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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Sauerland

Über den Rothaarsteig zur Heidenstraße

Von Brilon bis nach Winterberg

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Wander- und Pilgerwege gibt es viele im wald- und bergreichen Hochsauerland, so auch auf dem Höhenwanderweg des Rothaarsteigs. Dieser exzellente und faszinierende 154 km lange Fernwanderweg mit hohen Ansprüchen ist mit einem weißen liegendem ‚R’ auf rotem Grund markiert. Er führt von Brilon (Westfalen) aus durch die atemberaubende Mittelgebirgslandschaften des Sauerlands, Wittgensteiner Berglands und die des Siegerlands bis am Fuße des Westerwaldes ins hessische Dillenburg, im Lahn-Dill-Kreis.

 

 

                                Hochheide mit Blick auf die Bruchhauser Steine

 

Der Rothaarsteig ist ein Höhenwanderweg, der einen über die höchsten Berge Nordrhein-Westfalens führt, wie zum Beispiel über den Langenberg (843m) und den Kahlen Asten (842m). Beide Berge befinden sich im gleichnamigen Naturpark Rothaargebirge, das wunderbare Naturparkparadies wurde 1963 eingerichtet und bietet den Jakobspilgern, Wanderern und Bikern unvergessliche Erlebnisse. 2001 wurde der Rothaarsteig, der „Weg der Sinne“ eröffnet. Über die Höhen und Kämme geht’s vorbei an den Quellgebieten der Möhne, Ruhr, Lenne, Eder, Lahn und Sieg. Auch für Jakobspilger ist der Rothaarsteig eine besondere Variante und sehr interessant, in seinem nord-südlichem Verlauf kreuzt er bei Küstelberg (Medebach) die Heidenstraße, einen mittelalterlichen Handelsweg, der einst auch Pilger über Winterberg nach Köln führte. Der Rothaarsteigwanderweg ist für uns einer der schönsten Wander- und Pilgerwege in NRW, gerne könnte man ihn zusätzlich noch als „Jakobsweg“ auszeichnen, was ja teilweise schon geschehen ist.

 

Unsere 2 ½ Tagesetappen, ein verlängertes Wochenende der Spurensuche durch den Naturpark Rothaargebirge, begannen wir in Brilon, hier beginnt auch der Rothaarsteig. Angereist sind wir mit der Bahn, von Herne über Dortmund erreichten wir Brilon Stadt mit einer Direktverbindung in gut zwei Stunden Fahrzeit. Mit im Gepäck wie immer unsere Rucksäcke, Schlafsack und Zelt. Wir hatten Glück, jetzt Mitte September war auch das Wetter uns hold gewesen, blauer Himmel und angenehme Temperaturen von 18 Grad. Für uns beide ein idealer Start und gute Voraussetzung, um per Pedes die 42 Kilometer von Brilon bis nach Winterberg zu pilgern.   

 

Brilon Stadt – Das Tor zum Rothaarsteig

 

Brilon, einst mittelalterliche Hansestadt, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Ähnlich wie auch bei anderen sauerländischen Städten, die nahe an den Grenzen zu Hessen liegen, waren auch hier die Gebietsstreitigkeiten und kriegerischen Auseinandersetzungen recht häufig. Als westfälische Siedlung „Villa Brilon“ wurde das Fleckchen bereits 973 erstmals in einer Urkunde Kaiser Ottos II. erwähnt. Später gehörte die Gemarkung durch Tausch und Lehen zur Paderborner Kirche, die immer wieder Gebietsansprüche stellte. Doch um das Jahr 1220 ging der Briloner Besitz an den Kölner Erzbischof Engelbert I. über, der die Stadt schließlich befestigte.

 

      

                  Briloner Marktplatz                                          Rathaus

 

In der kurkölnischen Blütezeit (13.- 14. Jh.) blühte gemeinsam mit Soest der Handel in der Stadt, Händler und Kaufleute und Bergbauarbeiter ließen sich hier nieder. In den umliegenden Bergen wurden schon seit langer Zeit Blei, Eisen, Silber und Galmei abgebaut. Brilon war mit Soest und Werl eine der bedeutendsten Städte im Herzogtum Westfalen. Auch Jakobspilger hielten sich in der Stadt auf, denn bereits 1431 gründete sich am Markt in Brilon eine Jakobusbruderschaft, sie unterhielt das Hospital des Heiligen Geistes. Eine mildtätige Einrichtung, die Obdach und Pflege für bedürftige, alte, arme und kranke Menschen bot.

 

      

                  Petrusbrunnen                            Propsteikirche St. Petrus und Andreas

 

In unserer 3-stündigen Besichtigung der Stadt kamen wir an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei, all diese geschichtsträchtigen Standorte sind Zeitzeugnisse einer historischen großen Vergangenheit dieser Stadt. In der historischen Altstadt von Brilon erreichten wir den alten Marktplatz, umgeben ist er von schönen Fachwerkhäusern, und zentral in der Mitte steht der imposante Petrusbrunnen, auch von den Briloner Bürgern „Kump“ genannt. Mit Petrusfigur und Wappen alteingesessener Briloner Familien eine besondere Sehenswürdigkeit. 

 

                 

      hl. Jakobus         Chorraum, Briloner Propsteikirche            Kirchenfenster

 

Gleich daneben das historische Rathaus mit seiner eindrucksvollen barocken Fassade. Um 1250 wurde es erbaut und diente zur Zeit der Hanse als Gildehaus für Handwerker, Krämer und Kaufleute. Zwischen den beiden Spitzbögen, erhaltene Elemente der Gotik, befinden sich genau wie oben an der Fassade zwei prachtvolle Bildstöcke, der heilige Petrus, Schutzpatron der Stadt, und eine barocke Marienfigur, zieren die Kunstwerke. Hinter dem Rathaus befindet sich der Geschichtsbrunnen, dieser zeigt Szenen aus den Briloner Schnadezügen, eine über 620-jährige Briloner Tradition, die an das Grenzabschreiten (Schnadezug) erinnert. Damals, in der Zeit des Herzogtums Westfalen wurden die Grenze zur Grafschaft Waldeck, regelmäßig kontrolliert.

 

      

              Stadttor „Derkerer Tor“                                  Geschichtsbrunnen

 

Nur ein paar Schritte, etwas erhöht hinter dem Rathaus, befindet sich die von Weitem sichtbare Briloner Propsteikirche St. Petrus und Andreas. Die dreischiffige und dreijochige Hallenkirche mit mächtigem Westturm (1250) gilt als Wahrzeichen Brilons, erbaut wurde sie bereits 1220, zur gleichen Zeit der Stadtgründung. Im Inneren der Kirche befinden sich mächtige Sandsteinsäulen und schöne Kirchenfenster sowie Altäre aus dem 16./17. Jahrhundert. Auch ein Jakobusaltar soll hier mal gestanden haben. Der freundliche Küster zeigte uns Jakobspilger in der Sakristei eine alte Jakobusskulptur, vielleicht stand diese mal auf dem verschollenen Altar.    

 

      

                    Rochuskapelle                                         Rochusfigur mit Engel

 

Nach der Besichtigung der Pfarrkirche von Brilon ging es kurz in westlicher Richtung, die Rochusstraße führte uns zur Rochuskapelle. Diese stammt aus dem 17. Jahrhundert, über dem Eingang befindet sich eine schöne Rochusdarstellung, sie zeigt den hl. Rochus mit Engelskind, das auf den nackten Oberschenkel mit Pestmal zeigt. Die Kapelle erinnert daran, dass auch die Stadt Brilon von einer Pestwelle heimgesucht wurde. Auch im Inneren der Kapelle befindet sich eine Rochusfigur, diese zeigt den Heiligen mit Brot bringendem Hund, eine Darstellung der Rochusverehrung, die ihn auch oft mit Muschelhut und Pilgerstab zeigt. Dann ging es wieder zurück und wir besichtigten noch das alte Stadttor „Derkerer Tor“ (17. Jahrhundert), einst hatte Brilon 4 Stadttore und war zusammen mit der wehrhaften Ringmauer und den Wehrtürmen, Gräben und Wellen Teil einer großen Befestigungsanlage.  

 

Rothaarsteig – Von Brilon bis nach Bruchhausen

 

Nach der umfangreichen Stadtbesichtigung, die wir nach guten 3 Stunden beendeten, machten wir uns auf den Weg, um zum Startpunkt des Rothaarsteigs und zum Briloner Kammweg zu gelangen. Über die Niedere Straße gelangten wir Richtung Briloner Stadtwald „Drübel“, der größte Kommunalwald der Bundesrepublik Deutschland. Im nordwestlichen Teil des Drübels wurden lange Zeit in den Gruben „Arnold“, „Seegen Gottes“ und „Karthaus“, Galmei, Bleierz, Marmor und Kalkspat (Calcit) abgebaut. Zunächst ging es noch gemächlich bergab aus der Altstadt heraus, dann hinter dem Briloner Krankenhaus Maria-Hilf und dem Kurpark steil bergauf in den Stadtwald Drübel. Immer wieder hatten wir eine fantastische Aussicht auf Brilon. Es ging durch dichte Tannenwälder, bis wir über einen Steig am Poppenberg die Möhne-Quelle in 556 m ü. NN erreicht hatten. Es war schon etwas anstrengend die Höhe zu erreichen, da kam uns das kalte tröpfelnde Wasser der Möhne-Quelle gerade recht.     

 

      

                      Rothaarsteig                                              Blick auf Brilon

 

Ein wenig verschnauften wir und genossen die Aussicht, dann ging es weiter und wir erreichten die Anhöhe des Poppenbergs (605m). Der Rothaarsteig führte uns kurz danach in ein kleines Tal hinab, Richtung Gudenhagen-Petersborn, hier verläuft die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Im Hintergrund die weiteren Ausläufer des Rothaargebirges. Am Ortseingang ging es kurz hinauf auf einen Hügel, dort befand sich einst ein dichter Wald mit mächtigen Tannen, der dem Orkan Kyrill zum Opfer fiel. An die verheerende Katastrophe, die im Januar 2007 stattfand, erinnern das Kyrill-Tor und andere Kunstobjekte, die nun im neuen aufgeforsteten Bürgerwald stehen.  

 

      

                      Möhne-Quelle                                             An der Quelle...

 

Nach der Besichtigung des Bürgerwaldes ging es nun weiter am Sportplatz vorbei Richtung Borberg (670,2 m), die höchste Erhebung der Briloner Höhen. Doch zunächst führte uns der Rothaarsteig wieder in ein grünes Tal, das Hilbringsetal, hier befindet sich die an einem Bach gelegene „Hiebammen-Hütte“(490m). Für uns Pilger eine besonders tolle Atmosphäre, hier konnten wir eine Weile ausruhen und bei einem Pilgerbierchen unseren müden Beinen etwas Entspannung gönnen. Nach der herrlichen Rast ging es weiter auf den Borberg, ein steiler Anstieg führte uns durch einen dichten Wald hinauf zu den Ruinen von Borbergs Kirchhof, hier stand früher eine frühmittelalterliche Wallburg (8.-9. Jh.). Ausgrabungsarbeiten legten die Mauerreste und Fundamente einer alten Kirche frei. Auf den Borbergterrassen befinden sich Wälle, Gräben, Hügel und alte Erdwälle aus der Zeit um Christi Geburt. Ganz in der Nähe, auf der Klippe, befindet sich die Friedens- bzw. Marienkapelle (1923), von hier oben hat man eine fantastische Aussicht auf das hochsauerländische Umland (Heidkopf, 715,3m) und auf die Ortschaft Olsberg.

 

      

     Kunstwerk Kyrill-Tor, Bürgerwald                            Hiebammen-Hütte

 

Bis nach Bruchhausen sind es von hier noch 9 km, das Wetter auf den Höhen ist nun unbeständiger geworden, dichte Nebelschwaden und Regen erschweren ein wenig das Wandern. Dennoch ist es fantastisch und mystisch, sich durch die Hochwälder zu bewegen. Immer wieder freie Aussichten auf die von Regenschwaden umhüllten Berge, geheimnisvoll tauchen auf der gegenüberliegenden Seite, auf dem Istenberg (728m), die Bruchhauser Steine auf.

 

Der Feldstein, der höchstgelegene unter den bizarren Felsformationen, tauchte hin und wieder aus dem Nebel hervor. Die anderen drei, Bornstein, Goldstein und Ravenstein blieben noch verborgen. Wir erreichten eine Schutzhütte, hier im Schutz des hölzernen Unterstandes, befand sich auch der hl. Antonius, ein Bildstock aus dem 18. Jahrhundert. Nach einer kurzen Rast ging es weiter über den Schusterknapp (608,1m) in Richtung Ginsterkopf (657,3m). Bevor wir den Ginsterkopf erklimmen, im wahrsten Sinne des Wortes, ging es über eine Klettervariante und über rutschige Felsen steil aufwärts. Ein wahres Vergnügen, die Waden freuten sich. Für Kinder und ungeübte Wanderer nicht geeignet. Auf den schmalen Pfaden ging es über den Bergkamm stets aufwärts, die Belohnung grandiose Aussichten auf die Bruchhauser Steine, die immer noch in der Ferne lagen.

 

      

        Ruinen von Borbergs Kirchhof                     Friedens- bzw. Marienkapelle

 

Nach knapp zwei Kilometern hatten wir die Höhe des Ginsterkopfs erreicht, eine umwerfende Aussicht, starr vor Freude blickten wir über eine bizarre offene Landschaft, die Weite und die Ferne ließen uns inne halten. So müssen sich Gipfelstürmer freuen, die einen gigantischen Berg erklommen haben. Ich kannte dieses Gefühl, als ich Ende August 2008 über einen Pyrenäen-Pass pilgerte waren die Emotionen so ähnlich. Es ist ein Gefühl der Freiheit und auch eins zu sein mit einer wunderbaren Natur, die uns der liebe Gott schenkte. Der Rothaarsteig wird hier auf dem Gipfel des Ginsterkopfs dem Slogan „Weg der Sinne“ gerecht. 

 

  

                                                   Gipfel des Ginsterkopfs 

     

Noch eine Weile genossen wir die einsame Atmosphäre auf der heidenreichen Hochfläche und den Blick auf die Bergwelt des Sauerlandes. In der Ferne sahen wir nicht nur die Bruchhauser Steine, auch Elleringhausen lag uns zu Füßen. Dann ging es wieder abwärts hinunter zur Feuereiche. Unterwegs trafen wir auf einige Wanderer, junge Männer, die in einer Schutzhütte übernachten wollten. Sie waren mit Schlafsäcken ausgestattet und hatten kein Zelt dabei. Ein paar Meter unterhalb der Hütte erreichten wir über einen Pfad die Feuereiche. Ein 10m hohes Kunstobjekt (2003), ein Eichenstamm, umschlungen mit einem Band aus Bronze und fein geschnitzten Reliefs, es verkörpert symbolisch das Leben und die Entwicklung des Feuers bis hin zur modernen Welt. Nachts beleuchten künstliche Flammen den Stamm. Mittlerweile ist der Abend angebrochen, jetzt Mitte September wird es früher dunkel, noch in der Dämmerung bauten wir unser Zelt auf. Den geeigneten Platz dafür, unterhalb der Feuereiche, hatten wir somit auch gefunden.   

 

      

                      Feuereiche                                  Zelten unterhalb der Feuereiche

 

Hier unterhalb der Eiche fühlten wir uns wohl und wir hoffen ein wenig von der Magie dieses geheimnisvollen Ortes abzubekommen. Mit einer Flasche „Rioja“, spanischen Rotwein, ließen wir den Abend ausklingen. Wir hatten eine angenehme Nacht, morgens um 7 Uhr waren wir fit und ausgeruht, weiter geht’s über den Rothaarsteig in Richtung Bruchhausen. Wir überquerten die Landstraße L 743 und wanderten gemächlich über einen Waldpfad, der uns immer näher an eine frühere keltische Stätte, die imposanten Bruchhauser Steine heranführt. Hier befinden sich die Überreste einer Wallburganlage, die älteste ihrer Art in Westfalen. Schon seit der frühen Eisenzeit besiedelten Menschen diese Gegend.  

 

Die vulkanischen Felsenriesen sind vor Millionen von Jahren entstanden. Die mächtigen Giganten des Sauerlandes strotzen über den bewaldeten Isenberg empor, wir wandern nun unterhalb der Steine am Hang entlang. Das Wetter schien mitzuspielen und machte die Sicht zu den Riesen frei. Der größte unter ihnen, der Bornstein, ist über 90m hoch, hier brüten Wanderfalken. Auf fast gleicher Höhe befindet sich der Ravenstein, er ist 72m hoch. Der Goldstein etwas oberhalb des Bornsteins misst eine Höhe von 60m und der Feldstein, der höchstgelegene Felsen, erreicht eine Höhe von 45m.

 

      

                 Bruchhauser Steine                                   Richtung Bruchhausen

 

Über einen Waldpfad geht es weiter am Hang und um den Isenberg herum, nach einigen Kilometern erreichten wir das beschauliche Bruchhausen (450m). Der schöne Ort mit vielen Fachwerkhäusern liegt im idyllischen Medebachtal und ist ein Stadtteil von Olsberg. Im Tal sahen wir schon die Pfarrkirche St. Cyriakus, über eine Weide ging es hinunter ins Dorf. Jetzt erst einmal frühstücken, gleich unterhalb der Kirche fanden wir das Richtige, die Cafe-Pension Steinrücken-Mertens, hier wurden zwei hungrige Pilger bestens versorgt.

 

Rothaarsteig – Von Bruchhausen bis nach Winterberg

 

Bruchhausen an den Steinen, wie es auch genannt wird, ist als „Europäisches Golddorf“ ausgezeichnet worden. Ein idyllisch gelegenes Dörfchen inmitten einer intakten Natur. Wir genossen bei Kaffee und Brötchen das dörfliche Leben, noch einen Kräuterlikör und weiter geht’s. Wir verlassen den schönen Ort, den man auch gut von Brilon aus in einer Tagesetappe erreichen kann. Jakobspilger, die nicht mit einem Zelt unterwegs sind, finden in Bruchhausen bestimmt auch eine gute Unterkunft.    

 

          

     Cafe-Pension Steinrücken-Mertens                    Pfarrkirche St. Cyriakus

 

An der Pfarrkirche St. Cyriakus vorbei führten uns Treppen wieder nach oben auf den Rothaarsteig. Von der kleinen Kapelle aus ging es wieder in die Höhe, noch einen letzten Blick auf das im Tal liegende Bruchhausen. Unsere zweite Tagesetappe führte uns nun auf den höchsten Gipfel des Sauerlandes, den Langenberg, er misst eine Höhe von 843 m, und ist somit 2m höher als der des Kahlen Asten (841m). Die waldreichen Höhenwege des Rothaarsteigs führen uns durch eine wunderbare Mittelgebirgslandschaft, immer näher an die hessisch/westfälische Grenze heran. Alte Grenzsteine bezeugen den historischen Verlauf des Fernwanderwegs.

 

      

               Richtung Langenberg                                  Blick auf Bruchhausen

 

Nach einer Weile bergauf kommen wir am historischen „Richtplatz am Hoppern“ vorbei, heute ein Rastplatz mit Bänken. Jedoch früher stand hier auf einer Höhe von 750m eine mittelalterliche Gerichtsstätte, hier an der Grenze zu Westfalen und Hessen wurde zwischen Leben und Tod entschieden. Nach der kurzen Rast mit Blick auf Willingen und das Waldecker Upland ging es weiter bergauf am alten Grenzverlauf entlang. Hier stehen noch am Wegesrand die alten Schnadesteine, Grenzsteine aus dem Jahr 1825, die früher das Grenzgebiet markierten. Der Rothaarsteig führt uns nun den Langenberg hinauf. Ein Schritt nach links und wir sind in Hessen, ein Schritt nach rechts und wir befinden uns in Westfalen. Grandios, mitten auf der Grenzlinie, der Wanderweg des Rothaarsteigs. Immer wieder hatten wir von hier oben tolle Aussichten auf die einzigartige Bergwelt des Hochsauerlandes. Auch Bruchhausen sahen wir noch einmal, weit, weit im Tal vor uns liegen.

 

      

             Gipfelkreuz Langenberg                                    Wanderfreunde

 

Dann war es so weit, wir erreichten den höchsten Punkt des Rothaarsteigs und den von Nordrhein-Westfalen, den Langenberg (843m). Auf einem Plateau, das mit jungen Fichten bestückt war, stand das Gipfelkreuz. Um das Kreuz herum kleine Steintürmchen, die mich an den Camino Francés, den spanischen Jakobsweg erinnerten. Auch hier legten Pilger- und Wanderer Steine ab, als „Symbol des Loslassens“ von den „Lasten des Lebens“.

 

Hier am Gipfelkreuz, trafen wir auch einige Wanderfreunde wieder, gemeinsam machten wir hier am Ort der Sinne Rast. Nach der ausgiebigen Pause ging es weiter über einen bewaldeten Kamm Richtung Hochheidelandschaft und Naturschutzgebiet Neuer Hagen. Nach einer guten Stunde, bergab und bergauf durch einige Wälder, erreichten wir die Hochheide Hütte Niedersfeld (805m), hier gibt es für hungrige und durstige Wanderer Leckeres zum Essen und zum Trinken. Wir bestellten uns eine kräftige und heiße Suppe, genau das Richtige für uns, denn die Temperaturen lagen gerade mal bei 12 Grad.

 

      

        Hochheide Hütte Niedersfeld                     Naturschutzgebiet Neuer Hagen

 

Nach der Stärkung ging es weiter durch eine wunderschöne Landschaft, hier auf dem „Neuen Hagen“, am Nordhang des Clemensbergs, befindet sich die größte Hoch- und Bergheide Deutschlands. So weit das Auge reicht Heidekraut, Rentierflechten, Islandmoos, Bärlapp und andere wildwachsende Pflanzen, eine einzigartige Flora und Fauna, ein Geschenk der Natur. Der Rothaarsteig führt mitten hindurch, leider sahen wir keine Heidschnucken, dennoch fasziniert uns die offene Weite dieser traumhaften Heidelandschaft. Wir erreichten nach einer Weile den Clemensberg (839,2m), hier am „Clemenskreuz“ am Südrand der Hochheide hatten wir wieder eine tolle Aussicht, wir blickten hinunter auf einen Diabassteinbruch (bei Hildfeld), ein vulkanisches Gestein der frühen Erdgeschichte (Mitteldevon-Zeit), das hier lange Zeit abgebaut wurde. Das harte Gestein des Diabas, auch Grünstein genannt, wird als Splitt und Schotter für den Straßenbau und auch für Grabsteine verwendet.

    

      

          Clemenskreuz, Clemensberg                     Diabassteinbruch, bei Hildfeld

 

Weiter geht es durch den Naturpark und ein Hochmoorgebiet bis zur Quelle der Hoppecke, diese fließt nach 35 km bei Marsberg in die Diemel. Der Hillekopf (805m) ist das nächste Ziel, danach steuerten wir auf die Ortschaft Küstelberg zu, die wir in der Ferne ausmachen konnten. Nach 2 Kilometern hatten wir die Ortschaft erreicht. In Küstelberg kreuzten wir wieder die Heidenstraße, die oft parallel mit dem Rothaarsteig nach Winterberg führt.

 

Im Mittelalter war Küstelberg noch ein Marienwallfahrtsort, denn bei der Bauerweiterung (1973) an der St. Laurentius-Kirche (1885) fand man Spuren einer Klosterkirche. Einige Funde sind in der Kirche ausgestellt, darunter eine Madonna (16. Jh.). Das Augustinerinnen Kloster der Chorfrauen aus Meschede verlegte 1299 wegen des schlechten Klimas das Kloster nach Glindfeld, heute ein Stadtteil von Medebach. Auch kreuzten sich hier früher wegen der strategisch günstigen Lage, ein Handel- und Heerweg sowie die erwähnte Heidenstraße, die von Leipzig kommend über Winterberg nach Köln führte. Auf dem Schlossberg (791m) stand früher zum Schutz der Händler und Kaufleute eine Wallburg, deren Wall man noch im Wald erkennen kann.

 

         

            Blick auf Küstelberg...                               Gasthof Lichte, Küstelberg

 

Es war schon spät geworden und wir beendeten unsere Tagesetappe hier. Gleich schräg gegenüber der St. Laurentius-Kirche legten wir noch im „Gasthof Lichte“, direkt an der alten Heidenstraße, einen Zwischenstopp ein, ein paar Bierchen haben wir uns verdient. Gleich neben dem heutigen Gasthof befindet sich ein altes Fachwerkgebäude. Das Haus Padberg/Ewers aus dem Jahre 1666, der ehemalige Hofinhaber Adam Padberg (1749-1826), betrieb dort lange Zeit einen Rast- und Gasthof mit eigener Bierbrauer- und Branntweinbrennerei. Seine bekannten Tagebuchaufzeichnungen vermitteln noch heute Einblicke in das Leben in Küstelberg, in der Zeit der Wende des 18./19 Jahrhunderts. Damals war Küstelberg ein wichtiger Handelsknotenpunkt und kurkölnisches Grenzdorf. Der Küstelberger Pferdemarkt und der Laurentius-Markt waren lange Zeit sehr beliebt und bekannt.  

 

      

      St. Laurentius-Kirche, Küstelberg                Fachwerkhaus Padberg/Ewers

 

Nach dem leckeren sauerländischen Biergebräu fanden wir am Sportplatz und hinter der Schützenhalle von Küstelberg einen geeigneten Platz zum Zelten. Der Wirt gab uns den Tipp und sagte: Jakobspilger sind uns in Küstelberg immer herzlich willkommen. – Danke Küstelberg. Die Nacht war kurz, gegen 7 Uhr machten wir uns wieder auf den Weg. Schnell noch einen Kaffee brauen und weiter geht’s. Gleich neben der Schützenhalle ging auch der Wanderweg des Rothaarsteigs weiter. Wir hatten wieder an Höhe gewonnen und eine Weile ging es durch einige Waldgebiete, bis wir an dem Steinbruch/Lagerplatz „Wagenschmier“ ankamen. Ein historischer Standort, genau hier wurden die Pferdegespanne, die durch den morastigen Boden und dem Lockergestein, das die Fuhrwerke und Karren im lehmigen Untergrund absinken ließ, wieder flott gemacht. Damals wie heute ein Kreuzpunkt alter Handelstraßen, der Heidenstraße (Jakobsweg) und des Hansewegs. Auch der Rothaarsteig führt heute an diesem historischen Standort vorbei.    

 

        

Steinbruch/Lagerplatz „Wagenschmier“                            Ruhrquelle

 

Von hier ging es nun wieder steil aufwärts durch einen Wald, bis wir die Höhe des „Hamm“ erreicht hatten. Nach dem alten Grenzstein Elkeringhausen/Grönebach mit dem Stadtwappen von Winterberg gelangten wir nach wenigen Kilometern zur Ruhrquelle. Diese befindet sich am Nordosthang des Ruhrkopfs (695,7m). Hier entspringt also die Ruhr, wir sind sichtlich überrascht, aber nicht enttäuscht, denn schließlich steht die Ruhr für eine ganze Region, die des Ruhrgebiets. Ein wenig schauen wir zu, wie Tröpfchen für Tröpfchen das Wasser aus dem Boden kommt. Bis zum Rhein bei Duisburg-Ruhrort legt der werdende Fluss 219 Kilometer zurück. Für uns Ruhrpottler eine wichtige Station auf den Weg nach Winterberg.

 

      

         Jakobusbildstock am Dumel                                 Blick auf Winterberg

 

Von hier führen uns die letzten Kilometer bis Winterberg wieder über die Höhen, dann durch ein Waldgebiet und etwas abwärts zum Jakobusbildstock am Dumel. Mehrmals kreuzten wir die Heidenstraße, hier am Bildstock mit schöner Jakobusfigur hatten wir eine tolle Aussicht auf Winterberg. Wir befinden uns noch auf der anderen Seite des Orketals, nach kurzer Zeit am Hang entlang und am Kurpark vorbei ging es nochmals bergab und wir erreichten Winterberg.

 

      

    Pfarrkirche St. Jakobus, Winterberg              Im Innern der Jakobuskirche

 

Der krönende Abschluss unserer 42 km langen Spurensuche auf dem Rothaarsteig war der Besuch der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus in Winterberg. Schon seit dem frühen 13. Jahrhundert existierte eine Kirche in Winterberg, dessen Patron der hl. Apostel Jakobus der Ältere ist. Im unteren Teil des Kirchturms fanden Pilger früher eine Unterkunft. Das heutige Aussehen der Kirche entstand nach dem letzten Brand 1791-96. Dieses Mal hatten wir Glück, sie war geöffnet. Im Inneren der Kirche fanden wir gleich zwei Jakobusfiguren, eine am Hochaltar (Jakobusaltar) und die andere neben weiteren Aposteln an der Seitenwand der Kirche. Auch ein schönes Kirchenfenster zeigt den hl. Jakobus als Apostel.

 

Fazit unserer Spurensuche: Der Rothaarsteig, von Brilon bis nach Winterberg, ist einer der schönsten Wander- und Pilgerwege in Nordrhein-Westfalen. Nicht nur die unbeschreiblich schöne Natur lässt das Pilgerherz höher schlagen, sondern auch die kleinen Ortschaften am Weg und die freundlichen Menschen, denen man dort begegnet.

 

 

Weitere Informationen:

 

Das Sauerland -

Städte und Orte am Jakobsweg

 

 

Herne, September 2012

 

Jakobswege Sauerland:

Heidenstraße - Rothaarsteig - Arnsberg - Breckerfeld - Brilon - Korbach - Marsberg -

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Video:

Über den Rothaarsteig

zur Heidenstraße

 

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Die Heidenstraße