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Mein Jakobsweg

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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

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Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

       

 

Herbstimpressionen:

Goldener Oktober in Herne

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Warum immer in die Ferne schweifen, auch meine Heimatstadt Herne bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Stadt und ihre schöne naturnahe Umgebung zu Fuß zu erkunden. Gerade jetzt, wo sich der Goldene Oktober von seiner besten Seite zeigt, kann man die Farbenpracht des Herbstes überall im Stadtgebiet bewundern.  

Nicht weit von mir entfernt in Herne Baukau befindet sich das bezaubernde Schloss Strünkede, hier im gleichnamigen Park begann ich meinen herbstlichen Ausflug. Ein besonderer Tag, in goldgelben Farbtönen zeigte sich das prächtige Blattwerk der vielen Bäume im majestätischen Herbstzauber. Der blaue Himmel und das historische Umfeld des Schlosses Strünkede (16./17.Jh.) tat ihr übriges. Einst war es der Sitz des Rittergeschlechtes der Herren von Strünkede. Unter ihnen der legendäre „tolle Jobst“ von Strünkede, der als berüchtigter Raubritter seinem Namen alle Ehre machte. Im Wasserschloss Strünkede befindet sich heute das Emschertal-Museum mit unzähligen Exponaten aus der Ur- und Frühgeschichte sowie Stadt- und Schlossgeschichte, ein Besuch, der sich wirklich lohnt.

 

               Schloss Strünkede                                           Schlosskapelle

 

In der alten Schlosskapelle (13. Jh.), das älteste Bauwerk in Herne, findet man noch Spuren der Edelleute, hier befindet sich auch das Grab des Jobst von Strünkede. Das Schloss und die Kapelle sind von einem ringförmigen Wassergraben umgeben, in dessen Wasser sich bizarr die Herbstimmung widerspiegelt. Auch das Schollbrockhaus mit seinem schönen Fachwerk, früher befand sich hier die alte Kornmühle, ist ein echter Blickfang und gehört zu den Sehenswürdigkeiten des Parks dazu. Ebenso wie die Städtische Galerie, einst die Villa der Familie von Forell, die letzten Privatbesitzer des Schlosses, werden die Räumlichkeiten heute als Galerie und Ausstellungsräume von Herner- und regionalen Künstlern genutzt. 

 

                  Schollbrockhaus                                         Städtische Galerie                

 

Überall wo man hinschaut ist der Glanz des Herbstes zu spüren. Die Baumallee mit alten Baumbeständen des Parks ist besonders schön anzuschauen. Über eine Holzbrücke gelangt man dorthin, gigantisch ragt das Geäst mit seinem Blattwerk gegen den blauen Himmel. Über einem wunderbaren Laubteppich verlasse ich die Parkanlage und erreiche die Bahnhofstraße. Nach wenigen Gehminuten erreichte ich den Herner Bahnhof und die Fußgängerzone. Die ehemals „goldene Meile“, wie sie von vielen Hernern früher genannt wurde, wie passend zu dieser Jahreszeit, ist natürlich an so einem schönen warmen Herbsttag, besonders gut besucht. Viele Cafés laden zum Verweilen ein, auch ich stärke mich mit einem Kaffee und genieße dabei den sonnigen Tag.

 

              Schlossgräfte im Park                                    Baumallee im Park

 

Im Anschluss besuchte ich den Wochenmarkt vor dem Herner Rathaus. An den Markttagen im Oktober werden natürlich von vielen Händlern zur Erntezeit saisonbedingte Obst- und Gemüsewaren wie die traditionellen Kürbisse angeboten. In wenigen Tagen ist ja schließlich Halloween, was auch hier zu Lande gefeiert wird, dementsprechend ist auch die Vielzahl an Kürbissen mit unterschiedlichen Größen. Ich verlasse den bunten Markt mit seinen regionalen Leckereien und begebe mich wieder zur Bahnhofstraße.

 

 Wochenmarkt vor dem Herner Rathaus                Marktstand mit Kürbissen

 

Über die Behrensstraße gehe ich schnurstracks auf die katholische St.-Bonifatius-Kirche zu, an deren Kirchenturm sich eine große Bonifatiusstatue befindet. Der Heilige Bonifatius missionierte das heidnische Germanien und wird auch als „Apostel der Deutschen“ bezeichnet. Weiter geht es an den schönen historistischen Fassaden der noch gut erhaltenen alten Häuser aus der Kaiserzeit vorbei in Richtung City Center und der Kreuzkirche. Am Kugelbrunnen spielende Kinder mit ihren Eltern, die sich mit dem immer wiederkehrenden Nass vergnügen. Blumengeschmückt zeigt sich die Bahnhofstraße, gerade an so einem schönen Tag von ihrer schönsten Seite. Man sieht es den Menschen an, ausgelassen und mit strahlenden Gesichtern, spazieren viele Bürger über die Einkaufsmeile, es ist bestimmt auch ein guter Tag für die Herner Kaufleute.

 

  Kugelbrunnen, Herner Bahnhofstraße                 Bahnhofstraße im Herbst 

 

Die evangelische Kreuzkirche befindet sich dort, wo einst die romanische St. Dionysius Kirche stand, der Standort der alten Mitte, des einst dörflichen „Haranni“, wie Herne früher genannt wurde. Gegenüber der Kreuzkirche befindet sich das Museum für Archäologie, Westfälisches Landesmuseum Herne. Ausstellungsschwerpunkt ist unter anderem eine fantastische Entdeckungsreise durch die 250.000jährige westfälische Geschichte. Die neue Sonderausstellung „Uruk - 5000 Jahre Megacity“, eine spektakuläre Schau die begeistern wird, ist in Vorbereitung und wird vom 3. November 2013 bis 21. April 2014 in Herne zu sehen sein. Weitere Informationen unter www.lwl-landesmuseum-herne.de.

 

        Kreuzkirche in Herne-Mitte                     Museum für Archäologie in Herne 

 

Über die Altenhöfener Straße geht es nun Richtung Herne-Süd und zur katholischen Herz-Jesu-Kirche (1904–1908), auffällig die mächtige neugotische Westfassade und der Südturm, der seit dem 2. Weltkrieg ohne Turmspitze ist, diese fiel durch eine Brandbombe und wurde nicht mehr aufgebaut. Nach wenigen Schritten erreichte ich den Hölkeskampring mit seinen parkähnlichen Grünstreifen, der mich weiter durch die herbstlichen Impressionen bis zur Wiescherstraße führte. Hier fiel mir sofort ein schönes 8-geschossiges Wohnhochhaus auf, das mit seinen runden Etagen, die zueinander versetzt sind, eine doch seltene architektonische Form darstellt.   

 

          Herz-Jesu-Kirche, Herne                          Grünanlage Hölkeskampring

 

Der schöne Oktobertag bietet doch einiges an Herner Sehenswürdigkeiten, jetzt wollte ich auf meiner ausgiebigen Rundwanderung wieder ein wenig mehr Natur sehen, um den Goldenen Oktober in der Herner Umgebung noch besser zu genießen. Da kam mir der Gysenberg in den Sinn, mit seinen bewaldeten Höhen die ideale Kulisse, um die Farbenpracht des Herbstes einzufangen.

 

         Grünanlage Hölkeskampring                       Wohnhochhaus-Architektur

 

 

Über die Felder ging es zunächst am Südfriedhof vorbei, in Höhe „Auf dem Stennert“ befindet sich der Ostbach, einer der Bäche, der unterhalb des Gysenbergs entlang läuft. Ich folge seinem kleinen renaturierten Bachlauf in südlicher Richtung und machte an einem der Teiche eine ausgiebige Rast. Natur pur in Herne, Gänse, Enten und ein Graureiher vergnügten sich ebenso hier wie ein paar Wasserschildkröten, die auf einem Baumstamm die Sonne genießen.

 

                  Teich am Ostbach                                        Nilgänse am Teich

 

Nach der kleinen Pause hatte ich schnell den Gysenbergpark erreicht. Das Freizeitangebot des bekannten Herner Parks ist vielseitig, neben der Eissporthalle, Freizeitbad Lago, Tierpark und Streichelzoo sowie die Kindereisenbahn Jolante gibt es noch viele andere Aktivitäten, die man machen kann. Zum Beispiel wie ich es tat, die bewaldeten Höhen zu erkunden, um ein wenig den „Herner Indian Summer“ einzufangen und ein paar knorrige Pilze zu fotografieren, was mir auch gelungen ist.

 

                      Gysenberg                                      Bauernhaus im Ruhmbachtal

 

Der Herbst bietet hier eine Menge an Spaß, vorsichtig tastete ich mich so manches Mal ins Unterholz, ich wollte ja nicht die Bodenfrüchte des Waldes zerstören, geschweige denn einsammeln und essen, dazu fehlten mir die nötigen Kenntnisse. Um an die für mich vermutlich leckeren Kunstwerke heranzukommen, musste ich mich schon auf den Bauch legen, um sie in ihrer Schönheit zu fotografieren. Die urigen Geschöpfe sehen fantastisch aus, dabei lernte ich auch, wie toll der Wald doch duftet, ein Vergnügen, an das man sich gerne erinnert.

 

                    Pilzschönheit (1)                                          Pilzschönheit (2) 

 

Durch die dichten Buchenmischwälder des Gysenbergs, ein Höhenausläufer des Ardeygebirges, erreichte ich nach meiner kleinen Pilzexkursion das Ruhmbachtal in Herne-Sodingen. Hier im Tal des gleichnamigen Bachs entdeckt man noch idyllisch gelegene westfälische Fachwerk-Bauernhöfe wie z.B das bei Haus Galland, eine wunderbare Naturlandschaft im Herner Stadtgebiet. Von hier machte ich einen kleinen Abstecher zum Volkspark Sodingen, auf den Höhen des Beimbergs befindet sich der Kaiser-Wilhelm-Turm, ein ehemaliger Wasserturm der Zeche Mont-Cenis, in diesem Jahr feiert er sein 100-jähriges Bestehen.

 

                       Haus Galland                                         Gehöft bei Galland

 

Mein goldener Oktobertag ist aber hier noch nicht zu Ende, mein Rundweg führt mich nun weiter durch Sodingen, hier besuchte ich den Kunstbunker und die Akademie Mont-Cenis, beides erinnert an die große bergbauliche Vergangenheit, die Herne und insbesondere der Stadtteil Sodingen miterlebt hatten. Der ehemalige Luftschutzbunker in Sodingen auf der Mont-Cenis-Straße 294 ist ein schönes Kunstwerk geworden. Die riesige Außenfassade ist mit kunstvollen Objekten wie Fenstern und Fördertürmen übermalt worden. Auch im Inneren des Betonbunkers wird Kunst gezeigt. Seit 2010, angefangen mit dem Herner Künstlerbund, nutzen verschiedene Künstler aus Herne und der Region die mächtigen Innenräume als Ausstellungsfläche.

 

      Kaiser-Wilhelm-Turm, Sodingen                     Kunstbunker in Sodingen

 

Einige Meter weiter befindet sich ein weiteres Wahrzeichen von Sodingen, die Akademie Mont-Cenis, ein beeindruckender Gebäudekomplex, der seinesgleichen sucht. Seine riesige Holzkonstruktion aus 56 Fichtenstämmen ist völlig unter Glas verhüllt, im Inneren gedeihen bei mediterranem Mikroklima auch exotische Pflanzen. Genutzt wird das außergewöhnliche Gebäude von der Fortbildungsakademie des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen und der Stadt Herne, unter anderem mit Bürgerzentrum, Stadtteilrathaus, Bibliothek und Bürgersaal. Auch die Stadtwerke Herne sind vertreten, sie betreiben den Energiepark Mont-Cenis mit einer umweltschonende Energieversorgung und einer Solarkraftwerkanlage, die sich auf dem Dach des Gebäudes befindet. Weitere Informationen unter www.akademie-mont-cenis.de.

 

  Akademie Mont-Cenis, Herne-Sodingen                 Akademie Mont-Cenis

 

Auf dem riesigen Gelände stand bis 1978 noch die Zeche Mont-Cenis, der Name der Zeche wurde nach einem Tunnel in den französischen Alpen benannt. Ein denkwürdiger Ort, der an die große Herner Zechengeschichte erinnert. Ein schöner ovaler Rundweg der Grünanlage, der mit jungen Pappeln gesäumt ist, führt einen um den ganzen Gebäudekomplex der Akademie. Ein Spaziergang, der sich wirklich lohnt, ein Stadtteilpark der besonderen Art. Weiträumig mit offenen begrünten Flächen spürt man das Ausmaß des ehemaligen Zechengeländes. Auf der eigens konstruierte Aussichtsplattform genießt man den weiten Blick ins Emschertal und die nördlichen Region des Ruhrgebiets. 

 

           Rundweg der Grünanlage                                       Pappelallee          

 

Eine Weile genieße ich von hier oben die fantastische Aussicht auf meine nächsten Ziele, das Naturschutzgebiet Voßnacken (Herne Börnig) und den Rhein-Herne-Kanal, beides liegt vom Standort in nördlicher Richtung. Mittlerweile steht die Sonne tief im Westen und einige Schleierwolken lassen die Landschaft überm Emschertal mystisch erscheinen.

 

                 Sodinger Felder                                     Blick auf Börnig-Sodingen

 

Über die Sodinger Felder geht es nun Richtung Voßnacken, nach der Überquerung der Castroper Straße ist das Wald- und das Naturschutzgebiet schnell erreicht. Vorbei an einem kleinen Teich, ein Biotop für Vögel und andere heimische Tierarten, erreichte ich über schmale Waldwege die Von-Waldthausen-Straße. Von hier war es nicht mehr weit bis zum Yachthafen am Rhein-Herne-Kanal.

 

                Biotop Voßnacken                                           NSG Voßnacken

 

 

Im Industriegebiet Friedrich der Große gibt es zwischen der Firma Dachser und Phönix einen kleinen Zugang zum Kanal. 2014 wird der Rhein-Herne-Kanal 100 Jahre alt. Aus diesem Jubiläumsanlass starten KulturKanal und DIGIT (WDR) eine große Bildersuche. Weitere Informationen unter www.kulturkanal.net.

 

                Rhein-Herne-Kanal                          Yachthafen „Friedrich der Große“

 

Hier am Herner Yachthafen (Horsthausen), der ehemalige Liegehafen von „Friedrich der Große“ oder auch das Herner Meer, wie es liebevoll genannt wird, war auch zugleich meine letzte Station auf einer großen und umfangreichen Herbsttour durch Herne. Der goldene Oktobertag in Herne war für mich etwas ganz Besonderes. Er zeigte mir, dass auch meine Heimatstadt Herne durchaus eine Stadt ist, die sich sehen lassen kann. Der hohe Freizeitwert und die vielen Sehenswürdigkeiten, verbunden mit einer umfangreichen Geschichte, sind unverkennbar für das schöne Ruhrgebiet.

 

Glück auf und einen guten Weg!

 

  Rhein-Herne-Kanal-Richtung Baukau    Rhein-Herne-Kanal-Richtung Horsthausen

 

Diashow: Herbstimpressionen - Goldener Oktober in Herne

Spurensuche Ruhrgebiet: Von Herne durch das idyllische Emschertal

Auszug aus dem Buch „Aufbruch nach Santiago" - Von Herne bis nach Schwelm

 

Herne, Oktober 2013

 

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Goldener Oktober in Herne

 

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