Auf der Suche nach Erkenntnis

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Auf der Suche nach Erkenntnis

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Buen Camino!

Gedanken eines Pilgers:

Auf der Suche nach Erkenntnis

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Sind es die neuen und einzigartigen Erfahrungen und Errungenschaften gewesen, die ich durch meine vielen Reisen auf dem Jakobsweg gewonnenen hatte und die mich immer wieder suchen lassen, um am Ende vielleicht die wahre Erkenntnis zu finden? Ist es eine Suche nach der wahren Wahrheit über das Leben, oder ist es ein Prozess der ewigen Selbstsuche, eine Suche, die ohne Ende ist, aber mit vielen Erkenntnissen.

 

Der Jakobsweg wird zum Lebensweg, wer auf ihm geht, wird feststellen, dass sich mit seinem Unterwegssein alles verändert. Im Wandel seines eigenen Ichs und des Werdens erfährt man neue Horizonte, die einen überraschen. Plötzlich sieht man die vielen Dinge des täglichen Lebens und Alltags in einem ganz anderen Licht. Es fühlt sich an wie nach der Genesung von einer Krankheit, ein schönes Gefühl der Reinheit. Ist man einmal bereit für die Suche nach Erkenntnis, wird sie einen nicht mehr loslassen, sie ist in ihrer Unendlichkeit eine göttliche Suche.

 

 

Stimmungen und Verstimmungen gehen einher und lösen vielleicht gewisse Hormone aus, die einen zum Nachdenken animieren. Es sind Emotionen mit Höhen und Tiefen, Empfindungen, die so wechselhaft sein können wie das Wetter. Ein guter Freund erzählte mir von einem Zitat des Dalai Lama: „Drop the thought! - Lass den Gedanken fallen!“ Eine tibetisch-buddhistische Weisheit und kluge Worte, die mich eine Zeit lang beschäftigten und die durchaus auch hilfreich sein können. Doch meine persönliche Meinung ist, man sollte es sich nicht zu einfach machen, sobald es schwierig wird, seine negativen Gedanken fallen zu lassen. Sind es nicht gerade die Unterschiede und Gegensätze, aus denen man lernt und mit denen man sich beschäftigen und auseinandersetzen sollte, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, so dass aus dem Negativen etwas Positives wird. Vermutlich meint das auch so der Dalai Lama.

 

Sicherlich ist damit nicht gemeint, dass man sich von Ärgernissen, Unstimmigkeiten, Beziehungsstress oder beruflichem Stress schnell mal entledigen sollte, weil es momentan nervt und nicht passt. Gewisse Dinge im Alltag können Mal kurzzeitig aus dem Ruder laufen. Heutzutage ist es aber leider so, sich schnell zu trennen und dabei nicht miteinander zu kommunizieren, eine kurze SMS zu verschicken reicht völlig aus und das Problem ist gelöst.

 

Ganz so einfach ist es wohl nicht und auch nicht im Sinne des Dalai Lama. Vielmehr sollte man wieder mehr kommunizieren und sich mit etwaigen Problemen auseinandersetzen. Die dann aus der Einsicht gewonnenen neuen Erkenntnisse ins Positive lenken und nicht einfach fallen lassen. Aber natürlich muss auch hier, jeder für sich, seine eigene Lösung finden.

 

 

Erkenntnisse zu bekommen ist so eine Sache, man muss selbst bereit sein um sie zu erkennen. Für mich persönlich war das ein langer Prozess, erst durch meine Pilgerschaft habe ich diesbezügliche Erfahrungen machen können. Anfangs war es mir gar nicht so bewusst, erst im Nachhinein und in der analytischen Nachbetrachtung erkannte ich plötzlich, welche Erkenntnisse ich gewonnen hatte. Es waren selbstkritische Auseinandersetzungen mit mir und meinem Umfeld, die mir eine neue Sicht und Verständnis gaben, die ich vorher nicht so wahrgenommen hatte.

 

Ausgelöst auch durch meine neue Naturverbundenheit, die ich mit meinem Unterwegsein erworben hatte. Die vielen kleinen Dinge des Lebens plötzlich betrachten zu können, an denen man vorher achtlos vorbei gelaufen ist. Zu sehr war ich in dieser schnelllebigen Zeit gefangen und befangen, erst jetzt, nach gewissen Erkenntnissen, konnte ich mich befreien. Diese neue Erkenntnis, auch ein Teil der Schöpfung zu sein, machte mich frei und glücklich. Es ist gewisser Maßen ein Segen, die Natur in ihrer Ursprünglichkeit zu spüren, was für mich lange Zeit verborgen blieb.

 

Aber auch die vielen Begegnungen mit Gleichgesinnten, Menschen, die so ähnlich denken und fühlen wie ich, sind für meine neue Sicht hilfreich gewesen. Sie zeigen mir, dass ich mit meiner neuen Weltanschauung nicht alleine dastehe. Es gibt viele von ihnen, die genau wie ich die Pilgerschaft als einen Weg der Erkenntnis sehen. Ein Weg, dessen Suche nach dem Göttlichen, dem Sinn des Lebens, wohl niemals enden wird.

 

Die Suche nach Erkenntnis,

ist eine Suche ohne Ende,

aber mit vielen Erkenntnissen.

 

 

Buen Camino!

 

Herne, November 2013

 

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