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Auf dem Moselcamino VI
Die ‘Stella Noviomagi’ und das Zitronenkrämerkreuz
Von Piesport bis nach Schweich
Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)
Hinter der kleinen Moselgemeinde Piesport und gegenüber von Ferres hatten wir einen herrlichen Platz zum Übernachten gefunden. Das Zelt stand direkt am Moselufer in unmittelbarer Nähe der Weinstöcke. Zwar wurden wir noch zuvor vom eifrigen Weinbauer auf Trab gehalten, er fuhr mit seinen Traktor noch bis nach Mitternacht durch die Reben und wir dachten gleich rast er übers Zelt. Doch unsere Sorge war nur von kurzer Dauer, auch Petrus war uns gnädig, so blieb es die Nacht über trocken und still.

Früh am Morgen Kaffee trinken am Zelt
Gleich am nächsten Morgen nach dem Kaffee machten wir uns wieder auf dem Weg. Bis nach Neumagen waren es nur wenige Kilometer und wir freuten uns schon auf das römische Weinschiff, das dort im Hafenbecken liegen soll. Die ganze Zeit ging es dicht am Moselufer entlang bis wir über die Dhron, ein rechter Nebenfluss der Mosel, nach Neumagen-Dhron kamen.
Neumagen-Dhron - ältester Weinort Deutschland
Neumagen-Dhron wird als der „Älteste Weinort Deutschlands“ bezeichnet, und das hat man nur den Römern zu verdanken, die hier ihre Spuren hinterlassen haben. Schon im 1. Jh. begann die Ortsgeschichte als römischer Marktort, und im 4. Jh. wurde es vom Kaiser Konstantin zum Lagerkastell „Noviomagus“ weiter ausgebaut.

Wohnhaus in Neumagen-Drohn Römerstraße in Neumagen-Drohn
Viele Ausgrabungsfunde belegen als Zeugnis der Römerzeit diesen historischen Standort. Man fand einige römische Grabmäler, Steinreliefs und das 1878, in alten Fundamenten der Kastellanlage, ausgegrabene römische Weinschiff aus Stein. Es ist das Grabmal eines römischen Weinhändlers aus dem 2. Jahrhundert, dieser bedeutende Ausgrabungsfund kann heute im Rheinischen Landesmuseum in Trier bewundert werden. Einen Nachbau (Steinskulptur) des Neumagener Weinschiffs findet man auf der Römerstraße im Ort, gleich neben der Peterskapelle und dem Ausoniusgarten.
Neumagener Weinschiff (Steinskulptur) Weinschiff - "Stern von Neumagen"
Und im Hafenbecken von Neumagen liegt die „Stella Noviomagi“, der „Stern von Neumagen“, wie das Schiff liebevoll getauft wurde. Ebenfalls eine Rekonstruktion des Weinschiffes, nur diesmal aus Holz. Mit einer Länge von 18 Metern kann es mit bis zu 40 Personen besetzt werden. Auch wer mal rudern möchte wie ein Römer, kann sich hier erproben. Ansonsten fährt das Schiff mit einem Motor und kann für eine zweistündige Fahrt auf der Mosel für 15 Euro pro Person gebucht werden.

Peterskapelle (Hinteransicht) Archäologischer Rundweg Peterskapelle (Vorderansicht)
Durch die Ortsmitte führt die Römerstraße (Ausoniusstraße) mit ihrer Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt und der gotischen Peterskapelle. Auf einem Archäologischen Rundweg führt man Sie an den historischen Fundorten von Neumagen vorbei. Auch die alte römische Fernstraße (Ausoniusweg), die Via Ausonia, führte nach Neumagen-Dhron. Auf dieser alten Heerstraße und Handelsroute kamen die Händler und Pilger von Bingen am Rhein über den Hunsrück nach Neumagen und weiter bis nach Trier. Obwohl wir keine eindeutige Spur des hl. Jakobus fanden, kann man doch nachvollziehen, dass auch Jakobspilger diesen Weg genommen haben müssen.

Der Leugenstein gibt die Entfernung nach Trier mit 15 Leugen an. (1 Gallische Leuge = 2.220 Meter) Übersetzung der lateinischen Inschrift: Dem Feldherrn und Caesar Marcus Aurelius Serverus Antonius, dem frommen und glücklichen Augustus, Bezwinger Arabiens, Adiabenes (d. Assyrien) dem größten Sieger über die Parther und ebenso die Britanier.
Der römische Dichter Decimius Magnus Ausonius, der als erster Reisender im 4. Jahrhundert die Moselregion besuchte und beschrieb, rühmte in seiner „Mosella“, die Moselstadt Neumagen-Dhron. Und so heißt es in einen seiner Verse: „Und endlich erblickte ich NOVIOMAGUS das berühmte Kastell des göttlichen Constantinus“.
Von Neumagen-Dhron bis Leiwen
Wir verließen das alte Moselstädtchen und folgten der Landstraße Richtung Leiwen und der Mosel flussaufwärts, bis wir die kleine Märtyrerkapelle (1506) zwischen Neumagen und Trittenheim, am Fuße der Weinberge erreicht hatten. Die Kapelle, die leider verschlossen war, erinnert an die Zeit der Christenverfolgung, eine Gedenkstätte für die in Trier im Jahre 286 von einer Thebäischen Legion ermordeten Christen. Laut Sage soll sich die Mosel mit dem Blut der ermordeten Christen (Märtyrer) bis an dieser Stelle rot gefärbt haben.

Kleine Kapelle zu Ehren der Trierer Märtyrer
Eine weitere Legende erzählt von der Kreuzerscheinung und Vison Christi, die sich auf dem oberhalb der Kapelle liegenden Kronberg abgespielt haben soll. In einer Offenbarung erhielt Konstantin die Botschaft des Kreuzes „IN HOC SIGNO VINCES“ - In diesem Zeichen wirst du siegen. Konstantin siegte in Rom (312) über seinen Rivalen Kaiser Maxentius und bekehrte sich später zum Christentum und wurde erster christlicher Kaiser.
Weiter geht es neben der Landstraße und den Weinbergen bis zu dem Fährturm gegenüber von Trittenheim. Wir folgten der Moselschleife und nahmen einen Weinwanderpfad oberhalb der Landstraße, bis wir nach wenigen Kilometern Leiwen erreicht hatten. Im schönen Moselstädtchen machten wir eine ausgiebige Pause und legten, wie so oft an der Mosel, eine Weinprobe ein. Auch Kaiser Augustus besuchte auf dem Weg nach Gallien die Region und ließ für seine geliebte Gemahlin „Livia“, eine prunkvolle Villa als Sommerresidenz errichten.
Von Leiwen bis nach Schweich
Nachdem wir noch die Katholische Pfarrkirche St. Stephanus besichtigt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg. Über die Detzemer Landstraße, einen mit Rebstöcken durchzogenen Bergrücken, ging es jetzt nach Detzem. Der Ort ist nach dem 10. Leugenstein benannt, der hier gefunden worden ist. Ein Meilenstein, eine Distanzsäule an einer Römerstraße, die die Entfernung angibt – bis nach Trier sind es noch 22, 2 Kilometer (1 Gallische Leuge = 2,2 km).

Pfarrkirche St. Stephanus, Leiwen Pfarrkirche St. Agritius, Detzem
Für uns als Jakobspilger rechnete sich die Entfernung nicht, zwar kürzten wir manchmal unsere Route, doch in der Regel mussten wir Umwege in Kauf nehmen. Der Weinort Detzem liegt am Ausgang einer weiteren Moselschleife. Über die Höhen hatten wir den schönen Ort an der Mosel erreicht und durch einen mit Reben bewachsenen Torbogen zogen wir ins Dörfchen ein. Sehenswert die Pfarrkirche St. Agritius, geweiht dem 4. Trierer Bischof, zur Zeit des christenfreundlichen Kaisers Konstantin. Auf den Wunsch der Kaiserin Helena wurde er zum Bischof von Trier berufen und brachte die heiligen Reliquien, die Gebeine des Apostels Matthias und den „heiligen Rock“ Christi gleich mit nach Trier.
Um nach Ensch auf der anderen Moselseite zu kommen, wählten wir den Weg über Thörnich. Das kleine idyllische Weinstädtchen liegt direkt an der Moselschleife und über die Brücke erreichten wir das gegenüberliegende Moselufer. Hier an den steilen Hängen reifen in bester Lage die Weine Enggaß, Schießlay und der weltberühmte Thörnicher Ritsch. Nach weiteren 2 Kilometern neben der B53, erreichten wir kurz vor der Ortschaft Ensch einen Wanderweg, der uns durch das Kautenbachtal und weiter zum Schleicher Zitronenkrämerkreuz führt.

Wanderzeichen mit Jakobsmuschel Kautenbachtal
An den letzten Häusern oberhalb von Ensch vorbei gelangten wir auf einen Waldwanderpfad, der stetig bergauf führte. Sehr abwechslungsreich ging es durch dichte Laub- und Tannenwälder. Nach einer Stunde hatten wir die Höhe erreicht und wir standen vor dem über 200 Jahre alten Gedenkkreuz.

Zitronenkrämerkreuz Deteilansicht des Bildstocks
Das Schleicher Zitronenkrämerkreuz, ein Bildstock aus Sandstein, steht am Rande einer alten römischen Handelsstraße, dem heutigen Moselhöhenweg. Es erinnert an einen tragischen Mord, der sich im Jahre 1687 hier zugetragen haben soll. Man entdeckte damals die Leiche eines italienischen Zitronenkrämers, er hieß Ambrosius Carove und stammte aus Lenno am Comer See. Er wurde vermutlich von seinem eigenen Diener erschlagen. Gleich neben der Gedenkstätte steht ein sterbender Baum, ein Geäst verzweigt in Traurigkeit.

Kornlandschaft auf der Hochfläche (Mehringer Berg)
Nachdenklich verlassen wir den Ort des Geschehens, der ansonsten Stille und Eintracht bietet. Es geht weiter über die Hochfläche an Feldern vorbei und zwischendurch mussten wir einige Gatter öffnen, um über die Wiesen auf die andere Seite des Berges zu gelangen. Nach einigen Kilometern erreichten wir durch die Mehringer Waldlandschaft das Landwehrkreuz und die Grillhütte-Rupperath (Schutzhütte), sie lag oberhalb von Schweich, mit wunderbarer Aussicht auf die Ortschaft Schweich und das Moseltal.

Camping oberhalb von Schweich Aussicht auf das Moseltal (Schweich)
Nach einer umfangreichen historischen Wanderung beendeten wir unsere heutige Tagesetappe auf dem Berg und bauten unser Zelt gleich neben der Schutzhütte auf. Am nächsten Tag werden wir Trier erreichen, doch dazu später mehr.
Bücher zum Thema Jakobsweg »»»
Fortsetzung: Auf dem Moselcamino VII: St. Jakobustag - Pilgerweg nach Trier
Herne, 15. August 2009
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