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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

       

 

 

Camino de Levante (Teil 4)

Die Via Augusta - Westwärts Richtung Almansa

Von Xàtiva bis nach La Font de la Figuera

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Von Xàtiva aus, eine der schönen geschichtsreichen Städte in der Provinz Valencia, folgt der Jakobsweg weiterhin den Spuren der Römer und Araber. Immer wieder befindet man sich auf der Trasse der alten Römerstraße Via Augusta. Die letzte Ortschaft vor der autonomen Region Kastilien-La Mancha und der Provinz Albacete ist die kleine Ortschaft La Font de la Figuera. Von hier geht es in ein bis zwei Etappen nach Almansa.

 

Xàtiva hatte ja wirklich einiges zu bieten, wie gesagt, konnte ich mir leider nicht alle historischen Sehenswürdigkeiten ansehen. Doch was ich bis zum Mittag des darauf folgenden Tages gesehen hatte, war Kulturgeschichte pur. Die Stadt hat mich wirklich beeindruckt. Nun heißt es für mich wieder Ultreia, ultreia, Vorwärts und immer weiter! Ich folgte der Maxime, die man als Pilger auch beherzigt, denn das Unterwegssein ist eine Metapher des Lebens.

 

            Festungsmauer, Xàtiva                                           Xàtiva

 

Von Xàtiva bis nach Canals

 

Heute wollte ich mich ein wenig schonen und nur einige Kilometer bis zum Städtchen Canals pilgern. Aus der Stadt hinaus ging es zunächst noch durch die schöne Altstadt. Ich folgte den gelben Pfeilen und befand mich wieder auf dem historischen Wegverlauf der alten Via Augusta. An der „Plaza Sant Jaume“ angekommen beschloss ich eine Pause einzulegen. Ich ließ mir etwas Zeit und gönnte mir in einer Bar in der Nähe des kleinen Platzes eine Erfrischung. Ein wenig beobachtete ich dabei die Menschen, die hier leben. Einige einheimische Bewohner spielten gerade das beliebte Brettspiel „Domino“, lebhaft war dabei ihre Unterhaltung. Hin und wieder kam der Wirt raus, schaute nach dem Rechten und stellte eine Schale mit Nüssen auf die Tische. Manchmal gingen die Blicke der Männer auch zu mir, es waren freundliche Blicke, sie lächelten, grüßten und spielten vergnügt weiter. Es waren freundliche Menschen, die einem Fremden gegenüber sehr aufgeschlossen waren.  

 

                         Anahuir                                                       Ayacor

 

Nach der kleinen unterhaltsamen Pause ging es weiter. Zügig verlasse ich das Stadtgebiet von Xàtiva und erreichte über ein Neubaugebiet den Vorort Novetlé. Auch die nächsten zwei beschaulichen Dörfer, Anahuir mit seiner schönen Pfarrkirche „Iglesia Mare de Déu dels Angels“ und Ayacor mit der Jakobuskirche „San Jaime Apóstol“ waren nicht weit voneinander entfernt und wurden schnell erreicht. Bis zum Anfang des 17. Jahrhundert waren die kleinen Orte noch maurische Ansiedlungen gewesen, die erst nach der Vertreibung der Araber, im Jahre 1609, neu besiedelt wurden. Auch hier ging es wieder durch die fruchtbaren Obstgärten der Region.

 

                        Gasse, Ayacor                                Jakobuskirche, Ayacor

 

In dem schönen Dorf Ayacor (Aiacor), das auf einem Hügel liegt, machte ich erneut eine Rast. Für mich war es wieder ein Ort nach meinem Geschmack. Mit Jakobuskirche und einem verträumten Platz mit Brunnen und einer Bar, absolut einladend. Ich legte meinen kleinen Rucksack ab, bestellte mir was zu trinken und genoss die dörfliche Idylle und die wohltuende Stille. Die Zeit verstrich und ich wollte gar nicht mehr weiter, so schön angenehm war es hier. Letztendlich gab ich mir einen Ruck und ging weiter, schließlich wollte ich ja das Städtchen Canals erreichen. Nun ging es in südwestlicher Richtung über einen schmalen Feldweg und anschließend neben einer asphaltierten Straße bis zum Ortsanfang von Canals. Hier befindet sich eine Kreuzwegstation mit der Kapelle Ermita del Castro de la Salud. Kurze Zeit später geht es über die Hauptstraße Avenida de Jaume I. weiter bis zur Stadtmitte. Kurz vorher, auf der linken Seite der Straße, erreichte ich das Gebäude des Mercado-Municipal, wo sich im 1. Stock die Pilgerherberge befindet. Doch zunächst musste ich die örtliche Polizei (Policia Local) aufsuchen, sie waren zuständig für Formalitäten (Pilgerstempel) und für den Schlüssel der Herberge.    

 

                  Jakobsweg GR 239                                        Richtung Canals

 

Das interessante Städtchen Canals liegt mitten im Herzen der Region La Costera. König James I. (Jakob I.) von Aragon eroberte die Stadt im Jahre 1244. Auch hier gleicht der historische Verlauf wieder den meisten Ortschaften in dieser Region. Doch mit einem gravierenden Unterschied, hier wurde am 31. Dezember 1378 Alonso de Borja, der spätere Papst Calixtus III. (1455-1458) geboren. Am Stadtrand von Canals stehen mit dem maurischen Turm „La Torreta“ sowie einem kleinen Platz mit Kapelle die Reste und eindrucksvolle Hinterlassenschaft des Borgia Palastes. 

 

                                               Turm „La Torreta“, Canals

 

In der Ortsmitte von Canals befindet sich an der Plaza Major die zweitürmige Pfarrkirche Sant Antonio Abat (13. Jh.). Zu Ehren ihres Schutzheiligen wird jedes Jahr am 16., 17. und 18. Januar das Antoniusfest mit einem gigantischen Feuerspektakel in Form eines riesigen Holzscheiterhaufens in der ganzen Stadt gefeiert. Auch ich erlebte bei meinem Besuch in Canals eine besondere Art von Feuerwerk. Eine heftige Gewitterfront mit schwarzen Wolken zog über den abendlichen Himmel Canals. Mit heftigen Blitzattacken und Donnerschlägen erzürnte das Gewitter. Dann plötzlich, es muss wohl irgendwo in der Nähe eingeschlagen haben, zischte und funkelten Stromleitungen. In der gesamten Stadtmitte gab es Stromausfälle und für ein paar Sekunden gingen die Lichter aus. Doch Gott sein Dank hatte ich ein Dach über dem Kopf, ich saß in einer Bar und wartete das Unwetter ab. 

 

                         Pilgerherberge mit Wohn- und Schlafraum in Canals

 

Die Herberge, die ich am späten Abend mit Hilfe der Policia Local aufsuchte, war in einem guten Zustand. Zwei Zimmer mit jeweils zwei Betten, einem großen Wohnraum mit Tisch und Stühlen sowie eine Küche und Bad/Dusche, eine ideale Pilgerunterkunft.

 

Von Canals über Vallada bis nach Moixent

 

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück weiter, heutiges Etappenziel ist Moixent, genau wie die Ortschaft Vallada liegt es am Fuße der Sierra Grossa. Hier am Zusammenfluss der beiden Flüsse, Rio Cañoles und Rio de los Santos (Fluss der Heiligen), öffnete sich vor mir eine breite Talebene. Der Camino de Levante führt auf den alten Wegen der Via Augusta durch das bizarre Tal von Montesa. 

 

Früher war die riesige Landschaftsfläche zwischen den zwei großen Gebirgsausläufern der Sierra Grossa und Sierra de Enguera wild und ursprünglich. Doch durch die jahrhundertlange Bewässerung der immer mehr zunehmenden Plantagenkultur und deren Kultivierungen wurde dem Flusssystem das kostbare Wasser entzogen. Auch die Dürrezeiten oder die dramatischen Landschaftsveränderungen, die durch den Bau der Autobahn und Landstraßen sowie der Trasse der Eisenbahnstrecke hervorgingen, hatten negative Folgen. Ebenso die Verschlechterung der Gewässerqualität, die durch die Abfall- und Industriegewässer der nahen Städte Probleme mit sich brachte. Im 18./19. Jahrhundert brachen in der Region schlimme Epidemien und Krankheiten aus wie die der Cholera. Zwar gab es noch reichlich Wasser, doch eine Zeit lang kein sauberes Trinkwasser mehr. Heute fließt das kostbare Wasser der Flüsse zum größten Teil durch Kanäle und mit Hilfe der unzähligen Kläranlagen wurde das Wasser auch wieder sauberer.

 

 

Der unregelmäßige Wasserstand des Flusses, der nur in der Regenzeit und bei Hochwasser ansteigt, lässt die Landschaften des Flussbeckens manchmal ein wenig öde und trostlos erscheinen. Pilger, die unterwegs sind nach Vallada und Moixent, sollten dies beachten. Oft durchquert man Flussfurten, die sich bei Regen in kleine Tümpel und Seen verwandeln können, dann ist der Weg auch mal schlecht passierbar. Doch in der übrigen und meist trockenen Zeit geht es durch die fruchtbaren Felder der Orangen und Olivenhaine. Auch üppige Schilflandschaften, Oleander und Rosmarin befinden sich am Wegesrand. Oft geht es auch in unmittelbarer Nähe der Bahntrasse Xàtiva-Almansa-Albacete entlang und die Autobahn A-35 ist in Sichtweite. Dann taucht auf der rechten Seite die Ortschaft Montesa auf, auffällig die Templerburg, deren Ruinen sich über die Stadt befinden. Am 26. März 1748 vernichtete ein Erdbeben die historische Burganlage. 

 

                                       Ortschaft Montesa mit Templerburg

 

Der Weg führt natürlich wie gehabt durch Olivenhaine und Orangenkulturen und immer wieder hat man grandiose Aussichten auf die nahen Gebirgsausläufer. Die Markierungen sind manchmal spärlich und man lässt den Pilgerführer nicht mehr aus der Hand. Bei jedem Abzweig bleibe ich stehen, lese und wiederhole den Satz einige Male vor mich hin, bis ich überzeugt bin, dass er stimmt. Hin und wieder gab es auch Begegnungen, nicht mit Pilgern, bis auf die Spanierin in Algemesi hatte ich keine mehr gesehen, sondern mit einheimischen Landarbeitern oder Bauern. Ich frage sie allesamt nach dem Weg. „Camino Santiago?“ rufe ich und zeigte in die Richtung, die mir der Reiseführer angab. Bei jedem „Si, Si, Señor“, sprang ich förmlich vor Freude in die Luft. Denn verlaufen möchte ich mich nicht unbedingt. Nach einigen Kilometern hatte ich es geschafft, mit Blick auf den bizarren Felsen „El Penyó“ (649m) hatte ich die kleine Ortschaft Vallada erreicht.

 

                                                    Gasse in Vallada

 

Die Ortschaft Vallada (290m) feiert dieses Jahr (2014) ihr 725-jähriges Bestehen. Sie liegt an einer strategisch wichtigen Station der Römerstraße Via Augusta und ist mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten ein Ort mit umfangreicher Regionalgeschichte. Die Bergwelt in der nahen Umgebung ist eine faszinierende Attraktion für sich. Mit ihren Höhlen, Schluchten und der Bergspitze El Penyó sowie der maurischen Burgruine „El Castillo“ (553m), einst dem Orden von Montesa zugehörig und ein kulturhistorischer Höhepunkt war die Bergwelt beeindruckend. Auch die interessante Altstadt mit einem prähistorisches Museum, wunderschönen Häusern, der Pfarrkirche San Bartolomé (17. Jh.) mit einem Jakobusbild in der Kirche und der Ermita de Sant Sebastià ein sehr einladendes Städtchen. Leider gab es hier keine Pilgerherberge und so zog ich nach einer Erfrischungspause wieder weiter.

 

                        Moixent                                             Moixent und Burgruine

 

Bis nach Moixent sind es nur noch 5 Kilometer, hier soll es ja eine Pilgerherberge geben. Gemächlich geht es durch die üppigen Plantagenfelder mit Orangen und Olivenhainen weiter durch das Tal des Rio Cañoles. Dann sah ich schon etwas leicht ansteigend Moixent vor mir liegen. Auch hier hatte ich ein gutes Gefühl, ich spürte, dass der Ort für mich seine Reize hat. Bis zur Plaza Mayor mit Rathaus und Brunnen ging es noch mal leicht bergauf. Ich habe es wieder mal geschafft, mein Etappenziel für heute hatte ich erreicht. Und was soll ich sagen, obendrein hatte ich noch eine schöne Plaza mit einer Bar gefunden, was will man mehr.

 

               Plaza Mayor, Moixent                                  Herberge in Moixent

 

Nach der Pause kümmerte ich mich um meine Unterkunft, dazu musste ich wieder die Policia Local aufsuchen. Ein freundlicher Beamter der Ortspolizei nahm meine Daten auf, gab mir einen Stempel im Pilgerausweis (Credencial del Peregrino) und überreichte mir die Schlüssel für die Pilgerherberge. Die Albergue Municipal lag etwa 1km außerhalb am Stadtrand. In einem kleinen Haus des Spanischen Roten Kreuzes (Cruz Roja) gab es für Pilger einen Raum mit 4 Stockbetten, Dusche, Bad und einen kleinen Waschplatz.  

 

Ein paar Stunden war es noch hell, so konnte ich auch noch die Stadt besichtigen. Moixent (340m) befindet sich am Fuße der Serra Grossa und oberhalb des Tals Rio Cañoles. Die historische Stadt hat eine sehr umfangreiche geschichtliche Vergangenheit. Zeitzeugnisse der bedeutenden Epochen dieser Region sind die mittelalterliche Burg von Moixent (12. Jh.) und die iberische Bastida de les Alcuses, deren Ruinen auf einem Hochplateau in der Bergwelt der Sierra Grossa in der Gemeinde von Moixent liegen. Seit der ersten Entdeckung von Luis Tortosa im Jahre 1909 begannen auch die Ausgrabungsarbeiten dieser doch einzigartigen archäologischen Stätte. Die iberische Siedlung La Bastida de les Alcusses stammt aus der Zeit des 4. Jahrhunderts vor Christus, sie ist einer der wichtigsten Fundorte iberischer Dörfer aus der Vor- und Frühgeschichte in Spanien und der Provinz Valencia. Zerstört wurde die einst prächtige befestigte Stadt schon nach kurzer Zeit um etwa 330 vor Christus. Einst lebten und arbeiteten in der Siedlung über 1000 Menschen des iberischen Volksstamms der Contestani. Die große Region hieß Contestania und befand sich im Südosten der Iberischen Halbinsel, dem alten Hispania, wie die Römer die iberische Halbinsel nannten. Historische Funde wie Amphoren, iberische Gefäße aus Keramik, Gläser, Karaffen, Krüge sowie Werkzeuge, Waffen und Schmuck erzählen die Geschichte über das Leben dieses iberischen Volkes. In ihrer Blütezeit betrieben sie schon regen Handel mit Phöniziern und Griechen, das Silber der iberischen Halbinsel war weit über das Land hinaus begehrt. 

 

Das wohl einzigartigste Fundstück der Ausgrabungen und von größter archäologischer Bedeutung ist die 7,3 cm hohe Bronzestatue des „Kriegers von Moixent“ (El guerrero de Mogente), sie stammt aus dem 4./3. Jahrhundert vor Christus. Sie zeigt einen Krieger zu Pferd, den der Arbeiter Vicente Espi 1931 ausgegraben hatte. Das originale iberische Kunstwerk und auch weitere Funde der Ausgrabungen, befinden sich im archäologischen Museum für Vorgeschichte in Valencia. Informationen über das Prähistorische Museum finden Sie hier auf der folgenden Website: www.museuprehistoriavalencia.es. Heute kann man die historische Ausgrabungsstätte besichtigen, sie liegt auf dem Weg der Straße (CV-652) zwischen Moixent und Fontanars dels Alforins, etwa 10 km entfernt. Auch der Jakobsweg Camino de Levante ist nur einige Kilometer von der ehemaligen iberischen Siedlung entfernt. Ein Umweg, der sich bestimmt lohnen würde, wenn man auch einige Tage in der schönen Stadt Moixent bleiben würde.

 

Oberhalb der Stadt Moixent, gleich hinter der Kirche, beginnt ein Weg über Treppen und steile Pfade hinauf zum Wachturm „Torre de Coloms“ und zur Burgruine von Moxent (12. Jh.), es sind monumentale Hinterlassenschaften aus der Zeit der Mauren (Almohaden). Belohnt wird man mit einer grandiosen Aussicht über die Stadt, die Region und das weite Tal des Rio Cañoles, der ein Nebenfluss des Rio Albaida ist. In der Bergwelt der Sierra Grossa befindet sich auch der Stausee „Embalse de Bosquet“ (18. Jh.). Von hier oben fließen viele Quellen und Bäche über Schluchten hinunter ins Tal und durch die Ortschaft Moixente. Sehenswert die „Höhle La Cova del Pare Moreno“ sowie alte Felsmalereien mit menschlichen Figuren, die in der Schlucht des Bosquet gefunden wurden.  

 

                 Burgruine, Moixent                                  Alte Brücke, Moixent

 

Auch im Zentrum der Altstadt mit ihren vielen hübschen Gassen und Plätzen gibt es einiges zu sehen. Natürlich die Pfarrkirche San Pedro Apóstol (19. Jh.) mit ihrer wunderschönen blauen Kuppel. Die Plaza Major mit Rathaus, der Puente Romano (14. Jh.) und der Kapelle „Les Santes Relíquies“ aus dem 16. Jahrhundert beherbergt auch ein kleines Museum. Das Museum erinnert an Pater Cristòfol Moreno del Camino (1520-1603), der als Klostervorsteher des Franziskanerordens der Minoriten von San Antonio Abad heilige Reliquien aus Köln und Rom mitbrachte wie zum Beispiel zwei Büsten von Märtyrerinnen, der Heiligen Cordula und Ursula. Weitere Informationen unter www.moixent.es.

 

Nach meinem kurzen Aufenthalt, einer kleinen Besichtungstour und einer recht angenehmen  Übernachtung in der Pilgerherberge machte ich mich am nächsten Tag wieder auf den Weg. Mit Moixent hatte ich wieder eine geschichtsreiche Stadt besucht, die keine Wünsche offen lässt. Ich muss wirklich sagen, dass die Region La Costera einiges zu bieten hat. Ich bin schon gespannt, was ich auf meiner letzten Etappe in dieser Region erleben und sehen werde.

 

                   Landschaft mit römischen Meilenstein auf der Via Augusta

 

Von Moixent bis nach La Font de la Figuera

 

Nach dem Frühstück brachte ich die Schlüssel der Herberge wieder zurück zur Policia Local, bedankte mich für die gute Unterkunft und zog weiter. Der Camino de Levante führt mich über die Avenida de Les Alcusses zum Rio Cañoles. Links vom Fluss geht es weiter durch das geschichtsreiche und fruchtbare Tal. Die Landschaft ist zunächst noch geprägt durch Orangenplantagen, Gemüsefelder und Olivenhaine. Später wir es immer hügeliger und es geht leicht bergauf. Den Obstplantagen folgen nun immer mehr Weinfelder und langsam geht es Richtung Kastilien. Auch hier ist die Via Augusta, die unter Kaiser Augustus gebaut wurde, immer noch präsent. Neuere Nachbauten römischer Meilensteine weisen darauf hin, man befindet sich auf Schritt und Tritt auf historischem Boden. Auch die Araber nutzen die Wege der Römer, für sie waren es die islamischen Königswege, die unter anderem nach Almansa und Toledo führten.

 

                       Flussfurt                                             Landschaft im Regen

 

Es ist schon faszinierend, dass auch ich, ein Jakobspilger, diese alten Wege nutzen darf. Man spürt förmlich die alten Kulturen dieser doch bewegten Epochen aus längst vergangenen Zeiten. Hin und wieder legte ich eine Pause ein und starrte in die Landschaft. Meinen Gedanken ließ ich freien Lauf und so ertappte ich mich, wie ich am helllichten Tage anfing zu träumen. Ein schönes Gefühl des Loslassens, ich war für Minuten in einer anderen Welt. Sie war friedlich und nicht feindselig, ich fühlte mich pudelwohl. Dann musste ich mich kneifen, denn ich musste ja noch weiter gehen. Die Realität hatte mich wieder, Kilometer für Kilometer zog sich der Camino de Levante durch verschiedene Landschaften. Mal ging es wieder über eine Flussfurt, dann durch einen Kieferwald und später durch einige bezaubernde Terrassenfelder und Rebenlandschaften. Vorbei an verlassenen und bewohnten Bauernhöfen und Weingütern mit großen und prächtigen Besitzungen. Immer wieder gab es Wegkreuze, die auf die Landhäuser (Casas Rurales) aufmerksam machten. Hier im Weinanbaugebiet sah man öfters Bauern mit Traktoren fahren, deren Hänger voll mit Trauben waren.

 

                       Waldpfad                                             Einsames Bauernhaus

 

Am späten Nachmittag erreichte ich über den Camino Cementerio die Ortschaft La Font de la Figuera (520m), die letzte Station meiner diesjährigen Jakobusreise auf dem Camino de Levante. Ich muss zugeben, dass ich froh war, das kleine Städtchen zu erreichen. Denn auf den knapp 20 Kilometern, dieser einsamen und schönen Etappe, konnte ich nicht wie sonst üblich einen Zwischenstopp einlegen. Auch hier muss man zunächst, um den Schlüssel der Pilgerherberge „Albergue Municipal“ zu bekommen, zur Ortspolizei der Policia Local oder zum Rathaus gehen. Beides befindet sich an der Plaza Mayor, mitten im Zentrum der Stadt.

 

              La Font de la Figuera                       Typisches Waschhaus (Lavadero)

 

Nachdem ich den Schlüssel für Herberge und einen schönen Pilgerstempel bekommen hatte, verbrachte ich meinen letzten Abend hier in der Altstadt. La Font de la Figuera ist eine  durchaus schöne Stadt mit kleinen Gassen und urigen Häusern. Sehenswert die Plaza Mayor mit Rathaus und der Kirche Iglesia de la Natividad (16. Jh.) sowie das öffentliche große städtische Waschhaus (19. Jh.), spanisch Lavadero. Es befindet sich in der Nähe der Herberge. Die Stadt, eine schöne Station am Camino de Levante, liegt am südwestlichen Ende der Provinz Valencia und ist auch zugleich die letzte Ortschaft in dieser Region. 

 

         Zaubertrank in der Bar-Restaurante Colon in La Font de La Figuera...

 

Am nächsten Morgen nahm ich Abschied von der kleinen Stadt und dem Camino de Levante. Mit einem Bus ging es zunächst nach Xàtiva, eine Bahnverbindung gibt es hier leider nicht mehr und von Xàtiva ging es weiter mit der Bahn nach Valencia. Fazit meiner letzten Etappe: Mit den wunderbaren Ortschaften Vallada und Moixent besuchte ich zwei historische Städte am Jakobsweg, deren Besuch für mich mehr als nur interessant war. Alleine die Tatsache, dass man auf den Spuren der alten Römer und Araber auf der Via Augusta unterwegs war, ist für mich etwas ganz Besonderes gewesen. 

 

           Plaza Mayor mit Rathaus                     Brunnendenkmal: Joan de Joanes

 

Ich freue mich schon auf die nächsten Etappen, die mich dann weiter nach Almansa und in die neue Provinz Kastilien-La Mancha führen werden. Bis dahin wünsche ich Ihnen allzeit ein herzliches Buen Camino!

 

Fortsetzung folgt…     

 

Reisereportage: Camino de Levante (1)

Valencia, eine Perle am Mittelmeer

 

Reisereportage: Camino de Levante (2)

Naturpark L'Albufera und die L'Huerta de Valencia

Von Valencia bis nach Algemesi

 

Reisereportage: Camino de Levante (2.1)

Spiegel der Sonne - La Albufera de Valencia

 

Reisereportage: Camino de Levante (3)

Durch das Land der Orangen 

Von Algemesi bis nach Xàtiva

 

Herne, November 2014 

 

 

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