www.via-jakobsweg.de © 2009 • Bernd Koldewey • 44629 Herne (D)  

Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

coronatio peregrinorum

Pilgerkrönung in Oberbreisig


Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Im April besuchten wir gleich mehrere Orte, mittelalterliche Wandmalereien waren unser Thema. Die kostbaren Fresken in Oberbreisig und Linz am Rhein hatten unsere besondere Aufmerksamkeit verdient. Hier fanden wir zwei der bemerkenswertesten Jakobusdarstellungen im Rheinland, sie zeigen den hl. Jakobus als „coronator peregrinorum“, wie er Pilger mit einer Krone segnet und krönt.

 

Schon in der Zeit des Mittelalters zog es viele Pilger zum Rhein. Sie überquerten den Fluss an verschiedenen Stellen. Mal waren es hölzerne Brücken, an anderen Übergängen setzten sie mit Fähren oder Flößen über den Strom. Wie zum Beispiel bei den Übergängen Bad Breisig - Bad Hönningen, Kripp - Linz oder Bonn - Schwarzrheindorf/Vilich. Sie kamen aus dem Westerwald und waren auf der so genannten Krönungsstraße unterwegs. Der Weg führte in nördlicher Richtung von Frankfurt nach Aachen, die Stadt, in der deutsche Könige und Kaiser gekrönt worden sind. Pilger und Wallfahrer aus Nah und Fern nutzten dabei unterschiedliche Querverbindungen und erreichten somit auch bekannte Wallfahrtsorte, die auf dem Weg lagen. Viele Jakobspilger, die auf ihrer Reise nach Santiago de Compostela waren, machten hier Station und wurden versorgt. So fand im 11., 12. und 13. Jahrhundert ein wahrer Pilgerboom statt. In dieser Zeit entstanden auch viele Klöster und Hospize, Herbergen für Pilger. Die Orte wurden größer und mussten immer mehr Besucher aufnehmen.

 

Jakobusdarstellung, Antependium, Kirche St. Marien, Bad Breisig

 

Es war die Blütezeit der Kirchenbaumeister, es entstanden  immer mehr und größere Kirchen sowie kleine Kapellen, die am Weg lagen. Fromme Christen und Pilger fanden somit Orte, an denen sie ihre Heiligen aufsuchen konnten, um zu beten. Sie taten Buße und baten um Vergebung ihrer Sünden, so erhielten sie Schutz und Segen für ihre lange Reise.      

 

        

        Pfarrkirche St. Marien in Bad Breisig                      Innenansicht der Kirche

 

Unsere erste Station war Bad Breisig, eine kleine Kurstadt mit Römerthermen, direkt am Rhein. Gegenüber liegen  Bad Hönningen  und Rheinbrohl. Hier findet man Spuren der Römer, die vor 2000 Jahren hier lebten. Auch der Limes begann hier und zog sich 560 km durchs Reich. Ein Grenzverlauf, der das damalige Römische und Germanische Reich trennte. Auch in Bad Breisig verlief etwas nördlich am Vinxtbach die Grenze zwischen den Provinzen Nieder- und Obergermanien. Sehenswert in Ortsmitte ist die schöne Barockkirche St. Marien mit den Kreuzreliquien aus der Donatuskapelle des Templerhofes.

 

                             

                                        Altes Templerhaus in Bad Breisig

 

Die Pfarrkirche St. Viktor in Oberbreisig

 

In Nähe der Kirche St. Marien führt eine Straße hinauf nach Oberbreisig. Ein besonderer Ort für Pilger, hier steht die spätromanische Pfarrkirche St. Viktor, lange Zeit war sie auch die einzige Pfarrkirche von Bad Breisig. Sie ist heute als einzige Kirche im Bistum Trier dem heiligen Viktor von Xanten geweiht. Die Dorfkirche mit einem Westturm hat eine fast 1000jährige Geschichte und wird bezeichnet als „Mutterkirche des Breisiger Ländchens“.

 

         

                                 Die katholische Pfarrkirche St. Viktor in Oberbreisig

 

Landesherrinnen waren seit dem 9. Jahrhundert die Fürstäbtissinnen des Essener Damenstiftes. Die Pfarrgemeinde St. Viktor wurde erstmals 1041 urkundlich erwähnt und in der Mitte des 12. Jahrhunderts im byzantinischen Stile erbaut. Der Grundbau der Kirche ist romanisch mit frühgotischen Elementen des Chorraums. 

 

Sensationell wie das ganze Erscheinungsbild der Kirche sind die wertvollen Fresken im Inneren. Die romanischen-gotischen Wandmalereien stammen aus dem Mittelalter und wurden in der Reformationszeit übertüncht. Freigelegt und mit viel Liebe zum Detail wurden sie sorgfältig restauriert. Heute strahlen sie in farbenprächtigem Glanz einer längst vergangenen Epoche.

 

 

  "Christus als Weltenrichter" Fresko in der Apsis            "Die drei heiligen Jungfrauen"

 

Diese einzigartigen Kunstwerke zeigten sich schon beim Eintreten ins Mittelschiff, Christus thront auf einem Regenbogen über dem Chorraum, daneben kniend und betend Maria und Johannes. Auch findet man den hl. Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter, den hl. Georg sowie den hl. Michael, einen der sieben Erzengel, der als Drachentöter dargestellt ist.

 

    

          Pilgerkrönung                          Hl. Georg                                Hl. Christophorus

 

Und für uns eine ganz besondere Darstellung, der Grund unseres Besuchs, das wunderbare Fresko ‘Pilgerkrönung’. Es zeigt den Schutzpatron der Pilger und Wallfahrer in einer ergreifenden Handlung. Der hl. Jakobus, mit jugendlicher Ausstrahlung, segnet und krönt  betende und kniende Pilger. Die himmlische Krone, ein symbolisches Zeichen der Würde und Bürde zugleich. Eine Pilgerkrönung im wahrsten Sinne des Wortes – es lässt das Pilgerherz höher schlagen. So ist Oberbreisig auch ein Ort auf dem Jakobsweg, dem sich ein Pilger nicht entziehen kann.

 

    

                                         Innenansicht der Kirche St. Viktor

 

Ein besonderen Dank gilt der Führung, die uns die gute Seele der Gemeinde, Herr Link, uns zuteil werden ließ. Er führte uns mit strahlenden Augen durch die Kirche und zeigte uns deren Kunstschätze. Auch er ist ein leidenschaftlicher Jakobspilger und pilgerte 2003 auf dem Camino Francés.

 

                                             

                          Friedhelm Link (rechts) im Gespräch mit Dr. Rüdiger Schneider

 

Eindrucksvoll erzählte er uns von seinem besonderen Erlebnis, das er auf seiner Pilgerung hatte. Für die Gemeinde unterstützt er die Jugendarbeit junger Christen und arbeitet ehrenamtlich an dem Ausbau eines Wegenetzes des Jakobswegs nach Trier. Mit gelben Markierungen versehen gibt es schon eine Route von Bad Breisig nach  Oberbreisig, einem besonderer Ort für Pilger.

 

Eine weitere Darstellung der Pilgerkrönung fanden wir auf der anderen Rheinseite in Linz am Rhein.

 

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Fortsetzung: Pilgerkrönung in Linz am Rhein 

 

Mehr zum Thema: Artikel von Rüdiger Schneider

„Pilgerkrönung“ Teil I - Oberbreisig

 

Samstag, 25. April 2009

 

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Bücher zum Jakobsweg

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Oberbreisig
Katholische Pfarrkirche
St. Viktor
Stadt: 53498 Bad Breisig
Bistum: Trier
Landkreis: Ahrweiler
Bundesland: Rheinland-Pfalz 

 

Hl. Viktor von Xanten

 

Pfarrkirche St. Viktor

 

St. Viktor - Westturm

 

Chorbereich mit Apsis

 

südliches Seitenschiff

 

nördliches Seitenschiff

 

Marienfigur

 

Erzengel Michael

 

Rochusdarstellung, Antependium

 

  Grabkapelle der Von-Meuers