Sehnsucht der Gefühle

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Faszination Jakobsweg - Sieben Gründe um sich auf den Jakobsweg zu begeben...

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Auszug aus dem Buch

Faszination Jakobsweg

Sieben Gründe um sich auf den Jakobsweg zu begeben...

 

"Sehnsucht der Gefühle "

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Wie soll man die Faszination eines des bekanntesten Pilgerwegs in Europa, des Jakobswegs beschreiben? – Es ist sicherlich nicht mit ein paar Worten getan, selbst als erfahrener Pilger, der schon einige tausend Kilometer zu Fuß gepilgert ist. Warum, ganz einfach, man muss erst Abstand gewinnen, denn erst in der Nachbetrachtung empfindet man ein angenehmes Gefühl der Aufgeklärtheit und das Verstehen, was dieser doch einzigartige Weg mit einem machen kann.

 

Die Sehnsucht, bezogen auf den Jakobsweg, könnte ein innerlicher Wunsch nach einer Veränderung sein. Ein Wunsch nach anderen Werten und eine Suche nach dem Sinn des Lebens. Vielleicht ist es auch, einen Ausgleich zu finden, der dem Druck der schnelllebigen Gesellschaft standhält. Denn der ständige Wandel ist eine Autobahn ohne Gefühle. Wir leben in einer Gesellschaft der Superstars und Supertalente, heute bist du ganz oben und morgen ganz unten. Dazwischen eine gähnende Leere, denn die Menschen lieben die Extreme, Mobbing und Zickenkrieg ist in. Täglich wird uns gezeigt, wie das funktioniert, das nennt sich dann „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

 

Tempo zwischen den Gefühlen, kann es da noch ein Miteinander geben? Das Berufliche und die eigene Karriere stehen heute im Vordergrund, Fleiß und das Streben nach mehr, es bringt Geld, Macht und Anerkennung. In dieser Leistungsgesellschaft haben manche Familien und Freundschaften das Nachsehen. So gibt es immer mehr Menschen, die völlig vereinsamen und alleine leben, die Zahl derer nimmt außergewöhnlich zu. Wir wissen alle davon und dennoch gibt es hier zu Lande ein soziales Abstellgleis. Eine traurige Entwicklung, ist sie noch aufzuhalten? Dafür muss es doch Gründe und Ursachen geben? Ist es der Kommerz und die täglichen Werbeüberflutungen, die uns nach immer mehr streben lässt. Ich glaube schon, und wohin führt uns diese radikalen Veränderungen und Lenkungen?

 

Gibt es Hilfe um das Unverständliche verstehen zu lernen?

 

Ich habe meine Antworten gefunden. Der Jakobsweg hatte mir auf besondere Weise die Augen geöffnet. Es ist ein faszinierender Pilgerweg, der durch halb Europa führt. Er verläuft parallel zu der nach Kommerz strebenden Gesellschaft. Aber auch hier lässt sich der Kommerz nicht mehr aufhalten. In den Touristenstätten lassen sich mit dem hl. Jakobus und den tausenden Pilgern, die Deutschland, Frankreich und Spanien bereisen, viel Geld verdienen.

 

Noch ist es möglich auf dem Jakobsweg abzutauchen, um die einzigartige Naturlandschaft und die unterschiedlichen Kulturen kennen zu lernen. Man lernt, sich selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen. Zu Fuß und mit Rucksack ist man den Elementen ausgesetzt, meistens geht es auf einsame Pfade, durch eine unberührte Natur. Es ist schon bewegend, wenn sie Autolärm und Abgasen oder dem Lärm der Großstädte entfliehen und stattdessen dem Klang der Natur folgen.

 

Es begeben sich immer mehr Menschen auf dem Jakobsweg. Es sind Männer, Frauen, Familien, Berufstätige, Studenten, Rentner und Arbeitslose, sie kommen aus allen Schichten der Gesellschaft. Sie kommen aus ganz Europa und anderen Kontinenten. Die meisten, die auf dem Jakobsweg unterwegs waren, kommen völlig gewandelt nach Hause zurück. Sie haben etwas gewonnen und erfahren, ihr Selbstwertgefühl ist gestiegen und sie haben die Faszination des Weges für sich entdecken können.

 

Um für einige Zeit dem Kommerz zu entkommen, werden meistens religiöse, spirituelle und sportliche Gründe genannt. Was ist der Auslöser und die Ursache? Warum nehmen all die vielen Menschen solche Strapazen auf sich? Zu Fuß und mit einem Rucksack bekleidet, geht es hunderte oder tausende Kilometer über Berge und durch Täler. Kein einfacher Weg, fast täglich kommt man an seine Grenzen, die Füße schmerzen und bei 30 Grad sind Schweiß und Durst die Begleiter. Dennoch wird einen der Jakobsweg belohnen. Die positiven Eindrücke und Erfahrungen machen alle Strapazen zunichte und man ist froh und stolz, diesen Schritt gemacht zu haben. Ich möchte ihnen einige meiner Gründe nennen, die es wert sind, sich auf den Jakobsweg zu begeben.

 

Die Sehnsucht die ich hier versuchen möchte zu beschreiben, ist etwas, was man vermisst, ein Gefühl des Verlustes, ein innerliches Verlangen. Eine Liebe zu etwas, was man im Leben nur schwer bekommen kann. Es sind Gedanken und Ideale, die tief im Unterbewusstsein sitzen und leider auch Schmerzen bereiten können. Eine innerliche Kraft, die zum Nachdenken anregen will. Es ist der innerliche Mut, der abhanden gekommen ist, Dinge zu tun, die nicht ins Raster passen und nicht ganz der Norm entsprechen. Ein Aufschrei der Befreiung nach etwas anderem. Es ist ein schwieriges Unterfangen auszubrechen aus einer Gesellschaft, die nur nach Macht und Gier handelt. Das Streben nach immer mehr, immer größer und immer besser zu sein als andere, ist eine Volkskrankheit geworden. Wo ist das Maß der Dinge und wo liegen die Grenzen?

 

Warum nicht mal sich selbst finden und auf sein Bauchgefühl hören, Sinnesempfindungen, die einen nicht täuschen können. Den Mut zu haben und die Bremse zu ziehen, bis hierhin und nicht weiter. Natürlich muss das jeder für sich herausfinden und auch dazu stehen.

 

Schon in der griechischen Mythologie befassten sich die großen Denker der Antike mit dem Thema Sehnsucht. In der antiken Zeit gab es reichliche Geschichten der Götter- und Sagengestalten, Helden und Halbgötter, die zum Thema beitrugen. Die Liebe (Eros) und die Sehnsucht (Himeros) sind vereint und spiegeln das Verlangen nach dem Göttlichen, nach dem Seienden und nach dem Abwesenden. Es ist die Unvollkommenheit, die uns suchen lässt und eine neue Sicht des Wandels eröffnen kann.

 

Auch Goethe fand in seinem Gedicht „Nur wer die Sehnsucht kennt, Weiß was ich leide“, die passenden Worte. Doch was hat das alles mit dem Jakobsweg zu tun?

 

 

Als ich vor sieben Jahren das erste Mal meinen Fuß auf den Jakobsweg setzte um mich nach Santiago aufzumachen, fand genau dieser Prozess statt. Ich war auf der Suche nach den innerlichen Sehnsüchten, ich wollte Veränderungen und ließ mich darauf ein. Ich hatte keine Ahnung, was genau passieren wird, wird überhaupt etwas passieren? Ich hatte viele Fragen, keine Antworten und war gespannt auf dieses Vorhaben. Mit meinem Mut, Entschlossenheit und einer gewissen Neugier machte ich die ersten Schritte. Mit dem Segen des örtlichen Pfarrers war alles besiegelt und ich konnte mit gutem Gewissen meine Reise antreten. Familie und Freunde standen hinter mir, sie staunten zwar und ließen den Vogel fliegen.

 

Und so war es auch, ich kam mir vor wie ein Vogel, der sein Nest verlässt. Alles war plötzlich anders und neu, als wenn ich eine Brille trage, durch der ich mein Umfeld klarer und kontrastreicher betrachten konnte. In den ersten Tagen der Pilgerung gingen mir viele Gedanken durch den Kopf, was machst du da überhaupt? – Musste ich mich beweisen? – Nein das war es nicht.

 

Für mich standen am Anfang der Reiz und die Sehnsucht des Abenteuers und des neuen Entdeckens im Vordergrund. Im Laufe meiner Pilgerung durch Europa, fand ich dann weitere Gründe, die die Faszination „Jakobsweg“ für mich ausgemacht hatten.

 

Buen Camino!

 

Faszination Jakobsweg: Sieben Gründe um sich auf den Jakobsweg zu begeben...

 

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