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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Sauerland

Die Heidenstraße (1)

Von Korbach bis nach Winterberg

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Jakobus- und Pilgerspuren im Sauerland gibt es reichlich, so auch auf der mittelalterlichen Heidenstraße. Diese alte Heer- und Fernhandelsstraße verlief von Leipzig aus kommend weiter Richtung Westen bis nach Köln. Über Kassel und Korbach führte sie damals auch durch das Waldecker Land (Nordhessen) und das kurkölnische Sauerland (Westfalen). Von Korbach aus begann unser erster Abschnitt der Spurensuche, der uns im weiteren Verlauf der Spurensuche über Medebach nach Winterberg führte.

 

Jetzt, fast Mitte Juli, sollte das Wetter doch mitspielen, doch wir lagen falsch, immer wieder überraschten uns Regenschauer und die Temperaturen gingen nachts auf 8 Grad zurück. Doch das störte uns nicht, mein Pilgerfreund Volker, der das erste Mal auf eine Pilgerreise ging, war wie ich von der Faszination der Natur und der Bergwelt im Waldecker Land und im Hochsauerland begeistert. Mit der Bahn erreichten wir in ca. 3,5 Stunden Fahrzeit über Herne, Bochum, Schwerte und Brilon Wald die 1000-jährige nordhessische Kreisstadt Korbach. Die im Boden eingelassenen Goldtaler zeigten uns den Weg in die Altstadt.

 

      

     Fußgängerzone - Neustadt Korbach                         Altstadt Korbach

 

Goldstadt Korbach

 

Das idyllisch-historische Städtchen liegt im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen. Die Stadt im Waldecker Land blickt auf eine lange Geschichte zurück, nicht nur dass sie Hessens einzige Hansestadt war, sie war auch eine echte Goldgräberstadt. Denn seit dem Mittelalter wurde ganz in der Nähe im Südwesten, auf dem Eisenberg (562m), das begehrte Gold abgebaut. Ein richtiger Goldrausch fand dort statt, noch heute soll der bewaldete Berg Goldvorkommen besitzen. Ein Goldlehrpfad und ein Besucherbergwerk erinnern an die gute alte Zeit. Auch die alte Heidenstraße, eine mittelalterliche Fernhandelsstraße, führte über den Eisenberg und das am Westhang liegende Goldhausen.

 

    

Turm der Nikolaikirche        Altarraum mit Marienaltar           Grabmal in St. Nikolai

 

Doch zunächst sollte man sich die historische Altstadt von Korbach anschauen. Mit ihren wunderschönen und reich mit Blumen verzierten Fachwerkhäusern präsentiert sich die Stadt von ihrer schönsten Seite. In der Altstadt spürt man einen Hauch des mittelalterlichen Flairs. Gleich zu Beginn unserer Spurensuche erreichten wir die dreischiffige Hallenkirche St. Nikolai. Die ehemalige Pfarrkirche der Neustadt steht an gleicher Stelle, wo sich einst die St. Nikolauskapelle (1359 bis 1450) befand. Auffällig die schiefe Turmhaube der Kirche, im Inneren befindet sich der schöne Marienaltar des Korbacher Franziskanermalers von 1518. Ebenso schön das auffällig verzierte, aus Marmor, Alabaster und Sandstein gefertigte Grabdenkmal (barockes Grabepitaph), das für Georg Friedrich Fürst zu Waldeck gefertigt wurde.

 

     

       Marktplatz Korbach mit Brunnen                            St. Kilian-Kirche

 

Zentral in der Altstadt befindet sich die gotische Hallenkirche St. Kilian (1335/1450), mit ihrem auffälligen quadratischen Turm und seiner barocken Haube gilt die Kirche als Wahrzeichen von Korbach. Auch sie steht wie schon die St. Nikolaikirche auf den Fundamenten einer romanischen Vorgängerkirche. Geweiht ist die Kirche dem hl. Kilian, einem irischen Missionar, der um 689 in Würzburg den Märtyrertod starb. Im Inneren der Kirche strahlt ein ebenfalls von dem Korbacher Franziskanermaler geschaffener Kreuzigungsaltar aus dem Jahre 1527. Das Südportal (Tympanon) der Kirche ist reich mit Steinfiguren und Reliefs geschmückt, ob sich darunter auch der hl. Jakobus oder eine Pilgerdarstellung befindet, kann man nicht genau sagen.  

 

  

  Portal Kilianskirche                Altarbild - Passionsaltar       Steinfiguren am Portal

   

Ganz in der Nähe der Kilianskirche befindet sich das schöne Rathaus mit einem steinernen Roland, ein Hinweis auf die alte Hansestadt. Auch einige gotische Lagerhäuser sind erhalten geblieben, sie sind Zeugnisse vom regen Handel, der hier einst stattfand und der sogar bis nach Russland führte. Sehenswert auch der gut erhaltene doppelte Stadtmauerring und der Tylenturm, ein großer Wehrturm mit Wehrgang, der zur inneren Stadtmauer gehörte. Auch ein altes Stadttor, das „Enser Tor“, wurde neu rekonstruiert, es ist eines von ehemals fünf Stadttoren. Man sollte sich schon etwas Zeit nehmen, um die Altstadt und Neustadt mit ihren vielen historischen Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Hilfreich ist das Bürger-Büro (Touristik-Information), es befindet sich im Rathaus, hier bekommt man ausreichend Karten- und Informationsmaterial.

 

   

  Roland am Rathaus                   Rathaus Korbach                     Roland im Rathaus

 

Das alte Korbach (Corbach), einst Curbechi, wurde im Jahre 980 das erste Mal urkundlich erwähnt. Einst stand hier ein karolingischer Reichshof (Königshof). Korbachs Position an der Grenze zu Westfalen/Hessen und am Kreuzpunkt zweier alter Handelsstraßen, die von Bremen nach Frankfurt (Nord nach Süd) und der Heidenstraße Leipzig-Köln (Osten nach Westen) führten, machte die Stadt immer bedeutender. Im Jahre 1188 erhielt Korbach die Soester Stadtrechte und Marktrechte, der Handel boomte bis ins 15. Jahrhundert hinein. Für Kaufleute, Händler uns Siedler wurde es zu eng in der Altstadt und man erweiterte sich mit der Neustadt. An deren Grenze wurde 1377 das Rathaus erbaut, Teile des Mauerwerks und der Treppengiebel mit dem Relief des Stadtwappens sind bis heute erhalten geblieben.

 

     

               Gotisches Lagerhaus                         Spukhaus – Gotisches Steinhaus

 

Eisenberg und Goldhausen

 

Wie schon erwähnt verläuft die Heidenstraße über den Eisenberg, hier lagerte früher die größte Goldlagerstätte Deutschlands. Spuren dieser „goldigen Zeiten“ des Goldrausches findet man bis heute. Wir machten uns auf den Weg und verließen die sehenswürdige Stadt Korbach über die Medebacher Landstraße Richtung Lengefeld. Schnell hatten wir den historischen Stadtkern verlassen und es ging auf einem landschaftlich schönen Feldweg neben der Landstraße weiter. Leicht hügelig ging es nun an saftigen grünen Maisfeldern vorbei, ein schöner Weg, der uns immer näher nach Lengefeld und am Eisenberg heran führte.  

 

       

             Volker im Pilger-Feeling...                               Eisenberg (Goldberg)

 

Das kleine Dorf Lengefeld (390m) liegt am Ostausläufer des Sauerländischen Gebirges (Rheinisches Schiefergebirge) und gehört zur Gemeinde Korbach. Von hier geht es nun hinauf auf den Eisenberg. Wir folgen den Spuren der Goldsucher, Eisen- und Kupfergräber, die einst hier schürften. Auch die Heidenstraße verläuft über den berühmten Goldberg.

 

        

                 Hohlweg (Eisenberg)                                 Hohlweg (Eisenberg)

 

Alte Hohlwege führen uns immer höher hinauf. Es ist eng und glitschig, der Waldboden ist weich und morastig. Durch den regenreichen Juni und Juli sieht der Hohlweg wie ein Bachlauf aus, wir kämpften uns durch meterhohe Farne hindurch. Ein Naturpfad führte uns mitten durch die grandiose Berglandschaft des dicht bewaldeten Eisenbergs hinauf. Immer wieder fantastische Aussichten durch die Wälder auf das Umland von Korbach. Dann schließlich hatten wir das Plateau des Gipfels auf einer Höhe von 562m erreicht. 

 

     

       Schutzhütte, Goldpfad, Eisenberg                        Goldpfad - Hohlweg

 

Mitten auf der freien Wiesenfläche steht der Georg-Viktor-Turm, direkt daneben befindet sich  die Burgruine Eisenberg. Der Aussichtturm, der den Namen zu Ehren des Fürsten Georg Viktor zu Waldeck und Pyrmont trägt, wurde am 3. Juni 1905 eingeweiht und misst eine Höhe von 22,5 Meter. Treppen führen uns hinauf zur Plattform, mit grandiosem Rundblick belohnt, blickten wir auf das fantastische Umland mit seinen bewaldeten Hügeln. Die Sicht reicht bis zu den Kasseler Bergen, dem Taunus und natürlich den Bergen des Sauerlandes.     

 

     

  Georg-Viktor-Aussichtsturm, Eisenberg                   Burgruine Eisenberg

 

Auch die Burgruine Eisenberg mit ihren alten Grundmauern, Wall und Graben, früher eine wehrhafte Höhenburg, ist für uns eine besondere Sehenswürdigkeit. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut und war lange Zeit im Besitz der Grafen von Waldeck. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg Eisenberg zum Schloss umgebaut und 100 Jahre später von landgräflich-hessischen Truppen zerstört.     

 

     

                    Blick auf Korbach                             Blick auf das Hochsauerland

 

Nach einer umfangreichen Besichtigung der Burgruine und des Aussichtsturms ging es für uns weiter. Wir folgten einem Wanderpfad, der uns bergab in das nur 2 km entfernte Goldhausen führte. Das kleine Dorf, am westlichen Hang des Eisenbergs gelegen, liegt auf 490m Höhe. Natürlich ist das Dörfchen Goldhausen eng mit der Geschichte des Eisenbergs verbunden und man kann sich von hier auf die Spuren der Goldgräber machen. Wir allerdings setzen unsere Spurensuche auf der Heidenstraße fort.

 

Die Heidenstraße   

 

Die Heidenstraße ist eine alte Fernhandelsstraße die seit dem Mittelalter von Kaufleuten, Händlern und Pilger genutzt wurde. Sie verbindet in ihrem ostwestlichen Verlauf die Städte Leipzig, Kassel und Köln miteinander. Auch Jakobspilger nutzen auf ihrer Wallfahrt nach Santiago de Compostela die Heidenstraße. Jakobäische Spuren im Sauerland, zu Ehren des Apostels Jakobus des Älteren („Jacobus Mayor“), findet man unter anderem in Winterberg, Elspe und Attendorn. In Goldhausen hatten wir nun die Qual der Wahl, folgen wir nun einem Verlauf der Heidenstraße über Oberschledorn zum Schlossberg nach Küstelberg und Winterberg. Oder nehmen wir doch lieber eine andere Variante der Heidenstraße, die über Eppe, Hillershausen, Medebach, Glindfeld nach Winterberg führt.

 

 

                                         Gedenktafel "Heidenstraße" in Eppe

 

Wir wollten das schöne Medebach nicht einfach auslassen, denn hier konnten wir auch unseren Proviant auffüllen. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es hier auch. Doch darüber mussten wir uns keine Gedanken machen, wir hatten ja ein Zelt dabei. Als wir das Dörfchen Goldhausen verlassen hatten, ging es über die Felder weiter Richtung Eppe. Plötzlich zog ein heftiges Unwetter auf, in der Ferne sahen wir schon die schwarzen Gewitterwolken, die direkt auf uns zusteuerten. Etwa auf gleicher Höhe sahen wir auch eine alte Scheune, die, wenn sie nicht verschlossen ist, uns sicherlich Schutz bieten konnte. Wir hatten Glück, im letzten Augenblick erreichten wir die Scheune, die großen Türen standen sperrangelweit auf und wir konnten trockenen Fußes die rettende Scheune betreten. Es blitze und donnerte und regnete in Strömen und wir hofften, dass kein Blitz einschlagen würde, denn sie war bis unters Dach voll mit Strohballen gefüllt.  

 

     

                      Richtung Eppe                             Eine Gewitterfront kommt auf...

 

Doch so schnell wie das Unwetter kam, war es auch schon wieder verschwunden. Wir beschlossen in der Holzscheune zu übernachten, wir hatten zwar erst 19 Uhr, doch waren wir auch ein wenig müde. Die umfangreiche Besichtigung in Korbach und der steile Aufstieg auf den Eisenberg hatten uns zu dieser Entscheidung kommen lassen. Und wir taten das Richtige, richtig nostalgisch war das, mitten in der Scheune bauten wir unser Zeltlager auf. Den ganzen Abend und die Nacht hatte es noch geregnet und wir saßen auf Stroh gebettet im Trocknen.

 

     

               Zelten in einer Scheune                            Tanz in der Scheune

 

Am nächsten Morgen klarte es langsam wieder auf, die Nebelschwaden, die sich nach dem langen Regen über die Felder und Wälder legten, zogen langsam wieder ab. Nun ging es hinunter ins Aartal und wir erreichten nach ein paar Kilometern das beschauliche Dörfchen Eppe. Auch Eppe liegt an der Heidenstraße, ein Gedenkstein mit Gedenktafel erinnert an den alten Heer- und Handelsweg. Die über 1000-jährige Fernhandelsstraße war einst über 500 km lang, es war ein beschwerlicher Weg, der alles abverlangte. Auch Könige und Kaiser nutzten den Verlauf der Heidenstraße, wie z.B. Kaiser Otto III. (1000) und Karl IV. (1349). In der grenznahen Region zu Hessen und Westfalen waren nicht nur die vielen Berge hinderlich, sondern auch die Gebietsstreitigkeiten beider Seiten. Im 30-jährigen Krieg (1618-1648) und im 7-jährigen Krieg (1756-1763) nutzten auch Söldner und Soldaten den Weg, sie plünderten und brandschatzten. So manche Dörfer und Städte, die am Weg lagen, wurden zerstört und hatten wie auch die Bauern das Nachsehen.

 

Für Pilger waren wohl die kriegerischen Zeiten, wie auch die Zeit der Reformation (1517-1648), die schwierigste Herausforderung. Sie waren der Willkür der Glaubensgemeinschaften ausgesetzt, ob katholisch oder evangelisch, die Spaltung der Kirche durch Martin Luther brachte für beide Religionsgemeinschaften erstmal nur Rückschläge und Probleme mit sich. Erst im Zeitalter der „Aufklärung“ und nach der Säkularisierung im 19./20. Jahrhundert, wurde es wieder friedlicher.

 

Was bedeutet eigentlich der Name Heidenstraße? Die meisten Wissenschaftler und die sich mit dem Thema „Heidenstraße“ beschäftigt haben sind sich sicher, dass es sich ursprünglich um einen alten Missionsweg handelt. Im frühen Mittelalter und in der Zeit des Frankenkönigs Karls des Großen um 777 wurden im Kölnischen Westfalen (Herzogtum Westfalen) oder auch Kurköln, wozu auch der größte Teil des Sauerlands zählte, vom Erzbistum Köln ausgehend Missionare gesendet, die das Sauerland, das von heidnischen Sachsen besiedelt war, christianisierten. Zwei der bekanntesten Missionare in der damaligen Zeit und die in Germanien missionierten waren z.B. der heilige Willibrord von Echternach und der heilige Bonifatius (672-754/55), auch Wynfreth und zu deutsch Winfried genannt, er gilt als Apostel der Deutschen und stammte aus der Grafschaft Devon in Südwestengland. Auch der heilige Liudger (Ludgerus) war ein bekannter Missionar, er stammte aus der niederländischen Gemeinde Utrecht. Alle drei bekehrten auf ihren langen Missionstätigkeiten die Friesen und die Sachsen.

 

     

                     Richtung Eppe                                            Blick auf Eppe

 

Unsere Spurensuche führte uns nun von Eppe aus weiter durchs Aartal, dann ging es steil hinauf auf den Steinberg (470m), eine schöne Strecke mit toller Aussicht auf das Waldecker Land. Oben angekommen erreichten wir den Tannenhof, eine Reit- und Ferienanlage, direkt daneben das Waldcafé Tannenhof, hier legten wir eine ausgiebige Rast ein. Das idyllisch gelegene Café mitten im Wald ist sehr gemütlich-rustikal eingerichtet und mit einem wunderschönen Kräutergarten versehen. Bei Kaffee und Kuchen oder auch einem Bierchen genießt man eine besondere Landhausatmosphäre. Nach der kleinen Stärkung ging es über einen Feldweg hinunter nach Hillershausen. Wir durchquerten die Ortschaft und erreichten auf einer Höhe nach Medebach einen Grenzstein, der die alte Landesgrenze zwischen Waldeck (Hessen) und dem Kurfürstentum Köln (Westfalen) kennzeichnet.

 

     

    Gemütliche Rast - Café Tannenhof    Inhaberin: Frau Huberta Wilke am Klavier

 

Nun befinden wir uns in Nordrhein-Westfalen, wir überqueren eine Landstraße und laufen schnurstracks auf Medebach zu. Ein traumhafter Pfad brachte uns über eine offene, saftig grüne Landschaft mit Wiesen und Feldern hinunter in die Medebacher Bucht. In der Ferne sahen wir die grandiose Berg-Silhouette des Hochsauerlandes.       

 

Medebach und das Kloster Glindfeld

 

Das schöne Städtchen Medebach in der gleichnamigen Bucht nennt man auch „Toskana des Sauerlandes“. Es liegt zu Füßen der 800 m hohen Berge des Rothaargebirges und ist durch seine offene Landschaft mit sanften Hügeln eine Perle im Naturpark Rothaargebirge.

 

     

        Alter Grenzstein, Hillershausen                  Blick Richtung Hillershausen

 

Auch Medebach hat in seiner fast 870-jährigen Geschichte viel erlebt. Anfangs noch als ländliche Siedlung wurde der Ort im Jahre 1144 vom Kölner Erzbischof Arnold von Wied, erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter hatte Medebach auch Marktrechte und gehörte der Hanse an. Durch die Nähe zweier wichtiger Handelstraßen, der Heidenstraße (Leipzig-Köln) und der Weinstraße (Bremen-Soest-Frankfurt), wurde ihnen vom Erzbischof Rainald von Dassel die Soester Stadtrecht verlieh. Doch wurde durch Gebietsstreitigkeiten im Sächsischen Krieg (1177-1181) mit dem Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg und dem Sachsenherzog Heinrich dem Löwen dem Fernhandel ein jähes Ende gesetzt. Die Folgen des Streits: die völlige Zerstörung der Stadt im Jahre 1179, durch Bernhard II. zur Lippe und seinem Vetter Widukind von Rheda, beide Gefolgsmänner Heinrichs des Löwen. Doch die Medebacher bauten ihre Stadt wieder auf und befestigten sie. Im Jahre 1177 wurde das Augustinerinnen-Kloster in Küstelberg gegründet und erwarb durch den Erzbischof Engelbert von Köln das Patronatsrecht über die Medebacher Pfarrkirche. Im Jahr 1298 verlegte man das Kloster Küstelberg nach Glindfeld, heute ein Stadtteil von Medebach. Die nahe Grenze zur Grafschaft Waldeck brachte immer wieder Veränderungen mit sich, Truppen von Söldnern und Soldaten zogen durch das Land. Immer wieder Auseinandersetzungen, die Soester Fehde (1444-1449), der 30-jährige Krieg (1618-1648) und der 7-jährige Krieg (1756-1763) brachten weitere Verwüstungen der Stadt mit sich. Aber auch die Pest mit über 300 Opfern machte im Jahr 1636 vor der Stadt keinen Halt und schwächte den Ort sehr. Auch ein Stadtbrand von 1844 verwüstete 117 Häuser der Stadt.

 

     

      Heidenstraße Richtung Medebach                         Blick auf Medebach 

 

Heute ist die Stadt Medebach durch das nahe Hochsauerland und das angrenzende Waldecker Land eine touristische Bereicherung. Sommer wie Winter findet man in den Naturparks, Seen und den Bergen viele Freizeitangebote. Natürlich auch das Wandern und Pilgern, hier findet man noch einsame Pfade, wie z. B. die der Heidenstraße oder den Jakobsweg, die einen durch eine fantastische und atemberaubende Landschaft führen.   

 

     

                    Kapelle am Weg                                             Medebach

 

Wir machten uns, nachdem wir die charmante Ortschaft mit ihrer Pfarrkirche St. Peter und Paul und der Andreaskapelle besichtigt hatten, weiter auf den Weg. Durch ihre gravierende geschichtliche Vergangenheit ist leider aus der Zeit des Mittelalters nichts übrig geblieben, zu groß waren die Verwüstungen. Dennoch lohnt sich ein Besuch der Stadt, Medebach ist eine lebendig-gemütliche Stadt mit alten Traditionen und einer wunderbaren Umgebung. Wir verlassen die Stadt auf dem Glindfelder Weg, dieser brachte uns nach wenigen Kilometern, vorbei an Feldern zum ehemaligen Kloster.

 

     

 Pfarrkirche St. Peter und Paul, Medebach        Chorraum, St. Peter und Paul

 

Das Augustinerinnen-Kloster zu Glindfeld wurde 1298 erbaut und 1499 in ein Kreuzherrenstift umgewandelt. Die Zeiten der Reformation und Gegenreformation (1517-1648) brachten auch in Medebach Veränderungen mit sich. In der grenznahen Region zwischen dem protestantischen Waldeck und dem katholischen Kurköln kämpfte man um die geistliche Herrschaft. In der Zeit der Säkularisation, der Aufhebung kirchlicher Besitzungen und deren Verstaatlichung wurde auch das Kloster 1804 aufgelöst. Heute befindet sich die Klosteranlage im Privatbesitz.

 

     

          Ehemaliges Kloster Glindfeld                 St. Laurentius-Kapelle, Glindfeld

 

Durch das Orketal nach Winterberg

 

Von der  St. Laurentius-Kapelle Glindfeld aus nahmen wir den Waldwanderweg (Markierung: Raute), dieser führt uns bergauf durch den Glindfelder Wald. Ein natürliches Waldreservat mit Buchen, Erlen- und Eschenbeständen. Ein beschwerlicher Weg, der uns immer höher Richtung „Alte Grimme“ führt, ein bewaldeter Berg mit Fichten und Buchen auf  750m Höhe. Hier wurde früher nach Erz gesucht, der Name „Zeche Elend“ verrät uns: mit wenig Erfolg. Etwas später erreichten wir das schöne Orketal, hier geht es auf einem Radwanderweg weiter. Am Bachlauf der Orke erreichten wir die Kirchenruine der Wüstung Wernsdorf und kurz danach die Ehrenscheider Mühle.

 

     

             Waldreservat Glindfeld                   Waldwanderweg Richtung Winterberg

 

Von der Ehrenscheider Mühle aus gibt es mehrere Möglichkeiten um nach Winterberg zu kommen, wir nahmen den steilen Aufstieg auf einem kleinen Waldpfad. Es ist schon sehr spät geworden und der folgende Anstieg nach Winterberg verlangte uns alles ab. Etwa auf einer Höhe von 600m hatten wir den größten Teil geschafft. Durch den dunklen Wald sahen wir schon die ersten Häuser von Winterberg, es konnte also nicht mehr weit sein. Doch wir irrten uns, es ging noch weiter bergauf, bis wir schließlich den endlosen Wald verlassen hatten. Vor uns lag eine offene Weide mit einem Wegkreuz, etwas unterhab des Kreuzes bauten wir unser Zelt auf und übernachteten dort. Es fing wieder an zu regnen und die Temperaturen waren auch nicht angenehm, etwa 8 Grad. Da konnte nur noch die Flasche Rotwein helfen, die wir von Medebach mitgeschleppt haben.

 

     

                  Durch das Orketal...                    Kirchenruine der Wüstung Wernsdorf

 

Nach dem obligatorischen Schlummertrunk ging es ab ins Zelt. Die ganze Nacht schüttete es wie aus Eimern, um 6 Uhr in der Früh machten wir uns wieder auf den Weg. Nur noch 2 Kilometer und wir haben es geschafft. Ein Weg führte uns wieder durch den Wald, doch Gott sei Dank, haben wir die Höhe erreicht und hatten keinen Anstieg mehr zu bewältigen. Nach kurzer Zeit hatten wir die Kernstadt Winterberg erreicht. Bei Dauerregen und kühlen Temperaturen kam uns nur eins in den Sinn, Kaffee trinken und aufwärmen. Mit Blick auf die Pfarrkirche St. Jakobus hatten wir im Zentrum ein Café gefunden. Nach einem großen Frühstück besuchten wir noch die Jakobuskirche, doch um 7 Uhr morgens war sie noch geschlossen. Doch beim nächsten Besuch, wenn wir unseren Weg auf der Heidenstraße fortsetzen, wird sie sicherlich geöffnet sein.

 

              

            St.-Jakobus-Pfarrkirche zu Winterberg          Jakobusrelief

 

Fazit unserer Spurensuche ist, dass sich die 2 Tage auf den Spuren der „Heidenstraße“ gelohnt haben. Wir, Volker und ich, sind begeistert von der wunderbaren Natur und der faszinierenden Landschaft und setzen unsere Reise auf der alten Heer- und Handelsstraße fort. Fortsetzung: Von Winterberg bis nach Schmallenberg  

 

 

Weitere Informationen:

 

Das Sauerland -

Städte und Orte am Jakobsweg

 

 

Herne, Juli 2012

 

Jakobswege Sauerland:

Heidenstraße - Rothaarsteig - Arnsberg - Breckerfeld - Brilon - Korbach - Marsberg -

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Video:

Die Heidenstraße

 

Korbacher Altstadt

Korbacher Nachtwächter

Mittelalterlicher Pranger

Schandstein

Gotisches Lagerhaus

Enser Tor – Altes Stadttor

 

Gasthaus "Zur Waage"

Kirchenportal - Kilianskirche

Steinfigur - St. Kilian-Kirche

Altstadthäuser

Schönes Fachwerkhaus

Idyllische Altstadt

Alte Landesschule

Die ehemalige Klosterschule

Altstadt mit Tylenturm

Tylenturm

Tylenturm mit Wehrgang

Eisenberg

Hohlweg

Georg-Viktor-Aussichtsturm

Burgruine Eisenberg

Alter Brunnen – Eisenberg

Blick auf das Sauerland

Blick auf Korbach

Das Umland von Korbach

Korbach

Kellerwald

Hochweide

Alte Scheune

Scheunenidylle

Kirche, Eppe

Gedenkstein "Heidenstrasse" 

Blick auf Eppe

Jakobsmuschel (Tannenhof)

Pilgerfigur (Tannenhof)

Alter Grenzstein

Pilgerweg Richtung Medebach

 

Viehtrieb (Kloster Glindfeld

Ländliche Idylle...

St. Laurentius-Kapelle, Glindfeld

In der Kapelle...

...schöne Fenster 

nach Winterberg...

St.-Jakobus-Pfarrkirche

zu Winterberg

Kirchenportal mit Jakobusfigur

Jakobusfigur