www.via-jakobsweg.de © 2014 • Bernd Koldewey • 44629 Herne (D)  
  

Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

       

 

Winterimpressionen

Münster am Westfälischen Jakobsweg

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Jetzt im Winter scheint alles irgendwie in den Winterschlaf versetzt zu sein. Nicht nur dass die Natur, die Vegetation, eine Pause einlegt, auch die Menschen scheinen sich ein wenig eine Auszeit zu gönnen. Dennoch kann man als Jakobspilger dem Winter etwas abgewinnen und sich auf eine kleine Entdeckungsreise begeben. Mit der Stadt Münster in Westfalen hat man eine gute Gelegenheit auf Jakobusspuren zu gehen.

 

So machte ich mich an einem schönen Januartag wieder auf Spurensuche, um das herrliche Münster in Westfalen zu besuchen. Traumhaft, blauer Himmel und Sonnenschein, zwar war es noch ein wenig frostig, doch der Drang nach etwas Neuem war größer. Für mich war der Besuch der lebhaften Hauptstadt des Münsterlandes ein völlig neues Gebiet meiner langjährigen Jakobus-Forschung. Meistens war ich in südlichen und südöstlich gelegenen Regionen, wie im Rheinland, in der Eifel oder im Sauerland auf Spurensuche.

 

                         Katholische Pfarrkirche St. Ludgeri am Marienplatz

 

Mit der Bahn ging es von Herne über Dortmund nach Münster, die reine Fahrzeit betrug etwa 1,5 Stunden. Vom Hauptbahnhof Münster waren es nur wenige Minuten zu Fuß und man erreicht den historischen Altstadtbereich mit seinen vielen historischen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten, die Pilgerherzen höher schlagen lassen.

 

Jakobusspuren in der Altstadt von Münster

 

Nachdem ich die historische Promenade, den knapp 5 km langen Grüngürtel der Stadt Münster, eine autofreie Baumallee mit Linden, wo einst im Mittelalter noch die alten Stadtmauern standen, überquert hatte, erreichte ich gleich zu Beginn meiner Stadtbesichtigung, die katholische Pfarrkirche St. Ludgeri. Etwas versteckt hinter Bäumen des Marienplatzes und märchenhaft wirkend, blickte ich auf den mächtigen Vierungsturm der Kirche, dieser stammt noch aus der Zeit der im 12. Jahrhundert im romanischen Stil erbauten Kirche. Sie ist dem heiligen Liudger geweiht und gilt als einer der ältesten Sakralbauten des Münsterlandes.

 

                                      Häuserzeilen der Kaufmannshäuser 

 

Nicht weit von der Kirche entfernt ging es nun über die Ludgerstraße weiter in Richtung Prinzipalmarkt, die historischen Mitte von Münster. In Reihe und Glied stehen hier die wunderschönen Häuserzeilen der Kaufmannshäuser mit ihren typischen Giebeln und Bogengängen (Arkaden) der einst stolzen Hansestadt Münster. Man verspürt noch heute einen Hauch der bedeutenden Stadtgeschichte und des bunten Treibens, das im Mittelalter von dem historischen Kern der Stadt mit ihrer großen wirtschaftlichen Entwicklung und politischen Vergangenheit ausgegangen ist. Hier befindet sich auch das historische Rathaus, in dessen Friedenssaal der Westfälische Frieden beschlossen wurde, das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Heute wird hier flaniert, man geht zu Fuß oder fährt mit dem Fahrrad, man geht einkaufen oder wie ich besucht Kirchen und andere Sehenswürdigkeiten. Selbst im Winter kann man die Stadt ohne Hektik genießen, überall gibt es tolle Einkehrmöglichkeiten. 

 

                 Kaufmannshäuser und historisches Rathaus in der Altstadt

 

Münster ist eine lebhafte und bunte Stadt für Jung und Alt, sie ist bekannt als Bischofsstadt, Universitätsstadt, Regierungsbezirk, Verwaltungssitz, Fahrradstadt und ist auch eine wichtige Jakobusstation auf dem langen Weg nach Santiago de Compostela. Als Jakobspilger ist das historische Zentrum von Münster nicht nur für mich von großem Interesse, nicht nur alleine wegen seiner vielen schönen Kirchen und dem St.-Paulus-Dom zu Münster, sondern auch wegen dem Pilgerweg an sich. Über die alten Handelsstraßen der Kaufleute und Händler, die sich damals hier kreuzten und auf denen auch Pilger in die Stadt kamen, fanden diese hier Schutz und geistlichen Beistand und bekamen auch eine sichere Unterkunft, die es in den vielen Pilgerherben gab. Auch heute noch bietet die Stadt Münster traditionell für Pilger und Jakobspilger eine angemessene Übernachtungsmöglichkeit. Gute Informationen darüber erhalten sie im Kirchenfoyer Münster, an der Lambertikirche, Salzstraße 1, hier bekommt man auch den regionalen Pilgerpass für Westfalen.

 

Auch die Jakobusfreunde Münster, im Internet vertreten unter: www.jakobus-muenster.de, bieten hilfreiche Informationen über den Jakobsweg in und durch Münster an. Einen wesentlichen Beitrag der Wegforschung, war und ist das Projekt „Wege der Jakobspilger in Westfalen“, diese wissenschaftliche Forschungsarbeit leistete die Altertumskommission für Westfalen, eine Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Gute und besonders hilfreiche Informationen findet man im Internet unter folgendem Link: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Altertumskommission. Hier wird der rekonstruierte Westfälische Jakobsweg, unter anderem die 170 km lange Strecke, die vom Baltikum kommende Pilgerroute, die von Osnabrück über Münster bis nach Wuppertal-Beyenburg führt, ausführlich beschrieben.

 

                     Markt- und Stadtkirche St. Lamberti am Prinzipalmarkt

 

Prinzipalmarkt mit St. Lambertikirche

 

Am Prinzipalmarkt befindet sich auch die geschichtsträchtige Markt- und Stadtkirche St. Lamberti (1375), einer der schönsten spätgotischen Sakralbauten in Westfalen, man geht direkt auf sie zu. Im Turm der imposanten Kirche befindet sich die höchste Dienststube von Münster, hier in Schwindel erregender Höhe bläst traditionell ein Türmer ins Kupferhorn, seit dem 1. Januar 2014 erstmals eine Türmerin, täglich zwischen 21–24 Uhr, halbstündlich, außer dienstags. Eine Geschichte, die eher schaurig ist, trug sich in der Mitte des 16. Jahrhundert zu, als man drei eiserne Körbe (Wiedertäufer-Käfige) am Turm anbrachte, sie dienten den verurteilten Anführern der damaligen Täuferbewegung, die in Münster um 1530 stattfand, als Abschreckungsstätte, ihre Leichname wurden nach der Hinrichtung öffentlich zur Schau gestellt. Noch heute kann man die Körbe an der Südseite der Turmspitze sehen.

 

                                        Jakobus in der St. Lambertikirche

 

Nun wieder etwas Erfreuliches zum Jakobsweg, an der Außenfassade der St. Lambertikirche befindet sich eine Jakobsmuschel aus Sandstein, sie weist auf den Jakobsweg hin, der durch Münster führt. Für Jakobspilger das Symbol ihrer Pilgerschaft. Im Inneren der Kirche, an einer der Säulen, befindet sich eine Figur des hl. Jakobus, dargestellt im Pilgergewand und mit Pilgerstab, eine andere Darstellung zeigt einen zünftigen Pilger mit Stab. 

 

                        Pilger- und Jakobusfigur in der St. Lambertikirche

 

Kiepenkerl und Marktstraßen

 

Gleich in der Nähe der Kirche, am Kreuzungspunkt der alten Salzstraße, übrigens die älteste Handelsstraße in Münster, sie wurde als „vicus salis“ im Jahre 1346 das erste Mal erwähnt. Ursprünglich war der alte Handelsweg ein schmaler Feldweg und diente wahrscheinlich den Münsteranern zum Fernhandel mit Kaufleuten aus Soest, die ihre Waren, Tuche und Vieh gegen Salz getauscht hatten. Heute eine der beliebtesten Einkaufsstraßen in Münster. Nicht weit entfernt folgt man weiter den alten Marktstraßen, Namen wie Alter Fischmarkt, Roggenmarkt und Bogenstraße sowie Spiekerhof begleiten mich auf meinem Weg durch die historische Altstadt mit ihren edlen Geschäften und hervorragenden Gastronomie. Hier befindet sich der bekannte Kiepenkerl, wer kennt ihn nicht, den reisenden Händler mit Tragekorb, Pfeife, Leinenkittel und Knotenstock. Das Denkmal symbolisiert den regen Handelsverkehr von kleinen Händlern, die ihre Waren aus dem Umland nach Münster brachten, typisch für das Münsterland und ein weiteres Wahrzeichen der Stadt.

 

                                       Kiepenkerl auf dem Spiekerhof

 

Mein Rundgang führte mich weiter durch das Altstadtviertel, ich überquerte die Münstersche Aa, ein kleiner Nebenfluss der Ems, der sich durch Münster schlängelt und erreichte vor dem St. Paulus-Dom zunächst noch die Liebfrauenkirche oder auch Überwasserkirche (1340). Auffällig der gotische Turm der Kirche, der seit der Zeit der Täufer (1534/1535) und deren Zerstörungswut schon ohne Turmspitze war. Nach dem Wiederaufbau hatte ein Orkan 1704 die Turmhaube erneut zerstört und herabgeweht. An gleicher Stelle gab es schon seit dem 9. Jahrhundert eine Vorgängerkirche und ist somit wie der Dom einer der ältesten Kirchenbauten in Münster. 

 

Liebfrauenkirche und St. Paulus-Dom

 

Nach der Besichtigung der Liebfrauenkirche erreichte ich nach wenigen Schritten den Domplatz mit dem sehenswerten und majestätisch wirkenden St. Paulus-Dom zu Münster. Dieses Jahr, vom 26. bis zum 28. September, wird sein 750-jähriges Jubiläum gefeiert. Der heutige Dom ist die dritte Kathedrale an gleicher Stelle ihrer Vorgänger und wurde 1264 vom Bischof Gerhard von der Mark eingeweiht. Gründerbischof war der hl. Liudger zur Zeit Karls des Großen. Der heutige Bischof Felix Genn, ist der 76. Hirte, der das Amt seit 2008 als Nachfolger von Bischof Reinhard Lettmann ausübt.

 

                            Liebfrauenkirche oder auch Überwasserkirche 

 

Die historische Mitte der Stadt ist da, wo sich heute der Dom befindet und einst die sächsische Siedlung „Mimigernaford“ lag. Der Missionar Liudger gründete dort ein „monasterium“ (Kloster), namensgebend für Münster, das im Jahr 793 gegründet wurde. Bistumspatron ist seit dem Jahr 819 der Apostel Paulus und zugleich auch Stadtpatron von Münster. Auch wird hier auf dem Domplatz die Kirche St. Jacobi (1262) erwähnt, die viele Jahrhunderte etwas südlichwestlich vom Dom entfernt stand und als Pfarrkirche für die Laien und Domchoralen im Dombezirk diente. In der Zeit der Französischen Revolution wurde sie 1812 abgerissen. Man überlegte sogar den Dom abzureißen und an seiner Stelle die Kirche St. Jakobi wieder aufzubauen. Das hätte ja fast bedeutet, aus Sicht eines Jakobspilgers, dass Münster, ein zweites „Santiago de Compostela“ geworden wäre, ein schöner Gedanke, doch dem ist nicht so. Die beiden Glocken aus St. Jakobi sind übrig geblieben, sie sind heute im Besitz der St.-Agatha-Kirche in Angelmodde, einem Stadtteil von Münster.

 

                                          St. Paulus-Dom zu Münster 

 

Der Dombesuch zu Münster ist ein Muss für all diejenigen, die Münster besuchen und die sich für Kirchenkunstschätze interessieren. Leider fand ich dort keine Jakobusdarstellung, dennoch hat sich der Besuch sehr gelohnt. Nach der Besichtigung des Doms beendete ich meinen Halbtagsausflug auf Jakobusspuren in Münster und begab mich wieder Richtung Hauptbahnhof, von wo aus ich meine Rückreise nach Herne antrat.    

 

Fazit meiner kleinen Entdeckungsreise ist:

 

Dass die Stadt Münster mit ihrer umfangreichen Geschichte, besonders der historische Altstadtbereich, eine Reise wert ist. Hinsichtlich des Jakobswegs ist dies auch nicht mein letzter Besuch gewesen. Denn in der kurzen Zeit konnte ich nicht alle Kirchen und Sehenswürdigkeiten besuchen, so dass es für mich auch bald eine Fortsetzung und ein Wiedersehen geben wird.  Buen Camino!

 

Herne, Februar 2014

 

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