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Von Herne machte ich mich auf und ging am 21. März 2007 los, mein Ziel ist Santiago de Compostela.

 

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Nach über 3 Monaten zu Fuß quer durch Frankreich habe ich die letzte große französische Pilgerstation, Saint-Jean-Pied-de-Port, erreicht.

 

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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

 

Spurensuche Sauerland

Die Heidenstraße (2)

Von Winterberg bis nach Schmallenberg

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Die Spurensuche auf der mittelalterlichen Heidenstraße ist nicht ganz so einfach, wie man denkt, dennoch machte ich mich im Juni 2013 wieder auf den Weg, um auf den Resten des alten Heer- und Handelswegs zu pilgern. Die Heidenstraße, die die großen Ortschaften wie Leipzig, Kassel und Köln verband, durchzog auch das kurkölnische Sauerland. Diese Etappe beschreibt den Verlauf der Heidenstraße von Winterberg über Altastenberg, Westfeld, Oberkirchen, Winkhausen, Gleidorf bis nach Schmallenberg.

 

Eine wunderschöne Tagesetappe, auf der man in Verbindung mit anderen sauerländischen Wanderwegen noch heute auf Spuren der alten Heidenstraße stoßen kann. Das Schöne dieser doch geheimnisvollen Altstraße ist, wenn man auf sie trifft, dass man sich auch gleichzeitig in einer unberührten Naturlandschaft befindet. Es geht oft über traumhafte Feldwege, Waldpfade oder Hohlwege, man bekommt den Eindruck, auf sich selbst gestellt zu sein. Doch ganz so schlimm, wie es noch im Mittelalter war, ist es heute nicht mehr. Heute kann man ohne Gefahren durch die sauerländischen Wälder und Höhen pilgern und wandern. Die Wege sind gut ausgeschildert und meistens mit einer gelben Muschel (Jakobsweg) versehen. Auch  auf manchen Wanderkarten ist die Heidenstraße gut markiert. Die einzigen Voraussetzungen sind gutes Schuhwerk, Regensachen und ein wenig Kondition um die steilen Pfade zu meistern.

 

      

                   Blick auf Winterberg                     Blick auf die St.-Jakobus-Kirche, Winterberg

 

Von Winterberg bis nach Altastenberg

 

Winterberg ist vom Ruhrgebiet bzw. von Dortmund mit dem Sauerland-Expresss (RE 57) in gut 2 Stunden zu erreichen. Am besten beginnt man seine Wanderschaft an der St.-Jakobus-Pfarrkirche zu Winterberg, diese erinnert daran, dass Winterberg an einem historischen Jakobsweg liegt. Der Heilige Jakobus ist auch Stadtpatron von Winterberg, in dessen Wappen er mit Pilgerstab abgebildet ist. Die schöne Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die Jakobus dem Älteren geweiht ist, war für die mittelalterlichen Pilger die auf der Heidenstraße weiter nach Köln pilgerten, stets eine zentrale Station auf dem langen Weg nach Santiago de Compostela. Hier konnten früher die Pilger, die schon einige Höhen überwunden hatten, in der unteren Turmetage der Kirche übernachten und auch die notwendige spirituelle Kraft bekommen.

 

      

         Unterhalb der St. Georg Schanze                            Blick auf das Renautal       

 

Der Weg der Heidenstraße verläuft durch die schöne Altstadt von Winterberg und weiter bis zum Rathaus. Hier steht an historischer Stelle (Hinrichtungsstätte), da wo im Mittelalter der Galgen von Winterberg stand, ein Gedenkstein, der an die Zeiten der ersten Hexenprozesse in Westfalen erinnert. Die Heidenstraße verläuft nun weiter Richtung Kahler Asten, unterhalb der St. Georg Schanze und am Skilift Bremberg vorbei, hier verweisen Hinweisschilder auf verschiedene Wanderwege. Auch der Rothaarsteig führt von hier über den Kahlen Asten. Die Heidenstraße jedoch führt am Nordhang des Berges und durch das urige Renautal, bis man nach 2 Kilometern bei leichter Steigung den Luftkurort Altastenberg, die höchstgelegene Ortschaft des Sauerlandes (740-790m) erreicht.

 

      

            Pfarrkirchen, „Maria Schnee“                            St. Erasmus (Totenkapelle)

 

Mit einer fantastischen Aussicht über die Bergwelt des Sauerlandes belohnt, genießt man hier in luftiger Höhe und zu Füßen des Astenbergs (Kahle Asten) eine gemütliche dörfliche Umgebung. In den vielen Gasthäusern mit Sonnenterassen kann man sich herrlich erholen und entspannen. Im Haus des Gastes bekommen Pilger und Wanderer vom freundlichen Personal wichtige Informationen und Kartenmaterial. Ein Besuch der beiden katholischen Pfarrkirchen, „Maria Schnee“ und St. Erasmus (Totenkapelle) lohnt sich. Ganz in der Nähe der Kirchen befindet sich die Astenstraße, man folgt ihr nach links, einige Schritte geht es bergauf und man erreicht den historischen Pfad, der zu den „Alten Schanzen“ führt.

 

      

            Gedenkstein "Heidenstraße"                              Kreuzkapelle, Altastenberg

 

Hier weist ein Gedenkstein auf den alten Heer- und Handelsweg der Heidenstraße hin, dessen Route früher von Soldaten, Kaufleuten, Handwerkern und Pilger genutzt wurde. Auch die Schwedenschanzen (Astenberger Schanzen), ein spätmittelalterliches Landwehrsystem mit Bastionen, das die Grenze und Besitz des Klosters Grafschaft sicherte, befanden sich hier. Noch heute kann man ganz in der Nähe der Kreuzkapelle, die von zwei Kaufleuten aus den Niederlanden, den Gebrüdern Rath und Pfennig, erbaut wurden, die Erdwälle der einstigen strategischen Anlage ausmachen. An diesen beiden Verteidigungslinien wurde von beiden Seiten die Heidenstraße kontrolliert und konnte somit den damaligen regen Handelsverkehr zum Erliegen bringen.

 

      

     Blick auf die Altastenberger Pfarrkirche                              Altastenberg

 

Heute befindet sich hier das Blockhaus der Schweden-Hütte, eine schöne Einkehrmöglichkeit mit Sonnenterasse und wunderbarem Panoramablick auf das Rothaargebirge. Gleich daneben der Sportplatz des Fußballvereins SC 62 Altastenberg/Nordenau. Dahinter gabelt sich nun der Historische Pfad, die Heidenstraße führt links über einen schmalen Waldweg nach Westfeld und Oberkirchen, den älteren Verlauf der Heidenstraße.

 

      

             Waldpfad Richtung Westfeld                         Heidenstraße Richtung Westfeld

 

Von Altastenberg bis nach Westfeld

 

Die andere Route führt hinunter ins Nesselbachtal und wieder hinauf nach Nordenau. Die Wegzeichen der Heidenstraße, angebracht vom Sauerländischen Gebirgsverein, zeigen eine gelbe Jakobsmuschel sowie einen weißen Querbalken auf schwarzem Grund. Die Heidenstraße führt jetzt durch eine Waldlandschaft leicht bergab und bergauf, über den Brandtenberg und Brandtenholz gelangt man nach einer Weile zum Hubertusstein, einem Gedenkstein der Jäger. Hier eröffnet sich ein tolles Landschaftsbild über die weiten Felder und Wiesen der Höhen. Blühende Obstbäume am Wegesrand und Ruhebänke laden zum Verweilen ein. Im Tal der Lenne liegt das idyllische Fachwerkdorf Westfeld (480-540m).

 

      

                    Über die Höhen...                                              Hubertusstein

 

Westfeld im oberen Lennetal, gegründet im Jahre 1072, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wie viele Dörfer, die an der Heidenstraße liegen, durchzogen in den großen Kriegen Soldaten und Plünderer die Dörfer. Große Not und Elend herrschte z.B. im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), Brandschatzungen, Ernteausfall und Hungersnöte waren die Folgen. Besonders als schwedische Truppen durchs Land zogen, sie plünderten und raubten, was das Zeug hielt. Heute kaum noch vorstellbar und nicht genug des Elends, Wolfsangriffe setzten zusätzlich den Einwohnern zu.

 

      

                       Heidenstraße                                                     Westfeld

 

Ganze Wolfsrudel fielen über die Dörfer und deren Menschen her. An vielen Orten wurden Wolfsfallen und Gruben (Wolfskaulen) errichtet, um der Lage Herr zu werden. Die Siedlung Wolfskuhle, zwischen Oberkirchen und Vorwald, erinnert noch heute an die grausame Zeit der Überfälle. Aber auch die Zeiten der Hexenverfolgungen im 16. und 17. Jahrhundert, die Religionskriege und die französische Revolution (1789-1814), brachten viel Elend übers Land.

 

          

            Kirche St. Blasius, Westfeld                    Jakobusfigur, Kirche St. Blasius, Westfeld

 

Gott sei Dank ist heute von diesem Elend und der Not nichts mehr zu spüren. Die Menschen haben sich hier mit viel Fleiß und schwerer Arbeit etwas aufgebaut und erreicht, dass wir, die wir das Land besuchen und bereisen, eine intakte Natur und eine dörfliche Idylle vorfinden. Die Ortschaft Westfeld glänzt nicht nur mit ihren schönen Fachwerkhäusern, die mit schönen Inschriften bestückt sind, sondern auch mit ihrer schönen Kirche St. Blasius, die mit vielen Heiligenfiguren, darunter auch der Heilige Jakobus, ausgestattet ist. Nach einer kleinen Pause und Einkehr in einem schönen Landgasthof geht es für mich weiter Richtung Oberkirchen.  

 

      

               Westfeld an der Lenne                                     Lennetal bei Westfeld

 

Von Westfeld bis nach Oberkirchen

 

Gleich hinter der Kirche wird die Lenne überquert und man folgt dem Wanderweg X2, dieser führt zunächst noch an der Lenne entlang, bis es wieder zügig bergauf geht. Nach einer halben Stunde hat man eine Kreuzwegstation mit dem „Antoniushäuschen“ erreicht. Der erste Blick auf Oberkirchen wird frei und im Hintergrund liegt der Wilzenberg (658m), der „heilige“ Berg des Sauerlands. Viele Sagen und Legenden ranken sich um den geheimnisvollen Berg, auf dem es neben Resten einer uralten Wallburg aus der Eiszeit und einer mittelalterlichen Raubritterburg sich auch eine Wallfahrtskapelle befindet. Kurz danach führt ein schmaler Pfad steil bergab auf einen Querweg zu, der etwas oberhalb der Ortschaft verläuft. Mit Blick auf Oberkirchen (430m) geht es nun zügig hinunter und man erreicht den Ortskern. Auch hier wunderschöne Fachwerkhäuser die typisch für diese Region sind.

 

      

            Kreuzweg - Antoniushäuschen                Blick auf den Wilzenberg und Oberkirchen

 

Das Dorf Oberkirchen, im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt, liegt eingebettet zwischen den hohen Bergen im romantischen Lennetal. Die Lenne, deren Quelle sich auf dem Kahlen Asten befindet, fließt weiter in westlicher Richtung nach Winkhausen und Schmallenberg. Geschichtlich gesehen war Oberkirchen Hauptort eines Kirchspiels und Zentrum einer Gerichtsbarkeit, hier wurden im frühen 17. Jahrhundert (Hexenverfolgung) zwischen Leben und Tod Urteile gefällt.

 

      

        Heidenstraße Richtung Oberkirchen                                Oberkirchen

 

Sehenswert die barocke Pfarrkirche St.-Gertrudis (1665/66), die an gleicher Stelle steht wie die erste Vorgängerkirche aus dem Jahre 1000. Ferdinand von Fürstenberg, Fürstbischof von Paderborn, ließ sie an gleicher Stelle errichten. Auch der Wanderweg der Heidenstraße führt weiter Richtung Winkhausen, auf dem Galgenweg und über den Winkhauserweg erreichte ich schnell das kleine Dorf. Sehenswert und für Jakobspilger interessant die kleine Dorfkapelle von Winkhausen, die auch dem heiligen Apostel Jakobus dem Älteren geweiht ist.

 

      

            Fachwerkhäuser Oberkirchen                   Pfarrkirche St.-Gertrudis, Oberkirchen    

 

Von Oberkirchen bis nach Gleidorf

 

Nur ein paar Kilometer weiter, am Golfclub Schmallenberg vorbei, erreichte ich das beschauliche Gleidorf. Im Gasthof „Haus Richter“, wo ich als Jakobspilger herzlich aufgenommen worden bin, bekam ich trotz später Stunde noch ein Zimmer. Der Wirt Maik Winkelmann war eines Pilgers gnädig und bereitete mein Zimmer vor, geschlafen habe ich nach einem Schlummertrunk wie ein Murmeltier.

 

      

                Richtung Winkhausen...                            Gasthof „Haus Richter“, Gleidorf

           

Am nächsten Morgen führte mich der Jakobsweg hinauf zur Herz-Jesu-Kirche mit Turm. Im Turm befinden sich eine Krypta und zwei schöne Kirchenfenster, eines davon zeigt vermutlich den Apostel Jakobus. Etwas oberhalb der Kirche stößt man wieder auf einen Teil der historischen Heidenstraße.

 

      

            Herz-Jesu-Kirche, Gleidorf                         Kirchenfenster mit dem hl. Jakobus

 

Von Gleidorf bis nach Schmallenberg

 

Ein schmaler und dicht bewachsener Hohlweg führt steil den Hang hinauf, bis man den Jakobusstein erreicht. Der Gedenkstein wurde 2004 vom Verkehrsverein und von der Dorfgemeinschaft Gleidorf aufgestellt und erinnert an den historischen Heer- und Handelsweg der Heidenstraße. Weiter geht es nun über die offenen Höhen und über die weiten Felder mit Blick auf das im Tal liegende Schmallenberg.    

 

      

                  Hohlweg bei Gleidorf                                     Jakobusstein, Gleidorf

 

Nach einer halben Stunde hatte ich über die Straße „An der Robbecke“ das Zentrum von Schmallenberg erreicht. Meine zweite Etappe und Spurensuche auf der Heidenstraße endet zunächst in Schmallenberg. Die Rückreise ins Ruhrgebiet ist einfach, mit dem Bus (SB9), geht es zunächst von Schmallenberg (Schützenplatz) nach Lennestadt-Altenhundem (ZOB), hier hat man wieder einen Bahnanschluss, der mit der Regionalbahn (RE16 - Ruhr-Sieg-Express) über Hagen und Bochum nach Essen führt. Fazit meiner Reise und Spurensuche ist, dass man auch ohne große Planung immer wieder im positiven Sinne überrascht wird. Nicht nur die schöne Naturlandschaft und das Erkunden der Heidenstraße sorgte für Überraschungen, auch die freundlichen Menschen, denen ich unterwegs begegnete, waren für mich ein tolles Erlebnis.

 

         

              Blick auf Schmallenberg                         St.-Alexander-Kirche, Schmallenberg

 

Die Fortsetzung und der 3. Teil der Heidenstraße, von Schmallenberg nach Wormbach, Bracht, Elspe und Attendorn, folgt demnächst. Bis dahin ein herzliches Buen Camino!!!

 

Herne, Juni 2013

 

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