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Soest: Jakobus-Spuren

Jakobus als Kind

 

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Im Mittelalter war Soest eine der bedeutendsten Hansestädte und damit auch Anlaufpunkt der Jakobspilger, die mit den Kaufmannskarawanen zogen. Was die Spuren der Jakobusverehrung betrifft, interessierten uns besonders der Jacobus-Altar und der St.-Annen-Altar in der Soester Wiesenkirche (Kirche Maria zur Wiese).

 

   

       Jakobus als Kind - Ausschnitt                                 Jakobus als Pilger

 

Beim 1420 errichteten Jacobialtar findet sich auf der rechten Flügelaußenseite eine Jakobusdarstellung, die ihn als Pilger zeigt, erkenntlich am Pilgerstab und der Muschel. Im Mittelfeld des St.-Annen-Altars sieht man Jakobus als Kind, erkenntlich an der umgehängten Pilgertasche und dem Stab. Unverwandt sieht er auf das Jesuskind in der Mitte des Bildes. Sein Bruder Johannes ist auf dem Schoß seiner Mutter Maria Salome. Dahinter, ganz links, steht der Vater Zebedäus. Hinter Maria und dem Jesuskind befindet sich ‚Anna Selbdritt’
(= Anna zu dritt - mit Maria und Jesus), neben ihr Joseph und Joachim.

 

                               

 

Das Bild stellt die ‚Sippschaft Jesu’ dar. Demnach war Jakobus d.Ä. mit Jesus verwandt, stand im Grade eines Vetters. Ein solches Verwandtschaftsverhältnis dürfte jedoch der Phantasie entsprungen sein. Bei der Verbreitung der Sippschaftslegende hat insbesondere die ‚Legenda Aurea’ des Jakobus de Voragine geholfen. Die ‚Legenda Aurea’ war das populärste und verbreitetste religiöse Volksbuch des Mittelalters. Hier findet sich im Kapitel ‚Von der Geburt der seligen Jungfrau Maria’ [S. 676 ff in der Ausgabe von Richard Benz] die Sippschaftsgeschichte. Die ‚Legenda Aurea’ war zwischen 1263 und 1273 entstanden. Die Verwandtschaftverhältnisse gründeten auf der Annahme, Anna habe dreimal geheiratet (sogenannte Trinubiumlegende). Über den ‚Meister von 1473’, der das Bild geschaffen hat, weiß man leider nichts. Die Art der ikonographischen Darstellung scheint jedoch auf niederländische Beziehungen zu deuten.

 

                 

                        Jakobitor in Soest, im Hintergrund das Pilgrim-Haus

 

Ein weiteres Zeugnis in Soest ist das Jacobitor (1180 erbaut). Ein paar Meter nur davon entfernt, ehemals innerhalb der schützenden Stadtmauern gelegen, befindet sich das ‚Pilgrim-Haus’, ein Hotel und Restaurant mit dem Bild eines Jakobuspilgers an der Fassade.

 

                 

                                         Pilgerbild an der Hausfassade

 

Die Jahreszahl 1304 verweist auf eine lange Tradition der Pilgerbeherbergung bzw. auch einer früheren Hospizfunktion. Der alte Jakobusbrunnen, der sich in der Toranlage befand, verschwand im neunzehnten Jahrhundert im Zuge von Abrissarbeiten.

 

                              

                                                 Jakobusbrunnen

 

Die Stadt Soest hat aber 1989 einen neuen Brunnen fertigen lassen. Hier kann man lesen, wie weit es noch bis Santiago ist. Wer durch das Jakobitor die Stadt verließ, hatte noch 2250 Kilometer vor sich.

 

                

                                               Wandmalerei Hohnekirche

 

Ein Kleinod in der Stadt ist die Evangelische Kirche St. Maria zur Höhe, auch Hohnekirche genannt. Es ist eine Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert mit wunderschönen Malereien im gesamten Innenraum.

 

                

                                                  Soester Scheibenkreuz

 

Ein besonderes Kleinod in dieser Kirche ist das Scheibenkreuz aus der Zeit um 1200. Es hat figürlich geschnitzte Reliefscheiben auf einer Kreisscheibe von 2,72 m Durchmesser. Auch wenn es keine Spuren einer direkten Jakobusverehrung gibt, so dürfte auch diese Kirche von den Pilgern viel besucht worden sein.

 

                  

 

Überhaupt, ganz abgesehen von den Spuren der Jakobusverehrung, ist Soest als älteste Stadt Westfalens einen Besuch wert. Mittelalterliches Flair verbindet sich harmonisch mit neuzeitlicher Architektur. Literarisch berühmt ist Soest natürlich durch den ‚Simplicissimus’ von Grimmelshausen und den darin vorkommenden ‚Jäger von Soest’. In diesem Roman aus dem Jahr 1668 ist indes nicht nur der ‚Jäger von Soest’ gegenwärtig, sondern wieder einmal auch St. Jakob. Denn der gute ‚Simplex’, der einfältige Held der Geschichte, disponiert um. Statt nach Jerusalem zu reisen, gibt er Santiago den Vorzug: „…wurde ich anders Sinns und entschloß mich mit einer portugesischen Kracke (so wegfertig stunde, mit Kaufmannschatz nach Haus zu fahren) in Portugal zu begeben, und anstatt der Wallfahrt nach Jerusalem S. Jacob zu Compostel zu besuchen…“. Jakobus-Spuren also auch hier.

 

23. April 2008 

 

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