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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

 

Spurensuche Bergisches Land

Von Ratingen bis nach Kaiserswerth

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Ratingen liegt im Vorland des Bergischen Landes, von hier aus besuchte ich die am Rhein liegende idyllische Ortschaft Kaiserswerth, die ehemalige „Kaiserpfalz“. Der heutige nördliche Düsseldorfer Stadtteil ist auch für Jakobspilger interessant.     

 

Es ist die letzte Spuren suchende Exkursion, die ich im ersten Halbjahr 2010 unternehmen werde. Denn für die Monate Mai und Juni geht es zusammen mit meinem Freund Rüdiger Schneider auf großer Pilgerreise. Unser gemeinsames Ziel ist der im nordwestlichen Spanien (Galicien) liegende Wallfahrtsort Santiago de Compostela. Starten werden wir in Sevilla in Andalusien, eine Region im südlichen Spanien. Wir pilgern 1000 Kilometer auf der alten Via de la Plata oder auch „Silberweg“, wie die historische Route auch genannt wird. Mit im Gepäck ein Zelt, das uns die nötige Unabhängigkeit gibt, so können wir den langen Weg frei gestalten.

 

Doch zunächst geht es noch einmal zurück ins Niederbergische Land nach Ratingen. Die kleine Gemeinde Ratingen liegt in unmittelbarer Nähe des Rheins und der Landeshauptstadt Düsseldorf. Der historische Ortskern bietet eine Menge an Sehenswürdigkeiten, die auf eine große geschichtliche Vergangenheit schließen lässt. Im Mittelalter war das Dorf ein wichtiges Marktfleckchen und Handel und Handwerk florierten. Graf Adolf V. von Berg verlieh Ratingen 1276 die Stadtrechte.

 

         

      Marktplatz mit Löwenbrunnen, Ratingen         Pfarrkirche St. Peter und Paul, Ratingen

 

Mitten im Ort befindet sich der Marktplatz, er ist umgeben von alten Bürgerhäusern und der frühgotischen, dreischiffigen Basilika St. Peter und Paul, auf deren Grundfundamenten schon im 8. Jahrhundert eine Saalkirche stand. Ratingen bekam auch das Marktrecht und so ließen sich im Schutze der alten Stadtmauern allerlei Handwerker wie Schmiede- und Scherenschleifer und Tuchhändler nieder. Auf dem Markt fand ein reges Treiben statt, Feldfrüchte, Fleisch und Fisch wurden angeboten. Heute laden Löwenbrunnen und die vielen Cafés um den Marktplatz zum Verweilen ein.    

 

Genau wie im Mittelalter verläuft die Straßenführung. Der Weg aus der Stadt führt mich an der Ev. Kirche von Ratingen vorbei. Sie gehört mit zu den ältesten Kirchenbauten des Rheinlandes, die noch aus der Zeit der Reformation stammen. Weiter geht es an der alten Stadtbefestigung vorbei, der Trinsenturm (1474) auch „Schwerterturm“ genannt, erinnert mit einem Wehrgang an die mittelalterliche Stadtbefestigung von Ratingen. 

 

   

         St. Peter und Paul                  Evangelische Kirche                       Trinsenturm

 

In Ratingen kreuzten sich wie schon im Artikel „Die Pfarrkirche St. Jakobus d. Ä. in Homberg“ beschrieben, gleich mehrere mittelalterliche Pilgerwege. Einer davon ist auch der Wallfahrtsweg, der von Ratingen nach Kaiserswerth führt. Der heutige Hauser Ring (Landstraße, L 422) war damals noch ein Feldweg. Als Pilgerweg wurde er 1468 das erste Mal erwähnt und führte die wallfahrenden Pilger zum Grab des Heiligen Suitbertus nach Kaiserswerth. Heute eine stark befahrene Straße mit Fluglärm der startenden Flugzeuge des nahe liegenden Düsseldorfer Flughafens.

 

         

                      Blick auf Ratingen                                   Feldweg hinter Ratingen

 

Ich nutzte einige Nebenwege über die Felder und zum Teil am Angerbach entlang, dann erreichte ich ein Waldgebiet (Forstbusch), das mich parallel zur Landstraße zum Schloss Kalkum führte, heute ein vierflügeliges barockes Wasserschloss (1806), umgeben ist die Anlage vom prächtigen Landschaftsgarten. Das Schloss war lange Zeit Stammsitz der Hatzfelds und gehört heute dem Land Nordrhein-Westfalen. Doch schon zu karolingischer Zeit (854) befand sich hier an gleicher Stelle ein Fronhof mit Mühle.

 

               

                        Schloss Kalkum                            Pfarrkirche St. Lambertus, Kalkum 

 

Die kleine Ortschaft Kalkum war einst ein Königshof; zusammen mit der aus dem 11. Jahrhundert stammenden katholischen Kirche St. Lambertus ein Zeugnis regionaler Zeitgeschichte. Die dreischiffige romanische Basilika gehörte seit dem 16. Jahrhundert bis zur Säkularisation (1804) zum Stift Kaiserswerth.

 

Nur noch wenige Schritte und ich erreichte die historische Ortschaft Kaiserswerth, die ehemalige Kaiserpfalz, die direkt am Rhein liegt. In fränkischer Zeit gab es hier am alten Rheinarm einen Fronhof, der von großer strategischer Bedeutung war. Von hier aus konnte man den Fluss gut überblicken und überqueren. Auf der anderen Flussseite trafen sich zwei wichtige Handelsstraßen, der Hellweg und eine alte römische Handelsroute, die von Xanten nach Neuss führte.

 

          

                    Suitbertus-Stiftsplatz                                   Basilika St. Suitbertus

 

Um 700 schenkte der Frankenherrscher Pippin dem angelsächsischen Missionar Suitbert das auf einer ehemaligen Insel („Werth“) gelegene Siedlungsgebiet, er ließ dort gegen Ende des 8. Jahrhunderts eine Kirche und Kloster erbauen. Der englische Mönch missionierte von hier aus das östlich vom Rhein gelegene Germanien. Auch die Stiftskirche aus dem 12./13. Jahrhundert, die Basilika St. Suitbertus, ist Zeugnis seiner Missionarstätigkeit. Hier befindet sich der prächtige mit vergoldetem Silberblech verzierte Schrein, in dem die Gebeine des Heiligen Suitbertus aufbewahrt werden. Im 9. Jahrhundert wurde die Kirche zum großen Wallfahrtsort, viele Pilger von Ratingen und der Umgebung zog es bis heute nach Kaiserswerth. Papst Paul VI. gab der Kirche 1967 den Ehrentitel „Basilica minor“.

 

         

                    Ruine der Kaiserpfalz                              Innenraum des Bergfrieds

 

Auch die Kaiserpfalz, heute eine Ruine, hatte eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie war fast jedes Jahrhundert Schauplatz von Auseinandersetzungen. Durch die strategische Lage am Rhein und ihre wehrhafte mittelalterliche Zollfestung war sie stets ein Ziel für feindliche Eroberer. Kaiser Heinrich III. ließ sie im 11. Jahrhundert zu einer Pfalz erweitern. Sein Sohn Heinrich IV. wurde noch als Knabe vom dem Kölner Erzbischof Anno II. per Schiff aus Kaiserswerth entführt. Kaiser Friedrich Barbarossa baute die Pfalz zum Ende des 12. Jahrhunderts zu einer mächtigen Festungsanlage aus. Immer wieder wechselten die Besitzer, sie wurde verpfändet und geschleift, bis sie schließlich im 18. Jahrhundert völlig zerstört wurde.

 

         

                Rhein bei Kaiserswerth                                   Bachlauf zum Rhein

 

Heute erinnern die bis zu 15 Meter hohen Ruinen der Kaiserpfalz an die große Bedeutung dieses Standortes. Der heutige touristische Ort Kaiserswerth mit seinen historischen Häusern und dem Kaiserswerther Markt lädt zum Bummeln ein. Auch die Stiftskirche, die heutige Pfarrkirche St. Suitbertus, ist ein lohnender Besuch für Jakobspilger. Auf dem Suitbertus-Stiftsplatz in der Nähe der Kirche befindet sich eine schöne Jakobusskulptur, geschaffen vom Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim. 

 

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Herne, 20. April 2010

 

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Bücher zum Jakobsweg

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St. Peter und Paul, Ratingen 

Evangelische Kirche, Ratingen

Waldgebiet Forstbusch

Angerbach

Schloss Kalkum

Wasserschloss Kalkum

Basilika St. Suitbertus

Chorraum St. Suitbertus

Suitbertusschrein

Jakobusfigur (Bert Gerresheim)

Ruine Kaiserpfalz

Blick auf den Rhein