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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Ruhrgebiet III

Von Hattingen und Burg Blankenstein
bis zum Wasserschloss Kemnade

 

Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Über den Ruhrleinpfad erreichte ich Hattingen mit seinem historischen Stadtkern. Nach der umfangreichen Besichtigung ging es weiter zur Burg Blankenstein und zum Haus Kemnade, ein Wasserschloss am Ruhrufer. Ganz in der Nähe befindet sich der  Kemnader See, er liegt zwischen Bochum, Hattingen und Witten.    

 

Hattingen - Alte Hanse an der Ruhr

 

Die beschauliche Stadt Hattingen an der Ruhr wurde erstmals um 900 als Reichshof erwähnt. Sie liegt im südlichen Ruhrgebiet, eingebettet in eine malerische Landschaft. Die günstige Lage der am Südufer der Ruhr gelegenen Stadt machte Hattingen zum Handelszentrum. Sie tritt 1554 der Hanse bei und wurde so Teil eines Städtebundes. Über die Ruhrbrücke geht es zum kleinen Hellweg (Hilinciweg) und zum großen Hellweg, zwei Handelsstraßen, die auch als Jakobsweg dienten. Hier zogen schon im Mittelalter viele Kaufleute und Pilger, auch Jakobspilger vorbei. Nachbarstädte sind Essen, Bochum, Witten und Wuppertal. Mit dem Abschlussvertrag einer Stadtbefestigung im Jahre 1396 wurde Hattingen zur Stadt erklärt. 

 

   

        Altstadt in Hattingen                    Altes Rathaus                          Bügeleisenhaus

 

Bis heute kann man die alten Befestigungsmauern und die bis zu 150 Fachwerkhäuser aus dem 15. Jahrhundert bewundern. In der Altstadt findet man viele Sehenswürdigkeiten, die einen mittelalterlichen Charakter haben. In den engen Gassen und Winkeln spürt man das Flair, die Atmosphäre, einer geschichtsträchtigen Stadt. Auseinandersetzungen und Kriege haben ihre Spuren hinterlassen. Auch das Zeitalter des Bergbaus und der Stahlindustrie (Henrichshütte) hinterließ seine Narben. Ende des 20. Jahrhunderts musste auch Hattingen wie viele andere Städte des Ruhrgebiets den Strukturwandel hinnehmen. 

 

              

                      Fachwerkhäuser                                            Am Kirchplatz

 

Eine neue Ära beginnt – wie sie ausgeht, weiß kein Mensch. Doch bin ich mir sicher, dass Hattingen auch diese Zeit überstehen wird. Mit einigen Menschen in der Altstadt hatte ich gesprochen und spürte bei ihnen ein wenig Wehmut in der Stimme, aber dennoch positiv und zukunftsorientiert zeigten sie mir ihre blumengeschmückten Fachwerkhäuser und Gärten. 

 

         

          Stadtbefestigung mit Fachwerkhaus                    Stadtmauer Grabenstraße 

 

So bummelte ich ein wenig durch die Altstadt und genoss die Atmosphäre, sah mir einige historische Gebäude und Kirchen an. Zum Beispiel das alte Rathaus aus dem Jahre 1576, früher eine Markthalle (Fleischhalle). Den Kirchplatz mit seiner bekannten St.-Georgs-Kirche, um 1200 aus Ruhrsandstein gebaut. Um die alte Kirche herum findet man die ältesten Fachwerkhäuser, früher befand sich dort auch die Hattinger Münze. Früher lag hier auch die Begräbnisstätte für die Hattinger Bürger. Eine Vorgängerkirche soll schon um 820 an gleicher Stelle gestanden haben. Auffällig der nach Südwesten geneigte Spitzturm der Kirche, er wurde vermutlich so konstruiert, dass er bei Sturm oder Blitzeinschlag nicht auf das Kirchenschiff fällt. Im Inneren der Kirche beeindruckt der hölzerne Altar und die Kanzel sowie die Orgel aus dem Jahr 1826/ 30. Schutzpatron der Kirche ist der hl. Georg (303), auch das Stadtwappen von Hattingen zeigt den Drachentöter St. Georg.

 

    

St. Georgs-Kirche im Malerviertel - Fachwerkhaus (15. Jh.) - Glockenturm d. f. Johanniskirche

 

Weitere Sehenswürdigkeiten: Der Glockenturm der ehemaligen Johanniskirche, die im 2. Weltkrieg zerstört wurde. 1688 stand an gleicher Stelle das Stadtweinhaus mit Saal. Denn seit 1406 hatte Hattingen das Recht erworben Wein auszuschenken, innerhalb der alten Stadtmauern wurde früher Wein angebaut. Eines der bekanntesten Fachwerkhäuser Hattingens ist das Bügeleisenhaus, bis 1856 wurde hier eine Tuchweberei betrieben.

 

         

                 Ludwigstal bei Hattingen                          Blankenstein, Vidumestraße 21

 

Über den Obermarkt auf der Heggerstraße verließ ich die Altstadt und wanderte weiter Richtung Welper. Am Avantgarde Hotel nahm ich einen kleinen Trampelpfad, überquerte die Blankensteinerstraße und ging durch das Ludwigstal hinauf zur Klinik Blankenstein. Nach wenigen Metern erreichte ich über die Vidumestraße das historische Zentrum von Blankenstein mit seiner gleichnamigen Burg.

 

Burg Blankenstein und die Freiheit

 

Die heutige Burg Blankenstein ist seit langer Zeit ein beliebtes Ausflugsziel. Sie liegt fast 100 Meter oberhalb der Ruhr mit Aussichten auf das weite Ruhrtal. Gebaut hatte sie Graf Adolf I. von der Mark 1227, zwei Jahre nach der Ermordung des Erzbischofs Engelbert von Köln und dem Fall der Isenburg. Eine weitere Burg, die Burg Wetter, sie liegt auch an der Ruhr, gehört ebenfalls der Grafenfamilie von der Mark. Die Grafschaft Mark zählte im Hochmittelalter zu den mächtigsten Grafschaften in Westfalen. Die strategische Lage der Burgen an der Ruhr war schon lange Zeit von großer Bedeutung, die Folge waren Erb- und Gebietsstreitigkeiten. Erhalten geblieben sind bis heute ein 30 Meter hoher viereckiger Turm aus Ruhrsandstein und kleine Rundtürme sowie Reste einer Ringmauer.  

 

   

        Burg Blankenstein              Kirche St. Johannes Baptist               Turmanlage

 

Unterhalb der Burgruine liegt die „Freiheit“, sie zeigt den noch gut erhalten Kern erster Besiedlung. Viele Fachwerkhäuser, in denen einst Handwerker und Bedienstete ansässig waren, vermitteln bis heute den mittelalterlichen Charakter. Die Menschen hatten besondere Privilegien und Freiheiten und standen unter dem Schutz des Burgherrn.        

 

Von großer Bedeutung war auch, der Überlieferung nach, dass Engelbert II. von der Mark im Jahre 1321 als Bochumer Abgesandter Bochum die Stadtrechte verliehen hatte. Als gebürtiger Bochumer erinnere ich mich hier an das traditionelle Maiabendfest in Bochum, das auf Graf Engelbert III. zurückgeht. Er residierte 1347 bis 1391 auf der Burg Blankenstein. Im Jahr 1388 lag er mit der freien Stadt Dortmund in Fehde. Sie sollen in der Harpener Bauernschaft, nahe des Bockholter Waldes, das Vieh gestohlen haben. Die Bauern taten sich zusammen und mit Unterstützung der Bochumer Junggesellen, holten sie ihr gestohlenes Eigentum zurück. Aus Dankbarkeit durften die Junggesellen jedes Jahr am Tag des ersten Mai den schönsten Eichenbaum aus dem Harpener Bockholt holen, der wiederum nach Bochum getragen wurde. 

 

           

     Marktplatz mit Ev. Kirche in Blankenstein                Die "Freiheit" in Blankenstein

 

Das Dorf und Burg Blankenstein, Freiheit seit 1355, hatte im Laufe seiner belebten Geschichte viele Menschen angezogen. Anfangs lebten sie noch von der Tuchmacherei und der Weberei wie z. B. in der Tuchfabrik Gethmann & Consorten, auch andere Handwerksbetriebe waren vorhanden. Und nach der Fertigstellung der Chaussee 1855 (heutige Wittener Straße), begann der Besucherandrang. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde Blankenstein von tausenden Besuchern aufgesucht. Ausflugslokale, Gaststätten und Cafés prägten das Dorfbild. Tourismus pur – man könnte fast sagen, die Blankensteiner hätten den Tourismus erfunden. Aus Nah und Fern sind sie angereist und genossen die Burgenromantik und das mittelalterliche Flair. Wahrlich nichts für einen Pilger, aber dennoch bewundernswert. Der beschwerliche Weg zur Burg wurde mit einer Bahn, alte Postkarten zeigen es, erleichtert. Die Einwohner und Besucher hatten eine gute Zeit gehabt.

 

   

   Chorraum mit Kanzelaltar          Ev. Kirche Blankenstein                  Kanzel (Detail)

 

Sehenswert die Evangelische Kirche unterhalb der Burg, aus dem 18. Jahrhundert. Im Inneren der Kirche fällt einem sofort der barocke Kanzelaltar auf. Sie wurde anstelle der alten Schlosskapelle errichtet. In Zeiten der Reformation im 16. Jahrhundert wurden die Katholiken auch in Blankenstein durch den Beschluss des Droste von Syberg, der protestantisch war, aus der Schlosskapelle verwiesen. Die katholische Gemeinde protestierte und bekam 1794 ihre Kirche St. Johannes Baptist. Sie befindet sich am Marktplatz und wurde vom Abt Beda von Werden 1801 eingeweiht. Im Inneren befindet sich der fast lebensgroße Corpus Christi aus der Dürerzeit.   

 

         

                         Katzenstein                                             Schutzhütte im Wald

 

Blankenstein verlasse ich über eine historische Route (Westfalenweg), über den Katzenstein, ein Naturschutzgebiet. Von der Hauptstraße aus folgte ich die Straße nach Sprockhövel und über den Röhrkenweg führte ein steiler Pfad auf den Katzenstein hinauf. Am Ausflugslokal Krans vorbei, durch eine wunderbare Waldlandschaft, hinunter zur Ruhr. Kurze Zeit später erreichte ich die Wasserburg „Haus Kemnade“.

 

Haus Kemnade und die Stiepeler Dorfkirche

 

Haus Kemnade (1270) vermittelt einem den Eindruck, eine Wasserburg zu sein, doch ist man sich nicht ganz einig. Durch einen Brand wurde die alte Burganlage 1589 völlig zerstört. Durch ein Ruhrhochwasser hatte sich auch der Verlauf der Ruhr geändert, und so kam vermutlich das Wasser durch einen Altarm in die Gräfte?  Sei es drum, Haus Kemnade wurde wieder aufgebaut und sieht prachtvoll aus.

 

              

                      Haus Kemnade                                          Herbstimpressionen

 

Auch das Innere bietet wahre Kunstschätze, alte verzierte Kamine, Deckendekorationen und nicht zuletzt, im Museum, die kostbaren Ausstellungsstücke von Musikinstrumenten und Spieluhren aus dem 16. bis 20. Jahrhundert. All dies trägt zum Ambiente eines richtigen Schlosses bei.

 

         

                    Stiepeler Dorfkirche                        Wandmalereien I (Dorfkirche in Stiepel)

 

Ganz in der Nähe befinden sich auch der Kemnader See und das Dorf Stiepel mit seiner 1000jährigen Dorfkirche. Die romanische Basilika liegt etwas oberhalb der Ruhr und wurde  von Gräfin Imma von Stiepel, einer Verwandten des Kaisers Heinrich II., gestiftet. Die eindrucksvollen mittelalterlichen Wandmalereien (Fresken) aus dem 12. bis 16. Jahrhundert sind besonders hervorzuheben und wohl einzigartig in Westfalen.  

 

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Fortsetzung: Spurensuche Ruhrgebiet (IV)

                     Pilgern auf dem Jakobsweg – Von Herdecke bis nach Hagen-Haspe

 

Herne, 24. Oktober 2009

 

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Von Dahlhausen nach Hattingen

 

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Blankenstein - Wasserschloss Kemnade - Bochum-Stiepel

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Wir: das sind Dr. Rüdiger Schneider und ich. Rüdiger Schneider begleitete mich 800 Kilometer durch Frankreich, insbesondere auf der „Via Podiensis“.

 

St. Peter und Paul Kirche, Hattingen

Die schiefe Kirchturmspitze

der St.-Georgs-Kirche

Chorraum, St.-Georgs-Kirche

Glockenturm

Alter Brunnen

Stammhaus Gethmann

Marktplatz Blankenstein

Altes Fachwerkhaus

Burgruine Blankenstein

Blick auf Bochum-Stiepel

Wasserschloss Kemnade

Die 1000-jährige Dorfkirche 

Chorraum - Stiepeler Dorfkiche

Wandmalereien II

Wandmalereien III

Wandmalereien IV

Wandmalereien V