www.via-jakobsweg.de © 2009 • Bernd Koldewey • 44629 Herne (D)  

Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Auf dem Moselcamino (III)

Traumhafte Moselschleife und die Marienburg

Von Bremm bis nach Traben-Trarbach

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Fortsetzung von Seite 2

 

Zum Abschluss des Abends, kurz vor Mitternacht, gab es noch zur Freude ein großes Feuerwerk. Auf der gegenüberliegenden Moselseite in den Klosterruinen Stuben ging eine Veranstaltung zu Ende. Es war für uns ein perfekter Tag mit vielen Höhepunkten - Auch für unsere Übernachtung war gesorgt. Im Ort und in der Nähe der Mosel fanden wir eine passende Unterkunft, eine Art Schutzhütte, das Zelt blieb im Rucksack.

 

         

                   Klosterruine Stuben                                    Feuerwerk im Calmont

 

Gut genächtigt machten wir uns am frühen Morgen auf dem Weg. Durch eine Gartenanlage mit Obst- und Gemüseanbau ging es weiter an der Mosel entlang. Nachdem wir die Brücke nach Neef und die Schleuse St. Aldegund erreicht hatten, war es nicht mehr weit bis zum gleichnamigen Moselort.

 

Zwischen der Brücke und der Staustufe lag auf der anderen Flussseite der schöne Weinort Neef. Das Dorf befindet sich am Fuße des Petersberges und ist eng mit der Geschichte des Klosters Stuben verknüpft. Im Mittelalter (1202) zog der Ritter Heinrich von Ulmen auf dem 4. Kreuzzug ins Heilige Land. Reich und mit Beute beladen, brachte er Kreuzreliquien aus der Erstürmung Konstantinopels (1204) mit in seine Heimat. Unter anderem ein Behältnis, in dem Partikel aus dem Kreuz Christi aufbewahrt werden. Unter den Reliquien befand sich auch eine Staurothek, ein griechisches Doppelkreuz, das die beiden byzantinischen Kaiser Konstantin VII. und Romanos II. gestiftet haben. Vermutlich stammt es aus der ehemalige byzantinische Kirche „Hagia Sophia“.

 

    

                         Der romantische Weinort Neef liegt am Fuße des Petersberg

 

Dieses Heiligtum schenkte Heinrich von Ulmen im Jahre 1208 dem Kloster Stuben. 580 Jahre lang wurde das Reliquiar in der Kreuzkapelle (Peterskapelle) des Klosters Stuben aufbewahrt und verehrt. In dieser Zeit pilgerten Tausende von Gläubigen über den Petersberg zum Kloster. Heute werden die Kunstschätze  im Dommuseum in Limburg an der Lahn aufbewahrt.

 

       

          St. Aldegund - Wallfahrtskirche               St. Aldegund - Pfarrkirche St. Bartholomäus

 

Wir erreichten nun St. Aldegund am linken Moselufer – das beschauliche Dörfchen liegt an der Mittelmosel in der Mitte zwischen Trier und Koblenz. Eine idyllische 900jährige Ortschaft mit mittelalterlichen Fachwerkhäusern aus dem 15. Jahrhundert. Besonders sehenswert ist die romanische Wallfahrtskirche „Alte Kirche“ aus dem frühen 12. Jahrhundert, die dem Kirchenpatron St. Bartholomäus geweiht ist. Sie liegt etwas oberhalb des Dorfes. Die neugotische Pfarrkirche St. Bartholomäus wurde 1870 erbaut und liegt im Ortszentrum.

 

Auch findet man Spuren der Treidelschifffahrt, eine alte Tradition, die schon zur Römerzeit hier betrieben wurde. Mit Menschenkraft, Vieh- und Pferdegespann wurden die Boote mit Weingütern beladen und flussaufwärts gezogen (getreidelt).  Namensgeberin der Ortschaft ist die Äbtissin Aldegundis, die im 7. Jahrhundert in Maubeuge (Nordfrankreich) lebte und ein Kloster gründete. Historische frühchristliche Grabfunde mit Glasgefäßen aus dem 4. Jahrhundert wurden 1951 entdeckt, sie machten St. Adelgund als Hafenort berühmt.  

 

   

                         Moselländische Fachwerkhäuser in St. Aldegund an der Mosel

 

Wir zogen weiter flussaufwärts und kamen an einer neuzeitlichen Einrichtung vorbei, „Pömmels Pommesbude“, sie liegt am Ortseingang von St. Aldegund, direkt am Moselufer. Schattige Bäume laden zum Verweilen ein – und als hungriger Pilger darf ich noch erwähnen, dass ich zum ersten Mal, Fritten mit Thunfisch aß. Sehr lecker und wirklich köstlich und dazu noch moderate Preise. 

 

Nach der kleinen Stärkung machten wir uns wieder auf – ein ausgebauter Wanderweg führte uns schließlich nach einigen Kilometern nach Alf. Ausgangspunkt, um die hoch über der Stadt thronende Burg Arras aus dem 12. Jahrhundert zu besichtigen. Doch für uns wäre es ein kleiner Umweg, und wegen der Schwüle nicht zumutbar. Stattdessen eine kleine Ortsbesichtigung und wenig später setzten wir mit der Fähre nach Bullay über. Sehenswert die neugotische Pfarrkirche und Basilika St. Remigius mit der Statue "Christus in der Rast" aus dem 15. Jahrhundert, sie ist das Wahrzeichen von Alf. 

 

                        

Die neugotischen Basilika St. Remigius mit der bekannten Statue "Christus in der Rast".

 

Gemächlich setzten wir mit der Personenfähre hinüber nach Bullay. Der Ort wurde erstmals 1150 erwähnt und ist bekannt für seine gute Weinlage, z.B. den "Bullayer Brautrock". Mit dem Brautrockbrunnen am Dorfplatz wird nicht nur an den Wein gedacht, sondern auch an die amüsante Legende der Namensgebung.

 

Ein Graf verpfändet seinen Weinberg um die Brautausstattung (inklusive Rock) für seine zukünftige Schwiegertochter, ein reiches Ritterfräulein, zu finanzieren. Die gräflichen Kassen waren aber leer und mussten gefüllt werden. Doch der wohlhabende Vater der Braut stattete seine Tochter selber aus und schenkte großzügig am Hochzeitstag den Weinberg an seinen Schwiegersohn zurück. Mit der Auflage, dass die Erträge daraus nur seiner Tochter zukommen. 

 

   

                           Blick auf Bullay - Sie liegt an der Mosel gegenüber von Alf

 

Bullay ist auch bekannt als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, von hier fahren die Züge nach Koblenz und Trier. Sehenswert die doppelstöckige Eisenbahnbrücke, die über die Mosel und durch den Prinzenkopftunnel führt. Einzigartig in Deutschland, die Züge fahren oben her und auf der unteren Ebene der Straßenverkehr. Nach der Tunneldurchquerung geht es auf dem längsten Hangviadukt Europas bei Pünderich weiter bis nach Traben-Trarbach. Die Moselwein-Bahn fährt schon seit 125 Jahren.

 

Da die große Moselschleife „Zeller Hamm“, fast 14 km lang ist, änderten wir unsere Wanderroute ein wenig ab. So beschließen wir auf den im September 2005 neu erschlossenen Wanderweg, den Kulturweg Bullay-Reil „Kanonenbahn“ zur Marienburg zu gelangen. Zunächst noch am Moselufer und am Campingplatz vorbei, dann über die historische Eisenbahnbrücke auf dem neuen Wanderpfad „Kanonenbahn“. Er ist auch als Jakobsweg mit einer Muschel gekennzeichnet.

 

         

       Eisenbahn- und Straßenbrücke Bullay                    Aufstieg zur Marienburg

 

Der Pfad führt uns den bewaldeten Berg hinauf, nach ein paar kleineren Steigungen hatten wir die Höhe des Bergrückens erreicht und folgten der Straße hinauf zur Marienburg. Schon zur Kelten- und Römerzeit war dieser Ort eine Heiligenstätte und Kultstätte – er liegt mittig auf einem Bergrücken (Petersberg) an der engsten Verengung der Moselschleife „Zeller Hamm“.

 

Zur Zeiten Karls des Großen stand hier ein mächtiges Kastell, eine trierische erzbischöfliche Burg mit der Peterskirche. 1146 errichtete Abt Richard auf der Marienburg ein Augustiner-Frauenkloster mit der neuen Marienkirche. Das Kloster wurde 1515 durch Papst Leo X aufgelöst und viele Nonnen siedelten ins benachbarte Kloster Stuben über. Der Dreißigjährige Krieg und die Besetzung durch französische Truppen zerstörten den größten Teil der Befestigung und alles Brauchbare wurde geplündert. Doch der Wallfahrtsortcharakter blieb erhalten und ist heute eine Jugendbegegnungsstätte, eine Art „Jugendburg“ des Bistums Trier. 

 

         

            Die Marienburg bei Pünderich                                     Klosterkapelle

 

Ein paar Meter unterhalb der Burg, mitten in den Weingärten und den Rebstöcken, fanden wir unsere heutige Übernachtungsherberge. Eine Schutzhütte bot sich an, wie ein kleiner Tempel thront sie über die Mosel. Wir waren fasziniert von der überwältigen Aussicht, die uns dieser einmalige Ort bot.

 

         

          Einmalige Lage mit faszinierendenBlick auf die Moselschleife des "Zeller Hamm"

 

Steil führen die Reben von unserer Schutzhütte nach unten ins Tal, und wir beobachten die vorbeifahrenden Schiffe, die geräuschlos an uns vorbei fuhren. Welch eine traumhafte Kulisse – volkstümliche Musik aus Pünderich drang von der anderen Uferseite zu uns hinauf. Die Leute schienen genau wie wir glücklich zu sein, und wir genossen diese Atmosphäre. Im Westen ging langsam die Sonne unter und die Berge, die sich in Dunkelheit verhüllten, ließen die Mosel als stillen See erscheinen. 

 

         

            Schutzhütte in den Weinbergen                              Zufriedene Pilger...  

 

Auf der rechten Seite schauten wir zum Aussichtsturm (Prinzenkopf), dem höchsten Punkt des Berges. Einige Menschen waren noch auf der Anlage und fieberten einem schönen Sonnenuntergang entgegen. Wir machten es uns gemütlich und holten den guten Moselwein hervor, der uns ein nächtliches Wohlbefinden beschert. Dankbar für die himmlische Stätte machten wir es uns mit dem Schlafsack in der Hütte bequem – es war eine Vollmondnacht, eine friedliche Nacht, die sich ein Pilger wünscht.

       

         

                        Moselromantik                               Sonnenuntergang über die Mosel

 

Am Morgen nach unserem selbstgebrauten Kaffee verließen wir die Schutzhütte und schauten noch mal zur Marienburg. Dann ging es die Stiege hinab zwischen den Trauben, und hin und wieder sahen wir die Schilder, die auf die schweren Arbeiten der Winzer und Weinarbeiter hinweisen. Schnell gelangten wir an die Mosel und die Anlegestelle der Fähre nach Pünderich. Es war noch früh und die Fähre legt am Sonntag erst um 10 Uhr ab – sie hatten nicht mit den frühaufstehenden Pilgern gerechnet. So zogen wir weiter am längsten Hangviadukt Europas vorbei, eine knapp 1 Kilometer lange Strecke der Moselbahn. 

 

         

               Hangviadukt bei Pünderich                        Schiefer-Steillagen an der Mosel

 

Nach ein paar Kilometern hatten wir den Moselort Reil erreicht. Beschaulich ging es an steilen Hängen der Weinberge entlang -  wie die meisten Dörfer an der Mosel hat auch Reil seine Vorzüge, nicht nur für Eisenbahnfreunde. So soll der erste Kölner Dombaumeister (1248) des Kölner Doms, Meister Gerhard, auch Gerhard von Rile oder auch Gerhard Morart genannt, aus Reil stammen - oder dort einmal gewohnt haben.

 

         

             Richtung Reil an der Mosel                                   "Die Reiler Schlange"

 

Eine weitere Sensation, in der Nähe von Reil sahen wir einen „Steinernen Schlangenschwanz“, eine seltene geologische Formation im Schiefergebirge der Reiler Furt, in der Nähe des Pfahlbaches. Nach 5 Kilometern erreichten wir Kövenig und das gegenüberliegende Enkirch. Kövenig, ein kleines Dörfchen, liegt zu Füßen der steilen Weinberge und gehört zur Gemeinde Kröv, eine Bergstraße verbindet diesen Stadtteil. Die Moselstadt Enkirch ist mit einer Fähre zu erreichen und in der Nähe befinden sich eine Staustufe (Schleuse) der Mosel sowie der Natur-Yachthafen von Traben-Trarbach. Noch ca. 2 km am Ufer entlang, dann ist man in der Stadt.   

 

         

             Ankunft in Traben-Trarbach                               Trarbacher Brückentor

Unseren Zielort der viertägigen Pilgerreise haben wir erreicht. Und für kurze Zeit heiß es nun, Abschied nehmen von der Mosel und ihrem Camino. Doch wir kommen wieder und setzen die Wanderung bis Trier fort. 

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Fortsetzung: Auf dem Moselcamino IV 

Mehr zum Thema: Artikel von Rüdiger Schneider

II - Von Cochem nach Traben-Trarbach

 

Samstag, 18. Juli 2009

 

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