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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

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Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Auf dem Moselcamino (IV)

Goethes Sturmfahrt und die Jakobustraditionen

Von Traben-Trarbach bis Bernkastel-Kues

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Den Mosel-Camino flussaufwärts zu laufen ist eine echte Herausforderung für die Jakobspilger und zugleich ein wahres Wandervergnügen. Immer wieder finden wir lange und enge Flussschleifen vor, die sich in das Landschaftsbild der steilen Weinberge einprägen. Manches Mal verkürzen wir und gehen über einen Bergrücken. Lohn der Mühe: die fantastischen Aussichten auf einen der schönsten Flüsse in Deutschland.

 

         

                 Brückentor in Trarbach                       St. Nikolauskirche in Trarbach (1875)

             

Traben Trarbach

 

Nach unserer Anreise mit der Moselwein-Bahn von Bullay, genannt „Saufbähnchen“, trafen wir in Traben ein. Diese Eisenbahnverbindung nutzte schon Kurt Tucholsky mit seinen Freunden Karlchen und Jakopp (1929). In zahlreichen Trinkpausen „moselten“ sie sich von Trier kommend die Mosel abwärts, nicht abgeneigt, sich von den Moselschönheiten bewirten zu lassen. So schrieb Tucholsky in seinem Tagebuch: Marietta war so schön, dass mir, als ich sie an diesem Nachmittage zum ersten Male sah, die Pfeife ausging; das geschieht alle Jahr nur dreimal: diesmal also in den "Drei Königen" zu Bernkastel - so schön war sie.

 

Die Stadt Traben-Trarbach war in Vorbereitung einer alten Weintradition der Stadtschröter, die das Jakobsfest (25. Juli) zu Ehren des Schutzheiligen der Pilger und auch der Schröter feiern. Drei Tage dauern die Feierlichkeiten und zum Schluss wird die neue Stadtweinkönigin für das Jahr 2009 gekrönt.

 

Der Beruf des Schröters ist eine uralte Tradition, die schon vor 2000 Jahren begann. Noch bis ins 18. Jahrhundert wurde der Schröterberuf ausgeführt. Überall wo der Weinhandel stattfand, schrotete („schleifen“ – „ziehen“) man die vollen und leeren Fässer von Keller zu Keller oder zu den Schiffen und den Pferdefuhrwerken (Weinwagen).  

 

              

              Stadtturm mit Glockenspiel                                 Gasse in Trarbach

 

Traben-Trarbach liegt wunderbar an einer Moselschleife, eine moderne Brücke verbindet die beiden Stadtteile miteinander. Etwas nördlich von Traben liegt der Mont Royal mit den gleichnamigen Ruinen der Festungsanlage. Südlich von Trarbach thront über der Stadt die Ruine Grevenburg (1350) mit wunderbarer Aussicht auf die Moselschleife. In Trarbach geht es durch ein altes Brückentor und man erreicht von dort den historischen Ortskern. In der Altstadt von Trarbach befinden sich in den engen Gassen viele Häuser im Jugendstil des 19. Jahrhundert, der „Belle Epoque“.

 

         

        Mittelmosel-Museum - "Haus Böcking"            Gedenktafel an "Goethes Sturmfahrt"

 

Am „Alten Stadtturm“ mit Glockenspiel vorbei erreicht man die kleine Museums-Zeile. Sehenswert das neue Fahrradmuseum mit vielen Exponaten aus verschiedenen Jahrhunderten sowie das Mittelmosel-Museum, das wir kurz besichtigen konnten. In einem prächtigen Patrizierhaus (1755), der Barockvilla „Haus Böcking“, findet man in 20 Räumen eine zeitgenössische Kunstsammlung vor, die einen in der Zeit des Jugendstils zurückversetzt. Sie zeigt in beeindruckender Weise die Wohnkultur der vergangenen Jahre. Darunter befinden sich viele kostbare Fundstücke des Sammlers und „Heimatbildners“ Dr. Ernst Willen Spies.  Ein besonderes Augenmerkmal für uns: das detailgetreue „Goethe Zimmer“. Goethe war im November 1792 zu Gast bei der Trarbacher Kaufmannsfamilie Böcking. Eine sehr freundliche und engagierte ehrenamtliche Mitarbeiterin des Museumsteams, Frau Ingrid-Renate Mees, erzählte uns die Geschichte von der stürmischen Ankunft des bekannten deutschen Dichters.

 

         

        Das Goethe Zimmer -Rüdiger Schneider im Gespräch mitFrau Ingrid-Renate Mees

 

Goethes Sturmfahrt

 

Es war das Jahr 1792, zur Zeit der französischen Revolution. Goethe war in Frankreich auf Reisen und war zwischen die Fronten geraten. Er floh vor diesen Unruhen, die ganz Europa betrafen.  Durchgerüttelt ging es per Kutsche von Metz nach Trier – dann per Boot beschaulich flussabwärts auf der Mosel, bis kurz vor Traben-Trarbach. Hier geriet das Boot in einen heftigen Sturm, im dichten Nebel und in der starken Strömung des Flusses war das rettende Ufer von der Besatzung und dem Bootsführer nicht mehr auszumachen. Schon einmal war Goethe auf seiner Italienreise (vor Capri, Mai 1787) in Seenot geraten und ist dem Tod von der Schippe gesprungen. Betroffen von der Situation dachte er an diesen Tag. In Sorge, das Ufer nicht zu erreichen, hoffte er auch dieses Mal auf eine Rettung. Plötzlich sahen sie in der Ferne die Lichter der Ortschaft, die der aufsteigende Nebel freigab. Mit letzter Kraft ruderten sie, unversehrt, aber durchnässt erreichten sie das Ufer von Trarbach. Als er sich vom Schrecken des Sturms erholt hatte, war er als Gast bei der Kaufmannfamilie Böcking eingeladen, es gab Huhn und Reis und natürlich den schmackhaften Moselriesling, der dazu beitrug, den drohenden nassen Tod schnell zu vergessen. Am „Haus Böcking“ erinnert heute eine Gedenktafel an „Goethes Sturmfahrt“ - Mit den Worten: „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muss“ [Faust]

 

              

 

Graacher Schanzen

 

Wir verließen Trarbach kurz über den Wolferweg, dann ging es aufwärts an der Villa Sonora vorbei. Nach ein paar Metern führt uns ein Wanderpfad weiter bergauf durch die Weinberge. Wunderbare Aussichten auf die alte Ruine Grevenburg und Traben-Trarbach sowie das Kautenbachtal. Umso höher wir den Pfad hinauf stiegen desto breiter öffnete sich uns das Panorama der Mosellandschaft. Wir wanderten auf dem Panorama Weg in Richtung Graacher Schanzen. Nur 4,5 km bis nach Bernkastel, so war es auf den Hinweisschild zu lesen. Wir folgten dem Zeichen der uns vertrauten Muschel – es ging stetig weiter bergauf durch dichte Wälder und Wiesen, bis wir das Hochplateau erreicht hatten. Mittlerweile waren wir eine Zeit lang unterwegs und die knapp 5 km müssten wir schon längst erreicht haben – Bernkastel war nicht in Sicht, stattdessen befanden wir uns auf einem Rundweg  - immer wieder tauchten Schilder auf „Zu den Schanzen“. 

 

         

                        Wunderschöner Panoramaweg mitten durch die Weinberge

 

Was sind eigentlich Schanzen? Wir hatten eine Art Aussichtpunkt erwartet – Doch im Nachhinein erfuhren wir, dass es strategische, militärische Wehranlagen waren. Auf den bewaldeten Höhen wurden Bäume gerodet um sich vor den herannahenden Feindestruppen zu verschanzen. Diese gesicherten Befestigungsanlagen mit Wällen und Gräben umgeben, bauten und nutzten sowohl Franzosen als auch die Preußen. Das Schanzensystem entstand im 18. Jahrhundert zum Schutz gegen die einfallenden französischen Revolutionsarmeen.

 

         

                Panoramaweg mit ständigem Ausblick auf die Mosel und Traben-Trarbach

 

Die Graacher Schanzen liegen auf  434m Höhe an der schmalsten Stelle der Moselschleife, zwischen Bernkastel und Trarbach. Heute ein zum größten Teil aufgeforstetes Biotop, in dem Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum haben. Über einem Pfad ging es hinab zur Schäferei und nach Graach, auf der andere Seite des Bergrückens. Hier öffnete sich der Blick wieder auf die Mosel und die umliegenden Ortschaften Bernkastel-Kues und Graach. Steil und in langen Serpentinen führte uns der Wanderweg durch die Weinberge hinunter ins Moseltal. Einige kleine Kapellen und Bildstöcke standen am Wegesrand und wir durchquerten das Dörfchen Graach an der Mosel, bis wir schließlich Bernkastel erreicht hatten.

 

         

    Weinbergweg nach Graach und Bernkastel                      Das Graacher Tor

 

Durch das Graacher Tor gelangten wir in die bezaubernde Altstadt. 

 

 

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Fortsetzung: Auf dem Moselcamino V 

 

Donnerstag, 30. Juli 2009

 

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Moselcamino 2

 

Von Traben-Trarbach bis

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