|
Auf Spurensuche im Rheinland:
Die Jakobskirche in Ersdorf
Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)
Zum zweiten Mal im Februar machten wir uns auf die Spurensuche und kamen in der bekannten „Rosen- und Apfelstadt“ Meckenheim an. Die kleine linksrheinische Stadt liegt zwischen den beiden Naturschutzgebieten Kottenforst und der Ville, 20 km südwestlich von Bonn entfernt.

St. Johannes der Täufer, Meckenheim Die Weiten der Apfelplantagen
Hier in der Voreifel und im lang gestreckten Tal der Swist, nicht weit von der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz entfernt, wollen wir die Jakobuskirche in Ersdorf besichtigen. Von der Kirche St. Johannes der Täufer in Meckenheim aus, starteten wir unsere kleine Exkursion. Sehenswert: Tabernakel, offener Chorraum, Marienfigur aus den Holzbalken des Glockenturms.
Blick auf Ersdorf Obstplantage bei Ersdorf
Ein paar Wochen vor Frühlingsbeginn führte uns ein Weg durch die endlosen Weiten der Apfelplantagen. Bei nasskaltem Wetter und Nieselregen gingen wir über die Glockengasse und Kirchfeldstraße weiter auf den Wirtschaftswegen durch eine bizarre Landschaft. Weite Felder taten sich auf und man schaute auf die gestutzten mannshohen Apfelbäumchen. Noch zeigten sie nicht ihre weiße Blütenpracht, die in einigen Wochen einsetzen wird. Es muss traumhaft schön sein, dieses Naturschauspiel zu erleben – auch im Herbst zur Erntezeit, wenn die reifen Früchte einen anlächeln und man nicht widerstehen kann, seine Arme nach ihnen auszustrecken.
Nach einigen Kilometern ging es unter der Autobahn hindurch und wir sahen in der Ferne die Kirche ‘St. Jakobus der Ältere in Ersdorf’. An einem Wegkreuz noch einmal ein Blick auf die endlosen Weiten der Obstplantagen.
Gemeinde Ersdorf Fachwerkhaus - Unterdorfstraße
Wir erreichten die alte Ortschaft Ersdorf, die erstmals 853 als "Everestorp" erwähnt wurde. Über die Unterdorfstraße mit seinen alten Fachwerkhäusern ging es zur Jakobskirche. Die alte romanische Kirche brannte nach einem Blitzschlag 1869 völlig aus und wurde zerstört. Acht Jahre später wurde der Grundstein für eine neue Kirche im neugotischen Stil gelegt. Schrittweise wurde sie seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts renoviert und strahlt heute im neuen Glanz.
St. Jakobus d.Ä. in Ersdorf Jakobusskulptur
Sehenswert die Ersdorfer Pietà (Vesperbild) aus dem 16. Jahrhundert, das aus der alten Kirche stammt und beim Kirchenbrand gerettet werden konnte. Besonders fiel uns eine Jakobusskulptur im Eingangsbereich auf sowie zwei kirchliche Fahnen, die den Schutzheiligen als Motiv tragen.
Kirchenfenster mit dem Heiligen Jakobus
Und im hinteren Teil des Chorraums ein wunderschönes Kirchenfenster, es zeigt den Heiligen Jakobus in einer vierfarbenen Darstellung. Aus der Überlieferung in Europa kennt man ihn mit Wanderstab, weitem Mantel, Reisetasche und Pilgermuschel.
neugotischer Hochaltar Ersdorfer Pietà (Vesperbild)
In der Voreifel führen viele Wege nach Santiago de Compostela. So verbinden Kirchen und Kapellen, die den Heiligen Jakobus als Schutzpatron verehren, ihre eigenen Wege. Doch alle führen einen wieder durch die sogenannten Nebenrouten auf die Hauptwege nach Aachen oder Trier.
Eine der bekannten Persönlichkeiten von Ersdorf war Wilhelm Busch. Er ist ein lokaler Namensvetter des deutschen humoristischen Dichters, Wilhelm Busch. Und so fällt uns ein Pilgergedicht ein, das wir auf dem Weg durch die Apfelbaumplantagen fröhlich zitierten:
Freudig eilt man nun zur Schenke,
freudig greift man zum Getränke,
Welches schon seit langer Zeit
In des Klosters Einsamkeit
Ernstbesonnen, stillvertraut,
Bruder Jakob öfters braut.

Hierbei schaun sich innig an
Pilgerin und Pilgersmann.
(Wilhelm Busch, ‘Die fromme Helene’)
Bücher zum Thema Jakobsweg »»»
Donnerstag, 19. Februar 2009
|