Von Santiago de Compostela bis nach Finisterre und Muxia

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Bis ans Ende der Welt

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Buen Camino!

Bis ans Ende der Welt

Von Santiago de Compostela bis nach Finisterre und Muxia

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Santiago ich höre die Glocken und gehe bis ans Ende der Welt, so könnte auch der Titel dieser Reisereportage heißen. Es ist ein faszinierender Abschluss einer sehr langen Pilgerreise, die uns bis an die galicische Atlantikküste führte.

 

Eigentlich haben alle Jakobspilger in Santiago de Compostela mit dem Erreichen der Kathedrale, die Grabesstätte des Apostels Jakobus, das Ziel und den Höhepunkt ihrer langen Pilgerreise erreicht. Doch viele Pilger beenden erst ihre Pilgerfahrt, nachdem sie das Kap Finisterre (Cabo de Finisterre) oder auf galicisch Cabo Fisterra erreicht haben. Hier am sogenannten „Ende der Welt“, eine kleine Landzunge, die weit in den Atlantik hinein reicht, schließen sie ihre lange Pilgerreise ab. Auch das nur 28 km nördlich am Atlantik gelegene Hafenstädtchen Muxia ist ein schöner Ort mit mystischer Ausstrahlung, an dem man sich von seiner Jakobusreise erholen und verabschieden kann.

 

Blick auf Santiago de Compostela

Kathedrale von Santiago de Compostela

 

Wir, das ist mein langer Weggefährte Rüdiger Schneider und ich, wir hatten schon öfters den großen Wallfahrtsort Santiago de Compostela erreicht, doch den Weg bis nach Finisterre hatten wir uns immer für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben. Dieser schien jetzt nach all den Erfahrungen, die wir mit unseren Pilgerreisen gemacht haben, gekommen zu sein. Auch dieses Mal mit im Gepäck, Schlafsack und Zelt, unsere persönliche Grundausstattung für ein freies Pilgern. Denn mit dieser Ausstattung sind wir unabhängig und können zu jeder Zeit die einzigartige Landschaft und Natur genießen. Denn auch das ist Pilgern, sich leiten zu lassen um nichts im Voraus zu planen. Wir lassen die Dinge auf uns zukommen – wichtig ist nur das Unterwegssein.

 

Als wir in Santiago eintrafen, war uns diese faszinierende Stadt mit ihrer herrlichen Kathedrale und ihrer jakobäischen- und galicischen Kultur schnell wieder vertraut geworden. Wir erinnerten uns an unsere letzte Übernachtung, sie lag etwas oberhalb vom Kloster San Francisco, in einer Seitengasse. Damals hatten uns zwei ältere Frauen vor der Kathedrale angesprochen um auf ihre Räumlichkeiten (Pilgerunterkünfte) aufmerksam zu machen. Schnell hatten wir die preiswerte Unterkunft wieder gefunden und die freundlichen Señoras waren schnell zur Stelle und zeigten uns unsere Zimmer.

 

Pilgertreff vor der Kathedrale

Ort der Besinnung - Plaza del Obradoiro

 

Hier im historischen Zentrum von Santiago de Compostela waren wir wieder „daheim“ und sind dem etwas negativen und schnelllebigen Nordeuropa entflohen. Zwar ist Santiago auch ein großes touristisches Zentrum, wo sich Menschenmassen tummeln, doch als Hauptstadt der Region ist Santiago auch zugleich ein Ort, an dem man wie in keiner anderen Stadt Galiciens, den Mythos und die Magie der Kelten spürt. Gesprochen wird „Gallego“, eine Sprache, die der portugiesischen Sprache ähnelt. Hier spürt man noch die alten Traditionen, die einem die galizische Kultur näher bringen. Dudelsackklänge und galicische Musik begleiten die Besucher durch die engen Gassen des Altstadtviertels.

 

Santiago de Compostela

 

Bevor man die Plaza del Obradoiro mit der Kathedrale, das Königliche Hospital und den Rajoy-Palast erreicht, kommt man am ehemaligen Benediktiner-Kloster San Martín Pinario vorbei. Dieser Prachtbau im Renaissance-Stil liegt gegenüber dem Nordportal der Kathedrale an der Plaza de Azabachería. Hier verweilen viele Pilger, sie lassen sich von den verzierten Fassaden und vom Farbspiel der untergehenden Abendsonne verzaubern. Unter einem Torbogen hindurch gelangt man zum Plaza del Obradoiro, das Herz von Santiago de Compostela. Hier befindet sich das „Königliche Hospital“, Hostal de los Reyes Católicos, heute ein Luxushotel und das älteste Hotel Spaniens. Früher übernachteten dort Könige, Bischöfe und Pilger. Bis heute ist es Tradition, dass die ersten 10 Pilger, die das Luxushotel erreichen und sich melden (keine Übernachtung), kostenlos zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen eingeladen werden. Auch der Rajoy-Palast ist eine echte Augenweide, oben über den Dreiecksgiebel in der Mitte des Palastes, befindet sich eine Marmorstatue, Jakobus hoch zu Ross, dargestellt als „Matamoros“ (Maurentöter), es erinnert an die siegreiche Schlacht von Clavijo.

 

Plaza Platerías

Brunnen in Santiago

 

Der riesige Patz ist Treffpunkt für Tausende von Pilgern, die die Kathedrale und die Grabstätte des Apostels Jakobus besuchen. Hier treffen sie sich wieder und tauschen ihre Erlebnisse aus, sie liegen sich in den Armen und Tränen fließen. Endlich haben sie es geschafft und sind Santiago so nah wie nie zuvor. Man sieht es ihnen an, die großen Strapazen einer langen Pilgerreise liegen nun hinter ihnen. Es sind Freudentränen, in ihren Gesichtern spiegelt sich die Erleichterung wieder. Sie sitzen auf dem Boden, in vielen kleinen Gruppen, Pärchen oder Einzelpersonen, ob Fahrradpilger oder Fußpilger, alle sind sie nun vereint in einer Gemeinschaft des Friedens im Schutz des Heiligen Jakobus.

 

Die Kathedrale ist umgeben von vier Plätzen, Plaza del Obradoiro (Westen), Plaza de Azabachería (Norden), Plaza Quintana (Osten) und der Plaza Platerías (Süden). Die Kathedrale selbst, ein Meisterwerk von verschiedenen Epochen, vereint sowohl romanische, gotische, Renaissance- und barocke Architektur. Sie ist Weltkulturerbe der UNESCO und zählt zu den schönsten Kathedralen der Welt. Am Eingang der Westfassade der Kathedrale befindet sich das Pórtico de la Gloria (Westportal), das der Meister Mateo geschaffen hat, es gilt als ein architektonisches Meisterwerk der Baukunst.

 

Kathrdrale um Mitternacht

Plaza del Obradoiro

 

Wir hatten in den Tagen unseres Aufenthalts in Santiago und den vielen Rundgängen einige Sehenswürdigkeiten gesehen, doch der Platz hier würde nicht ausreichen um all diese historischen Bauwerke zu beschreiben. Fazit ist, man muss diesen besonderen Wallfahrtsort mindestens einmal in seinem Leben besucht haben. Übrigens, einen besonderen Ausblick auf die historische Stadt und natürlich auf die Kathedrale bekommt man, wenn man den Parque de la Alameda besucht.

 

Finisterre und die Insel der Seligen

 

Nach einigen Tagen machten wir uns auf den Weg, wir verließen Santiago Richtung Westen. Wie schon die Kelten folgten wir den Lauf der untergehenden Sonne, es ging nun Richtung Küste nach Finisterre. Die Gegend um Santiago mit ihrer sanfthügeligen Landschaften ist uns noch von unserer letzten Reise vertraut. Im Heiligen Jahr 2010 pilgerten wir noch auf der Via de la Plata. Bei Puente Ulla, eine Tagesetappe vor Santiago, wanderten wir genau wie heute durch Kiefer- und Eukalyptuswälder. Erst als wir in Küstennähe waren mit Blick auf den Atlantik, öffnete sich uns auf den Höhen eine heideähnliche Naturlandschaft.

 

Durch Gräser und Blumen hindurch sahen wir das blaue Meer Galiciens. Endlich hatten auch wir den Atlantik erreicht und sahen auf einsame Buchten und Strände. Mit dem ersten Blick auf das Kap Finisterre machten wir in den Orten Cee und Corcubión ausgiebig Rast und genossen die sanfte Brise am Meer. Schon seit der Antike waren diese beiden Ortschaften bewohnt. Wir befinden uns nun an der Westküste von Galicien an der Costa da Morte. Ginster, Pinien und Eukalyptusbäume säumen den Camino a Fisterra. Über kleine Wanderpfade geht es noch einmal steil aufwärts über den Alto de San Roque, dann erreichten wir die kleine Ortschaft Amarela und die Bucht von Estorde. Wenig später gelangten wir in den lang gezogenen Ort Sardiñeiro. Die kleine Küstenstraße brachte uns anschließend zu einer traumhaften Badebucht mit weißem Sandstrand, die Playa de Talón. Wir blieben auf der Küstenstraße und nach wenigen Kilometern erreichten wir den riesigen Sandstrand der Playa Langosteira, er ist 2 km lang.

 

Küstenpfad

Bucht an der Playa de Talón

 

An einem mit Pinien bestückten Dünenstreifen direkt am Strand bauten wir unser Zelt auf. Gegen 21 Uhr war der Strand menschenleer und irgendwie fühlte man sich wie Robinson Crusoe, der auf einer einsamen Insel gestrandet war. Es war herrlich, in der untergehenden Sonne, die noch über der Landmasse unterging, beobachten wir, wie sich die Farben des Meeres änderten. Unseren Wein hatten wir auch schon zum Kühlen ins seichte Meereswasser gestellt. So einen grandiosen Übernachtungsplatz direkt am Strand hatten wir auf unseren Pilgerreisen noch nicht gehabt. Auf der rechten Seite der Bucht liegt in etwa 3 km Entfernung die ersehnte Landspitze Kap Finisterre. Dieser Teil des Küstengebirges, auch als Vorgebirge bezeichnet, nannten die Römer „Promontorium Nerium“, auf dessen Höhen bauten sie ein „Ara Solis“, einen Sonnenaltar. Das Land nannten sie Finis Terrae, das Ende der Erde. Seit dieser Zeit ist das Kap Finisterre von Mythen und Legenden umgeben.

 

Unterhalb des Berges liegt der gleichnamige Fischerort. Wir hatten eine sternenklare Nacht und beobachteten bis weit nach Mitternacht das Himmelsgestirn. Das Sternbild des großen Wagens ging auf, auch die Milchstraße war deutlich zu erkennen. Es ist schon faszinierend und geheimnisvoll hier am sogenannten „Ende der Welt“ am Strand zu liegen und sich mystische Geschichten zu erzählen. Die Galläker, ein keltisches Volk, die sich in Altertum an den Küsten Galiciens ansiedelten, glaubten fest an den Mythos der Insel der Seligen. Vom Kap Finisterre konnte man hinausblicken auf den Horizont und die unendlichen Weiten des Atlantiks. Die untergehende Sonne weist den Weg zur sagenumwobenen Insel.

 

Silbermöwe am Strand

Playa Langosteira

 

Am nächsten Morgen, die Sonne ist noch nicht aufgegangen, zogen wir weiter den Strand entlang. Als wir das Ende des langen Sandstrandes erreicht hatten, kam sie langsam über die Berge, auf der anderen Seite der Bucht hervor. Einige kleine Fischerboote lagen noch verschlafen vor Anker und schwenkten im seichten Wasser hin und her. Eine traumhafte Morgenstimmung, wir hatten Glück, kein Wölkchen am Himmel. Schnell stiegen die Temperaturen an und wir zogen weiter. Nach ein paar hundert Metern hatten wir das Fischerdörfchen Finisterre am Ende der Welt erreicht. Wir gingen zum Hafen und suchten eine Bar auf, es war Kaffeezeit. Hier trafen wir auch gleich die ersten Pilger, sie hatten bereits das Kap besucht und warteten auf den Bus, der sie zurück nach Santiago de Compostela bringt. Wir verbrachten zwei Tage in Finisterre und nahmen uns für die kleine Halbinsel mit ihren mystischen Legenden viel Zeit.

 

Am ersten Tag erkundeten wir zuerst den schönen Hafen mit seinen bunten Fischerbooten. Hier hat die Fischerei noch große Tradition, mit ihren Fangnetzen fahren sie mehrmals am Tag hinaus und fangen galicische Spezialitäten wie Tintenfische (Pulpo), Fische und Schalentiere wie Entenmuscheln. Gott sei Dank, denn vor Jahren, als bei der Ölkatastrophe von 2002, der Öl-Tanker „Prestige“ vor der galicischen Küste unterging, verhinderten die Bewohner mit vielen freiwilligen Helfern die totale Verseuchung ihrer Küste und Buchten. Trotzdem starben 250.000 Seevögel, das Wrack liegt noch heute 166 Seemeilen vor der spanischen Küste in 3.600 m Tiefe. Heute sieht man von der Umweltkatastrophe nichts mehr, die Strände sind sauber und es gibt reichlich Fische und Muscheln. Auch die Anzahl der drolligen Silbermöwen, die sich in Finisterre sichtlich wohl fühlen, ist beachtlich. Sie kreisen kreischend, krächzend und jaulend über den Hafen und die Ortschaft. Auf den Dächern der typischen bunten Häuser nisten sie und ziehen ihre Jungen auf, Nahrung finden sie hier reichlich.

 

Sonnenaufgang in Finisterre

Blick auf Finisterre

 

Nach der Besichtigung des Hafens suchten wir uns für zwei Nächte ein Zimmer. Das Angebot ist groß, schnell wurden wir fündig, in einer kleinen Gasse fanden wir das passende. Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg zum Faro (Leuchtturm), die Sonne stand senkrecht über unseren Köpfen, doch ohne Rucksack war es eine angenehme Wanderung. Am Ortsausgang kamen wir an der romanischen Iglesia de Santa Maria das Areas (12. Jh.) vorbei. Im Inneren der Kirche soll sich die älteste westlichste Christusdarstellung (Santo Cristo de Fisterra) befinden, sie ging laut Legende bei einem Sturm über Bord eines Schiffes und strandete in Finisterre.

 

Die kleine Küstenstraße führt uns ca. 4 km weiter bergauf Richtung Leuchtturm. Nach einer Weile führt ein Pfad zum Gipfel des Monte de Facho (242m) und zur Ermita de San Guillermo, ganz in der Nähe liegen auch die Reste des legendären Sonnenaltars „Ara Solis“. Eine Kultstätte der Antike, hier fanden Fruchtbarkeits- und Sonnenriten statt. Wir bleiben jedoch auf der Küstenstraße und bewundern von hier die Aussicht auf die steilen Klippen und den Atlantik. Eine Jakobusfigur zeigt uns mit Blick auf den Leuchtturm die Richtung.

 

Nach einer Stunde waren wir am letzten Zipfel des Kaps angekommen, herrlich die Aussicht aufs offene Meer. Jetzt gegen Mittag trafen wir auf viele Pilger, die unterhalb des Leuchtturms auf den bizarren Granitfelsen sich einen Platz gesucht hatten und verweilten. Sie schauten zum Meer hinaus und ließen ihre Pilgerreise nochmals Revue passieren. Traditionell werden auch so manche Kleidungsstücke verbrannt, ein Ritus, der sich wie das Baden im Meer (allerdings nicht hier an den gefährlichen Klippen!) und das Betrachten des Sonnenuntergans, seit dem Mittelalter gehalten hat.

 

Markierungsstein - Kap Finisterre

Pilgerkreuz - Kap Finisterre

 

Wie schon zuvor die Kelten und die Römer das Kap Finisterre verherrlichten, so scheint es auch, dass die Jakobspilger von Heute diesen mystischen Ort mit seinen Geheimnissen verehren. Auch wir sind von der Atmosphäre und der Stille angetan. Hier am Faro de Finisterre, dessen Licht nachts weit in den Atlantik strahlt um die Seefahrer zu schützen, verabschieden wir uns von einem geschichtsträchtigen Ort am Ende der Welt.

 

Am nächsten Tag machten wir noch einige Besichtigungen, unter anderem besuchten wir das Castillo de San Carlos (heute Fischmuseum) auf und besuchten die ganz in der Nähe liegenden einsamen Buchten. Anschließend bummelten wir noch durch Gassen des malerischen Fischerstädtchens. Die einheimischen Küstenbewohner sind sehr freundliche Menschen, dies spürt man besonders wenn man eine Bar aufsucht, wie z.B. die kunstvoll eingerichtete Bar „A Galeria“, mitten im Zentrum von Finisterre.

 

Bucht bei Finisterre

Traumhafte Idylle

 

Muxia und das Heiligtum von Virxe da Barca

 

Am nächsten Morgen ging unsere Reise weiter nach Muxia, das kleine Fischerdorf lebt auch von einer Jakobslegende, die der Jungfrau im Steinschiff. Es liegt nur 28 km nördlich von Finisterre entfernt, eine gute Tagesetappe. Zuvor kauften wir uns noch etwas Proviant ein um auch auf halber Strecke übernachten zu können, dazu zählt natürlich auch eine Flasche Weißwein (galicischer Albarino) aus der Region.

 

Wir verlassen Finisterre auf der Küstenstraße in Richtung Santiago, dann ging es in den Vorort San Martiño de Duio. Hier soll sich die verschwundene Stadt Dugium befunden haben, die laut Legende den beiden Aposteljüngern zum Verhängnis werden sollte. Sie landeten mit den Gebeinen des hl. Jakobus in Padrón (Iria Flavia), dort wollten sie den Leichnam bestatten. Doch Königin Lupa schickte sie weiter nach Dugium, hier residierte der römische Legat, der die Grablegung erlauben sollte. Doch das tat er nicht, stattdessen steckte er die Jakobsjünger ins Gefängnis und verhängte die Todesstrafe über sie. Daraufhin erschien ihnen der Engel des Herrn, der ihnen die Flucht ermöglichte, die Ortschaft verschwand zur Strafe im Meer.

 

Waldpfad Richtung Küste

Küstencamino

 

Von San Martiño folgten wir nun kleineren Straßen, die uns nach Escaselas führten, dabei entfernten wir uns immer mehr von der Küste weg. Einige Kilometer später nahmen wir bei Hermedesuxo de Baixo die Küstenvariante, dieser Weg führte nach Denle und Padris. Eine schöne Etappe, die uns leicht hügelig durch eine schöne Küstenregion führte.

 

Bei Padris stießen wir schließlich wieder auf die Küste zu, bei einem atemberaubenden kilometerlangen Strandabschnitt machten wir halt und entschieden uns hier zu übernachten. Fantastisch, hier lernten wir den rauen Atlantik kennen, denn mittlerweile ist das Wetter umgeschlagen. Die lautstarke Brandung des Meeres hörten wir schon von Weitem, die Gischt peitschte die bizarren Felsen hoch. Ein wunderbare Kulisse, auch hier nur vereinzelt Badende, die meisten von ihnen waren einheimische Surfer, die den starken Wellengang nutzten.

 

Playa de Rosto

Traumhafte Bucht

 

Gegen Abend waren wir wieder alleine und der kilometerlange Sandstrand gehörte uns. Hier tauchten wir das erste Mal kopfüber in den kalten Atlantik ein, es hat zwar eine Weile gedauert, doch schließlich haben wir es geschafft und die sogenannte Pilgertaufe hinter uns gebracht. Zur Belohnung gab es trotz Bewölkung einen fantastischen Sonnenuntergang, den wir so schnell nicht vergessen werden. Dieses Mal tauchte die Sonne mitten über dem Atlantik mit all seinen Farbschattierungen über dem Horizont ins Meer ein. Als so langsam die Abenddämmerung einsetzte suchten wir zwischen geschützten Felsen einen geeigneten Platz für das Zelt. Grandios und unbeschreibbar dieses Abenteuer, zwei Pilger völlig alleine in einer riesigen Bucht an der Praia do Rosto.

 

Abenteuer pur...

Zelten am einsamen Strand...

 

Die letzte Etappe nach Muxia führte uns am nächsten Tag an Padris vorbei, über Canosa erreichten wir das beschauliche Lires, die Bewohner leben hier von einer kleinen Landwirtschaft und Fischfang. Wir überqueren einen kleinen Bach, den man früher über Steinquader überqueren musste, heute befindet sich daneben eine weniger schöne moderne Brücke. Es geht weiter berauf durch Laubwälder nach Frixe und Morquintián, dann hinauf auf einen Berg (230m) mit schöner Aussicht auf die Küstenregion. Nun wandern wir auf kleinen Waldpfaden hinab durch Eukalyptus- und Kieferwälder bis zum Dorf Xurantes. Nach kurzer Zeit taucht das Meer wieder auf und wir erreichten Muxia.

 

Hafen von Muxia

Kirche "Virxe da barka", Muxia

 

Auch hier blieben wir zwei Tage und ließen uns von seiner einzigartigen magischen Küste verzaubern. Hier in Muxia befindet sich an der Landzunge das Heiligtum der Virxe de Barca. Laut der Legende missionierte der hl. Jakobus auch in Muxia, dort verließ ihn der Mut, daraufhin erschien ihm die Jungfrau Maria in einem Steinschiff und sprach ihm Zuversicht zu. Seitdem pilgern viele Jakobspilger auch nach Muxia und besuchen die Kirche Santa María de Muxía, die mitten auf einem Felsplateau umgeben von bizarr geformten Steinen steht.

 

Das Segel des steinernen Schiffes

Leuchtturm von Muxia

 

Die Pilgerung hat sich gelohnt und mit Muxia gab es zum Schluss der Reise eine besondere Sehenswürdigkeit für Jakobspilger. Von Muxia aus fuhren wir mit dem Bus zurück nach Santiago de Compostela.

 

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