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Jakobusgeschichten für unterwegs - Legenden und Geheimnisse

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Buen Camino!

Auszug aus dem Buch

Jakobusgeschichten für unterwegs -

Legenden und Geheimnisse

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Der Apostel Jakobus

 

Legenden und Geheimnisse gibt es viele am Jakobsweg, die meisten Erzählungen handeln von historischen Überlieferungen, die die Geschichte des Apostels Jakobus des Älteren erzählen. In den überlieferten Handschriften, der „Liber Sancti Jacobi“ aus dem 12. Jahrhundert, das Buch des hl. Jakobus, auch „Codex Calixtinus“ genannt, stehen viele seiner Legenden und wundersamen Handlungen.

 

Die Frage nach den Verfassern des Werkes bleibt bis heute ungeklärt, lange Zeit wurde Papst Calixt II. (1119-1124) als Herausgeber genannt, oder auch fälschlicher Weise der Bischof Turpin von Reims (748–795), hier spricht man von Pseudo-Turpin. Zusammengetragen wurde die historische Sammlung vermutlich vom französischen Gelehrten Aimeric Picaud, der auch Überbringer der einzigartigen Handschriften nach Santiago de Compostela war. Auch in der „Legenda aurea“, das von Jacobus de Voragine geschrieben wurde, zählt schon seit dem Mittelalter (13. Jahrhundert) zu den meistgelesenen Büchern der Heiligenlegenden und deren Lebensgeschichten.

 

Jakobus der Ältere, Sohn des Zebedeus, war einer der zwölf Apostel von Jesus Christus. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Johannes gab Jesus ihm auf dem heiligen Berg der Verklärung (Tabor) den Beinamen „Boanerges“, das heißt „Söhne des Donners“ (Markusevangelium 3, 17). Den Namen bekamen sie wahrscheinlich wegen ihres Eifers und der Hingabe zu Jesus. Auch war Jakobus zusammen mit Petrus und Johannes anwesend, als Jesus im Garten Gethsemane Todesangst bekam, es war die letzte Nacht vor seiner Kreuzigung.

 

Das Johannesevangelium beginnt mit den Worten „Am Anfang war das Wort.“ „Alles ist durch das Wort geworden“, so steht es in der Bibel, der Heiligen Schrift. Nach Jesus’ Tod predigten Jakobus und die anderen Jünger im Raum Jerusalem das Evangelium, dann wanderten sie aus. Bis heute gibt es viele Legenden um ihn, so heißt es auch, dass er auf seiner Missionsreise nach Christi Himmelfahrt um 43 n. Chr. bis nach Spanien kam. Das Land, in dem er das Christentum verbreiten wollte, nannten die Römer Hispanien.

 

Jakobus hatte es nicht leicht und wollte schon aufgeben, da erschien ihm bei Saragossa die Jungfrau Maria und er war guter Dinge. Um 44 n. Chr. kehrte er nach Jerusalem zurück und wurde unter König Herodes Agrippa I. hingerichtet (Apg 12,2), er war der erste Märtyrer unter den Aposteln.

 

 

Die Bekehrung des Zauberers Hermogenes

 

In der Zeit, als das unruhige Judäa in Palästina, heute Israel, vom König Herodes Agrippa I. regiert wurde, missionierte der Apostel Jakobus der Ältere in dieser Region. Es war die Zeit nach seiner Rückkehr von einer missglückten Missionsreise in Spanien. Als die Lehre Christi noch am Anfang stand, hatten es die Apostel schwer das Wort Gottes zu verbreiten, zu sehr hing das jüdische Volk noch an den alten Propheten und dem „Alten Testament“.

 

Eines Tages sandte der pharisäische Zauberer Hermogenes seinen Schüler Philetus aus, um Jakobus zu beobachten, wie er die neue Lehre Christi verbreitete. Hermogenes erhoffte sich, dass Jakobus Lügen predigte und er ihn einer Irrlehre überführen könnte. Doch Philetus war von den Handlungen Jakobus’ und der Lehre Christi überzeugt worden und kehrte ohne Erfolg zu Hermogenes zurück. Dies erboste Hermogenes so sehr, dass er seinen Schüler mit einem Zauberbann belegte, so dass er sich nicht mehr bewegen konnte. Jakobus hörte von dem bösen Zauber und sandte Philetus sein Schweißtuch zu und heilte ihn vom Bann. Hermogenes war erzürnt und sandte darauf seine Dämonen aus, um Jakobus gefesselt vor ihn zu bringen.

 

Auch die bösen Geister konnten Jakobus nichts anhaben, der Engel des Herrn mahnte sie. Gewandelt brachten sie den Zauberer Hermogenes selbst gefesselt vor den Apostel, Jakobus ließ die Fesseln sofort entfernen und ließ Gnade walten. Dieser flehte Jakobus an und zeigte Reue, mit der Bitte, seine Zauberbücher zu verbrennen. Doch Jakobus ließ sie ins Meer werfen, um keine große Aufmerksamkeit bei den Juden zu erregen, die durch den Rauch des Feuers entstanden wären. Daraufhin ergriff Hermogenes Jakobus’ Füße, küsste sie und bat ihn um Vergebung. So ließ auch er sich bekehren und wurde Christ.

 

Der Hohepriester Abjathar hörte von der Bekehrung des Hermogenes und brachte das jüdische Volk weiter gegen Jakobus auf. Der Aufstand eskalierte und sie klagten Jakobus wegen seines starken Glaubens zu Jesus Christus an. In Wut und Rage banden sie Jakobus einen Strick um den Hals und ließen ihn vor Herodes Agrippa führen, er wurde vom König zum Tode verurteilt. Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte sah der Apostel Jakobus einen Lahmen am Wegesrand sitzen, dieser flehte Jakobus an ihn zu heilen. Jakobus sprach im Namen Jesu Christi: „für den ich nun zum Tode geführt werde, stehe gesund auf und lobe deinen Schöpfer“. Der Lahme stand gesund auf und lobte Gott.

 

Auch ein Schriftgelehrter mit Namen Josia, der das Seil um Jakobus’ Hals gelegt hatte und ihn führte, bat um Verzeihung und ließ sich von Jakobus bekehren. Daraufhin befahl Herodes Agrippa beide zu enthaupten. Selbst in den letzten Minuten des Todes war Jakobus stark, Gott war bei ihm, er bat den Henker um Wasser und taufte Josia. Beide wurden enthauptet und erlitten das Martyrium. Jakobus war der erste Apostel, der als Märtyrer verstarb.

 

Noch in der Nacht flüchteten die Jakobusjünger heimlich mit dem Leichnam, Kopf und Rumpf des Heiligen legten sie in eine hölzerne Kiste und brachten sie zur Küste. Die heiligen Reliquien legten sie in ein kleines Boot, setzten sich dazu und vertrauten auf Gottes Hilfe. Dieser ließ das Boot durch die himmlischen Engel steuern und so erreichten sie die galicische Küste im Nordwesten Spaniens.

 

 

Die Legende um das Jakobusgrab

 

In der Legende um das Jakobusgrab heißt es, dass nach dem Tod des Apostels Jakobus seine Jünger seinen Leichnam in ein führerloses Boot legten. Nur von Engeln geführt trieb es über das Meer und strandete schließlich bei „Finis Terrae“, lateinisch „Ende des Landes“, an der Atlantikküste Nordspaniens. Seine sterblichen Überreste bestatteten die Jünger Jakobus’ im Landesinneren. Lange Zeit in Vergessenheit geraten wurde das Grab Anfang des 9. Jahrhunderts von dem Eremiten Pelayo, der ein himmlisches Zeichen sah, auf dem sogenannten „Sternenfeld” (spanisch „Compostela”) gefunden.

 

Angefangen hatte alles mit der Erscheinung eines Himmelskörpers. Der Eremit Pelayo sah am nächtlichen Himmel einen hell aufleuchtenden Stern und deutete es als göttliche Botschaft. Auch Schäfer, die über ihre Herde wachten, sahen über einem Weidehügel in der Nähe von Finisterre ein Licht. Der Bischof Teodomir von Iria Flavia wurde von der außergewöhnlichen Erscheinung unterrichtet und ging der Sache nach. Dort sah man auf einem Feld, dem sogenannten Sternenfeld (Campus Stellae), eine hölzerne Truhe mit den Gebeinen des Apostels Jakobus, auch einige Muscheln sollen sich zwischen den Reliquien befunden haben.

 

Es war die Geburtsstunde von Santiago de Compostela. König Alfons II. (792-842) von Asturien und Galicien, genannt der Keusche, ließ an der Stelle des Fundortes im Jahre 829 eine Kirche errichten und Mönche ansiedeln. Und so nahm die Legende einen weiteren Verlauf, der Jakobsweg (Sternenweg) wurde geboren, es entstand eine große Wallfahrtsstätte, das heutige Santiago de Compostela. In der Zeit der spanischen Reconquista, im Kampf gegen die Mauren, fand der Mythos des hl. Jakobus seinen Höhepunkt, immer mehr pilgerten zum Grab des Heiligen. Er wurde Schutzpatron Spaniens und man nannte ihn „Santiago Matamorus”, der „Maurentöter”. In der Legende soll Jakobus hoch zu Ross mit dem Schwert bewaffnet bei der siegreichen Schlacht von Clavijo (844) geholfen haben.

 

Noch ein Artikel aus dem Buch:

Und so nahm die Geschichte ihren Lauf…

 

Buen Camino!

 

 

Bernd Koldewey: "Jakobusgeschichten für unterwegs" – Legenden und Geheimnisse, Taschenbuch, Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 1. Auflage, März 2012, 140 S., 12,90 €, ISBN 978-3-8448-1297-8 - Dieses Buch kann ab sofort über den Buchhandel oder über das Internet, beispielsweise bei Amazon.de bestellt werden.

 

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