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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Ruhrgebiet

Der Jakobsweg von Dortmund nach Bochum

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Der Jakobsweg durch Dortmund war eine interessante Etappe auf meiner Spurensuche. Denn der Osten- und Westenhellweg in Dortmund bot eine Menge an historischen Sehenswürdigkeiten. So konnte man sich gut vorstellen, wie im Mittelalter Jakobspilger den Hellweg als Pilgerweg nutzten.

 

Jetzt suchte ich nach einer geeigneten Strecke aus Dortmund hinaus, die mich Richtung Bochum führt. Auch hier orientierte ich mich am Hellweg, der ja im Mittelalter eine wichtige Rolle spielte. Mir war schon klar, dass das nicht ganz einfach sein wird, eine Verbindung zu finden. Denn durch die großen Zersiedlungen, Schnellstraßen, Autobahnen und das Streckennetz des Schienenverkehr auch eine echte Herausforderung. Einen relativ landschaftlich reizvollen Pilgerweg zu finden, war mir bei meiner Spurensuche nicht möglich. Dennoch finde ich, konnte ich zufrieden sein. Einige sehenswerte Kirchen und eine alte Kapelle lagen auf meiner ausgesuchten Route.

 

         

             Altes Stadthaus, Dortmund                            Adlerturm, Dortmund

 

Vom Friedensplatz mit dem alten Stadthaus machte ich mich auf den Weg. Zunächst ging es durch den Dortmunder Stadtgarten zum Adlerturm. Er befindet sich am Ostwall und ist ein rekonstruierter Wehrturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Heute befindet sich hier auf sechs Stockwerken, ein kleines Museum für mittelalterliche Stadtgeschichte. Jakobspilger haben vermutlich die Stadt durch das Westentor verlassen, denn dort gab es auch eine Jakobskapelle. Aber auch durch andere Stadttore konnte man die freie Reichsstadt verlassen.

 

Vom Adlerturm ging ich ein wenig am Stadtring entlang bis zum „Hoher Wall“, überquerte dort die Straße und setzte meinen Weg in der Josephstraße fort. In der Amaliestraße besuchte ich die verhüllte Liebfrauenkirche. Das katholische Gotteshaus wird seit Juni 2009 völlig renoviert und als Urnenkirche umgebaut. Somit entsteht in Dortmund die dritte Grabeskirche (Kolumbarium) in Nordrhein-Westfalen nach Aachen und Marl.

 

         

                   Heilig-Kreuz-Kirche                                   St.-Nicolai-Kirche

 

Meine Wegstrecke führte durch das Dortmunder Kreuzviertel. Über die Möllerbrücke und Lindemannstraße erreichte ich schließlich das schöne Wohngebiet, es befindet sich im Dortmunder Stadtbezirk Innenstadt-West. In Höhe der Kreuzstraße besuchte ich die fast 100jährige katholische Heilig-Kreuz-Kirche. Es ist eine schöne dreischiffige Basilika, im Backsteinstil erbaut. Weiter ging es über die Lindemannstraße in Richtung Ruhrschnellweg (B1), hier steht die St.-Nicolai-Kirche, sie wurde 1930 erbaut und ist die erste Sichtbetonkirche in Deutschland. Die alte St.-Nicolai-Kirche befand sich im heutigen Stadtgarten und wurde 1810 abgerissen.

 

            

                      Ruhrschnellweg                                         Am Südfriedhof 

 

Früher waren die südlichen und westlichen Außenbezirke von Dortmund noch sehr ländlich, Wald und Wiesen prägten damals das Landschaftsbild. Doch in Zeiten der Industrialisierung im 20. Jahrhundert wuchs die Zahl der Bevölkerung stark an und das idyllische Ländliche verschwand. Nun suchte ich einen geeigneten Weg um nach Dortmund-Barop zu kommen, hier wollte ich die alte Margarethenkapelle besichtigen. Am Südfriedhof stand ich vor dem ersten größeren Hindernis, dem Ruhrschnellweg. Zwischen den Schallmauern der Schnellstraße und dem Friedhof folgte ich einem kleinen Weg. Doch nach wenigen 100 Metern war Endstation, ich stand am einen abgesperrten Abgrund einer Großbaustelle. Also wieder zurück, über die Wittekindstraße ging es unter dem Rheinlanddamm (B 1) hindurch und weiter Richtung Hombruch nach Barop.

 

           

                                      St. Franziskus-Xaverius-Kirche in Barop

 

Im Mittelalter war das noch alles anders; die Pilger verließen die Dortmunder Stadtmauern und begaben sich über Wiesen- und Feldwege in die südlichen Nachbargemeinden wie z.B., Hörde, Brünningshausen oder Barop. Doch inzwischen hat sich das Landschaftsbild völlig gewandelt, von der einst idyllischen bäuerlichen Gegend ist nur noch wenig übrig geblieben. Zwar ist die Großindustrie verschwunden, dennoch beherrschen heute noch Autobahnen, Schnellstraßen und Schienverkehr das Dortmunder Umfeld. Trotzdem lohnt es, sich zu Fuß auf den Weg zu machen, um in die südlichen Stadtteile zu gelangen. So erkennt man doch erst im starken Kontrast der Gegensätze den eigentlichen Wert unserer doch schönen Natur. Auch als ich im Großraum Burgos und León, auf dem spanischen Jakobsweg, durch einige Industrievororte kam, erlebte man diesen Kontrast. 

 

            

                                           Margarethenkapelle in Barop

 

Den Dortmunder Stadtteil Barop, unweit der Emscher, erreichte ich über die Straße (Krückenweg), welch ein Name für einen Jakobspilger. In Barop angekommen besuchte ich zuerst die katholische St. Franziskus-Xaverius-Kirche auf. Sie wurde 1932 eingeweiht. Das Dorf, das früher mal Badorpe hieß, besaß einst elf Höfe und wurde um 1220 in einer Vogteirolle, die „Limburger Rolle“, das erste Mal urkundlich erwähnt. Graf Friedrich von Isenburg ließ in dieser seine Besitztümer vermerken.

 

Über die kleine Straße „An der Palmweide“ kam ich ins dörfliche Klein-Barop und weiter hinauf zur Margarethenkapelle, in der Nähe stand auch der Schultenhof zu Barop. Die schöne Kapelle ist der hl. Margaretha geweiht, Schutzpatronin der Bauern, sie stammt aus dem 14. Jahrhundert. Der Baroper Kirchweg brachte mich weiter hinauf nach Groß-Barop. Eine kleine Landstraße (Baroper Straße) führte mich am Campus Süd vorbei, ein Gebäudekomplex der Technischen Universität Dortmund. Kurze Zeit später erreichte ich die Stockumer Straße und den Stadtteil Eichlinghofen. Als Dortmund noch eine freie Reichsstadt war, führte die Straße damals als Handelsstraße durch den Ort und über Stockum weiter nach Köln.

 

         

                                     St. Margareta-Kirche in Eichlinghofen

 

In Ortsmitte stand der nächste Kirchenbesuch an, die evangelische Dorfkirche von Eichlinghofen. Vor der Reformation war sie noch katholisch und hieß St. Margareta-Kirche. Eine romanische, typische westfälische Hallenkirche mit Westturm. Sie stammt aus der Mitte des 13. Jahrhundert, wahrscheinlich auch schon früher. Ein Stein mit der Jahreszahl 1070, der sich früher über die Eingangstür befand, ging verloren.

 

Etwas unspektakulär setzte ich meine Spurensuche fort, an stark befahren Straßen vorbei Richtung Lütgendortmund. Über die Landstraße (Steinweg) ging es an der Windkraftanlage „Airwin“ vorbei, Dortmunds erste Windkraftanlage von 1997. Weiter ging es über die Autobahnbrücke der Sauerlandlinie und über die Höhen mit weiten Feldern. Kurze Zeit später durchquerte ich die Dortmunder Stadtteile Oespel und Kley, dann ging es am Hof Watermann vorbei, hier befindet sich die Reiterstaffel Dortmund-Somborn. Auf der Beverstraße hatte ich für kurze Zeit Bochumer Gebiet (Langendreer) betreten, aber auf dem Lütgendortmunder Hellweg wieder verlassen. Denn ich wollte ja nach Lütgendortmund, um mit der Besichtigung des ehemaligen Klosters „Marienborn“, meine heutige Etappe abzuschließen.

 

           

                  Bartholomäuskirche                                St. Maria Magdalena

 

Nach wenigen Metern erreichte ich die Innenstadt von Lütgendortmund. Am Marktplatz angekommen ging ich erst zur neuromanischen Kirche St. Maria-Magdalena, sie wurde 1892 durch den Paderborner Weihbischof Augustinus Gockel geweiht. Leider war sie verschlossen und ich suchte sofort das ehemalige Klostergebäude auf. Hinter der Kirche führte ein kleiner Weg zum Gebäude, das heute eine Jugend-Freizeitstätte beherbergt. Baulich hat es sein Gesicht eines Klosters verloren, es soll nur noch eine Grundmauer existieren. Hier lebten im 14. Jahrhundert Beguinen (Beghinen), eine mittelalterliche Lebensgemeinschaft von Frauen, die ohne Klostergelübde und Ordensregel auskamen.  

 

         

           Marktplatz, Lütgendortmund                  Klostergebäude „Marienborn“

 

Mit Lütgendortmund hatte ich mein heutiges Etappenziel erreicht und zugleich auch einen neuen Ausgangspunkt gefunden, an dem ich an weitere Varianten meiner Spurensuche anknüpfen kann. So führen von hier verschiedene Heerstraßen (Hellwege) nach Bochum, wie z.B. über Bochum-Harpen oder Bochum-Werne. Eine andere Möglichkeit wäre über die Wittener Stadtteile Stockum, Crengeldanz und Heven, bis zum Kemnader Stausee.

 

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Herne, 12. März 2010

 

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