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Spurensuche Ruhrgebiet II
Über den Ruhrleinpfad zur Burg Isenburg und nach Hattingen
Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)
Es ist wieder soweit, kaum dass sich eine Schönwetterphase einstellte, machte ich mich wieder auf zur Spurensuche. Von Bochum-Dahlhausen ging es durch eine schöne Auenlandschaft. Über einen Leinpfad an der Ruhr erreichte ich die Burg Isenburg, hier kreuzte ich den historischen Hilinciweg (kleiner Hellweg). Es ging weiter bis zur alten Hanse nach Hattingen.

Herbst an der Ruhr Leinpfad an der Ruhr
Der Herbst zeigte sich noch mal von seiner schönsten Seite, „Indian Summer“ an der Ruhr. Nach den letzten Regentagen freute ich mich wieder raus zu kommen, hinaus in Gottes Natur. Ein strahlendblauer Himmel zeigte sich im Glanz der Sonne. Die Laubwälder an den Ruhrauen verzaubern den Wanderer mit buntem leuchtendem Blattwerk.
Der Leinpfad an der Ruhr
Über die Dahlhauser Brücke wanderte ich auf der linken Ruhrseite flussaufwärts. Alte Auenbäume und saftige grüne Wiesen säumen den Radwanderweg. Bei Hochwasser kann die Auenlandschaft überflutet werden. Es ist ein besonderes Naturschutzgebiet für die Vielfalt artenreicher Fauna und Flora, ein Paradies für Wildvögel und Insekten. Auf kleinen Kiesbänken am Ufer beobachte ich Wildenten, ich hatte Glück, auch einen Fischreiher bekam ich vor die Kamera.

Eisenbahnbrücke Dahlhausen Schwimmbrücke Dahlhausen
Die Leinpfade oder auch Treidelpfade wurden noch bis ins 19. Jahrhundert als Arbeitswege genutzt. An den Ufern der Ruhr zogen Menschen und Zugtiere (meistens Pferde) an bis zu 400 Meter langen Leinen die hölzernen Frachtschiffe flussaufwärts. Die Ruhr in Zeiten des Bergbaus war einst einer der meist befahrenen Flüsse in Deutschland. Zwischen Duisburg und Witten wurden täglich an die hundert Schiffe getreidelt, um die wertvolle Kohle, das schwarze Gold, wie es auch genannt wird, zwischen den Standorten zu transportieren. In Duisburg-Ruhrort begann um 1715 der Bau einer Hafenanlage, die Geburtsstunde des größten Binnenhafens Europas. Von hier aus wurde die wertvolle Fracht weiter über den Rhein zu den großen Seehäfen verschifft. Bis zu 16 Ruhrschleusen lagen zwischen Langschede (bei Fröndenberg/Ruhr) und den Ruhrhäfen, sie erleichterten den Transportweg. Das Ende der Ruhrschifffahrt begann mit dem Bau der Ruhrtal-Bahn (1872 bis 1876).

Idyllische Ruhr Wanderpfad
Heute kann man die nostalgische Schienenstrecke mit der Museumsbahn oder mit einer Dampflok befahren. Mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten, die durch das romantische Ruhrtal führen, bekommt man den Eindruck einer längst vergangenen Epoche mit, die einst die industrielle Ruhrlandschaft geprägt hatte. Ich nutzte den alten Leinpfad und wanderte am Ufer der Ruhr entlang. An der Schleuse Dahlhausen vorbei; sie wurde 1774/75 gebaut und steht seit 1990 unter Denkmalschutz. Weiter ging es zur Schwimmbrücke Dahlhausen in Richtung Niederwenigern. Kurz danach beginnt das Naturschutzgebiet „Ruhraue Hattingen-Winz“, hier traf ich auf saftige Wiesen der Ruhrauen, auf denen eine Kolonie Wildgänse saß.

Kolonie Wildgänse Kormoran im Naturschutzgebiet
Etwas weiter macht der Fluss eine enge Schleife. Auf der anderen Uferseite liegen die früheren Bauernschaften Winz und Baak, heute gehören die Gemeinden zu Hattingen. Eine riesige Weidefläche mit Flutmulden und Auengewässern prägen das Landschaftsbild. Für Rinder ein idealer Platz, sie kommen sogar bis ans Ufer heran und löschen ihren Durst in der Ruhr.

Rinderweide bei Winz Stier hat Durst...
Die Isenburg und Graf Engelbert II. von Berg
Ein paar Meter weiter führt eine Waldstraße „Am Isenberg“ ins Balkhauser Tal und hinauf zur Ruine Isenburg. Die Isenburg lag am historischen Hilinciweg (kleiner Hellweg), ein strategischer und geografischer wichtiger Standort, der im Mittelalter von großer Bedeutung war. Er verband das Erzbistum Köln mit Soest, der Hauptstadt des Herzogtums Westfalen. Er führt weiter durchs Tal und das Bergische Land, die Kölner Bucht bis nach Köln. Eine Variante, die auch Pilger genommen haben können. Ein steiler Waldpfad führt hinauf zur Isenburg. Mitten in den Resten der Burganlage steht das Landhaus Custodis aus dem 19. Jahrhundert.

Waldstraße „Am Isenberg“ Balkhauser Tal
Die Höhenburg oberhalb der Ruhrschleife, auf einem Felsvorsprung des Isenberg gelegen, ließen der Graf Arnold von Altena und sein Bruder Erzbischof Adolf von Berg-Altena im Jahre 1193 bis 1199 erbauen. Geschichtlich als Mörder seines Verwandten, trat der Sohn Friedrich von Isenberg hervor. Er ermordete (7. November 1225) den Erzbischof von Köln, Graf Engelbert von Berg, auf seiner Rückreise von Soest in einem Hohlweg zwischen Gevelsberg und Schwelm. Mit dem päpstlichen Kirchenbann belegt, wurde die Burg belagert und bis auf die Grundmauern zerstört und nie wieder aufgebaut. Walther von der Vogelweide, größter deutschsprachiger Lyriker und Dichter des Mittelalters, verfasste über die Gräueltat das Gedicht „Engelbert-Preis“. Der Mönch Caesarius von Heisterbach schrieb eine Biographie über das Leben und Sterben Engelberts. Engelbert wurde zum Märtyrer erklärt und in vielen Orten wie Bochum, Essen, Gevelsberg, Hattingen, Kierspe und Mülheim verehrt. Der Engelbertschrein (1633) befindet sich in der Kölner Domschatzkammer.

Landhaus Custodis Seitenansicht
Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, hier oben auf den alten Ruinen der Isenburg zu stehen. Wie mag es Pilgern im Mittelalter ergangen sein, die nach einer Übernachtung und etwas zu essen gefragt haben? Eine Weile blieb ich auf den alten Mauern sitzen und holte meine mitgebrachten Butterbrote heraus und dachte darüber nach. Nun bin ich schon seit einiger Zeit auch mit Freund Rüdiger auf Spurensuche unterwegs, und meine Gedanken vertiefen sich immer mehr. Dank meines Jakobswegs und der daraus entwickelten Wahrnehmungen und Erfahrungen, kann ich mich mehr und mehr einfühlen in die Welt des Mittelalters. Interessant ist dabei die Sicht eines Pilgers. Wie kam und fand er sich ohne Hilfsmittel wie Landkarten zurecht? Er richtete sich nach dem Lauf der Sonne; Flüsse und Berge waren seine Hilfsmittel. Des Weiteren musste er kommunizieren können, sich mitteilen und anvertrauen, dabei hoffte er auf die Ehrlichkeit der Menschen.

Ruhrschleife bei Winz Felslandschaft Isenberg
Nicht viel anders ist es heute, ich frage auch nach dem Weg und bitte um Wasser. Natürlich nicht mit den Gefahren des Mittelalters, dennoch habe ich mit einigen Hindernissen zu kämpfen. Eines davon sind die großen Bundesstraßen und Autobahnen die man kreuzt, sie erschweren einem das Pilgerleben. Doch das sind zum Glück nur kurze Momente und man verschwindet wieder auf einsame Wald- und Wanderwege.
Angler an der Ruhr Blick auf den Isenberg und Burg
Nach der Rast mit herrlicher Aussicht auf die Ruhrauen und die Stadt Hattingen machte ich mich wieder auf den Weg. Ich stieg den Isenberg hinab und erreichte nach kurzer Zeit die vertraute Ruhr. Hier an der Flussschleife musste sich die „Kölner Furt“ befinden, ein Flussübergang, der im Mittelalter zu Fuß überquert werden konnte, denn eine Brücke gab es zu diesem Zeitpunkt nicht.

Eisenbahnbrücke bei Hattingen Kunstwerk: Treideln
Der Fluss hat im Verlauf seiner Biegungen eine starke Strömung bekommen und man beobachtet die gefährlichen Strudel, einen Übergang fand ich nicht. Einige Kilometer ging ich noch am Ufer entlang und erreichte die Eisenbahnbrücke der Ruhrtal-Bahn bei Hattingen. Am alten Bahnhof Hattingen vorbei wanderte ich auf der Bahnhofstraße in Richtung Altstadt.
Bücher zum Thema Jakobsweg »»»
Fortsetzung: Spurensuche Ruhrgebiet (III)
Über Hattingen und Blankenstein zum Wasserschloss Kemnade
Herne, 23. Oktober 2009
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