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Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

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Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Via de la Plata (3)

Von Salamanca bis nach Granja de Moreruela

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Salamanca ist ein weiterer Meilenstein auf der Via de la Plata. Die „goldene Stadt“, wie die alte Universitätsstadt genannt wird, liegt auf einem Hügel oberhalb des Flusses Tormes. Mit seinen vielen kultur-historischen Baudenkmälern und seiner besonders lebhaften Altstadt, wurde Salamanca zur Kulturhauptstadt Europas 2002 bekannt.

 

Wir hatten die Provinzhauptstadt Salamanca (802m) erreicht und oberhalb des Rio Tormes sahen wir schon von Weitem die Türme der imposanten alten und neuen Kathedrale. Über die Römerbrücke (Puente Romano) überquerten wir den Fluss.

 

           

 

Auf der anderen Uferseite, die erste Pilgerstation, hier befindet sich eine Jakobuskirche aus dem 12. Jahrhundert, die im romanischen Mudéjar-Stil erbaut ist. Ganz in der Nähe steht eine Bronzeskulptur, ein Denkmal zu Ehren Lazarillo de Tormes, ein interessanter Sohn der Stadt Salamanca. Er wurde hier in einer Wassermühle im Fluss geboren. Bekannt wurde er als Pionier der spanischen Literatur; 1552 erschien sein Schelmenroman „Das Leben des kleinen Lazarus vom Tormes“.

 

              

 

Die Bronzemosaiken im Straßenbelag zeigen ab hier den Verlauf der Silberroute an, denn die alte Römerstraße führt mitten durch Salamancas historische Altstadt. Nach wenigen Metern standen wir vor der imposanten Kathedrale von Salamanca. Eigentlich sind es ja zwei Kathedralen, die romanische Alte Kathedrale („Vieja“) aus dem 12. Jahrhundert, die mit dem im byzantinischen Stil gebauten Turm „Torre del Gallo“ (Hahnenturm) ein Wahrzeichen der Stadt ist. Und die gotische Neue Kathedrale („Nueva“) aus dem 16. Jahrhundert. Außer den reichen dekorativen Verzierungen im plateresken Stil wurden auch im Laufe der langen Bauphasen Elemente der Renaissance und des Barocks hinzugefügt. Durch das Seitenschiff der neuen Kathedrale gelangt man auch ins Innere der alten.

 

         

 

Das mächtige Mauerwerk der Kathedrale glänzt je nach  Licht- und Schatteneffekte in goldfarbenen Tönen. Wie viele historischen Gebäuden der Stadt ist es aus dem farblichen Felsgestein (Sandstein) der Steinbrüche von Villamayor de Calatrava, 5 km nördlich von Salamanca, hergestellt worden.

 

         

 

Die besondere Atmosphäre der Altstadt ist geprägt durch die altehrwürdige Universität, die sich in der Nähe der Kathedralen befindet. Sie ist die älteste Universität Spaniens (gegründet 1218) und eine der ältesten in Europa.

 

Einer der bekanntesten Studenten und Lehrer an der Universität von Salamanca war der Theologe, Mystiker und Dichter Fray Luis de León (1527-91). Auf dem Universitätsplatz erinnert eine Statue an die Persönlichkeit. 1544 trat er in den Augustinerorden ein, nach seiner Bibelübersetzung des „Hohen Liedes“ und dessen Verbreitung wurde er der Inquisition angezeigt und musste für 4 Jahre in den Kerker. Nach seiner Entlassung entstand dieses Gedicht:

 

 

 

 

Lügen und Neid schlugen mich hier in Bande.

Glücklich der Weise, der sich bescheidet,

der diese boshafte Welt klug meidet

und bei karger Kost auf dem lieblichen Lande

einzig alleine Gott sich begnüget:

neidisch nicht und auch nicht beneidet!

 

Beliebt ist die Stadt durch ihre vielen Straßencafés, Jung und Alt sitzen hier gemütlich zusammen und genießen die lebhafte Atmosphäre. Der zentrale Treffpunkt der Stadt ist die Plaza Mayor mit dem barocken Rathaus aus dem 18. Jahrhundert.  

 

Salamanca ist reich an Geschichte, Kultur und Traditionen. Die Stadt ist im Laufe der Zeit, mehrmals wegen ihrer strategischen Lage an der Via de la Plata und wegen ihrer wichtigen Bedeutung von verschiedenen Herrscherhäusern angegriffen, belagert und erobert worden. Römer, Vandalen, Westgoten, Mauren und Christen wechselten sich ab, bis Raimund von Burgund die Stadt vor den Verfall rettete und sie Ende des 11. Jahrhunderts neu besiedelte.

 

Seit dieser Zeit entwickelte sich der Wiederaufbau und Salamanca wuchs zu einer der schönsten Kulturmetropolen Europas heran. Mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten, unter anderem das Universitätsgebäude, die Römerbrücke, die Kathedrale und die Casa de las Conchas (Haus der Muscheln) sowie den vielen Plätzen und kulturhistorischen Kirchen, Klöstern und Gebäuden, wurde Salamanca 2002 mit Brügge (Belgien) zur Kulturhauptstadt Europas ernannt.    

 

           

 

Nach der umfangreichen Besichtigung der Altstadt suchten wir einen geeigneten Platz zum Übernachten. Es war spät geworden, im Licht der abendlichen Dämmerung und im Schein der Straßenbeleuchtung strahlte Salamanca jetzt in goldenen Farben. Noch einmal ging es über die Römerbrücke über den Fluss Tormes, hier in den Uferauen fanden wir ein stilles Plätzchen. Das Zelt war schnell aufgebaut und mit dem schönen Panoramablick auf die Kathedrale und der Römerbrücke fanden wir auch eine angemessene Nachtruhe. Noch ein Gläschen Rotwein um die vielen Eindrücke zu verarbeiten, die uns die schöne Stadt beschert hatte.       

 

Früh am Morgen brachen wir wieder auf, die Altstadt  war schnell erreicht und die Gassen füllten sich langsam mit Menschen. Am Hauptplatz, der Plaza de Mayor, tranken wir noch genüsslich einen Kaffee. Die malerische Plaza mit ihrer schönen barocken Architektur aus dem 18. Jahrhundert zählt zu einem der schönsten Plätze Spaniens. Danach verließen wir durch den schönen Torbogen („Arco de Toro“), der sich unterhalb des Rathauses befindet, den Altstadtbereich.

 

Die Via de la Plata führt uns weiter über die Cale de Zamora in Richtung Zamora. Nach einer Weile erreichten wir die Stadtgrenze von Salamanca. Weniger schön ging es nun neben der Nationalstraße N-630 weiter Richtung Aldeaseca de Armuña. Ab hier führt uns der Jakobsweg von der stark befahrenen Nationalstraße weg. Gott sei Dank. Breite Feldwege sind uns doch lieber, leicht hügelig ging es nun durch die weiten Getreidefelder der Meseta.

 

         

 

Nördlich von Salamanca finden wir meistens riesige Getreidefelder vor, die die karge Landschaft der Meseta prägen. Die nördliche zentralspanische Hochebene in Kastilien befindet sich auf einer Höhe um 800m. Für Pilger geht es jetzt über Feldwege, die sich kilometerweit geradeaus, von einer Ortschaft bis zur nächsten erstrecken. In dieser eintönigen Natur ist man den Elementen, Sonne und Regen ausgesetzt.   

 

Beschauliche ländliche Dörfer wie Castelanos de Villiquera und Calzada de Valdunciel lagen auf unserer Route, diese kleinen Gemeinden leben überwiegend von der Landwirtschaft. Es geht weiter in nördlicher Richtung, dann rückt die ungeliebte Nationalstraße wieder näher, frustriert und die Hand über die Leitplanke, um im Notfall über sie hinweg zu springen, geht es auf den Seitenstreifen weiter. Auch muss sie ein paar Mal überquert werden. Der Jakobsweg verläuft hier etwas kompliziert zwischen der N-630 und den Bahngleisen entlang.

 

Es ist schon traurig, dass man die Jakobspilger auf die stark befahrene Nationalstraße führt. Das kommt auf der Via de la Plata schon ziemlich häufig vor. Schutzlos, die Leitplanke als Barriere, ist man auf die Rücksicht der Auto- und LKW-Fahrer angewiesen. Mit hohem Tempo rasen sie manchmal mit Abstand, da sie uns ausweichen müssen, an uns vorbei. Einige hupen grüßend, wünschen uns einen guten Weg. Zum Glück haben wir den konzentrierten Marsch heil überstanden. Mit Pilgern hat das nichts mehr zu tun, doch eher mit einer Hetzjagd, um aus der Gefahrenzone zu kommen. Wenn ich mir vorstelle, dass es hundert Pilger wären, die täglich die Seitenstreifen nutzen müssten, kann ich nur appellieren, schnell für Abhilfe zu sorgen. 

 

         

 

Wir erreichen die Provinz Zamora und kurze Zeit später El Cubo de la Tierra del Vino (846m). Auch hier lebt man vorwiegend von der Landwirtschaft, obwohl der Name ein Weinanbauland vermuten lässt. Dies war lange Zeit der Fall, doch die Reblaus vernichtete im 19. Jahrhundert die Weinstöcke. Hin und wieder sieht man aber dennoch Weinfelder, man ist bemüht diese wieder zu kultivieren.

 

Der nächste Tag verlief besser, wir entfernen uns von der Nationalstraße. Einige römische Meilensteine standen am Weg und mit der schönen Ortschaft Villanueva de Campeán (764m) und der Ruine eines Franziskanerklosters (Monasterio del Soto) eine tolle Etappe.

 

Nach wenigen Kilometern erreichten wir schließlich die mittelalterliche Stadt Zamora (658m). Die Römer gründeten hier ihr Ocellum Duri, die Goten nannten sie Semur und die Mauren Azemur (Wild Olive) oder Samurah (Stadt der Türkinnen). Nach der Rückeroberung im 11. Jahrhundert, durch Ferdinand I., König von Kastilien und Leon, siedelten sich Christen an und sie nannten die Stadt Zamora.  

 

         

 

Genau wie in Salamanca betraten wir den historischen Stadtkern über eine Römerbrücke. Die 16-bögige römische Spitzbogenbrücke „Puente de Piedra“ führt über den Rio Douro und wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Die Stadt liegt auf einem Hügel oberhalb des Flusses und ist umgeben von einer Festungsmauer (9.-13. Jh.), die noch aus der Zeit der Mauren stammt. Mit der romanischen Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert und den vielen anderen romanischen Kirchen, wie z. B. die Kirche San Ildefonso aus dem 13. Jahrhundert, wird die Stadt auch als lebendes Museum der Romanik bezeichnet.

 

         

 

Durch die engen Gassen geht es hinauf in die Altstadt, schnell erreicht man von hier die historischen Sehenswürdigkeiten. Wir besuchten als erstes die Plaza Mayor und gönnten uns in einem der vielen Cafés ein kühles Getränk. Mit dem Rathaus aus dem 17. Jahrhundert und der schönen Kirche San Juan de Puerta Nueva (12./13. Jh.) eine angenehme Kulisse. Ein Denkmal der Bruderschaft der Nazarener steht vor der Kirche und erinnert an die jährlich in der Karwoche stattfindende Semana Santa de Zamora.

 

                    

 

Die schönsten Monumente und Sehenswürdigkeiten liegen auf dem Weg Richtung romanischer Kathedrale; sie liegt am äußersten Ende der Stadt, hoch über dem Fluss Duero. Die Cale Ramón Carrión führte uns durch das historische Zentrum von Zamora. Vorbei am Palacio de los Condes de Alba y Aliste und den zwei romanischen Kirchen, der Iglesia de la Magdalena und der Iglesia de San Pedro y San Ildefonso. Dann sehen wir das dominante Bauwerk der Kathedrale (12. Jh.), die mit ihrer Vierungskuppel im byzantinischen Stil eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke in Spanien ist.

 

         

 

Durch die kleine Parkanlage erreicht man die Festung (Castillo) von Zamora, von hier hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt und den Rio Duero. Von Gräben und dicken Mauern geschützt wurde die Festungsanlage vermutlich Mitte des 11. Jahrhundert erbaut. Damals lag die Stadt am Rio Duero, genau an der Grenze der Christen und Mauren. Auch vom Fluss aus, mit seiner römischen Brücke „Puente Viejo“, hat man eine grandiose Aussicht auf die Wehrhaftigkeit dieser einzigartigen Stadt. Wegen ihrer alten Stadtmauern, dem dreifachen Befestigungsring, war sie gut geschützt.

 

         

 

Am nächsten Tag führt uns der Jakobsweg weiter in nördlicher Richtung nach Roales und Montamarta. Der Weg nach Montamarta war regnerisch und diesig, als wir das kleine Dörfchen erreicht hatten, waren wir klatschnass. Wir standen nun vor dem zum Teil ausgetrockneten Ufern des Ricobayo-Stausees. Ein riesiger Stausee, der vom Rio Esla gespeist wird und dessen Ausläufer sich durch die Tierra del Pan Region zieht. Auf der gegenüberliegende Seite ging es weiter, der Boden war butterweich, aber wir schafften es und erreichten die andere Seite. Auf einem kleinen Hügel sehen wir die Ermita de la Virgen del Castillo. Leider besuchen wir sie nicht, es regnet zu stark, wir ziehen weiter. Bergauf führen uns die gelben Pfeile an ihr vorbei. Über glitschige Feldwege geht es immer gerade aus, bis wir ein Waldgebiet erreichen. Hier bauen wir unter einer kleinen Steineiche unser Zelt auf und übernachten dort. Die Nacht bricht herein und es hörte auf zu regnen, in der Ferne konnte ich die Lichter der Kraftfahrzeuge sehen, die über die nahe N-630 pirschten.      

 

            

 

Auch der nächste Tag war verregnet und wir pilgerten weiter Richtung Fontanillas de Castro. Ein paar Kilometer vor der Ortschaft hatten wir uns verzettelt, es ging wieder an den Ufern des Stausees entlang, Wegweiser waren nur schwer auszumachen und der Pilgerführer war auch keine große Hilfe mehr. Also ging es wieder einmal über die Nationalstraße weiter. Die Ruinen von Castrotorafe mit der Ermita de Carmen blieben links liegen. Über eine Brücke ging es auf den Seitenstreifen der N-630, unversehrt erreichten wir schließlich die kleine Ortschaft. An einer Raststätte legten wir eine ausgiebige Rast ein, trockneten unsere durchnässte Kleidung, und nahmen ein paar erfrischende Getränke zu uns, die uns wieder wohl stimmten.

 

Am Abend erreichten wir noch die Ortschaft Riego de Camino. Am Ortseingang fanden wir unter einem kleinen Pappelwald unser nächtliches Lager. Am nächsten Morgen suchten wir die Pilgerherberge auf und tranken in der hauseigenen Bar einen kräftigen Kaffee mit Schuss.    

 

Der heutige Tag führt uns nach Granja de Moreruela, hier kreuzen sich zwei historische Pilgerwege. Die Via de la Plata führt weiter nach Astorga, wo sie auf den Camino Francés trifft. Der andere Pilgerweg ist der nicht weniger interessante Camino Sanabrés, dieser führt als mozarabischer Pilgerweg die Jakobspilger über Ourense nach Santiago de Compostela.

 

Die abenteuerliche Pilgerreise geht weiter, über 300 Kilometer Richtung Nordwesten.

 

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Fortsetzung: Von Granja de Moreruela bis nach Puebla de Sanabria

 

Herne, 11. August 2010

 

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