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Kleinode im Münsterland

Klosterkirche St. Jakobus

im Kirchspiel Dülmen

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Nicht weit von Dülmen entfernt befindet sich in der Bauernschaft Weddern, im Kirchspiel Dülmen, auf dem ehemaligen Gelände einer Burg und eines Klosters, eine wunderschöne spätgotische Jakobuskirche aus dem 15./16. Jahrhundert. Dieses besondere Kleinod gehörte einst zur Kartause Marienburg, ein ehemaliges Kloster des Kartäuserordens.

 

Als ich auf den Spuren der Seligen Anna Katharina war, machte ich noch einen kleinen Abstecher in die Bauernschaft Weddern. Dieser idyllische Landstrich liegt etwa 5 km nordöstlich von Dülmen. Eine die dem Apostel Jakobus geweihte Kirche wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Umschlossen von den fruchtbaren Feldern des Münsterlandes liegt sie etwas versteckt auf der ehemaligen Klosteranlage Marienburg. Ein interessanter Ort mit wechselvoller westfälischer Geschichte.

 

                     Torhaus mit Rundbogen - Kartause Marienburg, Dülmen

 

Hier an historischer Stelle, wo sich noch im 12. Jahrhundert die Wasserburg der Herren von Weddern (Haus Weddern) befand, siedelten sich im 15. Jahrhundert ein Dutzend Mönche des Kartäuserordens an. Der letzte Burgherr war Gerhard von Keppel, der den ersten Grundstein für das Kloster legte. Vorangegangen war die traurige Geschichte des adligen Ritters Gerhard, er hatte seinen leiblichen Sohn Hermann zu beklagen. Dieser verlor sein junges Leben bei der Belagerung von Neuss im Jahre 1475.

 

                             Der Stifter Gerhard von Keppel mit Ehefrau

 

Die Kölner Stiftsfehde, die sich im ganzen Herzogtum Westfalen und darüber hinaus ausgebreitet hatte, reichte auch bis an die Grenzen des rechtsrheinischen Münsterlandes und wurde zugleich in die Burgunderkriege (1474-1477) mit einbezogen. Zu dieser Zeit war Heinrich III. von Schwarzburg Bischof von Münster. Auch er beteiligte sich gegen Herzog Karl den Kühnen von Burgund, der die Stadt Neuss 1 Jahr lang belagerte.

 

                     Pfarrkirche St. Jakobus, Bauernschaft Weddern, Dülmen

 

Diese Gebiets- und Erbfolgestreitigkeiten waren erbitterte Machtkämpfe zwischen Grafschaften, Herzogtümern und Fürstenbistümern, die sich jeweils um ihre Territorien Sorgen machten. So fasste auch ein Zweig der Burgunder in unseren Breiten Fuß. Besonders in den Niederlanden und am Rhein bzw. am Niederrhein, hier war es unter anderem das Herzogtum Kleve (Cleve), das unter burgundischen Einfluss stand. Eine der bekanntesten Damen des damaligen Hochadels war wohl Maria von Burgund, die einzige Tochter Herzog Karls des Kühnen, die 1477 Maximilian I. von Habsburg heiratete. Eine Zeit der ständigen Veränderungen begann, Pest, Wiedertäufer, Franzosen, Spanier und Niederländer fallen im Münsterland ein, dabei waren Brandstiftungen, Plünderungen, Raub und Mord nur einige der häufigsten Folgen daraus. Aber auch der ständige Wechsel von Eigentum waren Folgen von Besetzungen und Überfällen, allein im Jahr 1635 wechselte Dülmen zwanzigmal seinen Besitzer.   

 

                     Im Inneren der ehemalige Klosterkirche St. Jakobus

 

Als nun der edle Ritter Gerhard sein Leid beklagte und seinen männlichen Erben in der Neusser Fehde verloren hatte, beschloss er seinen Besitz, die Burg Weddern, aus freien Stücken zu verschenken. Er entsagte allem weltlichen Besitz, dem ersten Mönch, dem er begegnen würde, wollte er seinen Besitz stiften. Als er sich nach Dülmen aufmachte, plagten ihn immer noch seine Sorgen, doch plötzlich, so die Legende, standen ihm zwei Mönche der Kartäuser gegenüber. Seit dieser Zeit fiel der Besitz des Burgherrn an den Orden der Kartäuser. Gerhards Ehefrau und seine Töchter wurden Nonnen, er selbst lebte bis zu seinem Tod (1478) unter den Mönchen des Kartäuserklosters zu Dülmen.

 

                                      Die Kirchenfenster im Chorbereich

 

Viele Jahrhunderte lang lebten die Kartäusermönche in der Abgeschiedenheit des Münsterlandes. Die Klosterkirche St. Jakobus wurde sozusagen das Zentrum ihrer Glaubenslehre. Heute kann man von der schönen Klosteranlage nichts mehr sehen, bis auf ein paar Wirtschaftsgebäude und das Torhaus im Eingangsbereich ist nur noch die Kirche vorhanden. Hier im Schatten der Kirche zelebrierte der Einsiedlerorden, zurückgezogen von der Außenwelt, lange Zeit die strengen Regeln des Ordens mit einem Schweigegelübte. Ganz wie es der Hl. Bruno in der Einöde la Chartreuse (Grenoble) getan hat, baute man auch hier um die Kirche herum den großen Kreuzgang und die jeweiligen Häuschen mit Zellen, die die Mönche bewohnten und in denen sie ihrer täglichen Arbeit nachgingen. 

 

          Rokoko-Gitter                          Kreuz                              Chorgestühl        

 

Im Inneren der spätgotischen Kirche St. Jakobus, die aus rotem Backstein gebaut wurde, findet man auch noch heute Spuren des Mönchslebens. Kurz vor dem Altar steht rechts und links das reich verzierte Chorgestühl der Mönche, alles wurde von einem sogenannten Lettner getrennt, seit dem 18. Jahrhundert mit einem verzierten schmiedeeisernen Rokoko-Gitter (1752), der den Bereich der Mönche von dem der Laienbrüder trennt. Zwei Ölgemälde an den Wänden aus dem 18. Jahrhundert zeigen die Stifter der Kirche. Im Chorraum der Kirche befinden sich neben dem Grabstein des Gründers Gerhard von Keppel, auch die Grablege aller Dülmener Herzöge von Croÿ und vieler Familienmitglieder. Die drei Kirchenfenster hinter dem Altar im Chor sind aus Antikglas, sie zeigen links „Maria“, in der Mitte die „Kreuzigung“ und rechts „St. Bruno“, den Gründer des Kartäuserordens.

 

Skizze der Kartause Marienburg bei Dülmen um 1739

 

Die Kartause Marienburg und das Grundstück mit Kirche gingen nach der Säkularisation (1804) und der Auflösung des Klosters, in den Besitz des Herzogs von Croÿ über. Bekannt ist das Adelsgeschlecht, das aus der Picardie in Nordfrankreich stammt, nicht nur wegen der Dülmener Wildpferde im Merfelder Bruch, sondern auch wegen der bekannten Tierklinik „Domäne Karthaus“, die sich seit 1997 auf dem ehemaligen Klostergelände befindet und die der Herzog von Croÿ 1996 gründete. Mit hochmodernster Technik ausgestattet, werden hier Pferde und Rinder sowie Kleintiere von medizinischen Spezialisten behandelt und versorgt. Weitere Informationen unter www.tierklinik-karthaus.info. Auf der gegenüberliegenden Seite des ehemaligen Klosters befindet sich auch das Anna-Katharinenstift Karthaus, eine katholische Einrichtung zur Rehabilitation erwachsener Menschen mit Behinderungen. Informationen unter www.anna-katharinenstift.de.

 

          Ländliche Idylle, Karthaus                       Anna-Katharinenstift Karthaus

 

Außer der heutigen Pfarrkirche St. Jakobus, dem alten Torhaus und den Wirtschaftgebäuden sind keine Zeugnisse aus der einst klösterlichen Zeit vorhanden. Dennoch lohnt sich ein Abstecher zur Klosterkirche St. Jakobus in der Bauernschaft Weddern.

 

Buen Camino!

 

Herne, April 2014 

 

 

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