www.via-jakobsweg.de © 2010 • Bernd Koldewey • 44629 Herne (D)  
  

Mein Jakobsweg

Von Herne bis nach

Santiago de Compostela

 

Deutschland »

Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

Frankreich »

Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

Spanien »

Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Via de la Plata (1)

Von Sevilla bis nach Mérida

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Die Via de la Plata oder auch Silberweg wie die uralte Römerstraße auch genannt wird, ist für Jakobspilger eine besondere Herausforderung. Sie beginnt in Sevilla in der Region Andalusien und verläuft in nördlicher Richtung durch drei weitere autonome Regionen Spaniens, die Extremadura, Kastilien-León und durch die nordwestliche Region Galiciens.

 

Für uns begann in Sevilla eine lange Pilgerreise, 1000 km führte uns einer der ältesten Pilgerwege durch Spanien. Faszinierende Landschaften öffneten sich uns und beeindruckten uns mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna. Jetzt in der Jahreszeit Mai und Juni, waren die Flüsse und Seen voll mit kristallklarem Wasser. Alles war im Überfluss vorhanden, auch die Natur war gesegnet, überall blühte es, die Wiesen und Weiden waren gefüllt mit bunten Blumen. Rinder und Scharfe fanden jetzt reichlich Nahrung, auch für uns schien die Landschaft paradiesisch.

 

           

                 Kathedrale von Sevilla                                    Altstadt von Sevilla

 

Sevilla die Hauptstadt Andalusiens, dem ehemaligen Hispalis, liegt im fruchtbaren Tal des Guadalquivir, hier entstand die traditionelle Musik des Flamencos. Musik, Gesang und Tanz, begleitet von Gitarren und Kastagnetten. Die mediterrane Stadt bietet eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, Pilgern empfehle ich ein paar Tage zu bleiben. Besondere Höhepunkte bietet die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und malerischen Plätzen, die mit unzähligen Cafés bestückt sind. Einer der schönsten Plätze von Sevilla ist die Plaza de España. In Form eines Halbkreises stehen die roten Backsteinbauten, verziert mit Marmor und Keramik. Diese schöne Architektur vermittelt auf eindrucksvolle Weise den Stil der Renaissance und des Barocks. Umgeben vom Maria Luisa Park wurde die Plaza 1929 für die Iberoamerikanische Ausstellung angelegt.

 

         

          Die Giralda (Turm der Kathedrale)               Jakobusskulptur an der Kathedrale

 

Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt ist die Kathedrale von Sevilla (Santa María de la Sede), sie ist die drittgrößte Kathedrale der Welt und steht mit der Giralda, einst ein Minarett der Großen Moschee von Sevilla, unter Denkmalschutz und zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Den römischen und maurischen Einflüssen der Stadt kann sich keiner entziehen, die beiden römischen Kaiser, Trajan und Hadrian wurden ganz in der Nähe in Santiponce/ Itálica geboren. Santiponce ist nur 8 km von der Hauptstadt Sevilla entfernt, hier liegen die römischen Ruinen von Itálica.

 

         

                    Plaza de España                           Torre del Oro am Ufer des Guadalquivirs

 

Wir hatten nun den Großraum Sevilla verlassen und begaben uns auf einsame Wege. Pilger hatten wir bisher noch keine getroffen, aber das kann ja noch kommen, dachten wir uns. So ein Pilgerboom wie auf den Camino Francés war wohl nicht zu erwarten. Die Via de la Plata zählt noch zu den abenteuerlichsten Routen auf dem Jakobsweg. Zwar gibt es überall Herbergen und kleine Hostals (Pensionen), dennoch sollte man seine Etappen genau planen. Oft sind die einzelnen Etappen und Orte soweit auseinander, dass sie die 30 km Marke überschreiten. Auch die Hitze kann einem böse mitspielen, ausreichender Wasservorrat ist sehr wichtig. Die Sonne steht den ganzen Tag senkrecht über dem Kopf, und Temperaturen über 30 Grad ist keine Seltenheit.

 

         

                    Ruinen von Itálica                                          Via de la Plata

 

Wir, mein Freund Rüdiger und ich, hatten wie immer unser Zelt dabei, damit konnten wir unsere Übernachtungsorte frei auswählen und waren somit völlig unabhängig. Für uns war es ganz wichtig das Pilgern zu genießen und keine Wettrennen auf Pilgerherbergen zu machen. Dafür nahmen wir uns den ganzen Tag Zeit, auch mussten es keine 30 km Etappen sein. Der einzige kleine Nachteil war das Gewicht des Rucksacks. Mit Zelt und Schlafsack hatten wir ein paar Kilogramm mehr auf den Rücken, doch wurden wir dafür jeden Abend entschädigt. Wir fanden stets wunderbare Plätze zum Übernachten und mit den Sonnenauf- und -untergängen, sowie dem freien Blick auf den Sternenhimmel, vergaßen wir die Strapazen, die wir am Tage hatten. Abenteuerlich ging es weiter, einige Flussfurten mussten überwunden werden, sie stammten noch vom letzten Regen. Gut, dass ich meine Gummisandalen dabei hatte, so war das kein Problem für uns.

 

         

         Die Via de la Plata führt durch die beweideten Steineichen- und Korkeichenwälder.

 

In Andalusien und der Extremadura führten uns die Pilgerwege durch viele Steineichen- und Korkeichenwälder (Dehesas), in denen die iberischen Schweine gezüchtet werden. Eine halbwilde, schwarzfüßige Schweinerasse, aus der der bekannte Schinken (Jamón Ibérico),  Pata Negra, hergestellt wird. Erwähnenswert die alten Ortschaften Guillena, Castilblanco de los Arroyos, Almadén de la Plata und El Real de la Jara. Sie liegen auf der Via de la Plata, an der Grenze zur Extremadura.

 

         

                  Freilebende iberische Schweine (Cerdo Ibérico) in der Extremadura

 

Wir haben in den vergangen Tagen an Höhe gewonnen und befinden uns auf knapp 500 m. Majestätisch zeigen sich die Bergketten der Cordillera Central, der Montes de Toledo und der Sierra Morena. Meistens geht es durch die hügelige Landschaft der Sierra Norte mit ihrem gleichnamigen Naturpark.

 

Dann verlassen wir die Region Andalusien und erreichen die unendlichen Weiten der Extremadura, eine der schönsten Regionen Spaniens. Jakobspilger, die hier unterwegs sind erleben eine Landschaft wie vor 1000 Jahren, alles ist ursprünglich, als wenn sich nichts geändert hätte. Auf den Hochebenen der „Meseta“ grasen ungestört Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen.

 

              

                       El Real de la Jara                                     Castillo de las Torres

 

Wunderschöne Bergdörfer und malerische Burgruinen liegen am Weg, wie das Dorf El Real de la Jara und die Reste der mittelalterlichen Burg Castillo de las Torres, die von Rittern des Santiago Ordens gegründet wurde. Hier an einer kleinen Furt fanden wir einen geeigneten Platz zum Übernachten. Traumhaft, am Abend und in der Nacht erhielten wir ein Gratiskonzert. Hunderte von Fröschen und Kröten quakten sich durch die Nacht. Auch Störche, die in der Extremadura weit verbreitet sind, klapperten vor sich hin und freuten sich auf fette Beute.

 

         

                Durchquerung einer Furt                           Hochebene in der Extremadura

 

Die Gegend ist dünn besiedelt, auch hier führt uns der Jakobsweg durch Kork- und Steineichenwälder und an blühenden Wiesen vorbei. Es geht weiter berauf und wir erreichen Monesterio (756 m), früher gab es hier ein Kloster des Templerordens.

 

           

                  Traumhafte Landschaft                                     Campen am Fluss

 

Der Pilgerweg der Via de la Plata ist ein historischer Pfad, der einen an beeindruckenden Landschaften und Orten vorbei führt. Städte wie Zafra oder Villafranca de los Barros beeindrucken uns sehr. Den Jakobspilgern bieten sich hier, insbesondere in der Extremadura, viele Möglichkeiten, Kirchenbauwerke in Mudéjar-Stil, maurische Baukunst, vorzufinden. Viele Jahrhunderte lebten Mauren, Juden und Christen im harmonischen Einklang miteinander und tolerierten ihre Religionen.

 

         

                   Römerbrücke, Mérida                         Aquädukt von Los Milagros, Mérida

  

Auch aus der Römerzeit findet man viele Spuren einer längst vergangenen Epoche. Wie z.B. in Mérida, die Hauptstadt der Extremadura. Als Emirate Augusta von den Römern gegründet, sind einige imposante Bauwerke römischer Vergangenheit erhalten geblieben. Wie das kolossale Theater (Teatro Romano de Mérida), das Amphitheater, das Aquädukt von Los Milagros, der Tempel der Diana und eine römische Brücke (Puente romano) über den Fluss Guadiana. Außerdem am Fluss die arabische Alcazaba von Mérida, eine mittelalterliche Festungsanlage, sie liegt am Brückenkopf einer Römerbrücke. Erbaut wurde sie um 835 von Abd ar-Rahman II. Ihre Mauern sind aus Granitgestein römischer und westgotischer Ruinen. Sie wurde in der Zeit der Rückeroberung (Reconquista) durch die Christen dem Jakobsorden übergeben. Die mediterrane Stadt Mérida bezeichnet man auch durch ihre römischen Hinterlassenschaften als „Spanisches Rom“. Die Via de la Plata führte uns weiter Richtung Norden nach Cáceres.

 

Bücher zum Thema Jakobsweg »»»

 

Fortsetzung: Von Mérida bis nach Salamanca

 

 

Herne, 22. Juli 2010

 

Via de la Plata

1 - 2 - 3 - 4 - 5  Vorwärts

 

Aktuelle Beiträge  Deutschland  Frankreich  Spanien  Spurensuche
Videos Bücher  Kontakt  Datenschutz  Impressum Home

 

© via-jakobsweg.de 

 

    

 

Bücher zum Jakobsweg

Unter dieser Rubrik finden Sie einige meiner Bücher... »»»

 

Buchvorstellung

Bernd Koldewey:

"Via de la Plata - Impressionen eines Pilgers" »»»

 

Diashow

Impressionen von

der Via de la Plata (1)

Von Sevilla bis nach

Mérida »»»

 

Diashow

Impressionen von

der Via de la Plata (2)

Von Mérida bis nach Salamanca »»»

 

Diashow

Impressionen von

der Via de la Plata (3)

Von Salamanca bis nach Santiago de Compostela

»»»

 

Video

Los Vagabundos

Hola, Buen Camino

Pilgerlied von Rüdiger Schneider und Bernd

Koldewey »»»