www.via-jakobsweg.de © 2009 • Bernd Koldewey • 44629 Herne (D)  

Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Auf dem Moselcamino (II)
Traumhafte Moselschleife und die Marienburg

Von Briedern bis nach Bremm

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Fortsetzung von Seite 1

 

Nach der grandiosen Übernachtung an der Mosel in der Nähe von Briedern, lag uns am frühen Morgen der Tafelberg zu Füßen. Nebelschwaden lösten sich allmählich auf und setzten den  mit Weinreben behangenen Berg auf der anderen Uferseite frei. Es ist weiterhin sehr schwül und wir kommen nur langsam zu Potte, wie man umgangssprachlich so sagt. Erst ein starker Kaffee von Rüdiger machte uns wieder munter und wir packten das Zelt ein.

 

         

             Briedern mit Servatiuskirche                                Uferstraße Briedern

 

Ein Stück am Ufer entlang und wir erreichten die Ortschaft Briedern. Um den schönen Ort, der schon von den Kelten und Römern besiedelt wurde, rankten sich so mache Geschichten. Eine erzählt vom Räuber Anton Langhaar, der aus dem Hunsrück mit seinen Mannen die Gegend unsicher machte. Er überfiel 1595 in Briedern die Feierlichkeit der Servatiuskirmes und wollte Beute machen. Doch hatte er nicht mit dem Mut der Bewohner gerechnet, denn sie schlugen ihn tapfer in die Flucht. Bis auf ein paar blutige Köpfe machte er keine Beute.

 

Heute geht es in dem beschaulichen Moselstädtchen natürlich friedlicher zu. Sehenswert die St. Servatiuskirche mit ihrem gotischen Turm aus dem 14. Jahrhundert. Ganz in der Nähe der geweihte Servatiusbrunnen der niemals versiegt und Heilkräfte haben soll. Aus der Ortschaft geht es weiter an der Mosel entlang. Ein gut ausgebauter Rad- und Wanderweg führt uns an Wallnussbäumen und Rebstöcken vorbei. Der Fluss macht eine Biegung und wir erreichten Mesenich. Bekannt ist die Gemeinde für ihre Weine und die Pfarrkirche, die dem Kirchenschutzpatron Sankt Nicolaus geweiht ist.

 

         

                      Weinwanderweg                                         Ausflugsschiff - Mosel

 

Ein Weinwanderweg führt uns zwischen den kostbaren Reben hindurch und immer wieder blickten wir auf die Mosel, die still und sanft dahin fließt. Nach einigen Kilometern erreichten wir an den steilen Weinbergen vorbei den Winzerort Senheim. Das Weinstädtchen liegt am Rande einer kleinen Moselschleife und bildet mit der gegenüberliegenden Ortschaft Senhals eine Doppelgemeinde. Die Senheimer Brücke, gebaut in den 70er Jahren, verbindet nicht nur die beiden Ortsteile miteinander, sondern auch den Hunsrück mit der Eifel. Auch im Mittelalter war dieses von großer Bedeutung; die Handelsstraßen führten von den Niederlanden durch die Eifel und über den Hunsrück bis nach Frankfurt und weiter bis nach Augsburg. 

 

         

                      Moselromantik                               Wanderweg zwischen den Rebstöcken

 

Wir kamen gerade zur rechten Zeit, denn die Vorbereitungen zum diesjährigen Winzerfest (3. bis 6. Juli), liefen auf Hochtouren. Gäste aus meiner Nachbarstadt Recklinghausen sind mit dem Bus angereist und freuten sich auf die erste Weinprobe. Der Empfang des Bürgermeisters stand an, seit 1935 verbindet beide Gemeinden eine Städtepartnerschaft. Ein wenig schauten wir noch zu, wie sie den guten Tropfen Moselwein kredenzten, für uns genug Zeit um unsere Wasserflaschen zu füllen. Dann ging es weiter aufwärts zur Kirche und über die Zellerstraße wieder zum Fluss und über die Moselbrücke.

 

              

                Rastplatz hinter Senheim                                  Richtung Ediger-Eller

 

Nach einigen Kilometer erreichten wir auf der linken Moselseite die Ortschaft Nehren. Diese zählt zu einem der ältesten Moseldörfer und wurde bereits im Jahr 634 erstmals erwähnt. Besonders sehenswert die spätgotische Kirche aus dem 16. Jahrhundert und die römischen Grabanlagen und Gräber, die hoch über dem Ort in den Weinbergen liegen. Sie stammen aus dem 3.-4. Jahrhundert, im Inneren der Grabkammern findet man alte Wandmalereien (Fresken), ein Zeitzeugnis historischer Geschichte. Spuren römischer Tempelanlagen findet man oft an bedeutenden Wege, ihre Heiligenstätten liegen meistens auf einem Berg (Tempelberg). Wie zum Beispiel: Über den Ort Tawern auf dem Metzenberg, südwestlich von Trier. Unterhalb des Berges führt eine alte Handelstraße (Römerstraße) von Trier nach Metz durch Lothringen (Frankreich). Eine Verehrungsstätte, geweiht dem Merkur, römischer Schutzgott der Kaufleute und des Handels. Der Tempelbezirk ist auch Rast- und Besinnungsstätte für Jakobspilger.

 

   

                           Der römische Tempelbezirk auf dem Metzenberg bei Tawern

 

Unser Weg führte uns weiter an der Mosel entlang, plötzlich änderte sich die Wetterlage. Ein Unwetter kündete sich an, tiefschwarze Wolken zogen aus westlicher Richtung genau auf uns zu. Wir legten einen Schritt zu und erreichten noch in letzter Sekunde den Campingplatz bei Ediger-Eller. Dann wurde es heftig, der Wind peitschte, mit Blitzen und Donner fegte der Sturm über unsere Köpfe hinweg. Alle Camper verschwanden in ihren Wohnwagen und suchten Schutz vor dem Gewitter – wir fanden unter einer Art Tiefgarage die richtige Deckung. Auf der anderen Flussseite krachte es heftig, Blitze schlugen ein und Bäume stürzten um. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei und wir konnten weiter gehen.

 

         

                     Heftiges Unwetter...                             ... in der Nähe von Ediger-Eller

 

Nach nur wenigen Metern erreichten wir die Ortschaft Ediger-Eller, eine weitere Doppelgemeinde an der Mosel. Beide Orte liegen diesmal auf der gleichen Flussseite und gehören zur Calmont-Region. Der Berg Calmont (378m) liegt an einer der schönsten Moselschleifen und wird steilster Weinberg Europas genannt.

 

In Ediger legten wir eine Pause ein und besichtigten die Ortschaft. Wie überall an der Mosel steht auch hier der Wein im Vordergrund. Straußwirtschaften laden zur Weinprobe ein – woher kommt eigentlich der Name Straußwirtschaft? Es sind Gastbetriebe, die von Winzern und Weinbauern zeitlich betrieben werden, sie dürfen ihre eigenen Erzeugnisse ausschenken. Früher, so sagt man, wurde ein Blumengebinde, Efeu- oder Weinkranz am Eingangstor befestigt, um auf den Ausschank und die Weinprobe hinzuweisen.     

 

          

                                  Ediger-Eller mit der Pfarrkirche St. Martin

 

Ein herrlicher Ort mit Resten einer Stadtmauer und Türmen. Kleine verwinkelte Gassen mit mittelalterlichen Fachwerkhäusern aus dem 16.-18. Jahrhundert führen bis an die Weinhänge. Spuren der Kelten, Römer und  Merowinger – bis hin zu den Templerorden findet man in Ediger-Eller. Vom Weinbergweg ein Wanderweg zur Kreuzkapelle mit dem Relief „Christus in der Kelter“ hatte man eine herrliche Aussicht auf die Stadt und ihre Befestigungsmauern. Wir sahen auch die sehenswerte zweischiffige Pfarrkirche St. Martin zu Ediger, die mit einem 60 m hohem Turm und gotischer Kirchturmspitze beeindruckte.

 

Nach der Besichtigung ging es auf dem Moselwanderweg weiter, nach einem Kilometer hatten wir Eller erreicht. Eller ist zwar die kleinere Ortschaft, doch haben beide den gleichen geschichtlichen Hintergrund. Die Pfarrkirche St. Hilarius ist die einzige Kirche im Bistum Trier, die dem hl. Hilarius als Schutzpatron geweiht ist. Hilarius war der erste Bischof von Poitiers und taufte im Jahr 351 Martin von Tours.

 

   

                                    Die schönste Moselschleife in der Calmont Region

 

Vom Wanderbahnhof Eller gab es zwei Möglichkeiten, um auf den Gipfel des Calmont zu gelangen. Einer davon führt über den Klettersteig und die andere Variante über den Moselhöhenweg. Der Klettersteig ist der schwierigste Aufstieg und erfordert natürlich Schwindelfreiheit. Ganz besonders sollte man ihn auch nicht mit einen voll gepacktem Rucksack erklimmen. Also zog ich es vor, den Calmont-Höhenwanderweg zu gehen. Rüdiger wollte noch weiter an der Mosel entlang, bis nach Bremm, um sich später ohne Rucksack am Klettersteig zu erproben. Für ein paar Stunden trennten sich unsere Wege und wir machten einen Treffpunkt sowie die ungefähre Zeit aus, zu der wir uns wieder sehen.

 

    

                                              Aufstieg auf den Moselhöhenweg 

 

Mein Weg führte mich zunächst ins Ellerbachtal und an der Eisenbahnstrecke Ediger-Eller/Cochem entlang. In der Ferne sah ich den Eingang des Kaiser-Wilhelm-Tunnels, er ist über 4205 m lang und war einst der längste Tunnel Deutschlands. Ich überquerte den Ellerbach und ging unter der Eisenbahnunterführung hindurch zum Wanderpfad, er führt zur Schutzhütte „Galgenlay“ und zum Höhenweg. Sehr steil ging es bergauf und ich machte in kurzer Zeit ein paar Höhenmeter. Nach einer Weile ging es ansteigend in den Wald hinein – es wurde immer dichter, und ich dachte, hoffentlich begegne ich keinem ausgewachsenem Wildschwein. Ich hatte Glück und blieb verschont.

 

         

               Moselblick - Ediger-Eller                          Durch den Wald zur Schutzhütte

 

Nach ca. 1½ Stunden hatte ich den ersten Aussichtpunkt, die „Ellerer Feuerwehrhütte“, erreicht. Wunderbar und gigantisch, so eine Sicht hatte ich schon lange nicht mehr gehabt. Dann der nächste Aussichtspunkt „Vier-Seen-Blick“, ich schaute auf eine faszinierende Mosellandschaft – ganz unten, da lagen die Dörfer von links nach rechts, Ediger-Eller, Neef und Bremm, mir zu Füßen. Ein Panoramablick auf die Flusslandschaft und die Moselberge sowie unterhab des Peterbergs, das Kloster Stuben. „Stuba“ oder Insula Sankt Nicolai, wie die Abtei auch in alten Urkunden genannt wird, liegt auf einer von der Mosel umflossenen Landzunge. Wie auf einer Insel, inmitten von grünen Rebstöcken, steht die malerische Ruine der Klosterkirche. Das Kloster Stuben (1137–1802) ist ein ehemaliges Augustiner-Chorfrauen-Stift und wurde zu Ehren des hl. Nikolaus errichtet.

 

         

                 Ellerer Feuerwehrhütte                                  Blick auf Ediger-Eller

 

Doch die Moselschleife im Ganzen konnte ich von diesem Punkt aus noch nicht ausmachen. Als ging es weiter bergauf, bis ich auf dem Bergplateau des Calmont das römische Höhenheiligtum erreicht hatte.

 

         

                                     Vier-Seen-Blick auf Ediger-Eller und Neef

 

Auch hier hatte ich noch nicht das Gipfelkreuz erreicht und es ging weiter über das bewaldete Plateau am römischen Brunnen vorbei. Noch einmal ein kleiner Anstieg und endlich nach über 2 Stunden kam ich am Gipfelkreuz an. Jetzt hatte ich am Aussichtspunkt die gewünschte Totalansicht der schönsten Moselschleife. Ein Panoramablick, der sich kaum überbieten lässt. Wie eine Halbinsel - eine Landzunge - öffnet sich der Blick über eine atemberaubende Landschaft. Eine Zeit lang genoss ich den Blick auf die engste Moselschleife und machte mich zum Abstieg bereit.

 

      

        Calmont-Tempel aus der Römerzeit                             Gipfelkreuz

 

Vom Gipfelkreuz führen zwei Wanderwege nach Bremm. Ein etwas leichterer Weg ist ca. 4 km lang und der Wanderweg 7, ein schmaler Pfad, der über den Weinhang nach unten geht, etwa 2,5 km lang. Ich entschied mich für den kürzeren, an sehr steilen Schieferfelsen mit Reben bewachsenen Pfad, hinab zu gehen. Ich musste aufpassen, es ist sehr rutschig, nur mit großer Mühe und mit Hilfe meines Pilgerstabs schaffte ich den Hang hinunter. Schweißgebadet machte ich immer wieder halt und schaute auf Bremm und die St. Laurentiuskirche. Jetzt weiß ich auch, warum der Berg Calmont im lateinischen: calidus mons = heißer Berg, heißt. An der bis zu 60 Grad betragenden Hangneigung der Steilwand, wachsen nach Jahrtausend alter Tradition die besten Rieslinge der Mosel. Goethe sprach vom „Natur-Amphitheater“, wo Weinstöcke der allerbesten Rebsorten reifen.

 

         

               Steilster Weinberg Europas                             Moselschleife bei Bremm

 

Nach einer Weile erreichte ich in kurvenreichen Abschnitten und auf sicheren Wegen die Ortschaft Bremm. Der steilste Weinberg Europas lag nun hinter mir. Rüdiger, der in einer Straußwirtschaft wartete, hatte sich schon ein wenig Sorgen gemacht – doch nach 3½ Stunden war ich endlich da und wir konnten gemeinsam ein paar Gläser Wein verköstigen. Es war eine wunderbare Tagesetappe mit vielen Eindrücken – und so blieben wir in Bremm an der Mosel.

 

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Fortsetzung: Auf dem Moselcamino III

 

 

Mehr zum Thema: Artikel von Rüdiger Schneider

II - Von Cochem nach Traben-Trarbach

 

Mittwoch, 15. Juli 2009

 

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Moselcamino 1

Von Cochem bis nach

Traben-Trarbach

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           Kurz vor Briedern

 

 spätgotische Kirche in Nehren

 

      Kapelle in Ediger-Eller

 

             Blick auf Ediger

 

         Klosterruine Stuben

 

            Vier-Seen-Blick

 

Eisenbahnbrücke - Ediger-Eller

 

      Moselschleife - Bremm

 

    Brunnenanlage - Calmont

 

      Moselschleife - Bremm

 

     Calmont - Moselschleife

 

            Blick auf Bremm

 

 Bremm - St. Laurentiuskirche

 

         Blick auf die Mosel

 

 

         Calmont-Klettersteig

 

   Passade des Klettersteiges

 

      Leitern im Klettersteig

 

     Pfad durch den Weinberg

 

            Fauna und Flora

 

                  Kruzifix