Zwischen Römern und Reben

Via-Jakobsweg

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Zwischen Römern und Reben

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Buen Camino!

Auszug aus dem Buch "Aufbruch nach Santiago" (Band I)

Zwischen Römern und Reben

Von Trier über Perl nach Schengen

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Durch das besterhaltene Stadttor der antiken Welt, die Porta Nigra, kamen wir nun nach Trier. Hier hatte ich mein erstes großes Etappenziel erreicht. Nach insgesamt rund 370 km und nach 17 Tagen hatte ich endlich Trier erreicht.

 

Für meine Pilgerbekanntschaft und mich hieß es wieder mal Abschied nehmen, denn sie hatten ihr Ziel erreicht und ich habe neue Freunde gewonnen auf meinem langen Weg nach Santiago de Compostela. Die Porta Nigra, das “Schwarze Tor”, gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und ist heute das Wahrzeichen von Trier. Das aus Sandsteinquadern bestehende römische Stadttor wurde im 2. Jahrhundert erbaut. In der Simeonsstraße ist das Dreikönigenhaus erwähnenswert, ein spätromanisch-frühgotisches Wohnhaus aus dem 12. Jahrhundert. Trier gilt als Deutschlands älteste Stadt und ist seit 1986 Weltkulturerbe der UNESCO. Die Stadt Trier wurde vor 2000 Jahren von Kaiser Augustus gegründet. Der Hauptmarkt bildet das Zentrum der Trierer Altstadt. Als Zeichen des alten Marktrechtes steht mitten auf dem Platz das Marktkreuz aus dem Jahre 958. Der im Vordergrund zu sehende Marktbrunnen stammt aus dem Jahr 1595 und zeigt den Hl. Petrus, den Schutzpatron der Stadt.

 

Porta Nigra, Trier

Trierer Dom St. Peter zu Trier

 

Besonders sehenswert die „Steipe“, ein Bürgerhaus aus dem 15. Jahrhundert, in dem früher das Marktgericht tagte. An der schönen Fassade zwischen den Bögen befinden sich Heiligenfiguren, darunter auch eine Jakobsfigur. Ganz in der Nähe ist der Trierer Dom, die älteste Kirche Deutschlands. In einem Café machte ich eine Kaffeepause und beobachtete das Treiben auf dem Hauptmarkt. Es war Ostersonntag und die Stadt war voll von Touristen aus aller Welt, die über die Osterfeiertage Trier mit allen Sehenswürdigkeiten besuchten. Trotz des großen Trubels und der Menschenmassen bekam ich im Warsberger Hof, im Jugendgästehaus, noch ein Zimmer. Es lag in einer ruhigen Seitenstraße und ich buchte das Zimmer für zwei Nächte, da mein Bruder mich am nächsten Tag besuchen wollte.

 

Am späten Abend besuchte ich noch den Trierer Dom, die älteste Kirche Deutschlands. In ihm sind alle Epochen der europäischen Kunst- und Baugeschichte vereint. Die kostbarste Reliquie des Trierer Domes ist der Heilige Rock (Tunika Christi). Laut Überlieferung brachte die heilige Helena, die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, den Heiligen Rock, das ungeteilte Gewand Christi, nach Trier.

 

Nach der Besichtigung ging ich zurück ins Jugendgästehaus „Warsberger Hof“, dort schrieb ich noch etwas ins Tagebuch und ruhte mich aus. Am nächsten Morgen bei warmen Frühlingstemperaturen, Sonnenschein und blauem Himmel ging ich noch etwas spazieren und sah auf dem Hauptmarkt ein großes Kunstwerk. Es war einer von acht Füßen, die an verschiedenen Stellen der Altstadt platziert sind. Überdimensional: 2 Meter lang, 1,60m hoch, aus Leichtbeton, auf Marmor getrimmt. Sie symbolisieren, dass Kaiser Konstantin nach Trier zurückgekehrt ist.

 

Hauptmarkt Trier mit der Kirche St. Gangolf und dem Marktkreuz

„Steipe“, Hauptmatkt - Petrusbrunnen - Kunstwerk-"Kaiserfuß"

 

Heimweh und „Einbruch“ der Gefühle

 

Mittags kam mein Bruder Thomas mit dem Auto aus dem Ruhrgebiet, ich freute mich ihn zu sehen, und wir verbrachten einen schönen Tag in Trier. Sichtlich stolz, gratulierte er mir herzlich für meinen gegangenen Pilgerweg nach Trier und brachte aus der Heimat liebe Grüße mit. Von meiner Frau Ulrike einen Brief mit zärtlichen Worten und einen riesigen Osterhasen aus Schokolade.

 

Am Nachmittag machte sich Thomas wieder auf den Weg nach Hause und fragte mich noch scherzhaft, ob ich nicht mitfahren möchte? Wie selbstverständlich war meine Antwort "nein" – ich hatte ja noch einen langen Weg vor mir, und der geht in einer anderen Richtung – nämlich nach Südwesten, nach Spanien. Thomas lachte und wünschte mir für mein Vorhaben alles Gute und wir verabschiedeten uns voneinander. Es war gerade mal 1 Stunde vergangen, da machten sich bei mir merkwürdige Symptome breit, die ich so zuvor nicht kannte. Ich bekam Heimweh, meine Gedanken spielten plötzlich verrückt. Ein Gefühl der Leere und des Unwohlseins im Bauch.

 

Was ist passiert? Vor einer Stunde war noch alles in Ordnung und jetzt drängen sich in meinem Kopf die Gedanken die Pilgerschaft aufzugeben. Das kann doch nicht sein – so weit bin ich gekommen! Und jetzt? Aufgeben und nach Hause fahren? Ich rief zu Hause an und sprach mit meiner Frau – Sie war genau wie ich sprachlos und sagte zu mir: überlege dir das genau - natürlich freue ich mich, wenn du wieder bei mir bist. Doch bedenke, das ist dein persönlicher Jakobsweg und deine Entscheidung, nicht dass du das später bereust, die Pilgerung abzubrechen. Beim Telefonieren mit meiner Frau wurde ich wieder etwas klarer im Kopf und sagte zu ihr – mach dir keine Sorgen, ich schlaf eine Nacht drüber und morgenfrüh ruf ich dich wieder an.

 

Es war ein merkwürdiger Ostermontag. Tagsüber war noch alles in Ordnung, mein Bruder besuchte mich, ein schöner Frühlingstag und dann plötzlich Heimweh. Ich vermute mal, dass diese Phase jeder Pilger mal mitmacht, der für längere Zeit unterwegs ist. Bei mir war es wohl die Menschenmasse, der Feiertag und der Besuch eines Familienmitgliedes, was mich aus der Bahn geworfen hatte. Doch am nächsten Morgen stand ich auf und meine Bedenken und Zweifel waren wie weggeblasen. Kraftvoll und mit festem Willen wie am ersten Tag hatte ich mir meinen Rucksack angeschnallt und konnte meinen Weg fortsetzen. Ich suchte noch schnell eine Telefonzelle auf und rief meine Frau an und teilte ihr mit – ich gehe weiter. Sie freute sich für mich und wünschte mir weiterhin einen guten Weg.

 

Benediktinerabtei St. Matthias

Tempelbezirk auf dem Metzenberg

 

Benediktinerabtei St. Matthias

 

Ich nahm den südlichen Weg aus Trier heraus und kam an St. Matthias vorbei. Die Benediktinerabtei St. Matthias liegt im Süden der Stadt und jedes Jahr gibt es Wallfahrten zum Grab des Apostelheiligtums. Seit dem 12. Jahrhundert wird in der romanischen Basilika das Grab des Apostels Matthias verehrt. Pilgerinnen und Pilger, aus allen Teilen der Bevölkerungsschichten machen sich auf den Weg und sie kommen aus Nah und Fern. Auch viele Pilgergruppen besuchen den Wallfahrtsort und in der Gemeinschaft finden sie Freude an dem gemeinsamen Unterwegssein. Im Inneren der romanischen Basilika befindet sich unter dem Chor die dreischiffige Krypta, hier liegen der Schrein mit den Gebeinen des Apostels Matthias und die römischen Sandsteinsarkophage der Heiligen Eucharius und Valerius. In der Außenanlage der gepflegte Friedhof mit mittelalterlichen Gräbern und eine kleine Kapelle. Es ist eine besondere Heiligenstätte, nicht nur für Matthiaspilger, auch für Jakobspilger.

 

Der Jakobsweg führt von hier weiter Richtung Konz, Tawern und durch das Mannebachtal bis zum Dreiländereck nach Schengen. Auf dem Moselweg traf ich Thomas und Sohn Johannes aus dem Bergischen Land, die in den Osterferien von Trier nach Metz (Lothringen) pilgern wollen. Ich schloss mich den beiden Jakobspilgern an und gemeinsam ging es bis nach Konz, immer an der Mosel entlang. Über die Konzer-Brücke überquerten wir die Saar und weiter auf Römerspuren in Richtung Tawern. Eine alte Römerstraße befand sich Früher in der Nähe des Tempelbezirks.

 

Tempelbezirk auf dem Metzenberg

 

Die eindrucksvolle Tempelanlage im Wald auf dem Metzenberg über Tawern muss man gesehen haben. Sie wurde 1986 und 1987 unter Leitung des Rheinischen Landesmuseums Trier ausgegraben und teilweise rekonstruiert. Der Haupttempel war Merkur geweiht, römischer Schutzgott der Kaufleute und des Handels. Der Tempelbezirk ist auch Rast- und Besinnungsstätte für Jakobspilger. Vom Metzenberg geht unser Weg über den bewaldeten Bergrücken zwischen Mosel und Saar - teilweise auf der alten Römerstraße ins Mannebachtal nach Kümmern und schließlich Mannebach.

 

Mannebach liegt unmittelbar am historischen Jakobus-Pilgerweg, ein idyllisch am gleichnamigen Bach gelegenes Dorf. Der Ortsteil Kümmern am oberen Berghang ist noch weitgehend von der Landwirtschaft geprägt. Hier fand ich eine preiswerte Übernachtung bei einer netten Familie (Pension). Thomas und Johannes fanden eine Unterkunft im Mannebacher Brauhaus, wo wir am Abend noch Landestypisches aus dem Saarland aßen -

und natürlich das bekannte Mannebacher-Pilschen genießen konnten. Wir haben gehört, dass es die kleinste Brauerei Deutschlands ist.

 

 Pilgerbier im Mannebacher Brauhaus

Jakobuskirche in Fisch

 

Jakobuskirche in Fisch

 

Am nächsten Tag ging es durch den kleinen Ort Fisch, eine kleine selbstständige Gemeinde zwischen Saar und Obermosel. Der Jakobsweg führt an der kleinen Kirche St. Jakobus (Gemeinde Fisch) vorbei und wir haben nun Gelegenheit eine Rast einzulegen. Auch hier eine Übersichtstafel zur Orientierung des weiteren Verlaufs des Jakobsweges bis Perl. Vor dem Eingangstor der kleinen Kirche findet man eine schöne Bodenfliese, sie zeigt die Entfernung bis Santiago de Compostela an. Über die Hochflächen des Saargaues mit seinen Streuobstwiesen ging es weiter über Körrig an der Sankt Lukas Kirche vorbei nach Merzkichen.

 

Die Region um Merzkirchen zwischen Saar und Mosel ist geprägt durch fruchtbare Landwirtschaft. Sehenswert in Merzkirchen ist die Kirche St. Martin, am 11. November findet alljährlich die Martinsverehrung statt. Der idyllische Ort liegt an der Römerstraße Trier – Metz. Vorbei an riesigen Windrädern nach Kirf und weiter Richtung Sinz sahen wir an einer Wegkreuzung ein Pestkreuz aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

 

Alte Römerstraße Richtung Perl

Hochflächen des Saargaues - Blick auf Perl-Sehndorf

 

Es ging weiter mitten durch Felder, Wiesen und an kleinen Ortschaften vorbei über Sehndorf bergab nach Perl an der Mosel. Hier in Perl suchten wir uns ein Quartier und wurden plötzlich von einer netten Person angesprochen, Sie sagte: dass sie uns an ihrem Haus vorbeiziehen sah und uns als Pilger erkannte und immer nur an Jakobspilger Zimmer vermietete. Das passte uns ganz gut so schnell eine Unterkunft zu finden und wir nahmen ihr Angebot an.

 

Abends gingen wir in einem Gasthaus etwas essen und ließen den tollen Wandertag ausklingen. Wir beschlossen gemeinsam auch in den nächsten zwei Tagen bis nach Metz in Frankreich (Lothringen) zu pilgern.

 

Schengen in Luxemburg

 

Am nächsten Morgen verließen wir über die Moselbrücke Deutschland und erreichten Schengen in Luxemburg. Für kurze Zeit geht es jetzt auf luxemburgisches Gebiet Richtung Stromberg. Der kleine Weinort liegt im Dreiländereck. Bekannt ist Schengen auch durch das Schengener Abkommen. 1985 verzichteten mehrere europäische Staaten auf die Kontrollen des Personenverkehrs an ihren gemeinsamen Grenzen.

 

Schengen in Luxemburg

Blick nach Frankreich (Stromberg, Luxemburg)

 

Durch die Weinberge führte ein steiler Pfad in Serpentinen den Stromberg (315 m ü. NN) hinauf. Hier oben am Dreiländereck ((Deutschland, Frankreich, Luxemburg) hatten wir eine herrliche Aussicht auf die Mosel. Über ein Hochplateau führt der Weg nach Sierck les Bains (Lothringen/Frankreich), immer im Blick das Atomkraftwerk Cattenom, nach Frankreich und in das Moseltal. Auf der südlichen Seite des Stromberges befinden wir uns schon in Frankreich.

 

Buen Camino!

 

Bernd Koldewey: "Aufbruch nach Santiago" - Band I: Von Herne bis nach Vézelay, Taschenbuch, Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 1. Auflage, Januar 2011, 172 S., 27,90 € - Dieses Buch ist mit zahlreichen Farbabbildungen ausgestattet. ISBN 978-3-8423-4862-2 - Dieses Buch kann ab sofort über den Buchhandel oder über das Internet, beispielsweise bei Amazon.de bestellt werden.

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