Weg der Emotionen

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Buen Camino!

Gedanken eines Pilgers:

„Weg der Emotionen“

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

An einem schönen Sommertag, ich war auf (m)einer Pilgerreise, machte ich Halt an einem bezaubernden Fluss. Ich saß am einsamen Ufer und schaute in die Tiefen des Flusses, das von der Sonne spiegelnde und glitzernde Wasser, ließ meine Seele baumeln. Ich lauschte der Stille der Natur zu, die warmen Sonnenstrahlen verzauberten meine Stimmung in positive Energie um, da erkannte ich, was die Schöpfung bedeutet.

 

Es sind Emotionen, die vielleicht jeder Pilger schon einmal auf seiner langen Reise auf dem Jakobsweg miterlebt hatte. Für mich war dieser Moment einzigartig, mir wurde bewusst, wie schön das „Dasein“ ist. Nichts anderes war in diesem Moment wichtiger wie dieser kleine Augenblick der Erkenntnis. Wie nach einem Erwachen träumte ich noch eine Zeitlang vor mich hin und war glücklich darüber, diesen besonderen Moment des Erwachens zu genießen. Der deutsche Philosoph Hegel definierte es so, dass das Dasein, manchmal einen Moment der Wandlung widerspiegelt, in dem der Geist des Seins und des Nichts zur Unmittelbarkeit führt und in der Veränderung eine existierende Einheit bildet. Für mich sind es Nebenwirkungen meiner körperlichen, seelischen und geistigen Gefühlswelt, die besonders an magischen Orten ein Gleichgewicht und Zufriedenheit meines Geistes schafft.

 

 

Diese gefühlten Aufbrüche, aus sich herausgehen und herauswachsen, meines eigenen „Ichs“ sind für mich eine Bereicherung des eigenen Daseins. Als Jakobspilger kann ich mich glücklich schätzen, solche emotionale Erfahrungen gemacht zu haben. Oft verspürte ich im Laufe meiner Pilgerschaft ein unheimliches Kribbeln und innerliches Bedürfnis zu Dingen, die ich im alltäglichen Leben vermisst hatte. Nicht nur schöne Naturerscheinungen wie Sonnenauf- und -untergänge ließen mich am Jakobsweg erstaunen, auch das damit verbundene Gefühl, ein Teil des Ganzen zu sein. Dazuzugehören und der Schöpfung beizuwohnen heißt auch für mich, „Gottesglaube“ sammeln, eine Art der Erleuchtung meines Glaubens.

 

Der Jakobsweg ist für mich ein „Weg der Emotionen“, der mich in meinen vielen Erlebnissen zum Erstaunen brachte. Neben meinem neu gewonnenen Naturbild mit atemberaubenden Ansichten gab es noch viele und andere Ereignisse, die mich ebenso mitreißen ließen. Es waren Bauwerke wie mittelalterliche Brücken und Kirchen voller Genialität, doch die vielen kleinen Kapellen am Wegesrand, die mit ihrem schönen Antlitz Jahrhunderte überstanden hatten, an deren Mauern man die Geschichte ablesen konnte, sind mir ans Herz gewachsen. Sie erinnern an die vielen Märtyrer und Heilige, die für ihren Glauben gestorben sind. Im Inneren der Kleinode, ein Ort der Stille und Andacht. Hier kann man sich zurückziehen und in der Stille einkehren. Das Licht der flackernden Kerzen, die Kirchenbilder über den geschmückten Altären, geben den Räumen den passenden Glanz und lassen die alten Gemäuer spirituell und mystisch erscheinen. Es sind bewegene Momente, die man am besten alleine genießen kann.

 

 

Aber auch Menschen, denen man unterwegs begegnet, ob Pilger oder Einheimische, geben emotionale Erlebnisse, die einen nicht mehr los lassen. So in Frankreich, in Tonnerre (Burgund), hier lernte ich einen Pilger aus Belgien kennen. Er sagte zu mir: „Akzeptiere den Weg so wie er ist - und öffne Dich diesem Weg, so wird Jakobus seine Hand über deinen Kopf legen und dich schützen.“ Bewegende und beruhigende Worte, die mich noch heute begleiten. Im Dorf Aubrac (Auvergne) übernachteten wir in einer Pilgerscheune „La Grange Pèlerine“, hier trafen wir nicht nur einen urigen Herbergsvater, der mit seinem weißen Schimmel so manches Mal durchs Dorf ritt, sondern auch eine geheimnisvolle Pilgerin. Marion ist ihr Name, sie ist bildhübsch und kommt auch aus Frankreich. Mit ihrer engelhaften und begnadeten Stimme und einem Akkordeon brachte sie uns einiges zum Besten. In der Kirche von Aubrac verkörperte sie mit christlichen Liedern eine besondere Atmosphäre des Glaubens und die Liebe zu Jesus. Der Klang in den alten Gemäuern brachte der Kirche einen Hauch neues Leben ein. Es war ein wunderbarer Abschied von Aubrac, wir waren überwältigt von den wunderschönen Klängen ihres Gesangs.

 

 

Es sind nur einige Ereignisse und Emotionen, die ich hier aufgeführt habe, der Jakobsweg und das Unterwegssein bietet viele Möglichkeiten. Doch eines muss ich zum guten Schluss noch erwähnen, auch Freundschaften kann man knüpfen und vertiefen. Mit meinem Freund Rüdiger war das so gewesen, auf unseren gemeinsamen Pilgerreisen konnten wir unsere Erfahrungen austauschen, die jeder für sich gewonnen hatte. Auch dieses sind emotionale Erlebnisse gewesen, die unsere Freundschaft bis heute festigen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele positive Erfahrungen, die sie auf dem Jakobsweg, dem „Weg der Emotionen“ erleben können.

 

Buen Camino!

 

Herne, Oktober 2013

 

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