Novemberlicht – Hoffnung in der dunklen Jahreszeit

Via-Jakobsweg

Impressionen, Reisereportagen, Fotokunst, Videos und Bücher zum Thema Jakobsweg…

Novemberlicht – Hoffnung in der dunklen Jahreszeit

Diese Webseite wurde für mobile Handys, iPhones, Smartphones und Tablets optimiert.

Buen Camino!

Gedanken eines Pilgers:

Novemberlicht – Hoffnung in der dunklen Jahreszeit

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Der November ist für viele Menschen ein Monat der Traurigkeit und der Trübseligkeit, Wehmut und Melancholie machen sich breit. Der Trauer- oder Totenmonat, wie er sich im Volksmund nennt, ist ein Monat, an dem wir an unsere Verstorbenen denken und an die vielen Opfer, die durch Krieg, Terror und Katastrophen ums Leben kamen. Doch gibt es auch Licht und Hoffnung in der dunklen Jahreszeit?

 

Schon seit jeher gilt der November als Schicksalsmonat, viel Unglück, Leid, Elend, Kriege und Katastrophen sind in diesem Monat über die Menschheit hereingebrochen, an denen alle in der Not mehr zusammenrückten. Historische Ereignisse aus der Vergangenheit belegen es, wie z.B. eine Naturkatastrophe in Portugal, am 1. November 1755 zerstörte ein Erdbeben die Hauptstadt Lissabon. Die Novemberrevolution in Deutschland, am 9. November 1918 wurde nach dem 1. Weltkrieg das Ende des Kaiserreichs ausgerufen. Am gleichen Tag, im November 1938, die „Reichskristallnacht“, Juden in Deutschland wurden verfolgt, der 2. Weltkrieg kündigte sich an. Am 9. November 1989 fiel die Mauer in Berlin, ein Schicksalstag, der die Deutschen vereinigte.

 

 

Aber auch in der Gegenwart werden wir leider von Katastrophen nicht verschont. Auf den Philippinen wütete am 8.11.2013 der Taifun „Haiyan“ und verwüstete das Land, tausende Menschen wurden Opfer des verheerenden Novembersturms. Es ist sichtlich eine bittere Zeit für alle Menschen, nicht nur für die, die vom schweren Schicksal betroffen sind. Hilfe in der Not ist für viele Menschen, gerade wenn so ein Unglück hereinbricht, selbstverständlich. Wir besinnen uns auf unser Mitgefühl, denn auch wir sind nicht von Katastrophen befreit. Leider muss erst immer etwas passieren, erst dann handeln und helfen wir.

 

Auch in unseren Breiten, in Europa, in Deutschland, direkt vor der eigenen Haustür, gibt es Menschen, die in der dunklen Jahreszeit alleine leben und auf sich gestellt sind. Niemand ist da, der sie tröstet und mit dem sie ihr Leid teilen könnten. Stattdessen blicken sie aus dem Fenster ihrer Wohnung und schauen ins einheitliche Grau. Es scheint so, als wenn es für sie keine Farben mehr geben würde, die den Tag aufhellen lassen und an deren Kontrast sie sich erfreuen könnten. Selbst das Tageslicht tut sich im diesen Monat schwer, es ist trüb, nebelig und regnerisch, als wenn man durch ein Milchglas schaut und in einer andere Zeit blicken würde. Viele von ihnen sind verstimmt und traurig, das Jahr neigt sich dem Ende zu.

 

 

Es beginnt die Zeit der Nachdenklichkeit und der Besinnung, viele kirchliche Feiertage kündigen es an, wie Allerheiligen (1. November), Allerseelen (2. November), Volkstrauertag (Sonntag vor dem Totensonntag), Totensonntag (letzter Sonntag vor dem 1. Advent) und nicht zu vergessen den Buß- und Bettag (am Mittwoch vor dem Totensonntag).

 

Wie ein Nebel der Traurigkeit legt sich die Verstimmung und Nachdenklichkeit über uns. Auch die Natur macht eine Pause und regeneriert sich aufs Neue. Kann man nicht doch dem tristen Monat November etwas abgewinnen? Da gibt es ja auch noch das Martinsfest (11. November), Kinder singen ihr Laternenlied und laufen mit ihren leuchtenden Laternen, mit ihren Eltern und Verwandten durch die Straßen und der Hl. Martin hoch zu Ross, teilt seinen Mantel für die Armen. Und auch für alle, die die 5. Jahreszeit lieben, beginnt am 11.11. (um 11:11 Uhr), der Karneval (Fastnacht), auch ein alter Brauch, zu Beginn der vorweihnachtlichen Fastenzeit.

 

Auch viele Schriftsteller, Dichter und Musiker haben sich diesem Thema angenommen und es ist viel über den Monat November geschrieben und komponiert worden. Wie auch Erich Kästners Gedicht „Der November“

 

Ach, dieser Monat trägt den Trauerflor...

Der Sturm ritt johlend durch das Land der Farben.

Die Wälder weinten. Und die Farben starben.

Nun sind die Tage grau wie nie zuvor.

Und der November trägt den Trauerflor.

 

 

Traurigkeit und Schwermut begleitet uns im November, doch wie sieht es in Wirklichkeit aus, die Natur legt ihr altes Kleid ab und bereitet sich aufs neue Gewand vor. Eine Zeit der Stille und Einkehr beginnt, man lässt das vergangene Jahr Revue passieren. Man erinnert sich und nimmt Abschied, zugleich ist diese Vergänglichkeit auch immer ein Neuanfang. Es beginnt etwas Neues, vielleicht auch etwas Besseres, ein Aufbruch in eine glückliche Zeit? Seit Menschengedenken waren diese Zeiten immer voller Tatendrang und Hoffnung, man hielt zusammen und teilte. Das Leben ist nicht Dunkel, es sind nur die Übergänge, Schleusen und Stufen des Lebens, die uns dann wieder zurück ins Licht führen und uns so manches Mal zurück blicken lassen, um uns an die gemeinsamen Werte zu erinnern. Denn nur dann haben wir eine Chance, den richtigen Weg einzuschlagen, um unsere Existenz und um unser Dasein zu sichern.

 

Es beginnt die Zeit der Kerzen und des Lichts, überall wird geschmückt und man bereitet sich auf die Adventzeit vor. Das Licht der Kerzen gibt einem eine innerliche Wärme und Geborgenheit. Irgendwie sind die Menschen wieder ansprechbar, sie hören zu und nehmen sich auch mehr Zeit miteinander. Ein Phänomen, das man überall beobachten kann. Jetzt in der kalten Jahreszeit sucht man förmlich nach Wärme, Liebe und Verständnis.

 

So ist an und für sich der Monat November ein Monat des Lichts, das verbindet und vereint, er führt uns Menschen näher zusammen, man muss es nur wollen und zulassen.

 

Buen Camino!

 

 

Zum Novemberlicht:

 

"Das Licht, das ich schaue, ist nicht an den Raum gebunden. Es ist viel, viel lichter als eine Wolke, die die Sonne in sich trägt. Weder Höhe noch Länge noch Breite vermag ich zu erkennen. Es wird mir als der 'Schatten des lebendigen Lichtes' bezeichnet. Und wie Sonne, Mond und Sterne in Wassern sich spiegeln, so leuchten mir Schriften, Reden, Kräfte und gewisse Werke des Menschen in ihm auf."

 

Quelle: 'De modo visiones suae' im Novemberkapitel der Hildegard von Bingen

['Alle Schönheit des Himmels', S. 157]

 

Herne, November 2013

Seitenanfang

Deutschland Frankreich SpanienGalerieVideos Bücher Kontakt DatenschutzImpressum Home

© 2008-2015 Bernd Koldewey & via-jakobsweg.de

Zurück zur Rubrik Pilgergedanken
Jakobus als Schutzpatron

"Seid Hüter der Schöpfung und

der Umwelt!"

Papst Franziskus