittelalterliche Gemälde, mit leuchtenden Farben ausgestattet, stellt auf seinen 3 Tafeln diese Bildmotive von links nach rechts dar: Die Geburt Jesu, Marias Tod und die Anbetung der heiligen drei Könige. Gerade jetzt in der Adventszeit und in der Weihnachtszeit vermittelt dieses Kunstwerk eine besondere Stimmung der Stille und Geborgenheit.     

    

Etwas weiter westlich kam ich am Alten Markt und Hansaplatz vorbei, hier befindet sich kurz vor dem 1. Advent einer der schönsten Weihnachtsmärkte in NRW. Ein riesiger Weihnachtsbaum aus 1700 Sauerland-Rotfichten und 45 m Höhe schmückt den mittlerweile 111.  Dortmunder Weihnachtsmarkt. Für einen Glühwein ist es für mich zu warm, also ging ich ein paar Meter weiter und kam an dem 1904 erbauten Kaufhaus Theodor Althoff, heute Karstadt vorbei. Seine aus Sandstein gebaute Fassade steht unter Denkmalschutz. 

 

Propsteikirche St. Johannes Baptist

 

         

        Die Propsteikirche St. Johannes Baptist war einst die Klosterkirche der Dominikaner

 

Ein paar Meter weiter besuchte ich die 3. Kirche am Westenhellweg, die spätgotische Propsteikirche St. Johannes Baptist. Es ist die einzige katholische Kirche in der Innenstadt. Sie ist die Klosterkirche des im Jahre 1330 gegründeten Dominikanerklosters St. Johann, ein Predigerorden, der sich um 1215 gegründet hatte. Die westfälische Hallenkirche, die dem hl. Johannes dem Täufer geweiht ist, wurde 1354 erbaut.

 

     

             Chorblick                 Flügelaltar, Derik und Jan Baegert            Gotisches Portal

 

Im Inneren der Kirche befindet sich ein wahrer mittelalterlicher Kunstschatz. Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Flügelaltar von Derik und Jan Baegert, ein dreiteiliger Altarretabel mit Motiven der Heiligen Familie und  der Kreuzigung Jesus. Und im Hintergrund des linken Innenflügels erkennt man im Kunstwerk die älteste Stadtansicht Dormunds. Beeindruckend auch das sehr schön erhaltene gotische Portal der Sakramentskapelle aus dem 14. Jahrhundert.

 

Petrikirche           

 

Nachdem ich die Propsteikirche besichtigt hatte, ging es wieder ein Stückchen weiter auf dem Westenhellweg, nach kurzer Zeit erreichte ich die Petrikirche. Sie liegt am Stadteingang, in der Nähe, wo früher das Westentor stand. Auch hier finde ich eine gotische Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert vor.  Auffällig der riesige Turmhelm von 60 Metern Höhe. Im Inneren bewahrt die Kirche ein imposantes Kunstwerk, das sogenannte „Goldene Wunder von Westfalen“. Ein aufwändiger aus Holz geschnitzter, spätgotischer Flügelaltar (Antwerpener Retabel) aus dem 16. Jahrhundert. Das Besondere des Schnitzaltars ist, dass er im Laufe der kirchlichen Feiertage auf unterschiedliche Weise geöffnet werden kann. Mit hunderten vergoldeter Figuren werden verschiedene Darstellungen aus dem Leben Jesus gezeigt. 

 

     

           In der Petrikirche befindet sich seit dem 19. Jahrhundert das "Goldene Wunder" 

 

Nachdem ich nun die vier mittelalterlichen Kirchen besichtigt hatte und über den Osten- und Westenhellweg gepilgert bin, kann ich mir ein wenig vorstellen, wie sich wohl ein Pilger im Mittelalter gefühlt haben musste. Ich war von den vielen Kunstschätzen in den Kirchen sehr beeindruckt. Doch die Pilger im Mittelalter hatten mit Sicherheit viel mehr zu bestaunen, alleine schon die prächtigen Stadtmauern und Tore. Sie wären jetzt durch das Westentor marschiert und hätten in der Jakobskapelle noch eine Kerze angezündet, bevor sie die Stadt verlassen.

 

         

 

Eine schöne Besichtigungstour in Dortmund und auf dem Jakobsweg geht für mich für heute zu Ende. Meine nächste Etappe, da bin ich mir sicher, werde ich auch in Dortmund beginnen. Ich bin gespannt, was ich da Neues entdecken werde.

       

Beschreibung des Kopfbildes: Historische Ansicht von Dortmund – Urheber:  Georg Braun und Franz Hogenberg (zwischen 1572 und 1618) – Bildmaterial: (Reproduktion, Foto)

 

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Herne, 27. November 2009

 

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