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Mein Jakobsweg

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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

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Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Rhein-Sieg-Kreis (I)

Vom Galgen- und Hühnerwunder in Herchen

bis zum Michaelsberg in Siegburg

Von Herchen bis nach Eitorf

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Nachdem wir im letzten Monat mit Trier und der Benediktiner Abtei St. Matthias das Ziel des Mosel-Camino erreicht hatten, ging es jetzt in der ersten Septemberwoche in den Rhein-Sieg-Kreis. Genauer gesagt ins „Windecker Ländchen“, einem waldreichen Höhenzug mit Tälern, entlang der Sieg. In Herchen, einem kleinen Ort direkt am Fluss  machten wir uns erneut auf die Suche nach Jakobs Spuren.

 

Die Sieg, ein östlicher Nebenfluss des Rheins, fließt durch das Siegerland und das Siegtal. Die Quelle befindet sich im südlichen Teil des Rothaargebirges, 3 km südöstlich vom Ederkopf (bei Walpersdorf) entfernt und mündet nach 155 km bei Bonn (zwischen Geislar und Mondorf) in den Rhein. Ein großer Mittelgebirgsfluss, in dessen Quellgebiet auch die Flüsse Eder und Lahn entspringen.

 

         

                   Natürliches Flussbett                                      Kiesstrand der Sieg

 

Auf dem Höhenkamm des Rothaargebirges (650m) befindet sich auch eine alte Handels- und Fernverkehrsstraße, die Eisenstraße, die schon seit keltischer Zeit genutzt wurde. Im Hochmittelalter war sie Transportweg für den Eisenhandel, in den umliegenden Bergen wurde das Eisenerz abgebaut und in den Waldschmieden gleich verarbeitet. Mit dem Roheisen erzeugte man unter anderem Waffen, Helme und Harnische sowie für die Landwirtschaft, Sicheln und Sensen und ähnliches.      

 

In dieser bewaldeten Bergregion, einem Teil der Rhein-Weser-Wasserscheide, fließen nicht nur die Gewässer der Flüsse und Bäche in verschiedenen Richtungen ab, sondern es kreuzen sich auch verschiedene Heer- und Handelsstraßen. Fünf Wanderwege und Pfade aus allen Himmelsrichtungen treffen sich hier, ein wichtiger Kreuzpunkt alter Transportwege und wahrscheinlich auch alter Pilgerwege. Funde alter Besiedlungen lassen darauf schließen. So führt ein ostwestlicher Weg von Leipzig nach Köln und Bonn. So könnte auch ein Pilgerweg von Siegen durch das Siegerland und das Siegtal geführt haben. Viele Klöster, die sich an der Sieg angesiedelt hatten, lassen darauf schließen. Und auch die Tatsache, dass man in Herchen (Gemeinde Windeck), in der Pfarrkirche St. Peter, besonders gut erhaltene mittelalterliche Wandmalereien (15. Jahrhundert) vorfand, verstärkt diese Theorie.

 

       

         Treppenaufstieg zur Kirche                    Die Pfarrkirche St. Peter, Herchen

 

Bei den Wandmalereien in Herchen handelt es sich um mittelalterliche Fresken, die die Jakobuslegende des Galgen- und Hühnerwunders von Santo Domingo de la Calzada darstellen. Diese besonderen Wandmalereien lassen sich noch an verschiedenen Orten in Deutschland wie in Rothenburg o. d. Tauber (Jakobuskirche), Überlingen (Jodokkapelle), finden. Auch in Südtirol, in der Schweiz und Frankreich ist das Jakobuswunder bekannt.

 

Die Legende vom Hühnerwunder

 

         

Pilgerfamilie kehrt in einem Wirtshaus ein (Bild 1)
Sohn wird angeklagt und an den Galgen gebracht (Bild 2)

 

In der Legende wird von einer aus dem Rheinland (Xanten) stammenden Familie berichtet, die auf dem Pilgerweg nach Santiago ist. In Santo Domingo kehrten sie zur Übernachtung in einem Gasthaus ein, die Tochter des Wirtes verguckte sich in den Sohn der Familie. Doch er bleibt standhaft und lässt sich nicht verführen. Aus Rache vor der Schmach versteckt sie in seinem Gepäck einen silbernen Becher. Am nächsten Tag machte sich die Familie wieder auf den Weg. Kurz darauf wird der Sohn des Diebstahls beschuldigt, man findet den angeblich gestohlenen Becher. Vor dem Richter wird er verurteilt und gehängt. Die trauernden Eltern setzten die Wallfahrt ohne ihren Sohn fort.  Am Grab des Heiligen Jakobus klagten sie ihr Leid und kehrten nach 36 Tagen wieder nach Santo Domingo zurück. Dort fanden sie ihren Sohn immer noch am Galgen hängend vor, er lebt, er wurde von Jakobus am Leben erhalten. Schnell eilten die Eltern zum Richter, der gerade beim Essen sitzt. Er glaubt den Eltern nicht und sagt, dass der Sohn so tot sei wie die gebratenen Hühner auf seinem Teller. Daraufhin flattern die Hühner mit Gegacker davon.

 

         

Am Grab des Heiligen Jakobus bitten die Eltern um Hilfe (Bild 3)
Nach 36 Tagen kehrten sie zurück und ihr Sohn lebt. (Bild 4)

 

Seither wird in der Kathedrale von Santo Domingo de la Calzada ein weißer Hahn und eine weiße Henne in einem Käfig gehalten, um an die Legende zu erinnern. Die Hühner sind Leihgaben von Bauern aus den umliegenden Dörfern und werden regelmäßig alle 21 Tage ausgetauscht.

 

         

Die Eltern begeben sich zum Richter und erzählen von dem Wunder (Bild 5)
Der Wirt und seine Tochter hängen am Galgen (Bild 6)

 

Diese Bildgeschichte zeigt uns, dass im Mittelalter Fremde und Pilger oftmals schutzlos waren und auch, dass das Gastrecht missbraucht wurde. Doch gab es auch das Gebot der Gastfreundschaft. Im 3. Buch Mose 19, 33-34 heißt es: „Wenn ein Fremder bei euch wohnt, dann sollt ihr ihn nicht bedrücken… Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer… und du sollst ihn lieben wie dich selbst… Denn ich bin der Herr, euer Gott.“  Im Christentum galt die Aufnahme eines Fremden als Barmherzigkeit – diese heiligen Gebote machten sich die Klöster und Hospize zur wichtigsten Aufgabe und sie werden noch bis heute gepflegt und umgesetzt.

 

Ich selbst hatte auf meiner langen Pilgerreise oft die Möglichkeit in Klöstern zu übernachten. Und auch, wenn ich mich in Deutschland auf Spurensuche begab, fand ich in einem Kloster oftmals eine Herberge. Besonders meine Erfahrungen mit Nonnen und Mönchen des Benediktiner-Ordens, muss ich hervorheben und sehr loben, sie hatten immer ein offenes Ohr für Fremde und Pilger und strahlten überzeugte Barmherzigkeit aus. So heißt es in einer der Benediktus-Regel (Kapitel 53), für die Aufnahme von Gästen: Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus: denn er wird sagen: "Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen." (Mt 25,35) und allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern. (Gal 6,10)

 

         

             Wanderweg in den Siegauen                   Uferbewuchs mit Springkrautpflanzen

 

Die kleine Gemeinde Herchen liegt am Mittellauf der Sieg und ist eingebettet in die bewaldeten Höhen des Bergischen Landes und des Westerwaldes. Ein ausgebauter Wanderweg führt uns am idyllischen Flusslauf entlang durch die Siegauen. Eine landschaftliche reizvolle Flusslandschaft mit saftigen grünen Wiesen und einer Vielfalt an Blumen. Zwischendurch hatten wir immer wieder die Möglichkeit an die flachen Kiesstrände des Ufers zu gelangen.

 

Nachdem wir die Ortschaft mit den mittelalterlichen Wandmalereien besichtigt hatten, ging es auf die andere Flussseite. Über eine Brücke erreichten wir noch den Stadtteil mit dem ungewöhnlichen Namen „Übersehn“. Eine schöne Wanderstrecke führte uns weiter flussabwärts bis kurz vor Werfen, hier wechselten wir wieder die Uferseite der Sieg und wanderten an den bewaldeten Berghängen entlang in Richtung Eitorf.

 

         

             Wanderpfad durch das Siegtal                                 Pferdegeflüster  

 

Für uns eine kleine Abwechslung gegenüber der Mosel, die mit Ausflugschiffen und Frachtschiffen befahren wird. Hier fanden wir einen Mittelgebirgsfluss vor, den man nur mit einem Kanu befahren kann. Die Siegauen, die unter Naturschutz stehen, sind ein Biotop für seltene Tier- und Pflanzenarten. In den Uferbereichen breiten sich riesige Springkrautpflanzen (Balsaminengewächse) aus, die eine Höhe von 2 Meter erreichen können, sie heißen auch  Emscherorchideen oder Wupperorchideen, ein Paradies für Bienen und andere Insekten. Die duftenden Blüten leuchten in purpurroten Farben.         

 

Nach einigen Kilometern erreichten wir an der Bahnstation Herchen vorbei Stromberg. Der kleine Ort mit seinen typischen Fachwerkhäusern liegt an einer Siegschleife. Wir durchqueren die Ortschaft und kommen an einer kleinen Kapelle vorbei. Die alte Gemeinde, die erstmals 1131 als ein Hof erwähnt wurde, ist bekannt für ihre Uhrmacher, die im 18. Jahrhundert dort ansässig waren. Am späten Nachmittag wechselte das Wetter und ein kräftiger Landregen durchzog das Siegtal. Für uns kein Problem, mit Regenzeug und Kapuze folgten wir dem Flusslauf und wanderten bis zur Brücke nach Alzenbach und gingen hinüber.

 

         

                  Landregen an der Sieg                                     Die Sieg bei Eitorf

 

Auf der linken Siegseite kamen wir an einem kleinen Fachwerkhäuschen vorbei, es stand einsam auf einer Wiese am Ufer der Sieg und ist eine Kapelle. Wenig später erreichten wir den östlichen Stadtteil von Eitorf, machten ein paar Besorgungen und überquerten mit aller Vorsicht die stark befahrene Landstraße. Mit Rucksack und Handgepäck nicht ungefährlich und nicht zu empfehlen. Doch wir mussten auf die andere Straßenseite, um auf einem Feldweg zur Sieg zu gelangen. 

 

Endlich am Ufer und fernab des Autoverkehrs blieben wir in unmittelbarer Nähe der Sieg. Direkt am Wanderweg bauten wir unser Zelt auf und machten es uns gemütlich. Den ersten Tag an der Sieg beendeten wir mit einem guten Tropfen Rotwein.

 

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Fortsetzung: Spurensuche Rhein-Sieg-Kreis (II) 

                      Von Eitorf bis nach Lauthausen         

 

Herne, 7. September 2009

 

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