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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Ruhrgebiet

Von Herne durch das idyllische Emschertal

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Ist man im Mittelalter als Jakobspilger auch durch Herne gewandert? Eine schwierige Frage, die man nicht so einfach beantworten kann. Zumindest weiß man, dass viele Kaufleute, Händler, Handwerker und auch Pilger im Mittelalter auf den Altstraßen, wie dem westfälischen Hellweg, unterwegs waren.

 

Diese alte Handelsstraße führte von Ost nach West, über Paderborn, Dortmund, Bochum, Essen nach Duisburg bis zum Rhein. Aber auch Flussläufe wurden genutzt, wie z.B. die etwas südlich gelegene Ruhr oder nördlich der Emscherregion der Flusslauf der Lippe. War das auch mit der Emscher möglich oder gab es hier auch Altstraßen? Welche Möglichkeiten hatte man im Emscherland überhaupt?

 

         

                 Blick übers Feld (Bochum-Bergen) auf Herne und das Steag-Kraftwerk

 

In den 35 Jahren, in denen ich in Herne wohne, kenn ich natürlich meine Heimat recht gut. Oft war ich unterwegs und spazierte durch den Gysenberg oder am Rhein-Herne-Kanal entlang. Von Vorteil ist auch, dass ich unmittelbar in der Nähe des Schloss Strünkede wohne, ein dutzend Mal hatte ich das Emschertal-Museum besucht und bin von der Herner- und Regionalgeschichte angetan. Heute als leidenschaftlicher Jakobspilger suche ich förmlich nach Herausforderungen und vergleiche gerne die Zeit des 21. Jahrhunderts mit der Zeit des Mittelalters. Im März 2007 machte ich mich das erste Mal auf eine lange Pilgerreise, es ging zu Fuß von Herne bis nach Santiago de Compostela. Erreicht hatte ich den großen Wallfahrtsort nach 3000 km durch Deutschland, Frankreich und Spanien im Oktober 2008. Damals wanderte ich über Herne-Constantin und den Gysenberg nach Bochum-Hiltop-Bergen und weiter nach Bochum-Stiepel. Als gebürtiger Bochumer suchte ich auch die Orte meiner Kindheit auf.

 

              

                    Revierpark Gysenberg                           Naturschutzgebiet Voßnacken

 

Jetzt war für mich die Zeit reif, um die Emscherregion aus der Sicht eines Pilgers zu betrachten. Wie könnten die Pilger gewandert sein? Herne liegt ja, wie das „Herner Kreuz“ (Autobahnkreuz) heute vermuten lässt,  ziemlich zentral im Ruhrgebiet. Recklinghausen im Norden, Dortmund im Osten, Bochum im Süden und Gelsenkirchen im Westen. Die Entfernungen der Ruhrgebietsstädte von Herne aus sind mit ca. 10 km ziemlich gleich. So konnten Pilger bzw. Jakobspilger, die aus Recklinghausen und Herne oder Castrop-Rauxel unterwegs waren, sowohl über Dortmund, Bochum oder durch das Emschertal über Gelsenkirchen, Essen und Duisburg auf eine der Hauptpilgerrouten gestoßen sein.  

 

         

                 Der Rhein-Herne-Kanal ist eine künstliche Wasserstraße im Ruhrgebiet.

 

So machte ich mich an einem schönen Oktobertag auf Schusters Rappen auf den Weg, um eventuell Spuren oder Hinweise zu finden. Meine kleine Exkursionsreise durch das schöne Emschertal begann in Herne-Baukau. An der Stadtgrenze zu Recklinghausen (Umspannwerk Recklinghausen) ging es über den Rhein-Herne-Kanal und kurz danach auch schon über die Emscher, heute leider noch ein Abwasserkanal.

 

         

Die Emscher fließ von Ost nach West in den Rhein.

 

Hier hat man verschiedene Möglichkeiten die Emscherregion zu erkunden, entweder man wandert auf dem Radwanderweg des Rhein-Herne-Kanals oder man folgt dem Radwanderweg der Emscher. Da es den Rhein-Herne-Kanal im Mittelalter noch nicht gab, nutzte ich vorerst den Emscher-Weg, er wurde von der Emschergenossenschaft angelegt und kreuzt auch den Emscher-Park-Radweg. Auch diese führen von hier in beide Richtungen, der östliche Weg führt über Castrop-Rauxel-Henrichenburg bis zur Emscherquelle nach Holzwickede am Haarstrang (Kreis Unna), der westliche Weg über eine grandiose Haldenlandschaft über Wanne-Eickel nach Gelsenkirchen und Essen bis zur Emschermündung in den Rhein, in der Nähe von Dinslaken. 

 

         

              Die ehemalige Zeche Recklinghausen II liegt im Emscher Landschaftspark.

 

Man durchquert ein paar Häuserzeilen, eine Siedlung in Hochlarmark, dann erreicht man über einen Pfad das ehemalige Zechengelände Recklinghausen II. Hier am Förderturm der Zeche finden heute verschiedene Freizeitaktivitäten statt, ein schöner Standort auf der „Route der Industriekultur“, mitten im schönen Emscher Landschaftspark.

 

         

  Von der Halde Hoheward hat man einen wunderbaren Panoramablick über das Ruhrgebiet.

 

Hier sollte man sich die Zeit nehmen, um über die moderne „Drachenbrücke“ auf einer der schönsten Bergehalden („Hohenward“) zu wandern. Auf einer Höhe von 152,5 m ü. NN wird man mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Der Blick geht weit über das Ruhrgebiet hinaus, je nach Wetterlage. Der künstlich angelegte terassenförmige Berg ist mit einer Vielzahl von Pflanzen und Bäumen bestückt,  Serpentinen-Wege führen nach oben. Zwischendurch gibt es immer wieder Balkonpromenaden, die eine herrliche Aussicht über das Emschertal garantieren. Auf dem Gipfel, dem südlichen Plateau (140m), befindet sich das Horizontobservatorium mit Horizontalsonnenuhr und einem Edelstahl-Obelisken. Die beiden Halden Hoheward und Hoppenbruch befinden sich zwischen den Städten Herten und Recklinghausen und nur 5 km von Herne entfernt.

 

Die Emscherregion im Mittelalter

 

Viele Jahrhunderte, bevor der Bergbau und die Industrialisierung das Landschaftsbild der Emscherregion verändert hatten, war diese Gegend eine einzigartige Naturlandschaft. Die ersten Siedler, die sich hier niederließen, waren Kelten- und Germanenstämme, wahrscheinlich bauten sie hier ihre Häuser auf Pfahlbauten. Die Emscher war widerspenstig, nicht zähmbar und wurde nicht so stark besiedelt wie andere Regionen an Flüssen. Nördlich des Flusses lag das Vest Recklinghausen mit der gleichnamigen Stadt Recklinghausen, ein ehemaliger karolingischer Königshof.

 

         

                 Ländliche Idylle in Herne                                   Rapsfeld in Herne

 

Auch die kleinen ländlichen Dörfer wie z.B. Gelsenkirchen, Herten, Herne und Castrop mit seinen Bauernschaften lagen ganz in der Nähe. Lange Zeit war die Region mit ihrem ungezähmten Fluss eine große Auenlandschaft mit dichten Waldbeständen, bei Hochwasser im Frühjahr trat die Emscher öfters über ihre Ufer und es entstand eine Art Seenlandschaft. An gewissen engen Stellen, wie z.B. in Crange, Baukau und Pöpinghausen, musste man den Fluss durch eine Furt überqueren. So war es zumindest bei Hochwasser lange Zeit nicht möglich dem Flusslauf zu folgen, an vielen Orten bildeten sich kleine Inseln. In der zum größten Teil sumpfigen Bruchlandschaft entstand ein Paradies für Vögel und Insekten aller Art. Unterstützt wurde dieses einzigartige Naturparadies von den vielen Bächen, die hier in die Emscher mündeten. 

 

           

Fachwerkhäuser in Altcrange

 

Die Emscher mit einer Länge von über 80 km war einst sehr fischreich und die Menschen in der Region lebten neben der Viehzucht auch vom Fischfang und auf den höheren Lagen auch vom Ackerbau. Bis ins 18. Jahrhundert hinein hatte der Fluss viele Namen, erste urkundliche Erwähnung (947) des Klosters Werden, als „Embiscara“, es folgten „Embster“, „Emster“ oder „Emse“. Im Emscherbruch gab es auch lange Zeit frei lebende Wildpferde, die bekannten „Emscherbrücher Dickköppe“, sie wurden eingefangen und gezähmt, um sie später auf dem Pferdemarkt in Crange zu verkaufen. Der Name sagt es schon, es waren robuste und kräftige Pferde, die wegen ihrer Zähigkeit und Ausdauer bei den Bauern von großem Nutzen waren. So entstand aus dem historischen Pferdemarkt, der am St. Laurentiustag um den 10. August stattfand, jedes Jahr ein Jahrmarkt, heute bekannt als die Cranger-Kirmes.

 

         

Schloss Bladenhorst mit Torhaus und Schlossbrücke (Castrop-Rauxel)

 

Die Emscher war lange Zeit ein Grenzfluss, das südliche Gebiet gehörte zur Grafschaft Mark und dem Stift Essen, das nördliche zum Vest Recklinghausen. Viele Burgen, Schlösser und Herrenhäuser, die im Emscherland standen und auch heute noch zum Teil stehen, bezeugen die strategische Wichtigkeit dieser doch spärlich besiedelten Region. In den mittelalterlichen Städten wie Dortmund, Recklinghausen, Essen und Dorsten gab es regen Handel, Kaufleute und Handwerker reisten auf nicht bepflasterten Wegen sowie Fernhandelsstraßen und brachten ihre Waren und ihr handwerkliches Können in die jeweilige Region. Im 16. Jahrhundert war die Emscher auch Konfessionsgrenze, teilte das nördlich gelegene katholische Gebiet der Vest Recklinghausen (Bistum Münster) vom südlichen protestantischem Gebiet der Grafschaft Mark (Preußen).

 

Herne und das Rittertum in Baukau

 

Herne, das alte „Haranni“ war im frühen Mittelalter noch ein kleines ländliches Fleckchen. Im Jahre 880 wurde das Dorf erstmals im Heberegister der Abtei Werden erwähnt. Es liegt auf einer kleinen Anhöhe kurz vor der Erhöhung des Gysenbergs, einem Höhenausläufer des Ardeygebirges und zu Füßen liegt das flache und breite Emschertal. Nördlich und östlich des Kirchspiels lagen die umliegenden Bauernschaften, wie z.B. Baukau, Holthausen, Börnig und Sodingen. Es war eine sehr ländliche Gegend, Landwirtschaft und Viehzucht so wie Holzwirtschaft und Fischfang bestimmten das Leben der damaligen Zeit. 

 

            

                        Schloss Strünkede                            Schlosskapelle von Strünkede

 

In der Emscherniederung der Bauernschaft Baukau lebte viele Jahrhunderte lang das Adelsgeschlecht der Strünkeder, bekannt auch als die Ritter von Strünkede. Anfänglich noch auf der Vorburg und später als die Herren von Strünkede auf der kastellartigen Hauptburg. Die Herren von Strünkede bestimmten viele Jahrhunderte die Geschicke der Bevölkerung, sie waren Landesherren und strebten stets nach ihrer Unabhängigkeit. Verpflichtet waren sie nur den Grafen von Kleve, ihrem Lehnsherren, unter dessen Schutz sie standen; Kaiser Sigismund erhob die Grafschaft Kleve 1417 zum Herzogtum. Die Strünkeder brachen so manches Mal ihren Treueschwur und verwickelten sich in zahlreiche Fehden.

 

         

                Altes Haus im Schlosspark                           Baumallee im Schlosspark

 

Die Folge: Besetzung und Belagerung der Burg Strünkede, bis hin zur Zerstörung. Sie wurde wieder aufgebaut und erhielt im Laufe der Zeit ihr heutiges Aussehen, ein barockes Wasserschloss. Ein Ritter von Strünkede machte besonders auf sich aufmerksam, es war Jobst von Strünkede, bekannt auch als der „tolle Jobst“. In der Zeit lebten die Bauern und die Landbevölkerung in der Emscherregion ein tristes Dasein. Sie waren abgabepflichtig und nach dem Bezahlen ihrer Steuern (ein Zehntel) auch von Naturalien, ihnen blieb nur wenig für das eigene Überleben. Jobst von Stünkede fronte die Bauern sehr, er eignete sich alles Vieh an, was sich auf seinem Grund und Boden befand oder auch verlaufen hatte. Auch sicherte er sich die Holz- und Fischrechte im Emschertal, alles ganz in Nähe der Grenze zur Vest. Schließlich reichte es den Bauern von Recklinghausen und sie zogen mit ihrer Beschwerde vor Gericht, erreichten aber nichts. Der tolle Jobst machte weiter und verärgerte die Recklinghäuser aufs Neue. Doch eines Tages im Mai 1529 traf es auch ihn, er wurde vermutlich von einem Recklinghäuser Bauern, bzw. von einem Schmied oder Knecht erschlagen.

 

         

Dank des LWL-Museums für Archäologie in Herne besitzt die Stadt Herne wieder eine Motte (Turmhügelburg). Dieses gigantische Bauwerk aus Holz ist Teil der Ausstellung "AufRuhr 1225!" und kann hoffentlich noch lange bewundert werden.

 

Nicht weit entfernt vom heutigen Standort des Schlosses (Wallburgstraße), fand man in den 50er Jahren bei Ausgrabungsarbeiten den Nachweis für die Existenz von zwei Vorgängerburgen. Eine Erdwallburg aus dem 10. Jahrhundert und eine Turmhügelburg aus dem 11.-12. Jahrhundert, eine sogenannte Motte. Sie stand auf einem künstlich angelegten Erdhügel mit einem hölzernem Turm (Turmhügelburg), umgeben von einem ringförmigen Erdwall (Schutzwall) und einem Wassergraben (Gräften). Das heutige Aussehen eines barocken Wasserschlosses entstand Anfang des 17. Jahrhunderts. In unmittelbarer Nähe des Schlosses befindet sich Hernes ältestes Gebäude, die Schlosskapelle aus dem Jahr 1272, Bernd von Strünkede, war der Erbauer. Ende des 18. Jahrhundert stirbt die Linie der Strünkeder aus, die Forells werden neue Schlossbesitzer, heute Stadt Herne. Im Wasserschloss Strünkede befindet sich heute das Emschertal-Museum mit unzähligen Exponaten aus der Ur- und Frühgeschichte sowie Stadt- und Schlossgeschichte, ein Besuch, der sich wirklich lohnt.

 

Die Zeit der Industrialisierung und der Strukturwandel in der Emscherregion

 

Aus der einst schönen Emscherlandschaft entwickelte sich Mitte des 19. Jahrhunders eine Bergbau- und Industrielandschaft. Über 100 Jahre wurde in der Region die begehrte Kohle des Emscherraums abgebaut und gefördert. Der irische Landvermesser und Unternehmer William Thomas Mulvany ließ 1857 die erste Herner Zeche „Shamrock“ abteufen und ab 1860 förderte man dort die erste Kohle. Es war die Zeit des Umbruchs, wie überall im Ruhrgebiet und im Emscherraum begann ein neues Zeitalter. Die Bevölkerung nahm schlagartig zu und explodierte förmlich. Dörfer, die noch zuvor einige hundert Einwohner hatten, erreichten in wenigen Jahren das Zehnfache und mehr. In der ganzen Emscherregion schossen die Zechen wie Pilze aus dem Boden und veränderten so das Landschaftsbild. Überall nahm die Industrialisierung zu und eine Schwerindustrie entstand mit Kohle, Eisen und Stahl. Von Dortmund bis Duisburg entstanden viele Großstädte und die Menschen, die einst auf dem Lande lebten, fanden in der Großindustrie, Arbeit und Brot.

 

         

     Der Förderturm der Zeche Teutoburgia mit Maschinenhalle in Herne-Holthausen/Börnig

 

Überall im Deutschen Kaiserreich brach der Wohlstand aus und es wurde gebaut und gebaut. So auch 1906 der Rhein-Herne-Kanal, in nur 8 Jahren Bauzeit wurde er 1914 fertig gestellt. Der erste und der zweite Weltkrieg kam dazwischen und stoppte die Euphorie. Die beiden Kriege hinterließen im Ruhrgebiet eine Spur der Zerstörung, Hunger, Krankheiten und Elend bestimmten die Nachkriegsjahre in der Emscherregion.

 

In Herne und Wanne-Eickel entstanden im Laufe der Zeit 11 Zechen, Straßennamen und Bauwerke erinnern noch heute an die lange Bergbautradition. Wie zum Beispiel die schöne Bergbausiedlung Teutoburgia, eine unter Denkmalschutz stehende ehemalige Arbeiterkolonie. Hier im Stadtteil Holthausen/Börnig lohnt sich ein Besuch, schlendern Sie durch die Schadeburgstraße, Schlägelstraße oder den Teutoburgiahof und lassen sich von den über hundert Häusern, den schönen Fassaden und den mit Blumen geschmückten Vorgärten verzaubern. Auch der Förderturm der Zeche Teutoburgia steht noch, zusammen mit dem Kunstwald, ein Projekt des Klangkünstlers Christof Schläger und der Maschinenhalle, bildet der schöne Park eine Einheit der Sinne.  

 

             

Die ehemalige Bergbausiedlung der Zeche Teutoburgia

 

Wie im Beispiel der Siedlung Teutoburgia finden sich überall im Stadtgebiet Herne und Umgebung Zeichen des Strukturwandels. Es ist eine grüne Stadt mit hohem Freizeitwert geworden, keine rauchenden Schlote mehr, die zum Himmel stinken. Wälder wie im Gysenberg oder im Vossnacken und viele Parkanlagen laden zum Wandern und Verweilen ein. Die gut ausgebauten Radwanderwege führen Sie auf der „Route der Industriekultur“ an unzähligen Sehenswürdigkeiten vorbei und vermitteln Ihnen die einzigartige Geschichte des Reviers.   

 

Die grüne Oase - Die neue Emscherregion

 

Heute ist die Emscherregion mit ihren vielen Radwanderwegen an der Emscher und dem Rhein-Herne-Kanal ein Eldorado für Freizeitaktivisten. Gut ausgebaute Wege führen einen durch das grüne Emschertal, vorbei an Wiesen, Weiden und Wälder. Radfahrer wie Wanderer haben hier die Möglichkeit ihre Heimat zu erkunden und wenn man richtig hinschaut, dann kann man sich vorstellen wie die Landschaft vor Hunderten von Jahren ausgesehen hat.

 

         

Der Rhein-Herne-Kanal im Abendlicht

 

Nachdem ich die schönen Haldenlandschaften erkundete, wechselte ich von der Emscher zum Rhein-Herne-Kanal, erreichte nach einiger Zeit die Schleuse Herne-West bei Crange und machte im Restaurant des Bootshauses (Ruderverein „Emscher“ Wanne-Eickel, Herten e.V.) am Westhafen eine kleine Pause. Auf der Balkonterrasse genoss ich die Aussicht auf Schleuse und Rhein-Herne-Kanal. Weiter ging es Richtung Stadtteil „Unser Fritz“, ich besuchte im Stadtteil das Heimat- und Naturkunde-Museum. Erreicht hatte ich das idyllisch gelegene Museum durch ein kleines Wäldchen, ein Hinweisschild zum Gleiscafe Fritzchen führte mich direkt dorthin. Liebhaber von historischen Eisenbahnen und Straßenbahnen kommen voll auf ihren Kosten, in einem alten Eisenbahnwagon, bei familiärer Atmosphäre, genießt man bei einer Tasse Kaffee oder einem Pilschen die Nostalgie vergangener Tage. Auch das Museum selbst zeigt seinen Besuchern mit vielen Exponaten und Ausstellungstücken, wie die Menschen  in der Zeit des Bergbaus über und unter Tage gelebt haben.  

 

             

Das Heimat- und Naturkunde Museum in Wanne-Eickel und das Gleiscafé „Fritzchen“

 

Nach der ausgiebigen Pause ging es weiter auf Spurensuche, ein wenig durch den alten Stadtteil Wanne, der früher auch Bickern hieß. Hier an der Stadtgrenze zu Gelsenkichen stand auch lange Zeit das Schloss Grimberg. Dieses zuletzt schöne barocke Wasserschloss (14. Jh.) ist dem Rhein-Herne-Kanal zum Opfer gefallen. Gebaut von den Grafen von der Mark, diente es als wehrhafte Burg gegen das Vest Recklinghausen. Heute befindet sich hier, auf Gelsenkirchener Seite, der ehemalige Ruhr-Zoo,  die „Zoom Erlebniswelt“.

 

         

                               Auf dem Museumsgelände befinden sich historische

                                 Straßenbahnen und alte Diesel- und Elektroloks. 

 

Ganz in der Nähe suchte ich auch den neuen Erzbahn-Radwanderweg auf, es ist eine alte Erzbahntrasse, die nach Bochum zur Jahrhunderthalle führt. Ich nahm den Weg zurück, Richtung Rhein-Herne-Kanal und Emscher, über die aufgebauten Dämme, vorbei am Zoo, ging es über eine moderne Rad- und Fußgängerbrücke (Hafen Grimberg) durch den Emscherbruch. Die schwungvolle Brücke führt im halbkreisförmigen Bogen über den Rhein-Herne-Kanal. Hier führt der Radwanderweg der Erzbahntrasse weiter in Richtung Gelsenkirchen und Recklinghausen zur Halde Hoheward mit Anschluss an den Emscher Park Radweg. Nicht weit entfernt fließt die Fleuthe in die Emscher, etwas versteckt, im Wald (Resser Wald), fand ich auch die alte Fleuthe-Brücke. Über sie führte früher die Gahlensche Straße, der historische Gahlener Kohlenweg begann in Blankenstein und führte über Bochum, Herne, Gelsenkirchen nach Gahlen. Die kleine Ortschaft liegt westlich von Dorsten, direkt an der Lippe. Damals brachte man die schwarze Kohle mühevoll mit Pferdewagen in das nördlich gelegene Herzogtum Cleve.

 

         

       Fußgängerbrücke ("Grimberger Sichel")                         Fleuthe-Brücke

 

Ich erreichte nun den Reiterhof „Gut Steinhausen“ und kurz danach die Künstlerzeche, ehemaliges Zechengelände der Zeche „Unser Fritz“. Namensgeber der Zeche war der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm (99 Tage als Kaiser Friedrich III.), der Sohn Kaiser Wilhelm I. Hier entstand die erste Schachtanlage „Sophie“, Name der dritten Tochter des Kronprinzen und der späteren Königin von Griechenland. Die Künstlerzeche (einst Schacht 2/3) ist heute ein beliebter und bekannter Treff für kulturelle Veranstaltungen. Im Sommer gibt es am Kanal, in der Nähe der modernen Brücke, ein Strandcafé und einen Biergarten (saisonbedingt), die zum Verweilen einladen. So wie hier am Rhein-Herne-Kanal (KulturKanal 2010) in Wanne-Eickel gibt es an vielen Orten entlang des Kanals Freizeitprojekte, die das Image „Ruhrpott“ ins neue Licht rücken. Viele Städte kooperieren und vernetzen sich und der Kultur-Wandel, der überall stattfindet, bekommt eine neue Demission, Formen von Freizeitaktivitäten, die die Menschen näher bringen.

 

         

              Künstlerzeche Unser Fritz 2/3                      Papageienbrücke (Unser Fritz)

 

Heute lohnt es sich wieder die Emscheregion zu erkunden, mit dem Fahrrad und auch zu Fuß ist das kein Problem mehr. Ausgebaute Radwanderwege sowie Rundwege führen Naturliebhaber durch das schöne Emschertal. Zwischen der Emscher und dem Rhein-Herne-Kanal geht es an vielen Sehenswürdigkeiten vergangener Tage vorbei. Auch Jakobspilger können heute die Routen des Emscher-Weges oder die des Rhein-Herne-Kanals nutzen. Meistens verläuft der Weg verkehrsfrei durch das Ruhrgebiet und schöne Plätze zum Zelten findet man auch.

 

Meine Spurensuche durch das Emschertal hat sich gelohnt, ich bin mir ziemlich sicher, dass es im Mittelalter sowie im 21. Jahrhundert Pilgerwege gab und auch noch gibt, die einen nach Santigao de Compostela ins entfernte Spanien führen. Wer einen Weg sucht - findet einen - oder seinen!  - Auch von der eigenen Haustür aus.

 

         

Abendstimmung am Rhein-Herne-Kanal und an der Emscher

 

Genauso bin ich von der Emscherregion begeistert, es ist eine wunderbare Kulturlandschaft geworden. Die Radwanderwege und Naturpfade führen einen durch die grüne Oase des ehemaligen Reviers. Und ich bin mir ganz sicher, eines Tages werden durch das Fortsetzen der Renaturierungsarbeiten an der Emscher auch Fische wieder einen neuen Lebensraum bekommen.

 

Buen Camino!

 

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Herne, 18. Oktober 2010

 

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