Gefallene Engel – Ohne Dach über dem Kopf

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Gefallene Engel – Ohne Dach über dem Kopf

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Buen Camino!

Gedanken eines Pilgers:

Gefallene Engel – Ohne Dach über dem Kopf

 

Von Bernardus von Baukau (Text/Fotos)

 

Uns Deutschen geht es gut, wir haben alles, wir können zufrieden sein. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit laden die vielen Weihnachtsmärkte mit ihren Glühweinständen und anderen Leckereien zum Bummeln ein. Mandel -und Lebkuchendüfte liegen in der Luft, viele Menschen sind in Kauflaune, die beste Zeit für Kaufleute und Händler. Doch was passiert mit den Armen und obdachlosen Menschen mitten unter uns, die nichts haben und die abseits unserer Gesellschaft stehen?

 

In unserem demokratischen Verständnis heißt es, für alle würde gesorgt. Laut Menschenrechte sind wir alle im Grundrecht gleich und die Würde des Menschen, so heißt es weiter, ist unantastbar. Doch was bedeutet das für jeden Einzelnen und für die, die sich abseits und am Rande unserer Gesellschaft befinden? In Deutschland und in vielen anderen Ländern, wo die Rechtsstaaten für eine sozial-demokratische Rechtsform stehen, können die Ärmsten unter uns auf staatliche Hilfe und Unterstützung hoffen. Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit sowie Glaubens- und Gewissensfreiheit sind im Grundgesetz verankert und schützt somit auch die, die ohne Existenz und Wohnung sind.

 

 

Wir dürfen alle mitbestimmen und unser Leben selbst gestalten, jeder ist seines Glückes Schmied. Gilt das auch für die, die als gefallene Engel auf der Straße leben? Es sind fundamentale Rechte für alle, eine Gleichheit ohne willkürliche Freiheitseinschränkung. Die Menschen, die auf der Straße leben, haben sich ihre Situation nicht gerade ausgesucht, sie sind abgerutscht und in unserer modernen Gesellschaft finden sie wenig Beachtung. Schnell werden sie klischeehaft und abwertend als „Penner“, Bettler und Alkoholiker deklariert und zusammen in eine Schublade der Gestrauchelten gesteckt, aus der sie sich nur schwer selbst herausbewegen können. Es sind Vorurteile, die wir haben und die nicht gerechtfertigt sind.

 

In vielen Fällen sind es traurige Einzelschicksale, die sie zunächst an den Rand der Gesellschaft brachten, dann immer weiter abrutschen ließen, bis sie schließlich den Boden unter ihren Füßen verloren hatten. So verloren sie ihren angeborenen und natürlichen gesellschaftlichen Schutz. Ohne sozialen Halt, Arbeit und Wohnung wurden sie so zu Obdachlosen.

 

 

Die Betroffenen sind Menschen ohne festen Wohnsitz und leben auf der Straße, sie schlafen im Freien, in Parks, unter Brücken, an Bahnhöfen und in städtischen Notunterkünften. In vielen Städten trifft man sie an Kirchen, zentralen Plätzen und in den Fußgängerzonen an, sie sind auf die Unterstützung des Staates und der Bürger angewiesen. Ausgelöst durch schwere Lebenskrisen fristen sie ihr Dasein abseits der Gesellschaft. Auch immer mehr Kinder und Jugendliche sind in deutschen Städten auf „der Platte“, wie es umgangssprachlich heißt. Die Zahl derer nimmt zu, sie kommen aus Familienverhältnissen mit sozialen Problemen. So kommt es vor, dass immer mehr Jugendliche vor ihren gewalttätigen Eltern fliehen oder junge Frauen ungewollt schwanger werden, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Menschen, die kein Dach mehr über dem Kopf haben, werden hier zu Lande leider unschön, als Wohnungslose, Landstreicher, Vagabunden, Stadtstreicher, Herumtreiber, Bettler und Zigeuner bezeichnet. Denjenigen, die sich so verhalten, kann ich nur empfehlen, sich einmal die biblische Erzählung vom „Gleichnis“ aus dem Lukasevangelium „vom reichen Mann und armen Lazarus“ (Lukas 16:19-31) anzuschauen.

 

 

Trotz Reichtum in Deutschland gibt es nach Schätzungen von Experten fast 300.000 Menschen ohne eigene Wohnung, dabei nimmt die Zahl der Kinder und Jugendlichen von ca. 30.000 stetig zu. Ein ungewolltes Schicksal, das sich keiner wünscht. Die Zahlen derer, die ihre Wohnungen verloren haben, nehmen seit 2010 um 15 % zu, bis 2016 rechnet man mit 30 % Wohnungslosigkeit. Eine Tendenz, die mehr als bedenklich ist. Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit, wo die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt gehen können, gibt es immer wieder Opfer der Betroffenen zu beklagen.

 

Hilfe bei Obdachlosigkeit in Herne

 

Auch in Herne leben etwa 300 wohnungslose Menschen (Obdachlose), versorgt werden sie unter anderem von Einrichtungen wie die Ambulante Suppenküche und die Herner Tafel e.V. auf der Buschkampstraße 22 in Herne, Telefon (02325) 466230 und (02325) 587056, dort bekommen Obdachlose und Bedürftige täglich eine zubereitete Mahlzeit, Lebensmittel und Kleidung. Die Notunterkunft Buschkampstraße kann bis zu 170 Personen unterbringen, betrieben wird die Einrichtung von der Stadt Herne (Fachbereich Soziales).

 

Obwohl es genügend Schlafplätze für Obdachlose in Herne gibt, gerade auch im Winter, nutzen nur ca. 70 Menschen ohne festen Wohnsitz dieses Angebot. Der Grund ist vermutlich die Angst vor beengten Verhältnissen und dass man ihre Habseligkeiten stiehlt.

 

 

Der SKM in Herne, Katholischer Verein für soziale Dienste, Wilhelm-Busch-Str. 9, 44627 Herne, Telefon (023 23) 961080, steht den Wohnungslosen und Hilfebedürftigen mit Rat und Tat zur Seite. Auch der „Herner Mittagstisch“ (Haus der Caritas, Schulstraße 16) wird von vielen Obdachlosen und Bedürftigen genutzt, hier bekommen sie eine warme Mahlzeit.

 

Trotz der Hilfe und Unterstützung vom Staat und anderen Organisationen gibt es sicherlich noch einiges zu tun, um den stetig wachsenden Anstieg der Wohnungslosen zu stoppen. Es ist auch ein Kampf gegen die Verarmung unserer Gesellschaft. Immer mehr Menschen, auch denen, die ein Dach über dem Kopf haben, geht es immer schlechter. Um die soziale Situation der betroffenen Menschen zu verbessern, die aus ihrer Lebenskrise nicht mehr alleine heraus kommen, müssen wir alle einen Beitrag leisten, um sie aus der Isolation und Vereinsamung herauszuholen. Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, sollte man zurück in die Gemeinschaft führen. Auch gefallene Engel haben eine zweite Chance verdient.

 

Herne, Dezember 2013

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