Le Puy-en-Velay - Beginn der Via Podiensis

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Le Puy-en-Velay - Beginn der Via Podiensis

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Buen Camino!

Auszug aus dem Buch

Aufbruch nach Santiago - Band III – Die Via Podiensis

Le Puy-en-Velay - Beginn der Via Podiensis

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Im Marienwallfahrtsort Le Puy-en-Velay, die Hauptstadt der Region Haute-Loire, befindet sich eine der wichtigen Kreuzungen verschiedener Fernwanderwege. Zum Beispiel der Pfad der Loire (GR3), der Pilgerweg des hl. Regis (GR 430), der Stevensonweg (GR 70). Und natürlich die Via Podiensis (GR 65), mit zwei Zuwegen von Genf und von Cluny kommend.

 

Die Stadt hat in seiner über 1000jährigen Geschichte viele Pilger angezogen. Auf dem Campingplatz Bouthezard am Ufer der La Borne fanden wir unsere Übernachtungsmöglichkeit. Hier zu Füßen des Basaltfelsen (Rocher St.- Michel), konnten wir uns von den vergangenen Strapazen ausruhen. Etwas über 2 Wochen sind wir nun schon gemeinsam unterwegs, und es läuft alles prima. Zwei Tage werden wir bleiben, bevor es auf der Via Podiensis weiter Richtung Spanien geht. Es ist eine mediterrane Stadt mit südlichem Flair, die man sowohl tagsüber wie auch nachts besichtigen kann. Wir werden es langsam angehen lassen und erst einmal unsere Füße schonen. In den letzten Wochen, die wir gemeinsam unterwegs waren, und einige Berge hinter uns gelassen hatten, sahen unsere Füße dementsprechend aus.

 

Kathedrale von Le Puy-en-Velay

Schwarze Madonna

 

Wir hatten nun Zeit uns von der überschüssigen Hornhaut zu befreien. Auch sonst hatte uns der Weg einiges abverlangt und wir waren froh etwas zur Ruhe zu kommen. Erst am nächsten Tag machten wir einige Besichtigungen, denn Le Puy-en-Velay hat eine Menge historischer Bauwerke zu bieten.

 

Hier beginnt die „Via Podiensis“, eine der ältesten Pilgerrouten Europas und die schönste in Frankreich. Auf ihrem langen Weg durch Südfrankreich führt sie nach 1600 km zum Jakobusgrab nach Spanien. Erwähnt wurde die Via Podiensis zum ersten Mal im Buch „Liber Sancti Jacobi“ (Buch des hl. Jakobus) oder auch Codex Calixtinus genannt. Der Pabst Calixtinus II, gab diesen historischen Pilgerführer im 12. Jahrhundert heraus. Grund war vermutlich der Pilgerstrom, der im 10. Jahrhundert seinen Anfang hatte. Inhaltlich beschreibt es unter anderem, wie beschwerlich die Pilgerreise im Mittelalter war. Auch einer der ersten Pilgerreisenden, Bischof Godescale von Le Puy-en-Velay, wird dort erwähnt. Er ließ nach seiner Rückkehr aus Santiago im Jahre 962 die dem Erzengel Michael geweihte Kapelle weihen. Sie thront auf der Spitze des Vulkanfelsen Aiguilhe über die Stadt.

 

Statue de Saint-Jacques

Brunnen in Le Puy-en-Velay

 

Am nächsten Tag, unsere Füße sind schon wieder fit, machten wir einen kleinen Bummel durch die ehrwürdige Stadt. Auf dem Programm, kleine Besichtigungen, natürlich die Kathedrale Notre Dame, der Ausgangspunkt der Via Podiensis.

 

Die sehenswerte Kathedrale, eine dreischiffige Basilika aus dem 11. Jahrhundert, ist ein Muss für Jakobspilger. Sie erhebt sich am Hang des Rocher Corneille, hoch über die Stadt Le Puy, und ist der Jungfrau Maria geweiht. Im Inneren des Heiligtums befindet sich die mystische Schwarze Madonna. Es ist eine Kopie aus dem 19. Jahrhundert, das Original soll nach der Legende aus dem Orient stammen. 1794 wurde sie in den Zeiten der Französische Revolution aus der Kirche entfernt und später in der Stadt verbrannt.

 

Das Kreuz des Languedoc mit Pilgermuschel

Jakobus-Medallon

 

Es ist ein besonderer Wallfahrtsort, eine Pilgerstätte, die bis heute Pilger aus der ganzen Welt anzieht. Die Kirche ist im romanischen Stil erbaut und enthält Elemente des Orients und des arabischen Spaniens. Von der Altstadt führt der Weg über 134 Stufen hinauf zur Kathedrale und man steht vor dem riesigen verzierten Kirchenportal. Von hier hat man eine wunderbare Aussicht über die Stadt und die umliegenden Berge des Zentralmassivs der Auvergne. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die von Weitem sichtbare Statue Notre Dame de France. Diese Monumentalstatue steht auf einem 132 Meter hohen Hügel, mitten im Zentrum. Sie wurde aus der Bronze von 213 russischen Kanonen hergestellt und am 12. September 1860 eingeweiht.

 

Wir bummelten noch ein wenig in der Altstadt herum und sahen dem bunten Treiben zu. Sicherlich gibt es hier noch das eine und andere interessante Bauwerk zu besichtigen, doch für uns Pilger sind es halt zu viele Menschen und der touristische Einfluss veranlasst uns ein ruhiges Plätzchen zu suchen. In einem kleinen Gässchen fanden wir ein schönes Café und blieben ein wenig. Wir tranken ein paar Gläser Wein und ließen den schönen Tag an uns vorüber ziehen. Morgen geht es wieder weiter, jetzt auf der historischen Via Podiensis.

 

Saint-Michel d’Aiguilhe

Erfrischungen für Pilger

 

In der Stadt sahen wir schon einige Pilger mit ihren Rucksäcken und unsere Freude war groß, nicht mehr alleine zu pilgern, denn in der langen Zeit unserer Wanderung durch Frankreich, trafen wir nur vereinzelt Jakobspilger. Wir dachten schon, wir wären die einzigen, die nach Santiago pilgern wollen, doch hier werden wir wohl auf viele Franzosen treffen. Auch Schweizer, Deutsche und aus anderen Ländern Osteuropas nutzen den historischen Pilgerweg der Via Podiensis.

 

Am nächsten Morgen machten wir uns wieder auf den Weg. Unsere Sachen waren frisch gewaschen und auch sonst fühlten wir uns gut. Beide hatten wir auf unserer Pilgerreise ca. 10 kg Körpergewicht abgenommen, welch eine Wohltat, kein Wunder bei den vielen Bergen. Wir verließen Le Puy-en-Velay in südwestlicher Richtung. Es ging natürlich wieder bergauf und eine riesige Jakobsfigur zeigte uns die Richtung. Von den Höhen des Hochplateaus aus hatten wir noch öfters einen grandiosen Blick auf die Stadt Le Puy mit seinen Vulkanspitzen. Dann kündigte auf der Via Podiensis ein Wegkreuz (Croix de Jalasset) mit Infostein die Kilometerangabe nach Santiago de Compostela an.

 

Verschnaufpause

Saint-Christophe-sur-Dolaison

 

Nur noch 1698 km bis zum Apostelgrab. Mich konnte die relativ große Entfernungsangabe nicht mehr schocken, auch Rüdiger blieb beim Anblick des Steins gelassen. Stattdessen freuten wir uns wieder auf die ländliche Idylle, fernab der Großstadt. Alleine die klare saubere Luft und der blaue Himmel ließen unser Pilgerherz höher schlagen.

 

Eine kleine Verschnaufpause war angebracht und prompt tauchte auch gleich eine kleine Pilgergruppe auf. Sind es Jakobspilger? Ja, von Weitem hörten wir, wie sie singen und nach dem Refrain klang es wie „Ultreia, ultreia e suseia“. Was soviel bedeutet wie: Vorwärts, immer weiter und aufwärts… Gott helfe uns auf unserem Weg. Es sind französische Jakobspilger, wie kann es auch anders sein, wir sind ja schließlich in Frankreich. Endlich waren wir nicht mehr die einzigen, und nach der herzlichen Begrüßung boten sie uns noch etwas Gebäck an. Sie sind in Le Puy gestartet und wollen bis nach Conques.

 

Feldblumen

Saint-Privat-d'Allier

 

Zehn Tage haben sie für die Strecke eingeplant. Sie pilgern jedes Jahr und dabei kommen sie Santiago de Compostela immer näher. Als sie erfuhren, dass wir aus Deutschland kommen, und unsere Reise bis nach Santiago geht, freuten sie sich für uns und wünschten uns „bon chemin“, einen guten Weg. Es ist kein Abschied, denn auf der Via Podiensis trifft man sich mindestens zweimal.

 

Nach einer Weile erreichten wir über die ländliche Hochebene La Roche. Hier in der kleinen Ortschaft waren Pilger willkommen, am Wegesrand sahen wir hin und wieder Stände mit Erfrischungen. Jakobspilger konnten sich kostenlos bzw. gegen eine kleine Spende, bedienen. Obst, Gebäck, Kaffee und Wasser war genau das Richtige, es machte uns wieder munter. Im Anschluss der milden Gaben hinterließen wir im Gästebuch unseren Eintrag und bedankten uns.

 

Jakobskapelle in Rochegude

Waldpfad durch Riesenfarne

 

Weiter ging es Richtung Saint-Christophe-sur-Dolaison (910 m). Es ist ein schönes Land, weiche Hügel, Wald, Wiesen und Weiden, auf denen Rinder grasen. Und die Sicht reicht weit über das Plateau. Manchmal wieder leicht ansteigend und nach einigen Kilometern erreichten wir Saint-Christophe-sur-Dolaison. Im Ort befindet sich die schöne romanische Kirche, die dem hl. Christophorus geweiht ist, mit einem für die Region typischen Arkaden-Glockenturm. Das Bauwerk stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist aus dem hiesigen Vulkangestein erbaut worden.

 

Vorbei an kleinen Weilern bis nach Augeac, dort nahmen wir über die riesigen Weideflächen, die Route über Bains. Wunderbare schöne Feldblumen und bläuliche Distelgewächse säumten den Weg. Wir ließen es langsam angehen, uns treibt ja keiner, also machten wir wieder eine Pause und legten uns in einer Blumenwiese etwas schlafen. Herrlich, sich lang zu machen und einfach nur den Himmel anzustarren und an nichts zu denken. Ein paar kleine Wolken rauschten über unsere Köpfe hinweg. Und tatsächlich, es dauerte auch nicht lange und Rüdiger schnarchte ein wenig vor sich hin, auch ich brauchte nicht lange, etwas lauschte ich noch dem Gezwitscher der Vögel zu und gelangte auch ins Reich der Träume.

 

Eine Schafherde kreuzt den Pilgerweg...

Weidenlandschaft

 

Nach zwei Stunden Schlaf machten wir uns so langsam wieder auf den Weg. Die Variante über Bains wollten wir ja noch erreichen oder doch noch weiter? Erstmal schauen, ob wir auch noch etwas Proviant einkaufen können, ein Fläschchen Wein gehört dazu.

 

So zogen wir weiter, in der Hoffnung, später noch etwas zum Essen und Trinken einkaufen zu können. Es geht durch die wunderbare vulkanische Landschaft, in den roten Vulkanböden der Region wachsen und gedeihen die weltbekannten grünen Linsen von Le Puy. Am späten Nachmittag erreichten wir das schöne Städtchen Bains. Erst mal Richtung Kirche gehen, ganz in der Nähe fanden wir auch einen kleinen Laden, unser Proviant ist uns sicher.

 

Abenddämmerung

Am Lagerfeuer

 

Nach kurzer Besichtigung der romanischen Kirche (12./13. Jahrhundert), geweiht dem hl. Martial, 1. Bischof von Limoges, ging es noch ein wenig weiter, bis kurz vor das Dörfchen Fay. Hier fanden wir einen idealen Platz um zu zelten. Wir hatten nun alles und bauten kurzer Hand das Zelt auf. Vor dem Zelt bauten wir uns eine kleine Feuerstelle um uns eine kräftige Gemüsesuppe zu kochen. Mit Brühwürfeln und frischem Gemüse ging das ziemlich flott. Wir waren eingespielt und trainiert, Rüdiger war für den Wein zuständig und ich für das Rühren der Suppe. Jetzt noch die Baguettes raus und wir ließen es uns munden.

 

Es ist doch was anderes in freier Natur zu zelten als wie auf dem Campingplatz. Hier brauchen wir auf niemanden Rücksicht nehmen und konnten uns frei bewegen. Dazu noch die herrlichen Aussichten auf die Bergwelt und einen fantastischen Sonnenuntergang genießen. Jakobus sei Dank! Wir waren zufrieden und blieben noch eine ganze Zeit auf, bis der letzte Tropfen des guten französischen Weins geleert war. Wie bei „Die Waltons“, eine Kultserie der 70er, wünschten wir uns eine gute Nacht. „Gute Nacht John-Boy!“ Gute Nacht Jim-Bob!“ - Gute Nacht Rüdiger, gute Nacht Bernd.

 

Bernd Koldewey: "Aufbruch nach Santiago" - Die Via Podiensis (Band III), von Le Puy-en-Velay bis nach Saint-Jean-Pied-de-Port, Taschenbuch, Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 1. Auflage, März 2011, 228 S., 26,90 € - Dieses Buch ist mit zahlreichen Farbabbildungen ausgestattet. ISBN 978-3-8391-8208-6 - Dieses Buch kann ab sofort über den Buchhandel oder über das Internet, beispielsweise bei Amazon.de bestellt werden.

 

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