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Seitdem ich in Spanien auf dem Camino Francés bin, begegne ich immer mehr Pilgern und Pilgerinnen.

       

 

Camino de Levante (Teil 3)

Durch das Land der Orangen

Von Algemesi bis nach Xàtiva

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Mit Algemesi besuchte ich eine Stadt am Jakobsweg, die mit der Basilika Menor de San Jaime Apóstol und neben der Marienverehrung „Virgen de la Salud“ auch den hl. Jakobus als Schutzpatron verehrt. Die schöne und lebhafte Stadt ist eine zentrale Station auf dem Jakobsweg „Camino de Levante“. Auch die alte Römerstraße Via Augusta führte einst durch diese fruchtbare Region. Es ist die alte Route nach Alzira und Xàtiva, die durch das Land der Orangen führt.   

 

Algemesi, die Jakobuskirche und alte Traditionen

 

Algemesi, im Bezirk Alzira, liegt etwa 32 km von Valencia entfernt und befindet sich in der Region von La Ribera Alta, am Rande des Naturparks La Albufera. Hier an der Mündung des Flusses Rio Magre, der in den Rio Xuquer (Júcar) fließt, besuchte ich eine recht lebhafte Stadt. Denn seit fast einer Woche feiert man in der historischen Altstadt das Taurin-Festival „La setmana de bous“, ein traditionelles Stierkampffest, das weit über die Region hinaus bekannt ist. Dazu wurde wie jedes Jahr in der letzten Septemberwoche die Plaza Major mit einer riesigen Holzkonstruktion in eine funktionsfähige Arena mit Tribüne umgewandelt. Eine grandiose Meisterleistung der Zimmerleute. Die einzigartige rechteckige Form dieser Arena schließt direkt an den Seiten der Fassaden der Häuser und am Hauptportal sowie der Außenfassade der Basilika ab, da wo sich auch eine Relieffigur des hl. Jakobus befindet. Unter anderem ist es einer der ältesten Stierläufe in Spanien. Wie in Pamplona laufen junge Spanier vor den Stieren her, um ihren Mut zu zeigen. Ein Spektakel, das mittlerweile auch in ganz Spanien Gegner hat und auf viel Widerstand stößt.

 

                        Algemesi                                              Altstadt, Algemesi

 

Ich selbst bin auch kein Freund von Stierkämpfen, dennoch schaute ich mir den Nachbau der grandios gestalteten Stierkampfarena ganz genau an. Durch ein Labyrinth von Gängen mit kräftigen Kieferstämmen, das sich unterhalb der Tribüne befindet und diese stützt, gelang es mir, über eine der steilen Holztreppen hinauf zur Haupttribüne zu kommen. Von hier konnte ich nun alles überblicken und schaute mitten in die Arena hinein. Gerade probte eine Gruppe von Musikern ihren bevorstehenden Auftritt für den nächsten Tag. Mich interessierte aber nur eines, die Relieffigur des heiligen Jakobus, die sich auf der gegenüberliegenden Seite an der Fassade der Basilika befand. Um nicht über das Stuhlwerk von Bänken klettern zu müssen, um mich möglicherweise noch zu verletzen, holte ich kurzerhand meine Kamera heraus und machte ein paar Aufnahmen. Anschließend streifte ich noch durch den alten Stadtkern und genoss die feierliche Atmosphäre dieser Stadt. Alle Bewohner von Algemesi waren in Feierstimmung und überall dröhnte laute Musik. Die Bars waren proppevoll, die Menschen standen um die Arena herum und auf den Straßen standen Tische und Stühle und es wurde unbekümmert getanzt. In fröhlicher Gelassenheit feierten sie ihr Taurin-Festival.   

 

                    Arena, Algemesi                                       Unter der Arena...

 

Algemesi ist, wie ich finde, eine durchaus angenehme Stadt, die Menschen sind sehr freundlich. Als Jakobspilger (Peregrino) bekam ich von der hilfsbereiten Policia Local den Pilgerstempel und die Schlüssel für die Herberge. Es war eine absolut saubere Unterkunft, mit Küchennutzung, Bad und Dusche, ideal für Pilger. Zum ersten Mal traf ich hier eine Jakobspilgerin, die sich ebenfalls auf den Weg gemacht hatte. Die Spanierin, die ein wenig schweigsam war, staunte nicht schlecht, als sie mich sah. Wahrscheinlich vermutete sie auch keinen Pilger mehr. Nach kurzer Begrüßung und einem herzlichen Buen Camino war sie auch schon am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe verschwunden. Auch ich machte mich bei Zeiten auf, um mir die schöne Basilika des heiligen Jakobus von Innen anzuschauen.

 

  Basilika Menor de San Jaime Apóstol                          Jakobusaltar

 

Nach dem Frühstück, wie immer zwei Tassen „Café con leche“ für den richtigen Schwung, machte ich mich wieder auf den Weg. Heute ist der letzte Tag des Festes, noch einmal gab es Stierläufe, die sich am Vormittag zutragen. Jetzt um 8 Uhr morgens standen schon einige Zuschauer an den Absperrungen und Zäunen, wo sich alles abspielen wird. Ich wollte nur in die Kirche hinein kommen, doch wo befindet sich nur der Eingang? Ich hastete um die Arena herum und fand schließlich, ich weiß nicht wie, das Portal „Porta del aire“, ein kleiner mit Brunnen verzierter Eingang, der auch geöffnet war. Ich betrat die im barocken Stil ausgestattete Basilika und suchte den Hauptaltar, der sich links vom Eingang befand. Ein prächtiger Hochaltar mit einer großen Jakobusskulptur in der Mitte strahlte mich an. Der Altar ist mit Gemälden und Bildern ausgestattet, die unter anderem vom katalanischen Maler Francisco Ribalta in den Jahren 1603-1610 hergestellt wurden. Eines zeigt die typische Darstellung des Apostels Jakobus als „Santiago Matamoros“. Es verkörpert die Schlacht von Clavijo, Jakobus hoch zu Ross und mit dem Schwert in der Hand, er soll König Ramiro I. zum Sieg verholfen haben. Die Bilder sind wahre Kunstschätze, die auch das Leben des Apostels Jakobus widerspiegeln. Die Kirche ist reich verziert und mit vielen Kirchenschätzen ausgestattet. Mit ihren vielen Kapellen und den örtlichen und regionalen Heiligen sowie der graziösen Mariendarstellung der „Nuestra Señora de la Salud“ ein Höhepunkt auf dem Camino de Levante. Zu Ehren der Jungfrau und Schutzheiligen von Algemesi finden jedes Jahr, Anfang September (7.-8.), drei Prozessionen und Feierlichkeiten statt. Mit traditionellen katalanischen Trachtenumzügen und Tänzen wie die „Muixeranga”, wo einige Gruppen Menschentürme (Castells) in Form einer Pyramide bilden, eines der schönsten Feste in dieser Region.  

 

       Jakobusfigur - Fassade des Hauptportals - Gemälde von Francisco Ribalta

 

Die heutige Kirche wurde wie die meisten historischen Kirchen am Camino de Levante auf den Grundmauern einer Vorgängerkirche oder Moschee aufgebaut. Diese wurde zwischen 1550 und 1582 gebaut. Im Laufe der Zeit und im 18., 19. und 20. Jahrhundert wurden immer wieder Veränderungen und bauliche Maßnahmen durchgeführt. Trotzdem hat die Basilika mit ihrem schönen Glockenturm nichts von ihrem glorreichen Glanz verloren. Auch Algemesi hat in seiner großen historischen Geschichte einiges erlebt. Kriege, Hunger, Vertreibung und Epidemien prägten einst das Land und die Stadt. Als königliche Stadt mit dem privilegierten Titel „Villa Real“ machte sich Algemesi 1608 einen Namen. Hier kreuzten sich gleich mehrere mittelalterliche Pilger-, Handels-, Heeres-, und Königsstraßen. Zum Beispiel der Camino Real de Madrid, der nach Valencia führt und die schon erwähnte Via Augusta oder auch als Vía Hercúlea bezeichnet. Des Weiteren gibt es hier die alten Viehwege, wie die der Cañada Real de Castilla und natürlich der Jakobsweg „Camino de Lavente“. All diese sind Zeugnisse einer geschichtsträchtigen Vergangenheit.

 

        Jakobusskulptur                       Basilika Menor de San Jaime Apóstol 

 

Algemesi war und ist noch immer sehr landwirtschaftlich geprägt und bekannt für den hiesigen Anbau von Reis und Zitrusfrüchten. Daneben wurde noch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts der Anbau von weißen Maulbeerbäumen (Morus alba) kultiviert. Und das nicht wegen seiner schmackhaften Früchte, diese waren für die Raupen vorbehalten. Schon im 10. Jahrhundert führten die Mauren und Sarazenen den Maulbeerbaum in Spanien ein. Von China kommend wurden die exotischen Pflanzen über die Seidenstraße und über das Mittelmeer bis nach Europa gebracht. Mit Hilfe der Seidenraupen gewann man damals die begehrte Seide, ein edler Zwirn, der auch so manches Königshaus kleidete. Doch als die dramatische Pebrine-Krankheit (Flecksucht) ausbrach, gingen die Seidenraupenzuchten in Spanien zurück. Nach wie vor machen die großen Bewässerungssysteme des Flusses Júcar die Region der Ribera Alta und die der Huerta bis heute sehr fruchtbar. Bei besten Bedingungen gedeihen hier Zitrusfrüchte, wie Orangen und Mandarinen und natürlich Getreide, vor allem der Reisanbau ist hier weit verbreitet. Daneben gibt es noch viele Gemüsearten, wie z.B. Melonen und Wassermelonen. Als ich Algemesi nach der Besichtigung der Basilika verließ, ging es wie gehabt durch die endlosen Weiten der Orangenplantagen weiter.

 

                                         Plantagenlandschaft bei Alzira

 

Von Algemesi über Alzira bis nach Xàtiva

 

Nur einige Kilometer weiter tauchte schon die nächste große geschichtsreiche Stadt Alzira auf. Alzira ist die Hauptstadt der Region Ribera Alta. Die am Fluss Júcar liegende Stadt ist ebenfalls arabischen Ursprungs. Einst war Alzira der Eingang zum Königreich Valencia, hier gab es den einzigen Übergang (Flussfurt), der über den Fluss Júcar führte. König James I. (Jakob I.) von Aragon eroberte die Stadt am 30. Dezember 1242.

 

 

                                                   Rio Júcar bei Alzira

 

Alzira besitzt mit seiner alten maurischen Stadtmauer (Muralla de Alcira) und den Türmen aus dem 9./10. Jahrhundert, deren Reste man heute rekonstruiert, ein Kulturgut der arabischen Epoche. Der Camino de Levante verläuft mitten durch den alten Stadtkern. Enge Gassen, wunderschöne Plätze und historische Gebäuden aus dem 16. Jahrhundert säumen den Weg. Ein Denkmal dieser Stadt ist die zum Ende des 20. Jahrhundert neu gebaute Wallfahrtskirche Nuestra Señora del Lluch, sie befindet sich auf dem Hügel „Montañeta de San Salvador“, der sich im Stadtkern befindet. Auch die Iglesia de Santa Catalina (13. Jh.), die auf den Fundamenten einer Moschee gebaut wurde, ist ein solches historisches Kulturgut. Leider machte ich dieses Mal keine so umfangreiche Besichtigungstour wie noch zuvor in Valencia. Man müsste schon mindestens zwei Tage bleiben, um all die Schätze mit ihren historischen Sehenswürdigkeiten, die Alzira und die nahe Umgebung zu bieten hat, zu erkunden. Das weite Tal des Rio Júcar ist umgeben von verschiedenen Gebirgszügen, wie z.B. im Südosten, hier grenzt es an die Sierras de Corbera, der Murta und Les Agulles und im Westen an das Caroig-Massiv. Überall gibt es dort Klöster und Einsiedeleien, die in der Geschichte des Landes eine große Rolle gespielt haben.

 

                                      Iglesia de la Asunción, Carcaixent

 

Bis Xativa hatte ich noch einige Kilometer zu gehen, so war mein Aufenthalt leider nur von kurzer Dauer. Nach einer kleinen Pause ging es auch gleich weiter. Nachdem ich die Stadt verlassen hatte, folgte ich dem Cami de la Materna, ein knapp 2 km langer Weg an Mauern entlang, der mich durch Obstgärten führte. Ich erreichte Carcaixent. Direkt an der Plaza Mayor befindet sich das Rathaus und die Kirche Iglesia de la Asunción (16. Jh.). Im Inneren der Kirche findet man über einem kleinen Altar, zwischen zwei Säulen, eine Altarvitrine, in der sich eine schöne Jakobusskulptur befindet, sie zeigt Santiago hoch zu Ross. Im nächsten kleinen Dorf mit dem schönen Namen Cogullada machte ich wieder eine Pause. Es war am heutigen Tag sehr heiß und die 30 Grad Marke wurde leicht überschritten, desto größer war auch mein Durst. Gott sei Dank gab es hier eine Bar und ein großes Glas Cerveza musste herhalten. Fernab einer großen Stadt ein wahres Vergnügen, ich nutzte die Gelegenheit etwas aus und blieb eine Weile. Ich muss gestehen, kleine Ortschaften wie diese, die eine gewisse Stille vermitteln, sind mir am liebsten.

 

                                     Plantagenlandschaft bei Manuel

 

Die beiden nächsten Ortschaften Pobla Llarga und Manuel, die ich im Laufe des frühen Nachmittags erreichte, sind weiterhin von der weitläufigen Landschaft der Orangenplantagen geprägt. Über die Felder erstreckt sich die Silhouette der Gebirgszüge. Bis nach Xàtiva sind es noch gute 10 km, der Weg zieht sich wie gehabt durch Plantagen und Plantagen. Manchmal geht es am Flusslauf des Rio Albaida entlang. Der Jakobsweg steigt langsam an und der Tafelberg El Puig bei Xàtiva kommt immer näher. Etwas heikel geht es jetzt neben der stark befahrenen Landstraße CV-600 entlang und man überquert den Rio Albaida. Ich habe es geschafft, vor mir liegt am Fuße der Sierra del Castell die Stadt Xàtiva.

 

                                                    Ortschaft Manuel

 

Es ist schon recht spät geworden, zügig gehe ich weiter in Richtung Altstadt und der Basilika O Seu, denn hier soll laut Reiseführer die Herberge Albergue Turistico „El Palau“ liegen. Durch die engen Gassen geht es bergauf und ich ereichte die Luxusherberge, ein ehemaliger Palast der Borja. Als ich vor dem Eingangstor stand, war es noch verschlossen, und ich musste telefonieren. Nach wenigen Minuten kam eine freundliche Dame und öffnete mir das Tor zum Palast. Als Pilger ist man ja einiges gewöhnt, doch das ist jetzt, nachdem ich ja öfters auf einfachen Matratzen geschlafen habe, purer Luxus, so dachte ich. Nachdem ich die Aufnahmeformalitäten erledigte und den Pilgerstempel bekommen habe, sagte sie mir den Preis für die christliche Pilgerherberge. Mit 21 Euro ohne Frühstück, aber incl. Bettwäsche, war ich zunächst ein wenig geschockt, ich wollte ja nur eine einfache Pilgerunterkunft zum Schlafen und kein fürstliches Gemach. Na ja, ich war doch recht froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Ich war der einzige Pilger hier, keine Menschenseele weit und breit. In einem großen Schlafsaal mit 10 Stockbetten für 20 Personen suchte ich mir die beste Matratze aus, soviel Luxus muss doch sein. Weitere Informationen über die Herberge bzw. das Hostel „El Palau“ finden sie unter dieser Internetadresse: www.albergueturisticoelpalau.com

 

                               Blick auf Xàtiva und Tafelberg El Puig

      

Die Herberge befindet sich in einem Gebäudekomplex des historischen Borja-Palastes „Palau de L'Ardiaca“ (13.-15. Jh.). In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die Stiftskirche Santa Maria de la Seu und das romanische Königliche Krankenhaus (Hospital Real). Von hier hat man nicht nur die Gelegenheit die wunderschöne kunsthistorische Altstadt zu besichtigen, man kann sich auch auf den Weg machen, um die monumentale und imposante Burganlage „El Castillo de Xàtiva“ mit ihren vielen Türmen und Toren sowie die lange maurische Befestigungsmauer zu besichtigen.

 

Xàtiva, Das Herz der Region La Costera

 

Xàtiva (spanisch: Játiva) ist die Hauptstadt der Region La Costera und liegt ca. 55 km südlich von Valencia entfernt. Die sehenswürdige Stadt mit ihrer gigantischen Burganlage ist historisch gesehen wohl nach Valencia eine der bedeutendsten und monumentalsten Städte in der Provinz Valencia. Eine der Persönlichkeiten dieser Stadt ist der Maler José de Ribera („El Españoleto“), er wurde hier am 12. Januar 1591 geboren. Doch weltweit bekannt geworden ist Xàtiva als die Geburtsstadt von zwei spanischen Päpsten. Zunächst wurde ganz in der Nähe, in Canals, Alonso de Borja (italienisch: Borgia) geboren, als Papst Calixtus III. (1378-1458) brachte er viele Mitglieder seiner Familie von Spanien nach Rom. Darunter den wohl einflussreichsten und umstrittensten Rodrigo Borgia, er ist direkt hier in Xàtiva geboren. Als berühmter und berüchtigtster späterer Papst Alexander VI. (1431-1503) beeinflusste er nicht nur die Kirche in Rom, sondern auch die europäische Geschichte. Im 15. Jahrhundert erlangte die Familie der Borgias in Italien Macht und Reichtum und Besitz.

 

    Stiftskirche Santa Maria de la Seu                      Hospital Real, Xàtiva

 

Die phänomenale Geschichte von Xàtiva ist so eindrucksvoll und so umfangreich, dass man hier nur annähernd darauf hinweisen kann. Denn die einst im Süden der Konföderation der Krone Aragóns liegende Stadt hatte im Laufe von Jahrhunderten einiges erlebt. Kriege, Schlachten, Plünderungen, Brandschatzungen, Vertreibungen und Hunger. Auch von großen Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Erdbeben wurde die Stadt nicht verschont. Dramatisch wurde es ab dem Jahre 1609, nach der Vertreibung der Mauren, das Land erlitt eine schwere Krise. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) stand Xàtiva auf der gegnerischen Seite und unterstützte die österreichischen Habsburger. Da wurde die Stadt im Jahre 1707 von den Truppen der bourbonischen Könige brutal überrannt und gebrandschatzt. König Phillip V. de Borbón (spanisch Felipe V.) ließ die Stadt und Burg plündern, brennen und schleifen. Die einst prächtige Stadt verlor alles und des Weiteren auch ihre Privilegien. Der Name Xàtiva wurde in „Nueva Colonia de San Felipe“ geändert. Erst im Jahre 1811 erhielt Xàtiva durch das Parlament von Cádiz seinen ursprünglichen Namen zurück. Da sich die Bourbonen und das spanische Königshaus bis heute nicht entschuldigten, ließ man das Gemälde im Städtischen Museum „Almudín de Játiva“ mit dem Porträt von Philip V. auf den Kopf stellen.

 

                                Burgmauern auf dem Hügel El Castell, Xàtiva

 

Xàtiva und seine Burg „El Castillo de Xàtiva“

 

Wenn Reisende und Pilger die Stadt Xàtiva besuchen, fällt ihnen sofort aus der Ferne die Silhouette der riesigen Burganlage mit ihren Mauern auf. Am Berghang und am Fuße des Cerro del Castell schlängeln sich die alten maurischen Mauern immer höher den Berg hinauf. Die Stadt und die Burg haben viele verschiedene Epochen durchlebt. Aus alten Knochenfunden, die die Forscher in Höhlen fanden, geht hervor, dass vor 300000 Jahren Neandertaler in der „Cova Negra“, eine dunkle Höhle in der Nähe der Stadt, lebten. Aber auch vor der Eroberung der Römer existierte hier schon eine iberische Siedlung. Dann zogen die Karthager durch das Land, auf dem Weg nach Rom soll der Feldherr Hannibal mit seinen Elefanten in der Burg gelagert haben. Im 2. Punischen Krieg eroberte der römische General Cornelius Scipio die Stadt. Noch heute kann man Spuren aus der Römerzeit sehen. Mit den Westgoten wurde die Stadt Xàtiva Bischofssitz. Doch der größte Anteil dieser doch mächtigen Burganlage ist ohne Zweifel, den Arabern zuzuschreiben.  

 

                          Xàtiva                                                  Altstadt Xàtiva

 

In der Zeit der Rückeroberung und nach der Reconquista, wurden immer wieder bauliche Veränderungen und Erweiterungen durchgeführt, die noch bis heute einen gotischen Einfluss zeigen. Im 13. Jahrhundert wurde die Burg auch als Staatsgefängnis genutzt. Bekannte Persönlichkeiten aus dem spanischen Hochadel wurden hier gefangen gehalten. Die Burg ist heute ein beliebtes Ausflugsziel und Nationaldenkmal einer epochenreichen Stadt. Geht man zu Fuß zum Schloss und zur Burg hinauf, wird man von einem grandiosen Panorama-Blick auf die Stadt und ihre fantastische Umgebung belohnt. All die vielen kunsthistorischen Sehenswürdigkeiten Xàtivas mit seinen vielen historischen Kirchen, Klöstern und Palästen erzählen auf Schritt und Tritt über die geschichtliche Vergangenheit, das Leben und die Bräuche dieser einzigartigen Stadt und ihren Bewohnern. Die prächtigen Parkanlagen, wunderschönen Plätze, mittelalterlichen Gassen und romanische Brunnen und die vielen Cafés und Restaurants laden zum Bummeln und Verweilen ein.

 

   Ermita de San José y Santa Barbara                 Ermita San Feliú und Burg

 

Ich muss zugeben, dass ich für einige der vielen Sehenswürdigkeiten, die die Stadt Xàtiva zu bieten hat, nicht genügend Zeit hatte. Denn am nächsten Tag wollte ich meine Jakobustour auf dem Camino de Levante fortsetzen.  

 

Fazit: Ich bin mir ganz sicher, dass ich Xàtiva nicht das letzte Mal besucht habe. Bei meinem nächsten Besuch werde ich mir etwas mehr Zeit nehmen, um Versäumtes nachzuholen. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen und all denjenigen einen Lob aussprechen, die sich seit vielen Jahren die Mühe machen, den Jakobsweg oder die Pilgerwege in Spanien zu markieren. Ohne deren ehrenamtliche und freiwillige Unterstützung und persönlichen Einsatz, wären wir Pilger doch ein wenig wie hilflose Schafe, die sich schnell verirren würden.

 

Muchas Gracias mi Amigos i Buen Camino!

 

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Herne, Oktober 2014

 

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