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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

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Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Auf dem Moselcamino VII

St. Jakobustag – Pilgerweg nach Trier

Von Schweich nach Trier

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Heute haben wir den Jakobstag, es ist der 25. Juli, ein Samstag. Ein traditioneller Gedenktag der Christen und Pilger, zu Ehren des Apostels Jakobus des Älteren. Schon seit dem frühen Mittelalter (8. Jahrhundert) wird dieser Tag in ganz Europa mit einem Erntefest oder einer Kirmes gefeiert. Im nordwestspanischen Galicien, in Santiago de Compostela, ist der 25. Juli ein hoher kirchlicher Feiertag. Wenn er auf einen Sonntag fällt, wird er zum Heiligen Jahr (2010) erklärt.

 

Wieder hatten wir einen schönen Schlafplatz gefunden, gleich neben der Schutzhütte Rupperath, etwas oberhalb von Schweich. Die Fernsicht reichte bis in den Trierer Raum hinein. Nach der kurzen Nacht ging es weiter, auf nach Trier, einst ein mittelalterliches Pilgerzentrum an der Via Regia. Für uns beginnt nun die letzte Etappe nach Trier, zur ältesten Stadt Deutschlands. 

 

   

 Die Pfarrkirche St. Martin in Schweich - Sehenswert die Kirchenfenster mit biblische Szenen

 

Ein schmaler Waldweg führte uns von der Höhe weiter hinunter, anschließend ging es durch die Weinberge und unter der Autobahnunterführung hindurch, ins Zentrum von Schweich. In der Ortschaft fand man Reste einer römischen Villenanlage, sie sind Zeugnisse einer frühen römischen Besiedlung. Sehenswert die Pfarrkirche St. Martin, hier machten wir eine kleine Pause und besichtigten die neugotische Kirche. In Schweich beginnt die fruchtbare Trierer Talaue, zwei Brücken führen über die Mosel, von dort kann man die Orte Kirsch, Kenn und Ruwer erreichen.   

 

         

          Pfarrkirche St. Jakobus in Biewer                       Innenansicht - Chorraum

 

Wir bleiben auf der linken Moselseite und wandern weiter Richtung Bahnhof. Er liegt etwas oberhalb der Ortschaft, von hier führt ein Waldpfad zum Heilbrunnen „Heiligen-Born“. Diese mittelalterliche Pilgerstätte liegt am Rande eines riesigen Waldgebiets, den Meulenwald. Der Meulenwald („Mühlenwald“ oder „Meilenwald“), ist ein südlicher bewaldeter Höhenzug der Eifel, der ins das Moseltal abfällt. Früher führte eine mit Meilensteine gekennzeichnete Römerstraße durch den Wald. In vielen Legenden wird er auch „Wald des Milo“ genannt, in dem es spuken soll. Der Erzbischof Milo von Trier (718-758) verunglückte bei einem Jagdausflug im Meulenwald, er stürzte vom Pferd und wurde noch auf dem Boden liegend von einem Keiler angegriffen und getötet. Seit dieser Zeit heißt es, dass sein ruheloser Geist im Wald umherirrt. Auch der Geist des römischen Statthalters Rictius Varus, der im 3. Jahrhundert viele Christen verfolgen ließ und ein Blutbad anrichtete, soll in den Wäldern sein Unwesen treiben.   

 

                

             Informationstafel - Jakobsweg                          Jakobsbrunnen in Biewer

 

Wir blieben am Rande des Meulenwaldes und über die Obstwiesen erreichten wir Quint. Die kleine Gemeinde an der Mosel gehört schon zum Stadtbezirk Trier, obwohl das Zentrum von Trier noch ca. 10 km entfernt ist. Aus den Bergen fließt der Quintbach, ein linker Nebenfluss der Mosel, er mündet in Trier-Quint. Der Ortsname lässt sich aus dem lateinischen “Ad quintum lapidem”, beim fünften Meilenstein (Leugenstein) an der Römerstraße Trier-Andernach, ableiten. Wir nahmen den Weg durch die Ortschaft und erreichten nach wenigen Kilometern Ehrang. Auch Ehrang ist Zeugnis einer römischen Besiedlung, mit Resten einer Ringmauer (Stadtmauer) und der Katholischen Pfarrkirche Sankt Peter, besonders sehenswert. Von Ehrang ging es über die Kyll, ein weiter linker Nebenfluss der Mosel bis nach Biewer.

 

  

         Gleich drei Jakobusdarstellungen findet man in der St. Jakobus Kirche in Biewer 

 

Biewer (lat. Bevera) wurde um 929 erstmals urkundlich erwähnt, doch sein Ursprung begann schon zur keltisch-römischer Zeit. Man fand Gräberfelder aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert und auch zwei alte Römerstraßen, die durch das Ortsgebiet führen, zeigen seine historische Bedeutung. Am Jakobsbrunnen kommen die beiden Wege zusammen. Eine Römerstraße führt auf dem sogenannten „Mosel-Camino“ über Biewer bis nach Trier, und die andere Fernstraße, die „Via Colonensis“ (Jakobsweg), von Köln über die Eifel durch das Biewerbachtal nach Trier.

 

Schon im Mittelalter fanden Pilger in Biewer ein Quartier, die Schutzpatrone der kleinen Gemeinde sind der hl. Jakobus, hl. Jodokus und der hl. Rochus. Eine Informationstafel vor der Jakobuskirche, weist auf den Jakobsweg hin. Ich selbst bin schon 2007 von Herne aus, über die Eifel nach Biewer und Trier gepilgert. Damals hatte ich kein Glück und die Kirche war verschlossen. Doch heute am großen Jakobus-Gedenktag (25. Juli), war die Jakobskirche geöffnet und im Inneren begrüßte uns eine mit Blumen verzierte, lebensgroße Jakobsfigur. Wir schauten uns weiter um und fanden eine weitere Jakobskulptur an einem Pfeiler vor, sie stammt noch aus der alten Kapelle. Die Kirche wurde für den bevorstehenden festlichen Gottesdienst geschmückt. Auch ein schönes Kirchenfenster mit dem Schutzpatron zeugt von der Jakobsverehrung, die bis heute noch in Biewer andauert.

 

         

               Kaiser-Wilhelm-Brücke, Trier                Blick auf die Palliener Sandsteinfelsen

 

Nachdem wir die beeindruckende Jakobusstätte besichtig hatten, machten wir uns weiter auf den Weg. Es ging wieder Richtung Mosel, unter der Eisenbahnunterführung erreichten wir nach kurzer Zeit den Moseluferweg. Nach knapp 5 km, dem Fluss folgend, erreichten wir Trier. Wir gingen gleich über die erste Brücke, die Kaiser-Wilhelm-Brücke, und versuchten in der Jugendherberge auf der anderen Moselseite eine Übernachtung zu bekommen. Doch leider war alles ausgebucht – so suchten wir den nächsten Campingplatz auf. Und der lag, kann ja gar nicht anders sein, noch 5 km entfernt auf der anderen Moselseite.

 

         

                       Mosel bei Trier                                              Römerbrücke

 

So marschierten wir noch mal los, blieben aber auf der rechten Moselseite. An der Uferstraße entlang sahen wir auf der anderen Straßenseite eine auf einer Mauer stehende große Jakobsfigur aus Bronze. Schnell gingen wir über die stark befahrene Straße und an der Römerbrücke vorbei bis zur Konrad-Adenauer-Brücke. Nicht weit entfernt von der Brücke befindet sich die Benediktinerabtei St. Matthias, hier liegen die Gebeine des Apostels Matthias. Es ist das einzige Apostelgrab in Deutschland und  nördlich der Alpen. 

 

         

         Benediktiner Abtei St. Matthias, Trier         Die barocke Turmhaube der Abteikirche

 

Vor uns die mächtige Basilika - wir sind am Ziel des Mosel-Camino angekommen. Doch bevor wir die Abtei St. Matthias und natürlich Trier ausführlich besichtigen, gingen wir zunächst einmal zum Campingplatz. Nach den letzten Tagen des wilden Campens freuten wir uns jetzt auf eine heiße Dusche. Direkt an der Mosel auf der anderen Seite erreichten wir nach kurzer Zeit den Campingplatz. Wir bauten unser Zelt auf. Etwas später machten wir uns, vom Staub der letzten Tage befreit, auf ins Zentrum von Trier.

 

Trier gilt als Deutschlands älteste Stadt und ist mit seinen Römerbauten wie z. B. der Porta Nigra (Schwarzes Tor), dem Dom und der Liebfrauenkirche, seit 1986 Weltkulturerbe der UNESCO. Die Stadt Trier (Augusta Treverorum) wurde vor über 2000 Jahren von Kaiser Augustus gegründet.

 

          

           Trierer Dom - Liebfrauenkirche                         Hauptmarkt mit Marktkreuz

 

Der Trierer Dom und der Hauptmarkt bilden das Zentrum der Altstadt. Um den Hauptmarkt stehen viele mittelalterliche Häuser und Bauwerke aus verschiedenen Epochen. Mitten auf dem historischen Platz steht das alte Marktkreuz aus dem Jahre 958, es erinnert an die Marktrechte. Und ganz in der Nähe befindet sich der mittelalterliche Marktbrunnen (Petrusbrunnen) aus dem Jahre 1595, der den hl. Petrus, den Schutzpatron der Stadt, zeigt.

 

              

               Hauptmarkt Trier mit St. Gangolf                     Die "Steipe" am Hauptmarkt

 

Besonders sehenswert die „Steipe“, ein Bürgerhaus aus dem 15. Jahrhundert, in dem früher das Marktgericht tagte. An der schönen Fassade zwischen den Bögen finden wir Heiligenfiguren, darunter auch eine Jakobsfigur. Ganz in der Nähe ist der Trierer Dom, die älteste Kirche Deutschlands. Die kostbarste Reliquie des Doms ist der Heilige Rock (Tunika Christi). Laut Überlieferung brachte die heilige Helena, die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, den Heiligen Rock, das ungeteilte Gewand Christi, nach Trier.

 

Auch am nächsten Tag machten wir noch einige Besichtigungen, denn die ehrwürdige Stadt hat doch einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Man würde Trier nicht gerecht werden, wenn man seine Schätze an nur einem Tag erforschen würde.

 

     

Abtei St. Matthias: Seit dem 12 Jahrhundert wird hier das Grab des Apostel Matthias vereehrt

 

So zogen wir am nächsten Tag wieder los, es ist unser letzter Tag in Trier. Über die Konrad-Adenauer-Brücke ging es noch mal zur Abtei St. Matthias. Das Benediktinerkloster liegt im Süden von Trier und jedes Jahr gibt es Wallfahrten zum Grab des Apostelheiligtums. Seit mehr als 800 Jahre machen sich Pilgerinnen und Pilger, aus allen Bevölkerungsschichten auf den Weg, sie kommen aus Nah und Fern. Auch viele Pilgergruppen besuchen den Wallfahrtsort und in der Gemeinschaft finden sie Freude an dem gemeinsamen Unterwegssein.

 

  

 1.Die Krypta - 2. Sarkophag des Apostels Matthias - 3. Gräber von Eucharius und Valerius

 

Im Inneren der romanischen Basilika befindet sich unter dem Chor die dreischiffige Krypta, hier liegen der Schrein mit den Gebeinen des Apostels Matthias und die römischen Sandsteinsarkophage der Heiligen Eucharius und Valerius. In der Außenanlage der gepflegte Friedhof mit mittelalterlichen Gräbern und eine kleine Kapelle. Es ist eine besondere Heiligenstätte, nicht nur für Matthiaspilger, auch für Jakobspilger. Der Jakobsweg führt von hier weiter Richtung Konz, Tawern und durch das Mannebachtal bis zum Dreiländereck nach Schengen.

 

Wir verlassen die Pilgerstätte und machen uns wieder Richtung Innenstadt auf. Doch zuvor besuchten wir noch das Stift St. Irminen. Auf dem Weg dorthin kamen wir an dem Geburtshaus von Karl Marx vorbei. Hier in der Brückenstraße 664 (heute Brückenstraße 10) wurde der bekannte Philosoph und politische Journalist am 5. Mai 1818 geboren. 

 

      

                      Karl-Marx-Haus                                 Rokoko-Kirche St. Irminen     

 

Wenig später erreichten wir das in einer wunderschönen Parklandschaft liegende Stift St. Irminen. Es liegt im Stadtzentrum von Trier und seine Geschichte lässt sich bis in das 7. Jahrhundert zurückverfolgen. Gegründet als Benediktinerinnenabtei St. Irminen-Oeren wurde es unter Napoleon 1802 aufgelöst und als Bürgerhospital genutzt. Seit 1960 wurde der Bau zu einem Alten- und Pflegeheim umgebaut. Sehenswert die Rokokokirche St. Irminen und  der romanische Glockenturm. Die hl. Irmina stammte aus einem Adelsgeschlecht des fränkischen Hofs und war 2. Äbtissin des Klosters Oeren sowie Mitgründerin der Abtei Echternach.

 

  

            Im Kirchenschiff von St. Irminen befindet sich eine sehr schöne Jakobusfigur 

 

Im Inneren des barocken Chorraums fanden wir eine schöne barocke Jakobsfigur mit wehendem Gewand vor. Mit dieser erfreulichen Überraschung machten wir uns Richtung Porta Nigra auf, dem Wahrzeichen von Trier.

 

         

              Pilgertreff an der Porta Nigra                            Pilgerbegegnung in Trier

 

Für uns hieß es nun Abschied nehmen von einer interessanten Pilgerreise, die wir auf dem Mosel-Camino gemacht hatten. Und zu unserer Freude, kurz vor der antiken Toranlage, stürmte ein ebenfalls erfreuter Pilger auf uns zu und umarmte uns, mit den Worten: Endlich, nach so langer Zeit meiner Pilgerreise (Osnabrück) begegnete ich doch noch Jakobspilgern. Auch für uns war er der erste Pilger - Ultreia, Ultreia - welch ein Abschied aus Trier, doch für Jakobspilger gibt es keinen Abschied, sondern immer ein Wiedersehen und einen neuen Anfang. Bon Camino!   

 

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Herne, 25. August 2009

 

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