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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche in der Eifel III

Zwischen Kloster, erloschenen Vulkanen
und der sagenumwobenen "Genovevahöhle".

Von Maria Laach bis nach Mayen

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Am dritten Tag meiner Eifelexkursion geht es vom Laacher See, Kloster Maria Laach, über einige erloschene Vulkankegel bis nach Mayen. Die Stadt in der Osteifel, die der so genannte "Eifel-Camino" durchquert. Ausgangspunkt für weitere Jakobstouren Richtung Mosel und Trier.

 

Zunächst ein kleiner Rückblick: Die letzten zwei Tage waren herrlich, mein Pilgerherz ließ mich zurückblicken zu der Zeit, genau gesagt, Juli 2008 in Frankreich, als ich mit meinem Freund Rüdiger durch die Puys gepilgert bin. Genau wie in der Eifel fanden wir in den riesigen Vulkanbergen des Zentralmassivs eine faszinierende Landschaft vor.

 

Natur pur – Einsamkeit und Stille, genau was ein Pilger braucht. Das Schönste sind die Pausen, eine Rast an einem idyllischen See oder Fluss – es ist genauso faszinierend wie das Verweilen auf einem Hügel oder Berg mit herrlicher Aussicht. Orte, an denen man seine innere Ruhe finden kann.

 

         

                   Abtei Maria Laach                                              Klosteranlage

 

So erging es mir auch in den letzten zwei Tagen. Die Übernachtungen im Kloster mit seiner besonderen Atmosphäre waren schon sehr beeindruckend. Oder der Laacher See, der an manchen Tagen mystisch erscheint und sich von seinem silbrigen Nebelschleier befreit. Und natürlich die Vulkanlandschaft der Eifel, für mich eine reiche Region mit historischer Vergangenheit und alten Traditionen. Man findet ein wunderbares ökologisches Gleichgewicht vor, gerade im Mai, wo die Flora und Fauna neu erwacht. Ein Blütenmeer an Farben setzt sich über die Weiten der hügeligen Landschaft. Zum guten Schluss die Menschen, die aufgeschlossen und hilfsbereit den Pilger begrüßen.

 

Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich vom Kloster und den Ordensbrüdern und wanderte weiter in südwestlicher Richtung. Es geht über einen kleinen Pfad hinter der Abtei bergauf, vorbei am Naturkundemuseum. Über einen Wanderweg erreiche ich die Autobahnbrücke und gehe unter ihr her, bis ich nach ein paar Kilometern die Ortschaft Bell erreiche. Bell liegt oberhalb auf einem Hügel, in einer muldenförmigen Senke eines Talkessels des Laacher Sees. Der Ort ist auch bekannt für seinen Backofenbau aus den Materialien des Urgesteins (Tuffstein).

 

      

                Blick vom Vulkankegel Hochstein Richtung Ortschaft Bell und Laacher See 

 

Über die Hauptstraße verlasse ich das Dorf im oberen Nettetal und durch ein kleines Tal geht es nach einiger Zeit wieder bergauf, ein kurzes Stück auf der Landstraße. In der Ferne sah ich die Vulkankegel des Hochsimmers (588m) und des Hochsteins (563m). Ich erreichte den Hochwald mit seinen Laubwäldern, ein Wanderweg führt mich langsam weiter bergauf. Bis zum Gipfel des „Hochsteins“ sind es aber noch einige Kilometer.       

        

Der Hochstein und die Sage der "Genovevahöhle"

 

Ursprünglich hieß der Berg „Forstberg“, erst durch die Sage der Genovevahöhle bekam er seinen heutigen Namen, denn die Spitze der Höhle liegt am Kraterrand. Vor rund 300 000 Jahren fand in der heutigen Ost-Eifel wie auch in anderen Regionen der Eifel eine explosive Zeit statt. Vulkanausbrüche waren an der Tagesordnung, starke Erosionen sprengten die Bergkuppen und heißes Magma floss in die Tälern. Genau so muss es sich auf dem Hochstein abgespielt haben. Im Laufe von Tausenden von Jahren wurde dieser Vulkanberg vom Wald umschlossen, so dass man seine Kraterform nur spärlich ausmachen kann.     

 

   

                                         Der Hochsimmer in der Vulkaneifel

 

Doch würde man mit etwas Phantasie den Wald wegdenken, könnte man die Struktur eines gigantischen Kraters sehen. Auch das gehört zum Jakobsweg und den Abenteuern eines Pilgers, Dinge zu erkennen und zu sehen, die verborgen sind.

 

Nun zur Saga: Es war das Jahr um 732 n. Chr. Eine bildhübsche Frau Namens Genoveva, die Tochter des Herzogs von Brabant, wurde die Gemahlin des Pfalzgrafen Siegfried von Mayenfeld. Sie trug ein Kind in sich, zur gleichen Zeit herrschte Krieg in Südeuropa. Die Sarazenen, die Mauren, die bis dahin als unbesiegbar galten, waren schon bis über die Pyrenäen vorgedrungen. Karl Mantell, fränkischer Hausmeier aus dem Haus der Karolinger, wollte mit seinem Heer die Araber bezwingen. Siegfried und seine Mannen unterstützten ihn. Zurück blieb seine gebärende Frau in der Obhut eines Vertrauten namens Golo. Doch Golo versuchte die Frau seines Burgherrn zu verführen, dieses aber misslang. Der verschmähte Verführer sann auf Rache und schrieb dem Pfalzgrafen einen Brief über ihre Untreue. Daraufhin befahl der entehrte Graf, Frau und Kind in einem See ertränken zu lassen. Doch die Bediensteten glaubten nicht an die Schande und setzten Mutter und Kind im Wald des Vulkanberges aus. In einer Höhle fanden sie Schutz und laut Legende säugte eine Hirschkuh das Kind. Fünf Jahre später, nach der siegreichen Schlacht über die Araber, kam Siegfried in den Wald der Zuflucht und wollte einen Hirsch schießen – statt dessen fand er seine tot geglaubte Gemahlin mit Kind in einer versteckten Höhle vor. Von Mitleid gerührt und froh, dass beide lebten, zog er mit ihnen glücklich in die Burg zurück.

 

   

        Mühlsteinrohling                     Die Genovevahöhle                       Basaltblock

 

Von der Genovevahöhle und deren Aussichtspunkt über die Vulkanregion machte ich mich weiter auf den Weg. Der Waldpfad führte jetzt in Serpentinen stetig abwärts, überall sah man die Spuren des Vulkanausbruches. Erstarrte Lava (Basaltböcke), aus deren Gesteinsmaterial früher die Mühlsteine hergestellt worden sind. Nach einer Weile öffnete sich der dichte Wald und ich kam wieder ins Tal, die Kirche von Ettringen war in Sicht. Am Parkplatz machte ich noch eine kleine Rast, denn der lange Abstieg ging ein wenig auf die Knie. 

 

         

                     Die Ettringer Lay                              30m hohe Steilwand - Kletterwand

 

„Die Historische Lay“

 

Ein Trampelpfad führte mich durch eine kleine Mulde über einen Hügel nach Ettringen. Es war ein herrliches Wandervergnügen durch Wälder, doch jetzt hatte ich wieder ein offenes Land vor den Augen und konnte die Weite genießen. Im Ort sprach ich ein paar Anwohner an und fragte nach gewissen Sehenswürdigkeiten. Spontan bekam ich zur Antwort, „Die Historische Lay“, ein Grubenfeld mit einer mächtigen Basaltsäule, diese sollte ich mir unbedingt anschauen. Die Basalt- und Tuffsteingruben liegen direkt an der Landstraße „L82“ Richtung Mayen.

 

                                   

                                                Kletterer in der Steilwand

 

Also machte ich mich auf Richtung Mayen, immer der Landstraße nach. Es ging weiter über den Bellerberg oder auch „Ettringer Bellberg“ genannt zur historischen Abbaugrube. Nach einer halben Stunde erreichte ich auf der rechten Seite den Standort Ettringer Lay.

 

         

                                             Blick auf die Eifelstadt Mayen

 

Über den Parkplatz ging es an Schautafeln vorbei Richtung Grube, plötzlich stand ich vor einer riesigen Basaltwand. 30m hoch ragt sie vor mir, eine breite und hohe Abbauwand mit Alpinisten, die in der heutigen Kletterwand hingen. Hier finden die Kletterer ideale  Trainingsmöglichkeiten und werden betreut vom Deutschen Alpenverein. Auf dem Grubengelände findet man auch die Spuren vergangener Tage, wie z.B. „Layenkräne“, alte Elektrokräne, die für den Tagebau erforderlich waren. Hier im alten Steinbruch wurden schon zur Römerzeit Mühlsteine gebrochen, Rohlinge, die man dort gefunden hat, beweisen es.

 

                                         

                      Pfarrkirche St. Clemens                              Jakobsrelief

 

Nach ein paar Kilometern erreichte ich über die Landstraße die schöne Stadt Mayen im Tal der Nette. Ausgangspunkt für die nächste Jakobusexkursion nach Monreal und weiter zur Mosel. An der Pfarrkirche St. Clemens, dem Wahrzeichen der Stadt, fand ich noch ein großes Jakobsrelief. Nach kurzer Besichtigung trat ich meine Heimreise an und fuhr mit dem Zug vom Bahnhof Mayen-Ost  nach Andernach und weiter ins Ruhrgebiet.

 

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Fortsetzung: Spurensuche in der Eifel IV

 

Freitag, 15. Mai 2009

  

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Jakobsweg durch

die Eifel (1)

 

 Von Niederzissen

bis nach Mayen

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        Auf Jakobusspuren

 

Weg zum Hochstein 

 

Vulkanlandschaft

 

Steinbruch -
im Hintergrund Hochstein

 

Der Steinbruch am Wingerstberg (Mendig)

 

               Waldpfad

 

              Waldaltar

 

                Ettringen

 

kleine Kapelle in Ettringen

 

        Mühlstein aus Basalt

 

             Basaltgrube

 

        Die Historische Lay

 

              Jakobsstele

 

St. Clemens in Mayen