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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

       

 

Camino de Levante (Teil 2)

Naturpark L'Albufera und die L'Huerta de Valencia

Von Valencia bis nach Algemesi

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Valencia muss man wirklich gesehen und erlebt haben, für mich eine der schönsten und interessantesten Städte in Europa. Die vielen neuen Entdeckungen, die ich hier gemacht habe, bescherten mir wunderbare kulturelle Eindrücke, die ich so schnell nicht vergessen werde. Jedoch wurde es jetzt langsam Zeit meine Jakobusreise fortzusetzen, um den Camino de Levante zu erkunden, mein eigentliches Anliegen.   

 

Auch wenn man den schönen Stadtkern von Valencia mit seiner grandiosen historischen Altstadt verlässt, befindet man sich weiterhin auf geschichtsträchtigem Boden. Der Camino de Levante führt in südlicher Richtung über eine ehemalige Trasse der Via Augusta. Zwar kann man heute von der alten Römerstraße nicht mehr viel erkennen, dennoch findet man noch auf Schritt und Tritt einige Hinterlassenschaften und Spuren aus der Römerzeit.

 

               El Miguelete, Valencia                           Fuente del Túria, Valencia

 

Die alte Via Augusta zog sich einst, von Italien und über die Pyrenäen kommend, durch ganz Spanien. Der historische Verlauf der Römerstraße führte oft an den Küsten des spanischen Mittelmeers entlang, nach 1500 km erreichte der Weg die südspanische Stadt Cádiz (Andalusien). Dabei durchquerte sie nicht nur faszinierende Landschaften, sondern auch viele historische Städte und Provinzen des alten Hispania, wie die Iberische Halbinsel in der Antike genannt wurde. Auch in der heutigen Region Valencia staunen Pilger nicht schlecht, wenn sie am Wegesrand auf dem Camino de Levante die großen römischen Meilensteine (Miliaria), die teilweise bis zu 3m hoch werden konnten, vorfinden. Im alten Gallien und Germanien nannte man sie auch Leugensteine, ehemalige Distanzsäulen, die mit Inschriften versehen waren. Sie markierten nicht nur einen Römerweg, sondern man konnte auch zwischen den Abständen der Steinsäulen die Entfernungen berechnen. Die Distanz der einzelnen Wegstrecken wurde entweder in römischen Meilen (ca. 1,4814 km = 1000 römische Schritte, „mille passus“) oder wie in Gallien und Germanien in gallischen Leugen (1 Leuga = 2, 218 km) gemessen.

 

         Lonja de la Seda, Valencia                         Café Sant Jaume, Valencia

 

Nach meiner großen Besichtigungstour durch Valencia mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten folgte ich nun den vertrauten gelben Wegmarkierungen, spezielle Hinweise, die für Jakobspilger angebracht wurden. Die gelben Pfeile, die den Camino de Levante markieren, sind besonders häufig im Stadtbereich anzutreffen. Meistens sind sie auf den Gehwegen gemalt, sie führen die Pilger langsam aus der Stadt heraus. Als Jakobspilger war ich natürlich auch wieder froh, weiter zu ziehen, um die Landschaften um Valencia herum kennen zu lernen. Denn in der Abgeschiedenheit der Natur lassen sich die gewonnenen Eindrücke einer geschichtsreichen Großstadt mit all ihren historischen Gebäuden am besten verarbeiten. Die umfangreiche Geschichte Spaniens hat mich schon immer interessiert und fasziniert. Das Pilgern auf einem der historischen Jakobswege ist sehr umfangreich und diesbezüglich sehr interessant und wechselhaft. Nach Jahren meiner Pilgerschaften durch Spanien bekommt man auch den richtigen Blick fürs Detail. Es machte mir großen Spaß, auch mal abseits der Pilgerrouten zu forschen, um vielleicht etwas Neues zu entdecken.  

 

Beginn des Camino de Levante

 

Am schönen Kirchenportal (Puerta de Apostoles) der Kathedrale von Valencia beginnt der Camino de Levante. Es geht noch einmal an der Kathedrale vorbei zur Plaza de la Reina. Geradeaus geht man über den lebhaften Platz und erreicht die Straße „Carrer de Sant Vicent Màrtir“, kurze Zeit später auf der linken Seite die einst gotische und heutige barocke Kirche Iglesia de San Martin Obispo y San Antonio Abad aus dem 14. Jahrhundert. Die Kirche, die St. Martin von Tours und dem Hl. Antonius Abbas geweiht ist, steht an einer historischen Stelle, die eng mit der Stadtgeschichte und der Eroberung sowie der Erschaffung des Königreichs Valencia verknüpft ist. Anfangs stand hier in der Zeit der Eroberung (1238) durch König Jakob I., genannt der Eroberer, eine von 10 Moscheen der Stadt. Diese wurde, nachdem die Christen die Stadt eroberten, in eine Kirche umgewandelt und später, da sie zu klein geworden war, abgerissen und neu aufgebaut. Einige gotische Elemente sind im Außenbereich der Kirche auch heute noch sichtbar. Ansonsten strahlt die Kirche im Inneren ihre barocke Schönheit in vollem Umfang aus. Eine besonders schöne und einzigartige Ausstattung weist das Chorgewölbe auf. Der Betrachter schaut auf 164 dekorative Kassetten, die mit wunderschönen figürlichen Skulpturen versehen sind, die den Stil der europäischen Epoche der Renaissance wiedergeben.

 

           Kathedrale von Valencia                            Fuente del Túria, Valencia

 

Die besonders sehenswerte Straße, die die Schönheit Valencias widerspiegelt, ist über 3 km lang. Sie führt schnurstracks nach Süden und gilt als eine der ältesten Straßen von Valencia. Sie ist dem Stadtpatron, dem Hl. Vinzenz von Valencia geweiht. Dieser starb im Jahre 304 in Valencia, nachdem man ihn auf grausamste Weise gefoltert hatte, einen Märtyrertod. Sein Gedenktag ist der 22. Januar. Weiter geht es durch die vielen denkmalgeschützten Häuser der Straße, früher befand sich hier die schon erwähnte Römerstraße Via Augusta.

 

       Kunst in der Altstadt, Valencia                   Kunst in der Altstadt, Valencia

 

Im Stadtteil San Francisco befindet sich der schöne Rathausplatz (Plaza del Ayuntamiento) mit Brunnen und vielen Prachtbauten aus dem 18., 19. und des 20. Jahrhunderts. Ein Blickfang des Platzes ist natürlich das neoklassizistische Rathaus (1758/1930) mit Rundtürmen sowie Glockenturm und das Museum für Stadtgeschichte. Auch das 1922 erbaute Hauptpostamt (Edificio de Correos) sowie das Vereinshaus der Kaufleute (Ateneo Mercantil) ist an dieser Stelle zu erwähnen. Ein kleiner Abstecher und Pflichtbesuch, der sich lohnt. Mitten auf dem Platz stand früher das Kloster San Francisco mit Obstgärten, heute einer der schönsten Plätze in Valencia. Jedes Jahr startet hier im März das bekannte Frühlingsfest die „Las Fallas“ mit grandiosen Feuerwerken (Mascletá), die vom 1. bis 19. März täglich um 14 Uhr stattfinden.   

 

             Rathaus von Valencia                                 Plaza del Ayuntamiento

 

Nachdem ich den wunderbaren Rathausplatz mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten angeschaut hatte, besuchte ich noch weitere Prunkstücke der Stadt. Den im Jugendstil erbauten Nordbahnhof Estación del Norte (1906-1917), dieser liegt im Süden der Stadt und man geht direkt drauf zu. Seine wunderschöne Fassade ist bestückt mit Ornamenten, Mosaiken und Kacheln, die aus der traditionellen valenzianischen Keramik bestehen. Daneben befindet sich die Stierkampfarena von Valencia, die runde Arena ähnelt dem Kolosseum in Rom und wurde 1860 erbaut. Übrigens: Blutige Stierkämpfe, mit der Opferung des Stieres, sind in Katalonien seit 2012 verboten. Wer sich für die umfangreiche Geschichte des traditionellen Stierkampfes interessiert, ist im Museum “Museo Taurino de Valencia“, das sich gleich in einer Nebenstraße der Arena befindet, gut aufgehoben.

 

         Stierkampfarena in Valencia                     Estación del Norte, Valencia 

 

Um nach dem lohnenswerten Abstecher wieder zum Jakobsweg zu gelangen, geht es an der Straße Carrer de Xàtiva zurück zum Nordbahnhof. Nur wenige Meter weiter erreicht man wieder die Straße Carrer de Sant Vicent Màrtir, diese geht man wie gehabt weiter in südlicher Richtung und erreicht die Plaza de España. Markierungen mit gelben Pfeilen gibt es reichlich, man sollte nur darauf achten, dass man sie nicht aus den Augen verliert. Die Straße zieht sich weiter und weiter durch das südliche Valencia und man erreicht, nachdem man viele Straßen passiert hat, das überdachte Steinkreuz „Cruz Cubierta“, ein altes Wegkreuz aus dem 14. Jahrhundert. Auch hier ein historischer Punkt der alten Via Augusta.

 

                Stadtkern Valencia                               Steinkreuz „Cruz Cubierta“

 

Nur noch wenige Schritte und man erreicht einen Kreisel, das südliche Ende der Straße. Hier folgt man nun der Straße Carrer José Soto Micó, über den Fußgängerweg geht es über die Autobahnbrücke und den neuen Flusslauf des Rio Turia. Weiter auf der linken Seite der breiten Avenida Real de Madrid bis rechter Hand die Kirche Nuestra Señora de Gracia erscheint. Links geht es jetzt in die Straße Calle de Concepción Arenal, nach wenigen Metern führt ein kleiner Weg durch ein paar Häuserzeilen hindurch, an dem sich ein Wegweisschild mit Muschel und Rad befindet, nun stößt man auf die Calle Giménez y Costa. Folgt der Straße neben der Trasse der Bahnlinien Valencia-Gandia (C-1) und Valencia-Mogente/Moixent (C-2) entlang und geht über einen Feldweg an einigen Gärten vorbei, bis man den Ort Benetússer erreicht. Kurze Zeit später taucht die Ortschaft Alfafar auf. Es sind allesamt Industriestandorte und kleine Städte, die südlich der Provinzhauptstadt Valencia in der Region der Süd-Huerta liegen. Die arabischen Herkunftsnamen der Städte verraten ihre geschichtsträchtige Vergangenheit. Früher war es eine ausschließlich ländliche und fruchtbare Gegend, mit einzelnen Gehöfen und Weilern. Hier wurde einst Keramik hergestellt und immer schon Reis angebaut. Auch heute noch werden trotz der Industrialisierung, wie auf dem Holz- und Möbelsektor und anderen Dienstleistungen, Reis und Zitrusfrüchte angebaut. Das Gebiet der Huerta de Valencia ist für sein einzigartiges Bewässerungssystem mit seinen Gärten und Plantagen bekannt.

 

Die Pfarrkirche von San Sebastian und die Jungfrau von Don

 

Erreicht man das Zentrum von Alfafar mit dem schönen Hauptplatz (Plaza Mayor) und dem Rathaus, fällt doch der erste Blick auf die barrocke Pfarrkirche “La Iglesia Parroquial de San Sebastián y la Virgen del Don”. Sie wurde 1736-1748 gebaut und steht an gleicher Stelle einer gotischen Vorgängerkirche. Im Inneren der schönen Kirche befindet sich neben dem römischen Märtyrer St. Sebastian, der Schutzpatron der Stadt Alfafar, ein mit Legenden und Wundern behaftetes Marienbildnis, es stammt noch aus der Zeit der Eroberung. 

 

  Parroquial de San Sebastián, Alfafar                    Palmenpark in Silla

 

König Jakob I. von Aragon und sein christliches Heer belagerten einst die Stadt Valencia (1238), die sie von den Mauren zurückerobern wollten. Auf den Feldern in der Nähe von Alfafar hatten sie ihr Lager aufgeschlagen. Als eines Nachts einige Soldaten ihre Runde machten, bemerkten sie plötzlich am nächtlichen Himmel, wie sieben strahlende Sterne über ein Feld niedergingen. In der Ferne läutet eine Kirchenglocke und sie gingen der Sache nach. Als sie an der vermuteten Stelle ankamen, sahen sie einen kleinen Erdhügel, unter dem sich eine Glocke verbarg. Sie hoben die Glocke an und fanden unter ihr einen Kelch, Edelsteine und eine silberne Ampulle, einen wertvollen Kirchenschatz, den man vermutlich vor den Mauren versteckte. Darunter eine besondere Marienskulptur, eine schöne Madonna, mit einem stehenden Jesuskind auf ihrem linken Knie, in seinen Händen hält das Kind einen kleinen Vogel und es spielt mit ihm.

 

Als man dem König den Schatz zeigte, rief er zur Freude “Oh gran Don”, oh welch eine großes Geschenk, was der Kirche den Namen “Unserer Lieben Frau von der Don” bescherte. In einer andere Legende heißt es, dass während des spanischen Bürgerkriegs (1936) militante Truppen die Kirche zerstörten. Sie legten Dynamitstangen im Altarrraum aus und sprengten alles in die Luft. Auch die Marienfigur wurde dadurch zerstört und zerfiel in 45 Einzelteile. Gläubige Christen der Gemeinde sammelten die Stücke wieder ein und verteilten sie untereinander, so dass die Kommunisten in der Zeit der Kirchenverfolgung keinen Verdacht schöpfen konnten.

 

Am Ende des spanischen Bürgerkriegs (1939) trafen sich die Retter des Marienbildnisses wieder und brachten sämtliche Teile der Marienfigur mit. Sie fügten die Stücke in mühevoller Kleinarbeit zusammen und das Heiligtum wurde so wieder originalgetreu hergestellt. Bis heute ist sie die Schutzheilige der Stadt Alfafar und wird von den gläubigen Christen verehrt.

 

 

Auch die nächsten kleinen Ortschaften Massanassa, Catarroja und Silla sind eng mit der Geschichte der Region und der Süd-Huerta verbunden. Allesamt sind sie in der Zeit der islamischen Herrschaft entstanden und liegen alle im schönen Naturpark Albufera. Seit Jahrhunderten hat sich hier eine besondere Kulturregion gebildet. Angefangen mit den Römern und den Arabern (Mauren), später siedelten sich hier die Christen an. Sie haben alle etwas Gemeinsames geschaffen, das sich bis heute mit alten Traditionen, Feierlichkeiten und einer engen Kulturgemeinschaft verbinden lässt. Die Ortschaften sind nur 4 bis 5 km voneinander entfernt. Hin und wieder geht es zwar durch einige Industriegebiete, dennoch kann man von der alten Kulturlandschaft etwas spüren, der Jakobsweg führt mitten hindurch. Auch in Silla sind die arabischen Spuren noch deutlich zu erkennen, z. B. im Innenhof des Rathauses (Plaza del Pueblo), dort befindet sich ein arabischer Turm, den man besichtigen kann. Direkt daneben die im neoklassizistischen Stil erbaute Kirche Nostra Senyora dels Àngels (1751). Im Inneren der Kirche befindet sich neben den schönen Altären auch eine wunderbare Rochusdarstellung, diese zeigt den Heiligen mit Pilgerstab und auf seinem Umhang zwei Jakobsmuscheln.  

 

                                  Kirche Nostra Senyora dels Àngels, Silla 

 

Die kleine Ortschaft am Jakobsweg mit ihrem schönen Park und den vielen verwinkelten Gassen war für mich Anlass genug, einen ganzen Tag zu bleiben. Nach meiner ersten Etappe konnte ich mich hier etwas ausruhen und zugleich auch die Stadt besichtigen.

 

Der Naturpark Albufera und der “Spiegel der Sonne”

 

Ein direkter Zugang zu dem großen Süßwassersee der Albufera gab mir die Möglichkeit, die Umgebung mit ihren idyllischen Kanälen und das Gebiet des Reisanbaus zu erkunden. Die  schmalen künstlichen Wasserstraßen schlängeln sich wie eine Lebensader durch eine  traumhafte Schilflandschaft. Die üppige Vegetation des Feuchtgebiets ist ein Paradies für Wasservögel aller Art. Einige der kleinen Holzboote, “Barquitas”, lagen an den Stegen und tänzelten im seichten Wasser der Albufera. Bis zum 13. Jahrhundert war die Region am See noch von Arabern bewohnt, die das Sumpfland für den Reisanbau nutzten und kultivierten. Sie brachten den Reis, dessen Ursprung China war, aus ihrer Heimat nach Europa mit. Bis heute befindet sich im Naturpark Albufera (Parque Natural l'Albufera de Valencia) eines der bekanntesten Reisanbaugebiete der Region. Hier wurde auch der spezielle Rundkornreis für das traditionelle valencianische Paella-Gericht, ein regionales und nationales Pfannengericht, angebaut. Hungrige Feldarbeiter, die den ganzen Tag auf den Feldern verbrachten, erfanden das Gericht. In einer großen Pfanne fügten sie dem Reis landestypische Zutaten und Gewürze wie Safran und Gemüse, Huhn, Schweinefleisch, Kaninchen, Krebse und Aal sowie Varianten mit Meeresfrüchten hinzu.

 

            La Albufera de Valencia                          Boote im Naturpark Albufera  

 

Die traumhafte Landschaft der Süsswasserlagune, früher eine Meeresbucht, ist nur ca. 10 Kilometer von Valencia entfernt. Ein schmaler nur 1 km langer Dünenstreifen (Nehrung) mit einem Kiefernwald (Dehesa del Saler) trennt das Meer von der Lagune. Der bekannteste Ort der Albufera ist El Palmar, von hier kann man das Naturreservat mit Bootsausflügen besichtigen. Für die Mauren war es das kleine Meer (“Al-buhayra”) und in einigen ihrer Gedichten nannten sie die Lagune liebevoll “Spiegel der Sonne”. Siehe auch den Artikel: “Spiegel der Sonne – La Albufera de Valencia”.

 

Das fast 18.000 Hektar große Feuchtgebiet und der See der Albufera ist ein besonderes Naturrefugium und auch ein Paradies für Zugvögel. Um den See herum befinden sich Dutzende von Kanälen. Im Vogelschutzgebiet tummeln sich Tausende von Wasservögeln aller Art. Der See war einst sehr fischreich und die Fischer konnten von den reichen Erträgen an Fischen, Aalen und Krebsen leben. Auch die traditionellen alten Fischerboote (“Vela Latina”) mit ihren einmastigen Dreieckssegeln fahren nur noch selten über den See, die vielen kleinen Brücken, die über die Kanäle führen, verhindern dies.

 

                   Albufera-Boote                                  Reisfelder am Jakobsweg

 

Das Naturschutzgebiet ist auch Brutplatz für unzählige Vogelarten, Tausende von Wildenten, die auf dem Weg nach Afrika sind, legen hier einen Zwischenstopp ein. Naturliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten, sie können mit etwas Glück die Flugkünstler der Lüfte beim Landeanflug beobachten.  

 

Der valencianische Schriftsteller Vincente Blasco Ibañez (1867-1926), der mit seinen Werken weit über Spanien hinaus bekannt wurde, schrieb im Buch “Cañas y Barro” (1902), zu deutsch “Schilf und Schlamm”, über das Leben der Bauern und Fischer, die hier am Albufera-See im frühen zwanzigsten Jahrhundert ein karges Leben führten. Nicht jeder bekam hier die gleichen Fischrechte, diese wurden per Los zugewiesen. Auch gab es im Jahr 1998 fünf Frauen, die sich das Recht erkämpften zu fischen und schließlich gewannen. Mit ihren strohbedachten Lehmhäusern, den “Barracas”, lebten die Menschen damals ein einfaches und bescheidenes Leben.

 

Pilgerzeichen auf dem Camino de Levante

 

Von Silla bis nach Algemesi

 

Für mich war es nun wieder Zeit, weiter zu ziehen. Von Silla aus ging es zunächst noch durch Weiten der Reisfelder, die am Rande des Feuchtgebiets der Albufera lagen. Ich sah zum ersten Mal den reifen Reis auf den Ähren sitzen. Ich staunte nicht schlecht, normalerweise kaufe ich ja Reis im Supermarkt, nun sah ich ihn auf den weiten Feldern der Süd-Huerta wachsen und gedeihen. Jetzt, Ende September, war es immer noch sehr warm und ein seichter Wind, der mir sehr angenehm war, rauschte über die saftigen grünen Reisfelder. Zügig ging es vorran, der mit gelben Pfeilen markierte Jakobsweg führte mich über eine schmale asphaltierte Straße ohne Autoverkehr. Es ist die alte Route der Via Augusta, Spuren aus der Römerzeit fand man hier einige, unter anderem hatten sie ja auch den Wein mitgebracht. Natürlich darf man nicht die Araber vergessen, die einen großen Beitrag leisteten und das Land kultivierten. Also kann man doch sagen, dass dieser Jakobsweg ein besonderer Weg der Kulturen ist.      

 

                     Durch die fruchtbaren Plantagen der Huerta de Valencia...

 

Nun ging es auch durch die endlosen Plantagen mit Zitrusfrüchten und Olivenhainen, Schotterwege führten mich an kleinen Bewässerungsgräben vorbei. Der Jakobsweg ist als Fernwanderweg GR-239 markiert. Nach wenigen Kilometern erreichte ich den Weiler El Romani und kurz danach das wohlklingende kleine Städtchen Almussafes. Mit seinem maurischen Wachturm (Torre de Racef), gleich neben dem Rathaus, und der schönen 250-jährigen Iglesia de San Bartolomé, die sich alle zentral an der Plaza Mayor befinden, ein schönes Städtchen. Schon im frühen 13. Jahrhundert wurde der Ort in alten arabischen Schriften das erste Mal erwähnt, er zeigt wie die meisten in dieser Region, neben der römischen Siedlungsgeschichte, auch seine arabischen Wurzeln.

 

Wachturm "Torre de Racef", Almussafes  -  Iglesia de San Bartolomé, Almussafes 

 

Eine Stunde später stand ich schon vor dem nächsten arabischen Wachturm, dem Torre de la Plaça de Benifayó (11./13. Jahrhundert), ich hatte das Städtchen Benifaió erreicht. Der Turm diente im 13. Jahrhundert, wie auch die anderen, die ich sah, dem großen Verteidigungsgürtel der Stadt Valencia und zum Schutz der Bürger, die rund um den Turm in ihren Bauerhäuser wohnten. Er hat vier Etagen, gekrönt mit seinen Zinnen, ist er 23 m hoch und man sieht ihn schon vom Weitem. Eine grandiose Architektur, die mit dem Torre de l'Horta, einem weiteren Turm der Stadt, die Standhaftigkeit der Verteidigung sicherte.

 

        Torre de la Plaça de Benifayó                    Iglesia San Pedro, Benifaió

 

Eine weitere Sehenswürdigkeit von Benifaió ist ohne Zweifel die Kirche San Pedro (1771), die mit zwei Türmen, einem schönen Kuppeldach und einem Portal mit den Figuren von St. Peter und St. Paul die Kirchenbesucher einlädt. Nach einer kleinen Rast in einem Café an der Plaza Mayor, ging es weiter, ich durchquerte die Ortschaft und erreichte wieder die weiten Felder und Orangenplantagen.

 

                Orangenplantagen                                    Römischer Meilenstein           

 

In der Ferne tauchten auch schon die ersten Berge auf, sie schienen immer näher zu kommen, umso mehr ich mich Algemesi näherte. Mitten in den Plantagen sah man öfters neu gestaltete römische Meilensteine, die auf die alte Römerstraße Via Augusta aufmerksam machten. Dann war es soweit, nach nur 6 km durch die fruchtbare Plantagenlandschaft erreichte ich mit der Stadt Algemesi mein nächstes Etappenziel. 

 

     Gehöft in der Huerta de Valencia                                Algemesi    

    

 

Buen Camino!

 

Reisereportage: Camino de Levante (3)

Durch das Land der Orangen

Von Algemesi bis nach Xàtiva

 

Reisereportage: Camino de Levante (1)

Valencia, eine Perle am Mittelmeer

 

Reisereportage: Camino de Levante (2.1)

Spiegel der Sonne - La Albufera de Valencia

 

Reisereportage: Camino de Levante (4)

Die Via Augusta - Westwärts Richtung Almansa

Von Xàtiva bis nach La Font de la Figuera

 

Herne, Oktober 2014

 

 

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