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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Rheinland

Neuss liegt am Jakobsweg

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Die Stadt Neuss am linken Niederrhein und in unmittelbarer Nähe der Erftmündung bietet dem Jakobspilger gleich mehrere Möglichkeiten auf Pilgerschaft zu gehen. Die Jakobusskulptur hinter der Münsterkirche St. Quirinus ist ein Hinweis darauf, dass Neuss am Jakobsweg liegt.

 

Neuss gehört mit seiner über 2000-jährigen Geschichte zu den ältesten Städten Deutschlands. Die Stadt liegt auf der linksrheinischen Seite gegenüber von Düsseldorf. Schon die alten Römer ließen sich hier um 16 v. Chr. nieder und bauten im heutigen Gnadental ein römisches Militärlager, das Castrum Novaesium. Auch die Fernstraße am römischen Limes zwischen Köln und Xanten ist von den Römern aus strategischen Gründen angelegt worden. Experten vermuten aber auch, dass es schon weit vor den Römern, in der Mittel- und Jungsteinzeit, einzelne Siedlungen gegeben haben soll. Eine Vielzahl von archäologischen Untersuchungen und Funden, die hier stattfanden, belegen dieses. 

 

         

               St. Marien-Kirche, Neuss                            Jakobusrelief am Kirchenpult

 

Doch für den Spuren suchenden Jakobspilger ist natürlich mehr von Interesse, was die Römer geschaffen haben, welche Straßennetze haben sie gebaut und wo führten sie hin. Denn diese alten Römerstraßen werden heute auch als Hellwege, Heerstraßen und Handelswege bezeichnet. Auch Kaiser und Könige folgten den alten Römerstraßen und bauten sie weiter aus.

 

         

           Münsterkirche St.Quirinus, Neuss                    St. Quirinus mit Jakobusstatue

 

Die schöne Stadt Neuss ist auch als großer Wallfahrtsort und Pilgerstätte bekannt. Schon seit dem Mittelalter pilgern Tausende gläubige Christen aus fast ganz Europa ins Zentrum von Neuss. Sie besuchten die Münsterkirche St. Quirinus, eine schöne romanische Kirche aus dem frühen 13. Jahrhundert. Hier befindet sich ein goldener Schrein mit den Reliquien des hl. Quirinus von Rom. Er ist der Schutzpatron der Kirche und Stadtpatron von Neuss und wird daher auch gerne Quirinus von Neuss genannt. Quirinus war römischer Soldat und Tribun, der sich zum Christentum bekannte und schließlich einen Märtyrertod starb.

 

         

                 Chorraum - St. Quirinus                                 Der Quirinus-Schrein

 

Am 30. April im Jahre 1050 kamen die Reliquien des Heiligen Quirinus nach Neuss. Es war die Äbtissin Gepa aus dem Neusser Benediktinerkloster, die nach Rom reiste. Ihre guten Beziehungen zum Bruder, dem damaligen Papst Leo IX. (deutscher Abstammung), war es zu verdanken, dass sie auf der langen abenteuerlichen Reise die Reliquien nach Neuss brachte. Seit dieser Zeit pilgerten Jahr für Jahr tausende fromme Wallfahrer zum goldenen Schrein der Münsterkirche St. Quirinus.

 

   

                                      Jakobusfigur von Bert Gerresheim in Neuss 

 

Hinter der Münsterkirche St. Quirinus befindet sich die 2007 eingeweihte lebensgroße Jakobusstatue, die der Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim geschaffen hat. Sie zeigt den hl. Jakobus als Pilger, mit Pilgerstab, Kalebasse, Buch und Hut mit Muschel. Auch in der katholischen Pfarrkirche St. Marien fanden wir ein Jakobsrelief. In einer weiteren Kirche, die in der Innenstadt liegt, in der St. Sebastianus Kirche fanden wir eine weitere Jakobusfigur. Geht man davon aus, dass Neuss schon seit dem Mittelalter ein großer Wallfahrtsort war, so ist es doch offensichtlich, dass er auch von Jakobspilgern besucht worden ist.

 

        

   St. Sebastianus-Kirche, Neuss                                                           Jakobusfigur

 

Und auch die Tatsache, dass Neuss an gleich zwei Römerstraßen liegt, spricht dafür, dass Neuss am Jakobsweg liegt. Die eine Pilgerroute (Xanten-Köln) führt am Rhein entlang und über Dormagen, Merkenich gelangte man schließlich nach Köln. Der zweite Pilgerweg ist eine Variante, die von Neuss nach Aachen führt, dieser Weg folgt dem Verlauf der Erft in Richtung Grevenbroich. Im heutigen Grevenbroicher Stadtteil Neukirchen, in der Pfarrkirche St. Jakobus d.Ä., befindet sich auch eine Jakobusfigur. Über Wevelinghoven geht es nach Grevenbroich. Etwas südlich der Ortschaft, am nördlichen Ausläufer der Ville, befand sich einst das Kloster Welchenberg. Hier wirkte der hl. Willibrord (658-739) als englischer Missionar und baute ein Kloster. Der Willibrordusbrunnen am Welchenberg erinnert auch heute noch an den Heiligen.

 

         

                    Obertor mit Kapelle                                        Neusser Obertor

 

Über den weiteren Verlauf des Pilgerweges darf spekuliert werden, denn der stattfindende Braunkohletagebau (Garzweiler) erschwert die Recherche. Heute geht man vermutlich weiter an der Erft entlang und erreicht Bedburg und dann könnte die Route über Jülich, Aldenhoven und Würselen nach Aachen führen.

 

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Siehe zu Neuss auch den Artikel von Rüdiger Schneider

‘Neuss – Renaissance eines Jakobsortes’ >>>

 

Herne, 31. März 2010

 

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