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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Ruhrgebiet (I)

Von der Pilgerkapelle St. Bartholomäus am

Hellweg bis nach Dahlhausen an der Ruhr

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Der Jakobsweg als Kulturweg des 21. Jahrhunderts bekommt immer mehr Zulauf. Im Ruhrgebiet werden immer mehr Jakobswege erschlossen. So soll 2010 auch Wattenscheid seinen Jakobsweg bekommen. In der historischen kleinen St. Bartholomäuskapelle am Wattenscheider Hellweg befand sich lange Zeit eine holzgeschnitzte Jakobusskulptur.

 

Viele Ruhrgebietsstädte schließen sich seit einiger Zeit an das Wegenetz des Jakobswegs an, dem ersten „Europäischen Kulturweg”. Eine Vernetzung, die auch durch das Ruhrgebiet führt.

 

So begab ich mich Ende September noch einmal auf Spurensuche. Über Bochum erreichte ich gegen Mittag den Stadtteil Höntrop, er gehört zum Stadtbezirk Wattenscheid. Im Herbergsregister des Klosters Werden wird der Ort 890 erstmals als „Hogingthorpe“erwähnt. Bekannt ist Höntrop durch seine über 400jährige Tradition des umstrittenen Gänsereitens und den großen Karnevalszug am Rosenmontag.

 

         

          Pfarrkirche St.Maria Magdalena                     Detailansicht des Turmes mit Uhr

 

Früher war es eine sehr ländlich geprägte Region am Hellweg mit vielen Bauernschaften. Der Hellweg, eine im Mittelalter benannte Fernstraße (Königs- oder Heerstraße), er führt direkt durch den Ortskern Höntrop. Zwischen den großen Feldern der Nachbargemeinden Leithe, Westenfeld, Sevinghausen, Höntrop und Eppendorf, verband der alte Hellweg einst das östliche Westfalen von Paderborn bis zum Rhein (westfälischer Hellweg) nach Duisburg. Städte wie Soest, Werl, Unna, Dortmund, Bochum und Essen lagen an der alten Fernhandelsstraße. Nicht nur Kaufleute nutzten den Weg für ihre Handelsgüter, wie Salz und Eisenwaren, auch Pilger reisten über diese alte Verbindung zu Fuß bis zu den großen Rheinorten und weiter nach Aachen, Köln und Trier an.   

 

         

                Wattenscheider Hellweg                                 Baumallee am Hellweg

 

Mitten im Ortskern befindet sich eine große Straßenkreuzung (Zeppelindamm/Berliner Straße), sie verbindet Wattenscheid mit Bochum-Linden. Ganz in der Nähe direkt am Wattenscheider Hellweg steht die von Weitem sichtbare Pfarrkirche St. Maria Magdalena (1914-1915). Im Mittelalter stand an gleicher Stelle ein Leprosenhaus mit einer kleinen Kapelle. Eine Einrichtung für Kranke und Pilger, die im Hospiz gepflegt und seelsorgerisch betreut wurden.

 

         

               Hinweisschild an der Kapelle                St. Bartholomäus-Kapelle, Wattenscheid 

 

Nur 1 km weiter, im Stadtteil Sevinghausen, steht die St. Bartholomäus-Kapelle (1395), früher stand dort auch ein Pilgrimhaus, eine Herberge für Jakobspilger. Hier am Hellweg war es im Mittelalter und noch bis ins 19. Jahrhundert hinein nicht ganz ungefährlich. Die Ritter von Horst und so manche Banden machten ihre Beute und raubten reiche Kaufleute aus, die mit ihren Gütern auf dem Hellweg unterwegs waren.

 

Lange Zeit befand sich in der Kapelle eine hölzerne Jakobusfigur, ein Nachweis für einen Jakobusweg. Heute befindet sich die kostbare Holzfigur (15. Jahrhundert) im Pfarrbüro der Gemeinde St. Maria Magdalena, sie zeigt den Heiligen Jakobus als Pilger. Ich hatte Glück und traf die Gemeindesekretärin Frau Anna Olbrich vom Pfarrbüro und vereinbarte einen späteren Termin für eine Besichtigung.   

 

         

                 Wanderweg am Hellweg                          Herz-Jesu-Kirche, Sevinghausen

 

Ich machte mich wieder auf den Weg und forschte nach weiteren Wandermöglichkeiten, die auch Jakobspilger genommen haben konnten. Doch im 21. Jahrhundert nicht ganz einfach. Durch den starken Strukturwandel der letzten hundert Jahre durch Bergbau und Industrie nahm die Bevölkerungsdichte im Ruhrgebiet zu. Städte und Ortschaften wurden immer größer und rutschten immer enger zusammen, ein Zersiedlungsprozess, der bis heute andauert.

 

Ich versuchte einen aus heutiger Sicht geeigneten Weg zur Ruhr zu finden. Denn die Flussläufe waren schon immer ein Hilfsmittel um die richtige Richtung zu bestimmen. Gleich gegenüber der St. Bartholomäus-Kapelle (heute Autofahrerkapelle) aus dem 14. Jahrhundert führte mich der Sevinghauser Weg zur Kirche Herz Jesu (1908-1909) und weiter zum Helfs Hof, heute ein Heimatmuseum.

 

         

         Helfs Hof im Stadtteil Sevinghausen                      Heimatmuseum Helfs Hof

 

Anschließend nahm ich über die weiten Felder, parallel zum Hellweg, einen kleinen Trampelpfad. Die vielen Hochspannungsmasten zogen sich wie eine Kette gigantischer Kunstwerke durch die Landschaft. Trotz des diesigen, schlechten Wetters reichte die Sicht bis nach Wattenscheid und Gelsenkirchen. Nach einiger Zeit erreichte ich wieder den Hellweg und war zugleich auch im Essener Stadtteil Freisenbruch. Ich überquerte die stark befahrene Landstraße (Bochumer Landstraße) und erreichte über die Alleestraße einen Grüngürtel, eine umgebaute Bahnstrecke, den Wanderweg durch den Bergmannsbusch.

 

         

                 Trampelpfad am Hellweg                                Hochspannungsmasten

 

Einige Kilometer führte mich ein wunderschöner Wanderweg durch die Waldlandschaft. Am Berghang oberhalb des Weges entdeckte ich plötzlich eine freiliegende Kohleader, eine Kohleablagerung, die an der Oberfläche freiliegt. Es sind Reste, die an eine große Bergbautradition im Ruhrgebiet erinnern, denn auch hier gab es einige Zechen wie Wohlverwahrt und Eiberg, heute Industriedenkmäler.  

 

         

              Kohleader am Wanderweg                          Detailansicht der "Glanzkohle"

 

Durch ein kleines Tal erreichte ich das Freibad (Schwimmzentrum Oststadt - Steele-Horst/Freisenbruch) und weiter ging es über die S-Bahn-Gleise nach Essen-Horst.

 

         

           Wanderweg (A1) - Steele-Horst                        Waldweg (Bergmannsbusch)

 

Ein schmaler Weg führte mich aus dem Tal heraus, bergauf bis zur Pfarrkirche St. Joseph. Die katholische Kirche, die über 100 Jahre alt ist, liegt im Essener Stadtteil Steele-Horst. Ganz in der Nähe befinden sich die mittelalterliche Ringwallanlage einer Vryburg und die Burgruine Horst (Haus Horst), sie liegt nördlich der Ruhr auf einer Anhöhe. Im Mittelalter ein Besitz von den Herren von der Horst. – Eine Zeitlang war die Gegend nicht sicher, Straßenraub und Überfälle auf Gehöfte waren an der Tagesordnung. Für Pilger nicht ganz ungefährlich.  

 

         

             Bahnübergang (Essen-Horst)                             Fachwerkhaus am Weg

 

Kurze Zeit später ging es von den Ruhrhöhen bergab zur Ruhr. An der Straße „In der Lake“ überquerte ich über der Pontonbrücke (Schwimmbrücke) die Ruhr und setzte meinen Weg flussaufwärts fort. Ein paar Meter weiter kommt man an einer Schleuse vorbei, auf der anderen Seite fällt der Blick sofort auf das Wasserkraftwerk, die ehemalige Karbidfabrik Vogelsang. Auf deren Industriegelände befand sich noch im 18. Jahrhundert die Horster Mühle. Hoch über die Ruhr ragt aus dem Buschwerk die Villa Vogelsang heraus.

 

         

         Pfarrkirche St. Joseph, Essen-Horst                             Gedenkglocken

 

Jahrhunderte lang entstand am Fluss eine Großindustrie. Hochöfen und Fabriken entlang des Flusses prägten einst das Landschaftsbild. Die Ruhr diente als Transportweg für Steinkohle, Salz, Getreide und andere Güter, zwischen Witten und Duisburg. Sie war einer der meist befahrenen Wasserstraßen Deutschlands. Heute sind das Ruhrtal und der Fluss beliebte Ausflugsziele, sie laden zum Wandern und Radfahren ein. Die „Kaiser-Route“, ein Fernradweg (Paderborn-Aachen) nach Kaiser Karl dem Großen benannt, führt auch an der Ruhr entlang. Etwas weiter ein Abzweig nach Burgaltendorf und zur gleichnamigen Burgruine „Burg Altendorf“.

 

         

      „In der Lake“ - Altes Gasthaus Großjung      Schwimmbrücke an der Ruhr, Essen-Horst

 

Kurze Zeit später erreichte ich die historische Eisenbahnbrücke der Ruhrtalbahn, heute eine Fußgängerbrücke nach Bochum-Dahlhausen. Es ist spät geworden und die Dämmerung setzte langsam ein, für heute beende ich die Etappe und setze die Spurensuche später fort. Ich nahm kurzer Hand den Weg durch einen Tunnel und kam am Eisenbahnmuseum heraus. Von hier werden im Sommer regelmäßig Sonderfahrten mit dem historischen Museumszug angeboten. Das Museum liegt auf die „Route der Industriekultur“ und ist ein Muss für Eisenbahnfreunde.

 

         

         Ruhrradwanderweg „Kaiser-Route“                                   Die Ruhr

 

Über die Dr.-C.-Otto-Straße, die nach Dahlhausen und zur Hattinger Straße führt, erreichte ich am Fabrikgelände vorbei die Straßenbahnhaltestelle, meine Verbindung nach Herne. Mit der Linie 318 fuhr ich zum Hauptbahnhof Bochum und weiter mit der U-Bahn nach Herne.

 

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Fortsetzung: Spurensuche Ruhrgebiet (II)

                      Über den Ruhrleinpfad zur Burg Isenburg und nach Hattingen

 

Herne, 6. Oktober 2009

 

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