Jakobusgeschichten und Legenden

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Jakobusgeschichten für unterwegs - Und so nahm die Geschichte ihren Lauf…

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Buen Camino!

Auszug aus dem Buch

Jakobusgeschichten für unterwegs -

Und so nahm die Geschichte ihren Lauf…

Legenden und Geheimnisse

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Vor langer Zeit lebten nach den Römern im Nordwesten Spaniens die Westgoten, ein Volk, das sich zum Christentum bekehren ließ. Ursprünglich kamen sie vom Schwarzen Meer, da sie von den Hunnen vertrieben wurden, zogen sie über den Balkan nach Frankreich und weiter nach Spanien. Nach den Westgoten kamen die Mauren (Nordafrikaner) nach Spanien, sie eroberten und besetzten das Land, ließen sich in ganz Spanien nieder und vermischten sich unter das Volk.

 

Jahrhunderte lang prägten sie das alte Hispania mit prachtvollen Bauten und Palästen, der mozarabische Stil ist bis heute erhalten. Auch die orientalische Kultur ist noch in den vielen arabisch-islamischen Gärten erhalten geblieben, sie stellten das himmlische Paradies auf Erden da. Beispiele dieser einzigartigen Architektur findet man noch in Südspanien, wie z.B. in der Alhambra in Granada oder in der Alcázar de los Reyes Cristianos in Córdoba. Das Wasser war den Arabern stets heilig und so bauten sie in ihren Palästen und Gärten schöne Brunnenanlagen. Die Mozaraber sind Christen, die unter der arabischen Herrschaft lebten, sie passten sich der neuen Lebensform an.

 

Christen, Juden und Araber lebten bis zur Rückeroberung (Reconquista), friedlich zusammen. Das alte Hispania (iberische Halbinsel) nannte man auch in dieser Zeit „al-Andalus“. Die Herkunft dieser Namensbezeichnung ist umstritten, bis heute nennt sich eine große Region in Südspanien Andalusien. Die muslimische Herrschaft der mächtigen Emire und Kalifen aus dem Orient baute ihre Machtansprüche bis weit in den Norden des Landes aus. Im Süden lebten Araber und im Norden auf den Hochflächen der Meseta die Berberstämme.

 

 

Städte wie Sevilla, Córdoba, Granada und Toledo waren geprägt von islamischen Einflüssen. Im Norden des Landes lag in einer schwer durchdringbaren Bergregion das Königreich Asturien. Unter dem adligen westgotischen Rebell Pelayo (Pelagius), Leibwächter des letzten Westgotenkönigs Rodrigo I., der Asturien gründete, begann schon recht früh (717), der erbitterte Widerstand gegen die sich ausbreitenden Araber. Alfons I., genannt der Katholische, setzte den Kampf gegen die Araber fort, er vertrieb die Mauren aus Galicien. Viele Jahrhunderte brauchten die Christen, um das Land zurückzuerobern.

 

Auch die Jakobusgeschichte hatte hier ihren Anfang. In der Zeit, als die Mauren das Land beherrschten, wurde der hl. Jakobus Schutzpatron des christlichen Spaniens. Hoch zu Ross wurde er als Matamorus dargestellt, man nutzte seine Popularität unter den gläubigen Christen.

 

Vorangegangen war, dass man das Grab mit den Reliquien des Apostels fand (813). Wieder war es ein Pelayo, dieses Mal ein frommer Eremit, er hatte durch eine himmlische Erscheinung das Grab Jakobus’ und seiner Jünger gefunden. In der Legende heißt es, dass der Eremit Pelayo am nächtlichen Himmel über dem Hügel Libredón einen hell aufleuchtenden Stern gesehen hatte, er deutete es als göttliche Botschaft. Auch Schäfer, die über ihre Herde wachten, sahen über dem Weidehügel in der Nähe von Finisterre ein Licht.

 

 

Der Bischof Teodomir von Iria Flavia wurde von der außergewöhnlichen Erscheinung unterrichtet und ging der Sache nach. Man entdeckte auf einem Weidefeld, „Campus Stellae“ (Feld der Sterne), eine hölzerne Truhe mit den Gebeinen des Apostels Jakobus, auch einige Muscheln sollen sich zwischen den Reliquien befunden haben. Es war die Geburtsstunde von Santiago de Compostela. König Alfons II. (792-842) von Asturien und Galicien, genannt der Keusche, ließ an der Stelle des Fundortes im Jahre 829 eine Kirche errichten und Mönche ansiedeln, und so nahm die Legende ihren weiteren Verlauf, der Jakobsweg (Sternenweg) wurde geboren.

 

Nachdem einige Jahre ins Land gezogen sind und die Pilgerschar zunahm, ließ König Alfons III. eine neu erbaute Basilika im Jahre 899 einweihen. Die Geburtsstunde und der Beginn eines großen Wallfahrtsortes nahmen seinen Lauf, Santiago de Compostela wurde zur drittgrößten Pilgerstätte nach Jerusalem und Rom.

 

Pilger aus ganz Europa besuchten seit dieser Zeit, bis heute, die Kathedrale und die Grabstätte des hl. Jakobus. Einer der ersten Pilgerreisenden war der Bischof Godescalc aus Le Puy, er reiste 950 zum Grab des hl. Jakobus. Zum Ende des 11. Jahrhunderts begann die Zeit der ersten Kreuzzüge. Auch in dieser Zeit pilgerte man nach Santiago, es war eine gefährliche und beschwerliche Pilgerreise, die sich über einige Monate hinzog.

 

Man nutzte die alten Römerstraßen, die sich durch das alte Europa zogen. An den zahlreichen mittelalterlichen Brücken, die am Jakobsweg lagen und an denen neue Ortschaften entstanden sind, überquerte man die wilden Flüsse. In den neu erbauten Herbergen fanden die Pilger eine christliche Unterkunft. Überall gibt es hier Spuren aus vergangenen Zeiten, ob Römer, Westgoten oder Mauren, alle hatten sich hier einst niedergelassen. Doch erst, als die Christen in der Zeit der Reconquista das Land zurückeroberten und sich hier wieder ansiedelten, gab es in der Region eine ausgewogene Land- und Viehwirtschaft. Ganz in der Nähe befinden sich alte Triftwege, bezeichnet als „Cañadas“, sie zeugen noch heute von der großen Wanderweidewirtschaft. Auf der langen und breiten „Cañada Real“ trieb man aus der Extremadura kommend, Schafe und Rinder auf die sommerlichen Bergweiden hoch im Norden. Früher gab es hier große Getreide, Vieh- und Pferdemärkte.

 

 

In Zeiten des großen Pilgerbooms gab es im 12. bis 15. Jahrhundert reichlich Herbergen und Pilgerhospize. Aber auch heute finden Pilger eine gute Unterkunft. Das erste Jakobusbuch „Liber Sancti Jacobi”, oder auch „Codex Calixtinus“, genannt nach Papst Calixtinus II., der lange Zeit als Urheber galt, gab es sozusagen den ersten Pilgerführer (1130/40). Die spannenden handschriftlichen Dokumente aus dem Mittelalter erzählen von zahlreichen Legenden und Geschichten am Jakobsweg. Seit dem 5. Juli 2011 wird die historische und einzigartige Handschrift aus dem Mittelalter vermisst, sie ist aus dem Safe des Archivs der Kathedrale von Santiago de Compostela gestohlen worden.

 

Doch Gott sei Dank gibt es zahlreiche Kopien davon. Mitautor war vermutlich der französische Kleriker und Gelehrte Aimeric Picaud (Aimericus Picaudus), der in den alten Briefen als Verfasser genannt wird. Wie schon erwähnt, beschreiben diese Dokumente viele Legenden und Geschichten der Wallfahrt. Daneben enthalten sie einige Gebete und Gesänge für die Messe, auch berichten diese von Wundern des hl. Jakobus und von Pilgern, die dies erlebt haben. Es beschreibt die Pilgerreise auf dem Camino Francés. Einige schöne Legenden davon werde ich im Buch vorstellen.

 

Buen Camino!

 

Bernd Koldewey: "Jakobusgeschichten für unterwegs" – Legenden und Geheimnisse, Taschenbuch, Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 1. Auflage, März 2012, 140 S., 12,90 €, ISBN 978-3-8448-1297-8 - Dieses Buch kann ab sofort über den Buchhandel oder über das Internet, beispielsweise bei Amazon.de bestellt werden.

 

 

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