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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

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Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche in der Eifel II

Maria Laach, Laacher See und Niedermendig

Von Maria Laach bis nach Niedermendig 

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Am zweiten Tag meiner Entdeckungstour durch die Vulkaneifel wollte ich den Laacher See erkunden und nach Niedermendig wandern. Dort finde ich in der Pfarrkirche St. Cyriakus den 3. Teil der rheinländischen Pilgerkrönung, eine mittelalterlich Freske zeigt den Hl. Jakobus, wie er gleich fünf Pilger krönt. 

 

Nach meiner herzlichen Aufnahme im Kloster Maria Laach und nach einer geruhsamen Nacht bin ich in der Früh um 5 Uhr Morgens von dem angenehmen Glockengeläut der Klosterkirche geweckt worden. Im ersten Licht des Tages machten sich die Mönche auf den Weg zur „Morgenhore“, der ersten Messe zum gemeinsamen Gebet. Ich nahm mir die Zeit und lauschte den feinen Klängen der Glocken und schlummerte noch ein wenig vor mich hin. Eine Stunde später machte ich mich fertig, denn ich wollte auch am Gottesdienst „Konventamt“ teilnehmen,  die Messe beginnt um 7.30 Uhr.

 

Leise verließ ich mein schönes, schlichtes Zimmer, bei jedem Schritt knarrte und quietschte das alte Holz der Bodendielen. In den Fluren der Klosteranlage war es andächtig still, ich verließ das Gebäude und stand auf dem kleinen Kirchenvorplatz. Kurze Zeit später, es war gerade 7.15 Uhr, kamen noch einige Besucher dazu. Durch das so genannte „Paradies“ betraten wir die romanische dreischiffige Basilika. Gemächlich zogen die Mönche in ihren schwarzen Gewändern in die Klosterkirche ein und gingen zu ihren vertrauten Plätzen. Eine besondere Atmosphäre zwischen Tradition und Moderne und dem Wunsch nach Spiritualität.

 

           

Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifel

 

Mir fielen die Worte ein die Konrad Adenauer gesagt haben soll: Wer im Kloster wohnt, geht auch in die Kirche, zumal sie ja im Hause ist. Es ist ein Zufall, 60 Jahre, nachdem er zum 1. Bundeskanzler Deutschlands gewählt worden war und zum Beginn der Bundesrepublik Deutschland, sitze ich in einer der schönsten Kirchen in Deutschland. Denn auch Konrad Adenauer, der damals noch Oberbürgermeister und Staatsratspräsident war, hatte in diesem Kloster eine Herberge gefunden. Der Anlass war: 1933 widersetzte er sich der nationalsozialistischen Machtergreifung durch Hitler. Er wurde bedroht und von allen seinen Ämtern enthoben. So musste er aus Angst vor Verfolgung seine geliebte Stadt Köln verlassen. Hier im Kloster fand er schließlich mit der Unterstützung des damaligen Abtes Ildefons Herwegen, einem Jugendfreund, für ein ganzes Jahr lang Zuflucht. In den sicheren Klostermauern von Maria Laach fand er in den schweren Zeiten die gesuchte Stille und besonders eine geistige Atmosphäre vor.      

 

Nach einer ¾ Stunde war die in lateinisch gehaltene Messe zu Ende und wir gaben uns alle die Hand, ein symbolischer Friedensguss, wie passend dachte ich. Denn wir sind doch alle nur Gäste auf dieser Welt und sollten miteinander auskommen.

 

Direkt nach dem Gottesdienst ging es zum gemeinsamen Frühstück, hier hatte ich die Gelegenheit, dem Gastpater um eine weiter Übernachtung zu bitten, die er mir gleich zusicherte. Ein wenig unterhielt ich mich noch mit weiteren Gästen, die auch die Klosteratmosphäre suchten. Darunter eine Ordensschwester aus Görlitz und ein Jerusalempilger. Wir tauschten uns aus und wünschten uns einen schönen Tag.

 

  

                   Das Kloster Maria Laach liegt am südlichen Ufer des Laacher Sees

 

Kloster Maria Laach

 

Die Abteikirche Maria Laach ist ein Meisterwerk der romanischen Baukunst. Das Kloster wurde zwischen dem 11./13. Jahrhundert als Stiftung vom Pfalzgrafen Heinrich II. von Laach erbaut und liegt an der Südwestseite des Laacher Sees. Im Hauptchor der Kirche befindet sich direkt über dem Altar ein spätromanischer Baldachin. Mit seinen sechs Säulen und seiner durchbrochenen Kuppel schützt er den heiligen Altarbezirk.

 

               

       Hochaltar mit Baldachin                    Apsismosaik: Christus als Weltenherrscher

 

Über dem Altar in der Apsis thront der segnende Heiland, eine Mosaikausführung und Schenkung Kaiser Wilhelms II. Sie ist das Werk der Beuroner Kunstschule und wurde im 20. Jahrhundert vollendet. 90 Jahre nach ihrer Vertreibung aus dem Kloster zogen die Benediktinermönche wieder im November 1892 in Maria Laach ein. Sie kamen aus der Erzabtei St. Beuron, so lag es auf der Hand, dass nicht der Kölner Kirchenmaler Carl Andreae die Kirche ausschmücken sollte, sondern die Beuroner Kunstschule. Neben der gewölbten Pfeilerbasilika mit ihren sechs Türmen befindet sich der mit Mauern umschlossene Klostergarten mit einem zentralen Brunnen. In der riesigen Klosteranlage, dem so genannten „Klostergut“, befinden sich auch touristische Anlagen, wie z.B. Seehotel, Campingplatz, Bootsverleih, Gärtnerei, Kunstverleih und eine Buchhandlung. 

 

  

                                    Blick vom Hochstein Richtung Laacher See

 

Laacher See

 

Ich machte mich auf den Weg und ging den Rundgang um den Lacher See. Ein 13 km langer geologischer Rundweg mit vielen Schautafeln, die die geschichtliche Zeitfolge des Eifelvulkanismus erklären. Der See entstand vor über 10 000 Jahren, als die Region von vielen kräftigen Vulkanausbrüchen heimgesucht worden war. In einem gigantischen Ausbruch, der mehre Tage andauerte, entstand ein riesiger Hohlraum, der einbrach und sich später mit Wasser füllte. Es entstand ein Einsturzkrater, ein Kessel, der von Wissenschaftlern „Caldera“ genannt wird. Hier streiten sich die Gemüter – Maare oder Caldera? – für mich ein Kratersee, der durch die gigantische Kraft der Naturgewalt (Vulkanausbrüche) entstanden ist. 

 

         

                                        Rundwanderweg um den Laacher See

 

Auf meiner Wanderung durch die Osteifel und um den Laacher See sieht man auf Schritt und Tritt die Ausmaße der vulkanischen Aktivitäten. Was damals die Erde erschütterte und in tödlichen Katastrophen endete, sieht heute sanft und friedlich aus. Ringsum den 53 Meter tiefen See liegt ein grüner bewaldeter Gürtel, der sich in südlicher Richtung in eine hügelige Landschaft öffnet. Überall findet man Spuren vom Lavastrom und Basalt und Bimsgestein – Massen, die das Erdinnere herausgeschleudert hatte. Heute ein friedlicher idyllischer See, der einen Hauch von Romantik und Mystik vermittelt.     

 

           

                                    Genießen Sie Ruhe und Stille am Laacher See

 

Nachdem ich den geologischen Lehrpfad des Sees mit seiner reizvollen Umgebung erkundet hatte, machte ich mich auf den Weg nach Niedermendig. Es ging bergauf am Waldrand entlang auf einer Anhöhe (Wingertsberg) bis zum Hochkreuz. Von hier hatte ich eine wunderbare Aussicht auf den Laacher See mit seinem umliegenden Berge. Auf der anderen Seite der Bergkuppe ging es wieder hinunter und der Wald lichtete sich. Über die Felder erreichte ich einen kleinen Bachlauf. Ihm folgte ich bis zum Campingplatz und machte kurz vor Niedermendig eine kleine Pause.

 

Nachdem ich mich mit einem einheimischen Pilgergebräu in der Gastronomie der Campinganlage stärken konnte, machte ich mich weiter auf den Weg. Weit kann es nicht mehr sein, über die Autobahn und am Steinbruch vorbei, hier wurde früher im Tagebau die Basalte abgebaut. Ich erreichte die ersten Häuser von Niedermendig. Wie viele Orte in der Region sind sie mit dem Urgestein gebaut worden. Auch die Pfarrkirche St. Cyriakus, die ich erreicht hatte, ist zum größten Teil mit Basalt gebaut worden.

 

St. Cyriakus - Pilgerkönung in Niedermendig

 

Die Katholische Pfarrkirche in Niedermendig wurde im 12. Jahrhundert gebaut. Geweiht ist sie den Schutzheiligen der Schwerstarbeiter und der Bergleute, dem hl. Cyriakus von Rom und der hl. Barbara.

 

         

                          Die katholische Pfarrkirche St. Cyriakus in Niedermendig

 

Der alte Teil der Kirche zeigt wunderbare Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert. Zum Ende des 19. Jahrhundert wurden sie freigelegt und unter hohem Aufwand restauriert. Sie zeigen in vielen bildlichen Motiven Szenen aus der Bibel sowie den Lebenszyklus Jesus Christus. In der damaligen Anschauung der Menschen die Stärkung zum Glauben. Zwei besondere Darstellungen sind die des hl. Jakobus, sie zeigen ihn zum einen mit Karl dem Großen und eine weitere, wie er gleich 5 Jakobspilger krönt. Siehe auch den Artikel von Rüdiger Schneider: ‘Pilgerkrönung Teil III - Niedermendig’

 

          

                        Pilgerkrönung                                    Jakobusdarstellung

 

Nach der umfangreichen Exkursion und Besichtigung ging es wieder zurück zum Kloster Maria Laach.

 

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Fortsetzung: Spurensuche in der Eifel III

 

Mittwoch, 13. Mai 2009  

 

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